Dear Joseph (XXV), …

… eines jedoch ist sicher, auf Annie ist Verlass, sie meint was sie sagt, selbst wenn sie manchmal den Deckmantel des Scherzes darum legt. Ist dem ganzen Himmelszirkus in gewisser Weise auch nah gewachsen. Schiebt manchmal die Wolken beiseite, um zu schauen ob gerade wieder Jahrmarkt ist. Leider aber wirft sich ihre Witzmaschine immer dann mit Schwung an, wenn es ihr nicht gut geht oder sie müde ist. Sie ist ein Clown, Joseph. Und das ist manchmal auch traurig weil sie dadurch verschenkt, sich ihrer eigentlichen Empfindung entsprechend zu äußern.

Wir äußern uns immer. Aber sie kann natürlich nicht erwarten, dass ihr Gegenüber ein Übersetzungstalent ist und es auch versteht. Oft denkt sie, dass sie es in den Witz überführen muss, um den anderen nicht zu überlaufen, was ihr manchmal recht schnell passiert. Sie komme sich sonst vor wie eine Menschenfresserin. Oder anders ausgedrückt: eine Cyclopin. Eine, der man intravenös den Wirkstoff Cyclopin verpasst hat. Der sich ein drittes Auge auf der Stirn öffnet. Mit dem sie aber nicht richtig sehen kann, weil es doch zu sehr blendet und wehtut. Das sie sich zuhält während sie ruft: Bitte schließ´ es mir wieder! Schließ´ es, denn da ist nichts! Nichts und Niemand.

Sie hat Odysseus, was die Episode mit Polyphem betrifft, auch immer für ein Arschloch gehalten, Joseph. Von wegen Gastfreundschaft und so weiter. Das sei doch seine verdammte Insel gewesen. Und dass sie sich mit einer Cyclopin vergleicht, liegt auch daran, dass sie grobmotorisch ist. Und irgendwie stimmt es, weil ich sie, jedes Mal wenn sie traurig ist, breitschultrig und riesenhaft die Treppe hinaufsteigen sehe, um sich in ihr Regenzimmer zu begeben. Kommt mir dann vor wie Eine, die sich von der Leine gerissen hat. Am Rücken baumelt sie noch. Ich mag sie, mag diese Wesen sehr.

Deine Häsin.

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