Auf dem Weg von innen nach außen
und umgekehrt lässt sich nichts überfliegen.
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Freitag. Die >>>Vernissage im helberger 23 – ausstellungsraum war eine Überraschung. Die großzügig von der Fa. Helberger an die Ausstellungsmachermacher überlassenen Räume bieten eine riesige Fläche in der die unterschiedlichsten Bilder, Skulpturen und Installationen auf nicht gedrängte Weise miteinander ins Gespräch kommen. Ich war recht früh da und konnte, bevor Massen in die Galerie strömten, wie ein Dandy a la Baudelaire durch den Raum flanieren. Die eingezogenen Wände strukturierten den Raum, ohne ihn zu begrenzen. Eine helle, einladende, entspannende Offenheit versetzte mich in die Stimmung des Flaneurs, der durch die Halle wie durch benjaminsche Passagen spazierte. Das setzt die Lust am Staunen voraus. Und die hatte ich. Bis auf Wandinstallationen von >>>Deniz Alt, bei denen ich den Eindruck einer marktkonformen geometrischen „art deco“, obwohl handwerklich bewunderungswert gemacht, nicht loswurde, staunte der Laie in mir. Von den vielfältigen, kreativen Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler, die den Verlockungen des Marktes im helberger 23, mit bravour Widerstand leisten, war ich hellauf begeistert. Es würde im Moment zuviel Zeit beanspruchen auf einzelne Arbeiten näher einzugehen. Bewusste oder zufällige Korrespondenz und Abgrenzung, der dort ausgestellten Werke, erleichterten die ästhetische Rezeption und schufen eine sich daraus entwickelnde Kontemplation, die mich genießerisch Abstand wahren ließ.
Als gegen 22.00 Uhr die Räume sich endgültig füllten, floh ich die Menge und fuhr sichtlich angetörnt nach Haus. Die ganze Ausstellung ist ein Gesamtkunstwerk, das neugierig auf in Zukunft geplante Einzelprojekte macht.
Samstag: Der Junge hatte Geburtstag. Und wir, sie, ich und erstmalig meine Mutter, die quengelnd auf der Rückbank saß, machten uns auf den Weg nach G. um ihm zu gratulieren. Auf dem Schiffenberg, wir hatten im Restaurant 4 Plätze zu Mittag reservieren lassen, spielte ein professioneller Pianist im Kreuzgang der Klosterruine einen Mozart nach dem anderen. Offenbar übte er für ein Konzert. Ich jedenfalls genoss diesen wunderbaren Zufall, denn dass dort im Halbfreien immer ein Flügel steht, kann ich mir nicht vorstellen.
Sonntag: Sonntage sind, weil Montag droht, schlimmer als jeder normale Wochentag. Das Damoklesschwert kommenden Alltags macht misslaunig und konzentrationsunfähig. Ergo setzte ich mich aufs Rad und strampelte ca. 100 km meine leichte depressive Stimmung nieder.