[Arbeitswohnung, 7.25 Uhr
Lars Danielsson, >>>> Liberetto (2012)]
Weil ich nicht weinen wollte, gab ich‘s auf und wandte mich dem Ghostroman zu, bekam tatsächlich noch hin, was ich mir vorgenommen hatte, aber netbookshalber nicht mehr glaubte: bekam die Korrekturen in der neuen Contessasendung fertig. Allerdings fehlt noch eine neu zu schreibende Szene, über die ich mit meiner edlen Auftraggeberin nachher sprechen werde. Sie möchte von meiner schönen Erfindung zur, nun jà, Wahrheit zurück. Denn ganz die Wahrheit dürfen wir ja nicht erzählen.
Wir werden uns um 10.30 Uhr im Kempinski zum Frühstück treffen.
Der Tag will einen grauen Anzug.
Für den zweiten Latte macchiato ist mir die Milch ausgegangen.
Ich muß den neuen Vertrag noch unterzeichnen, dafür auf dem Weg zum Kempinski Halt im Kopierladen. (Sich angewöhnen, nicht ‚Copyshop‘ zu sagen, wenn wir doch ein eigenes Wort dafür haben. Nicht nachlässig werden! Ich will auch nicht ‚open‘ sagen, wenn ich ‚offen‘, besser noch ‚geöffnet‘ meine).
Die Kark-Jonas-Erzählung stockte computerhalber also wieder. Aber nachts kam hier noch eine SMS von M., dem Freund, an, der mir schon einige Male bei Computerproblemen geholfen hat. Er werde heute nachmittag vorbeischauen. Möglicherweise müssen wir das komplette System neu aufsetzen. Wirklich eingreifen ins nette Bückerl darf er nicht; andernfalls wäre mein Versicherungsschutz dahin. Oder ich laß es drauf ankommen. Notfalls muß ich mir ein ganz neues kaufen, dann hätte das „alte“ grad ein Jahr gehalten… Aber nicht das ist das Problem, sondern daß ich zu meinen Arbeitsgeräten sentimentale Beziehungen entwickle, jedesmal. Daß ich sie liebhab. Daß ich mit ihnen manchmal als mit vertrauten Freunden spreche. Daß ich denke, sie wissen, an welchem Unterfangen sie teilhaben, und daß sie sich dafür entschieden haben.
Nein, ich bin ganz und gar nicht frei vom Animismus. Aber rettet uns das nicht auch ein bißchen? Ich meine, wir gehen dann nicht so sorglos mit Dingen und Geschöpfen um. Daß sich die zwei Kätzchen gewehrt haben: nein, lieber Ecker, Ihre Zufriedenheit war alles andere als düster. Immerhin waren es Geschöpfe.
In zehn Minuten die Löwin wecken, dann schnell Milch besorgen. Zweiter Latte macchiato danach, kurz wieder an Kark-Jonas. Und aufs Radl zur Contessa.
„Geöffnet“. Nettes Gedaddel >>>> bei Facebook.