Rossis zweite Begegnung mit der Lydierin. Briefe nach Triest, 62.

 

[Siebenunddreißigster Brief, Fortsetzung:]

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Kein Tag, Ersehnte, vergeht, ohne daß ich Dir schreibe. Manchmal braucht solch ein Brief aber zwei Tage, nur selten noch mehr. Doch Du erkennst die Wechsel an den Sternchen. Ob ich aber eine Fahrt nach Triest schon gebucht habe, verrate ich nicht, schon gar nicht, wenn, für wann. Nach jedem Brief aber brauche ich etwas Erholung, für, wie gesagt, wenigstens vierundzwanzig Stunden, also seit Lars mich nicht mehr beauftragt. Es ist da vielleicht eine Leere. Außerdem habe ich ein paar Tage lang vermutet, daß meine Erschöpfung von der Anstrengung rührt, diese Trauer zu füllen und zugleich eine gewisse Angst niederzudrücken, die sich aus dieser, wie ich früher leichtsinnig schrieb, Realitätskraft der Fiktionen ergibt; ich habe meine Helligkeit von früher nicht mehr. So daß ich mich manchmal fragen muß, ob Lars’ Erkrankung damit zu tun hat. War ich diesem schwierigen Mann tatsächlich derart nah? Es kann aber ebensogut, also -schlecht, am Älterwerden liegen, an etwas mithin, das mich Lars jetzt voraussein läßt.
Seltsamer Gedanke. Ich muß ihn dennoch weiterspinnen. Ist er jetzt ein männlicher Sídhe, einer, der mich besetzt hat? Nein, das ist Unfug, sonst hätt ich bei meiner Begegnung mit der Lydierin – mit, meine ich, ihrer Sídhe – nicht plötzlich solch eine Panik gehabt. Aus der mich allein, daß Du hinzugekommen bist, gerettet hat; Du weißt schon, vor der Haustür der Giacomo di Monte 2. Als Du mich für Jan Rossi hieltst, aber die Lydierin es nicht tat. Genau, ich wollte ja erzählen, wie es mit ihr und ihm, Jan, nach der ersten Begegnung weiterging. Davon zu berichten, wird mich aus meiner Bedrückung holen. Wenn ich erzähle, bin ich daheim.
Er sah sie also auf der Terrasse des TOMMASEOs sitzen und gab sich einen Ruck.
„Wir sind einander schon begegnet.‟ Was stimmte, es war dies eine banale Anmache nicht. Das ließ ihn rundum seriös wirken, trotz seiner etwas abenteuerlichen Jünglingskleidung. Nur daß die Lydierin erst keine Lust auf neue Bekanntschaften hatte, aus, je nach den Versionen unserer Erzählung, sehr verschiedenen Gründen. Nach der menschlichen, in der sie und Zoë mit Jessir und Lenz als Patchworkfamilie leben, weil für noch einen Mann nun wirklich kein Platz mehr ist; nach der anderen, weil Lenzens Tod sie noch zu sehr beschäftigt, was wiederum sie sich hat Jessir wieder anschmiegen lassen, und schon ihrer Tochter wegen will sie diese mehr oder minder Harmonie nicht gefährden. Noch war Lenz freilich nicht tot, in dieser nunmehr dritten Version; denn darin stürzt er vor den Treppenstufen erst, nachdem die Venus aus dem Hafenbecken stieg, freilich in derselben Nacht. Doch ist es ungewiß, ob es schon bekannt ist. Wir wissen ja nicht, wie viele Tage seit der Lydierin und Jans erster Begegnung vergangen sind; außerdem, wäre Lenz schon aufgefunden worden, hätte IL PICCOLO ganz gewiß von der Wiederentdeckung der Venere di Carsomare berichtet. Es konnte aber ebenso sein, daß die Lydierin, ganz wie zum Beispiel Judith, prinzipiell Abstand von Männern genommen hat, weil ihr die Selbstbestimmung zu wichtig war, also jenseits ihrer Mutterschaft einfach Raum zu haben für sich allein. Wir können sagen, sie habe ihre Symbiontin fast schon erdrückt. Was ihr wirklich Freiheit gab. Sie nun ausschließlich entschied für sich. Außer Zoë und den Notwendigkeiten ihres Berufs hatte niemand und nichts einen Anspruch mehr, und unter Auftragsmangel konnte sie nicht klagen. An den fast-Zusammenprall erinnerte sich aber die Sídhe allzugut, und sozusagen wachte sie auf. Was der Lydierin Abwehr ein wenig unglaubwürdig wirken und Jan deshalb hartnäckig bleiben ließ. Er ging sogar in die Vollen: „Sie werden es nicht glauben, aber ich habe Sie tatsächlich da ins Wasser springen sehen.‟ Er streckte den linken Arm Richtung Pier aus. „Ja, ich weiß, es ist verrückt, war einfach nur eine Vision. In der aber sah ich Sie …‟ „Wie, ins Wasser springen?‟ So daß Jan tatsächlich alles erzählte. Nur die pikanten Einzelheiten ließ er besser aus. Doch es gelang ihm nicht, denn die Frau fragte nach: „Mit allen Klamotten?‟ Als er herumstockte, mußte sie lachen. „Ich werde doch wohl die Unterwäsche anbehalten haben?‟ Auch vor i h r füllte ein sibernrundes Tablett die Platte des Tisches fast ganz aus. Als sie Jans verlegenen Blick auf das Gedeck bemerkte – sie hatte die cicheti fast nicht angerührt –, rief sie leise auflachend aus: „Nun setzen Sie sich meinetwegen, Sie machen den Eindruck, hungrig zu sein. – Was trinken Sie? Ich lade Sie ein. Nein, keinen Widerspruch bitte.‟ Die Färbung ihres Apérol Spritz paßte geradezu vernichtend auf seinen wie stets Friaulan. Ohne seinen Eindruck zu erklären, sagte Jan gleichsam hilflos: „Ob wir noch weitere Gemeinsamkeiten haben?‟ „Oh, auch Sie springen gern ins Hafenbecken nackt?‟ „Nur bei Tag, nicht am Abend.‟ „Ah, jetzt verstehe ich, weshalb Sie mir nicht nachgesprungen sind.‟ „Das hatte einen anderen Grund.‟ „Nämlich?‟ „Als ich den Pier erreichte, waren Sie schon untergetaucht.‟ „Und haben meine Kleidung einfach da liegenlassen? Wie uncharmant!‟ „Ich hätte nicht gewollt, daß Sie am Ende Ihres Schwimmausflugs nichts mehr anzuziehen haben.‟ „Ein Cavaliere hätte die Kleidung b e w a c h t.‟ „Sie haben recht. Verzeihen Sie. Die Dessous waren dann auch weg.‟ Sie hob eine Braue. „Dessous?‟ „Aubade.‟ Was er nur wissen kann, weil er, ohne das zu wissen, nur mein literarischer Stellvertreter, also meine Fiktion ist. Doch das bislang noch etwas verschlafene Interesse der Symbiontin stand unversehens in Feuer; sie loderte, die Sídhe, der Lydierin aus den Augen. Was die reale Frau einigermaßen in eine scheinbar durch sie selbst bewirkte Bedrängnis brachte. Lecker sei er ja schon, mußte sie befinden und warf auf seine Finger einen Blick, ob da ein Ehering …. – Keiner. Nun gut. Nur war ja auch sie nicht verheiratet und lebte dennoch als Paar oder in dem Patchwork. Andererseits, Jessir war mal wieder auf Reisen, Zoë längst Teenager, und Lenz eremitete wie seit je vor sich hin. Zeit hätte sie heut abend schon. „Und womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie grad mal nicht spannen?‟ „Ich bitte Sie, das habe ich nicht! Also gespannt. Ich habe nur nicht weggucken können.‟ „Scusi, ich meinte es nicht so. Wirklich nicht. Ihre Geschichte ist halt nur etwas bizarr.‟ „Ich habe einen Jazzclub.‟ „Oh, ein Freund von mir liebt Jazz!‟ „Dann lassen Sie uns uns doch treffen. Ja, gerne auch zu dritt. Bringen Sie ihn mit.‟ „Wahrscheinlich kennt er Ihren Club?‟ „Das mag sein. Gibt ja nicht so viele.‟ Da legte die Lydierin ihre Sídhe wieder an die Leine. Nichts überstürzen. Und deshalb: „Morgen abend?‟ „Da findet aber kein Konzert statt, nur der übliche Barverkehr.‟ „Vielleicht ganz gut so. Und ich bringe Pietro mit.‟ Jan erhob sich. Auf ihren irritierten Blick: „Nein, nein, ich habe Sie lange genug belästigt.‟ „Aber woher wissen Sie ‚Aubade‛?‟ Was sollte er da antworten? Wenn er noch nachgesetzt hätte, was ihm spontan einfiel, nämlich Sensory illlusion, wovon er aber doch keine Vorstellung hatte, er wäre erst recht in die Klemme geraten. „Ich habe geraten‟, gab er, und zwar eben deshalb, zur Auskunft. So sagte sie es: „Sensory illusion.‟ „Bitte?‟ „Das Modell. Und es stimmt. Ich kann den Zweiteiler seit neulich abend nicht mehr finden, weiß einfach nicht, wo ich ihn abgelegt habe. Seltsam, oder? Denn daß ich nicht nackt in ein zumal derart verschmutztes Hafenbecken springe, müßte Ihnen eigentlich klar sein. – Wir sehn uns dann morgen Abend. Aber darf ich noch nach Ihrem Namen fragen?‟ „Jan. Wenn Ihnen das zu unbequem ist, dürfen Sie auch Andrea sagen. Mein zweiter Vorname.‟ Das kam ihr entgegen. Noch ein Crucco[1]Seit dem Ersten Weltkrieg (nord)italienisches Spottwort für “Deutscher”; abgeleitet aus dem Kroatischen, “cruch” = “Brot”, um das die Gefangenen bettelten.
wäre ihr zuviel gewesen, schon weil das croce drin mitschwang. „Via dei Cavazzeni 10A‟, erklärte noch Jan. „Geht hoch von der Cavani ab.‟ „Wo der Grieche ist?‟ „Um die Ecke, ja. Quasi gegenüber dem Albergo James Joyce[2]Dort..‟

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Briefe nach Triest 63
Briefe nach Triest 61

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References

References
1 Seit dem Ersten Weltkrieg (nord)italienisches Spottwort für “Deutscher”; abgeleitet aus dem Kroatischen, “cruch” = “Brot”, um das die Gefangenen bettelten.
2 Dort.

Begegnung mit einem Säugling. Im Arbeitsjournal des Donnerstags, den 10 November 2022. Worin von der Auflösung eines Knotens, und eben deshalb, ganz ebenfalls berichtet wird, ein bißchen auch von einer Nacht, und am Abend wird es zu ACT gehn.

[Arbeitswohung, 7.01 Uhr
Leidenschaftlicher Amselsang.]
Hendrik Jackson, seine Frau und ich saßen vorm Sigismondo. Sie und das Kind waren gerade hinzugekommen, drinnen hatte ich Ingo Držečnik, meinen Elfenbein-Verleger, angetroffen, dessen Stammcafé dieser angenehme Ort ist, an dem weit und breit der beste Espresso zu bekommen ist (abgesehen selbstverständlich von dem bei mir selbst mit der Pavoni zubereiteten). Er, Držečnik, war fast schon im Aufbruch, und a l s er aufbrach und herauskam, stellte er sich noch auf ein paar Worte zu uns. Schon schritt er weg, und Lynn starrte mich an und starrte mich an. Nein, “starrte” ist falsch, der Säugling musterte mich, musterte und musterte. Ich kam mir wie auf dem Prüfstand vor oder wie ein Schwarzer, der in eine so abgeschiedene Indiowelt gefallen, daß selbst die K u n d e von andren Ethnien dorthin nie gelangt ist. “Das habe ich noch nie erlebt”, sagte Jackson, und seine Frau mutmaßte, es liege an meiner Pfeife womöglich. Das Baby, vor lauter … ja, skeptischer Neugier ignorierte beinah die ihm gebotene Brust, dabei hatte es nach ihr geweint. Doch trank mal einzwei Schlucke, schaute schon abermals musternd zu mir, streng, ließe sich sagen. Das ging so über Minuten.
Ich tendiere nicht dazu, in angeblich Säuglingssprache zu verfallen, “Dududu” zu brabbeln, oder “Kudelluddelkuddel” und was dergleichen mehr ist; das war bei meinen eigenen Kindern schon so. Ich rede mit ihnen wie mit Erwachsenen, nicht in komplizierten Sätzen, nein, aber in klaren. Also versuchte ich erst gar nicht, die Skepsis des Säuglings wegzualbern, setzte mich aus, sah stets zurück. Es war wie die Musterung eines, der sein Gesicht nicht maskiert. Erst ein gedrungen randalierender, weil motorisierter Straßenkehrerwagen der BSR, der die Kopenhagener entlang das Laub vom Fahrdamm wegrotierte, riß nicht, aber zog die Aufmerksamkeit des Kleinen von mir ab.

Es war eine lange Nacht gewesen vorher, mit Broßmann. Eine gute Nacht, in der wir selbstverständlich auch wieder über Gender und Queer und dergleichen redeten, diesmal ohne uns leis in die Haare zu kriegen; und über den → Krieg selbstverständlich — aber dann auch Musik hörten, Carl Loewes der schubertschen weit überlegene Vertonung des Erlkönigs in der Interpretation Christoph Prégardiens, Schoecks geradezu geniale, aber aufs Wort konzentriert geniale, nicht etwa auftrumpfende Neuvertonung des claudiusschen Der Mond ist aufgegangen, ganz ebenso von Juliane Banse gesungen, die uns mit einer der innigsten, in ihren Höhen geradezu engelhaft-fragilen Sopranstimme beschenkt, vorher das wunderbare Last Spring von Kraggerud & Wesseltoft und die Evergreen-Improvisationen (weil ich schon mal bei Engeln bin) Everybody loves Angels von wieder Wesseltoft, hier indes mit Bugge. Da hatten wir bereits zwei Flaschen Wein und vorher einen Cocktail intus. Der Freund dürfte, nach anderthalb weiteren gemeinsamen Flaschen Weins, nicht vor halb drei zuhause gewesen sein, und ich, ich verschlief.
So hatte der Tag denn schon einen, ich sage mal “queren” (nicht “queeren”) Einstieg. “Doch doch”, sagte ich zu Jackson, als wir noch spazieren gingen, “das i s t schon eine Art Alkoholismus, ich mache mir nichts vor.” Meinen Abendwein getrunken habe ich immer, aber mit der Pandemie sei das … ich weiß nicht mehr, welches Wort ich verwendete; im Moment scheint mir “angeschwollen” passend zu sein. Aber ich war auch genervt gewesen, bevor Broßmann kam. Meine dem THETIS-Vorspiel folgende Sprechaufnahme des ersten Romankapitels war mir gehörig danebengegangen, viel zu baßlastig — worüber ich mir aber erst klargeworden war, nachdem ich das recht lange Tonfile über den ganzen Tag hinweg geschnitten hatte. Was mich wiederum davon abgehalten, endlich, endlich an die letzten zweieinhalb Briefe des Triestromans zu gehen. Seit meiner Rückkehr aus Triest und Wien folgte eine Fluchtbewegung auf die andere. Ich kam einfach nicht rein, spürte sogar einen Un-, ja Widerwillen, dem ich nur durch allerlei Nebenzeugs keine Luft ließ, das angeblich wichtiger sei. Wie finden Sie, liebste Freundin, den angemessenen Ton wieder, wenn Sie subkutan etwas quält? – Gut, das Wort ist zu groß, ich muß ja nur hinüber in die Ukraine schauen; dagegen ist mein eigenes Leid, zumal allenfalls psychisch, nicht einmal seinen Begriff wert.
Ob das Baby davon etwas spürte, das sich gerade entfaltende Leben von einem, das seine alternden Flügel zurück um den Leib nimmt? Und will bereits etwas erfahren? Wenn ich zurückfühle, war mein Blick in das Säuglingsgesicht von gar nicht sehr anders gerarteter Neugier, wenn auch ohne Skepsis. Weshalb fiel mir ausgerechnet in diesem nicht Blicktausch, nein, Ineinanderblicken Jacksons Vermutung ein, daß die großen konservativen Dichter imgrunde ihre tiefe Verzweiflung Kunst werden ließen? Gibt es Kinder, die schon ahnen mit der Geburt? Und tragen es dann mit sich und werden einen Weg finden müssen, es sich – vielleicht sogar uns – lebbar zu machen? Ich hatte im Thälmannpark, den wir, der nun abermals junge Vater mit ich, causierend durchschweiften, bemerkt und ihm auch gesagt, wie sehr sein Eindruck auf meine These der perversen Bewegung aller Kunst passe oder diese auf jenen; Sie wissen, Freundin, was ich meine.

Jedenfalls, ich war viel zu spät aufgestanden, erst um halb acht, hatte dann lange im Bad verbracht; einzukaufen war gewesen, Briefe zu schreiben danach; nun noch einmal in das mißlungene Tonfile hineinhören und mir bestätigen, ja, mißlungen. Zwei Tage Arbeit pfutsch. Die Triestdatei geöffnet, hineingelesen, überlegt. Der Widerwille zwar war schon weg, aber ich hatte keine Idee. Wie schließe ich nun an? Dann hatte ich die Idee, aber bekam sie nicht “aufs Papier” (: hätte ich beinah jetzt ohne die Anführungszeichen geschrieben) … — da kam der Anruf. “Hättest du jetzt Zeit? Ich weiß, wo wir essen gehen könnten. Aber laß uns davor etwas spazieren.”
Dazu bot sich der Tag doch auch an! Ohnedies hatte ich in mein Tattoostudio gehen wollen, um zu erfahren, was mich → die projektierte Erweiterung kosten werde, auch wenn ich, egal, wie hoch die Summe sein wird, grad nicht weiß, woher das Geld zu nehmen. – Ja, der Tag bot sich an. Es ist der erste Novembermonat meines Lebens, dem es gelingt, sich als Frühling zu geben. Für mich selbst wäre ein mediterranes Berlin der Himmel, doch die Hölle für die Welt. Womit ich zurück im Karst wäre, über Triest, und bei den Sagen und Legenden, wie er entstanden. Dazu aber ein andermal.

Ich kam in die Arbeitswohnung zurück. Und legte mich schlafen. Stand erst um halb vier wieder auf. An sich ist solch ein Tag dann gelaufen. War er ja sówieso schon. Aber. Ich schaute nach Mails, dann in die Triestbriefe. Tippte einen Satz lang die Idee hinein, die ich morgens gehabt. Tippte den folgenden Satz. Konnte das angehn? Ich tippte noch einen, wurde nervös, brauche einen Espresso! An die Pavoni. Während sie das Wasser erhitzt, die Bohnen mahlen, das Kaffeemehl in den Siebträger geben, festtampern.
Mit dem gefüllten Täßchen, in dem der Zucker auf der Crema fast eine halbe Minute lang lag, ohne unterzutauchen, zurück an den Schreibtisch. Und bis halb neun abends durchgeschrieben. Der Knoten war, nein, nicht “geplatzt”, sondern die Schlingen, die sich so sehr festgezogen, fielen wie von selbst auseinander. Ein solches Glück! Bevor ich mein Abendessen bereitete (Reste von gestern aufwärmen, dazu Köfte, die ich vor Wochen eingefroren haben muß), an meine Lektorin eine Nachricht signalt:


Und werde sofort weiterschreiben können und will es, werde es. – Mittags dann, solange die Sonne noch scheint, ins Tattoostudio, um meine Frage zu stellen, auch, ob Elena es auch kann, direkt auf Venen tätowieren? – Die perverse Bewegung der Kunst. Auf den Krebs wie auf die Verzweiflung der konservativen Dichter reagieren, nur halt am Körper, wo sie ja ist oder war. Und mir fiel gestern abend noch ein, daß eigentlich dieses Unternehmen mit ins → Krebstagebuch gehört, drin aufgenommen werden müßte, sowie ich endlich in Aqaba gewesen. O nur wenig Karl May ist in mir. Ich muß an den Orten gewesen sein, von denen ich schreibe. Es sei denn, daß sie imaginär sind. Was allerdings ein jeder Ort zu einem Teil ist. Wiederum dazu der Verdacht, es habe, daß der Knoten sich löste, nicht nur mit dem Broßmannabend und seiner Musik und nicht nur mit dem Jacksongespräch, sondern ganz besonders mit diesem skeptischen Blick des Babys zu tun, als hätte es, während es, hätte Lynn, während er mich beschaute, dies gar nicht skeptisch getan, sondern darüber verwundert, daß ich etwas, das mir derart wichtig, immer wieder hinausschob: “Wieso, wieso zauderst du so?” Nein, nicht mich ansprechend, sondern sich selbst: “Wieso zaudert der Mann so?” Und hat die Antwort in meinem Gesicht gesucht. Die Tabakspfeife war nur der Vorwand, es mir weniger schwer zu machen. Dann kam der Wagen der BSR und ließ die rotierenden Besen das Laub von der Wahrheit fegen.

Ihr ANH

P.S.: Heute abend aber, und morgen, geh ich zu ACT in die Phiharmonie. Sie werden in der kommenden Woche → bei Faust drüber lesen. Ob wohl auch Sie noch → Karten bekommen?

Immerhin fand ich denn doch – als Arbeitsjournal des Dienstags, den 20. September 2022 – in die Arbeit.

Wenn auch, wie mir vorgenommen, “nur” mit erster Durchsicht sämtlicher Notatate, immerhin fünfzehn zweispaltige Seiten in 10erPunktSchrift, wobei ich allerdings auf Seite 10 einhielt, als es an die Aufzeichnungen zur Triestreise ging. Damit wird es gleich weitergehen, wenn die beiden jungen Handwerkerherren, die meinen Wasserboiler austauschen werden – womit sie soeben beschäftig sind -, ihre Arbeit zuende gebracht haben werden. Ich meinerseits werde diese Zeit nutzen, um mal wieder mein Instagram zu versorgen – dem Anraten meines Sohnes folgend, mit “Stories”. Im übrigen gab es gestern einen mich überraschenden, fast sogar ein bißchen überrumpelnden Anruf, der → das Geschehen des Sonntagmorgens … nein, nicht aus der Welt räumen, da ist es ja nun drin, sondern erklären wollte. Was zwar allenfalls ansatzweise passierte, aber die Tür lehnte immerhin nur noch an und wurde vermittels noch folgender Whatsappbotschaften zentimeterweise weitergeöffnet. Jetzt braucht es, glaube ich, noch etwas Ruhe und Abstand, dann werden auch meine inneren Wogen wieder einen Pazifik glätten, wie er zur Zeit Magellans ihn begrüßte, so daß er ihm diesen Namensgebung gab. (Es hat ihm freilich nicht viel genützt, brach er doch selber, mit Waffen, den Frieden und kam denn durch Waffen auch um.)

Also die Notate. Folgende fügt sich wunderbar in eines der schon niedergeschriebenen Romanmotive ein:

Hexen haben eine besondere Vorliebe für die Tage, die der Aberglaube als schändlich be­zeichnet, näm­lich Dienstag und Frei­tag. Und in ihnen fühlen sie sich in der Stimmung, unter den Männern den Ver­liebten zu suchen. Und sie führen sie in Ver­suchung. Und so wie die Welt der Sterblichen sehr vielfältig ist, so gibt es auch Menschen, die es wagen, mit He­xen Bekanntschaft zu machen. Man nennt sie Cavalcantes, weil sie, nach­dem sie sich mit den Hexen verbündet haben, in ei­nem teuflischen Wirbelwind mit ihnen durch die Luft reiten. Jeder Cavalcante ist mit Feuer mar­kiert. Auf seiner linken Schulter trägt er den Auf­druck eines Hufeisens.
(Übersetzt aus Pinio Gudi,Storie e legende del Carso)

Im Roman gibt es eine Stelle, in der eine der Hauptpersonen eine Karlsruhe Nacht mit einer nicht ganz geheuren Frau verbringt, die ihn morgens heftig in die linke Schulter beißt. Ganz woanders entdeckt eine aber auf dem Triester Karst am Rand des Rosandra-Naturschutzresservats lebende  sozusagen Parallelfigur genau diesen Biß an seiner eigenen linken Schulter. Diese Szene muß ich nun nur noch dahin ändern, daß die Bißwunde die Umrisse eines Hufeisens zeigt, und schon habe ich eine Karstlegende in den Roman eingefügt. Was ich selbstverständlich nur Ihnen, Freundin, und alleine hier erkläre. Im Roman wird es Anspielung bleiben, aber Lenz (diese zweite Figur) fortan immer mal wieder “Cavalcante” genannt werden. Ebenso vortrefflich fügt sich in die Karstszenen ein, daß Scipio Slataper diese Landschaft einen versteinerten Schrei genannt hat und des weiteren davon spricht, sie es gar nicht, Landschaft, sondern ein Zustand. Das geht mit dem sich geradezu eremitär zurückgezogenen Lenz exakt zusammen.
Für Triest wiederum, wohin der Karst hinabfällt, und dieser Stadt Bewohner gibt es ähnliche Nähen, etwa der Sídhe zu – ausgerechnet! – James Joyce, wenn wir nämlich →ihre Moto Guzzi V7 an die Stelle des Pferdes seiner geliebten, so sehr noch jungen Schülerin setzen:

The Lady goes apace, apace, apace … […] Pure air and silence on the upland road: and hoofs. A Girl on horseback. Hedda! Hedda Gabler!
(James Joyce, Giacomo Joyce)

Selbstverständlich, auch wenn kaum jemand es merken wird, werde ich hier Parallelen ziehen. Dazu, abermals Lenz – dem meine, merke ich gerade, Empathie weit mehr gilt als dem “eigentlichen” Protagonisten, Lars -, dennoch durch diesen (in seinem ersten Bratschenkonzert) Anspielung auf Hindemiths → “Schwanendreher“, als solchen er sich selbst sah, nämlich als heimatlosen Spielmann, was aber Lenz sehr viel mehr ist, indem er es lebt – indessen es sich Lars bei aller Liebestrauer doch recht kommod gemacht hat.

Also wenn ich mir dies alles so anschaue, ist eigentlich deutlich, daß sich mein Sonntagmorgensimpuls, die Arbeit an den Triestbriefen einzustellen oder wenigstens erst einmal ruhen zu lassen, längst schon selbst gelöscht hat. Ich bin mir nur noch unsicher, ob ich jetzt erst einmal die beiden noch fehlenden Briefe schreibe oder tatsächlich schon beginne, nämlich ohne sie, die Erste Fassung des Typoskriptes zur Zweiten umzuformen. Es wird sich einiges doch sehr ändern; vielleicht wäre der Text dann eine bessere Vorlage, ihn zuendezuschreiben.

Ihr ANH
[Arbeitswohnung, 12.45 Uhr]

(Die Handwerker sind immer noch da.)

“Nie ein Teil davon zu sein”: Zurück. ||| Das trauernde Arbeitsjournal des Montags, den 19. September 2022. Auch als Briefe nach Triest, 62.

[Arbeitswohnung, 9.07 Uhr
Hans Werner Henze, Ode an den Westwind (1953)]
Es war einer der für mich schlimmsten, schmerzhaftesten Vormittage, derer ich mich entsinnen kann. Gestern, am Sonntag, den 18. September 2022, einen Tag vor dem, der mir wäre ein  Jubeltag gewesen. Weshalb es gestern so schmerzhaft war, möchte ich nicht erzählen, nur, daß ich vor fast panischer Nervosität nur noch auf- und ablief, hospitalisiert gleichsam hinter den tausenden Stäben, doch die Welt eben wenn nicht im Blick, so doch in meinem gradezu grellen Bewußtsein; sie war noch da, dahinter, aber ließ mich nicht mehr in sie hinein. Dann mußte ich wirklich aufbrechen zur SBahn, mit der dann weiter nach Meidling zum Zug. Besser, noch einmal auf die Toilette. In meiner panischen Hektik drehte ich mich einmal ungelenk herum, es war eng, und schlug mit dem linken Arm derart heftig gegen ich-weiß-nicht-was, daß meine geliebte wunderschöne Girard-Perregaux zersprang — was ich aber erst in dem Örtchen merkte, als ich das Schutzglas zu berühren meinte, es tatsächlich aber das Ziffernblatt war. Und der feine goldene Sekundenzeiger fehlte. Dennoch, der andre Schmerz war größer, dieser, der zweite, jetzt eigentlich nur noch seine nicht mehr symbolische  Materialisierung. Wir krochen nachher, mein Verleger und ich, am Boden herum und suchten. Das Schutzglas lag da, auch die goldene Innenblende. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ich den Zeiger mit allem, was hinuntergespült werden auch sollte, hinuntergespült habe. So ist die Uhr nun in Wien verblieben, um zu meinem Uhrmacher gebracht zu werden, den ich zwei Tage vorher längst aufgesucht hatte, weil eine Geringfügigkeit zu justieren war, und der die Uhr ganz nebenbei so sehr auf neuen Hochglanz gebracht hatte, daß ich sie dauernd anschauen mußte. Ohne zu wissen, daß es ein quasi Abschied war, wenn auch da noch eben nur symbolisch. Und noch am SBahnhof Mitte ging ich minutenlang wartend auf und auf, bis ich mich endlich zusammenriß und eine frühere Bahn als geplant nahm. Schließlich im ICE – ein Segen, daß ich reserviert hatte – brachte ich es zwar fertig, meine noch nicht in die Datei überführten Triestnotate in sie zu übertragen, aber alles dieses mechanisch. Denn ich fing an, das gesamte Romanprojekt zu bezweifeln. Dabei war selbst meine Lektorin wie aufgerührt von dem gewesen, was ich ihr in unseren drei Tagen daraus vorgelesen hatte. Nahezu alle, denen ich vorlas, sind es, mein Verleger auch. Aber mit einem Mal war das Buch sinnlos geworden. So geht es mir noch jetzt. Wie ich nun die letzten beiden zu verfassenden Briefe noch schreiben soll, weiß ich nicht. Momentan ist es mir nicht möglich. Was ich könnte, wäre, aber auch das eher mechanisch, die bisher stehende Erste Fassung bereits zur Zweiten insofern ergänzen, als ich die Notate nun nach und nach einbaue, neue Übergänge schaffe, die Orte mit meinen Erlebnissen abgleiche usw., dieses alles ja. Und später dann, wenn damit fertig, die beiden noch fehlenden Briefe ergänzen. Nur daß ich gerade nicht mehr weiß, wozu.
Das Geschehen, das ich Ihnen, Freundin, nicht erzählen möchte – oder soviel vielleicht  doch, daß ich es als einen tiefen Vertrauensbruch empfinde, ja als menschlichen Verrat -, war um so schlimmer, als insgesamt wundervolle Tage vorhergegangen waren, pralle, lebensfrohe, ja begeisterte voller Ideen, in denen auch die Triester Erfahrungen nachschwangen. Nun war es, als würde ich bestraft für sie werden. Wie in büßender Trance trat ich an die zwölf Stunden später in meine Arbeitswohnung ein. Was mir half, war allein, daß als Rezensionsexemplar im Briefkasten diese CD lag, die ich gerade höre, nämlich Henzes Musiken für Violoncello und Orchester. Und ich w e r d e sie besprechen, vielleicht noch heute, wenn ich doch sowieso an den Roman nicht gehen mag, nicht gehen kann. – Lieferbar wird sie ab dem 14. Oktober sein; sie ist noch nicht einmal auf Berlin Classics Website annonciert.

Sie werden, Freundin, verstehen, wenn ich jetzt noch nicht, obwohl ich es vorhatte, von meiner Triestreise erzählen kann, nicht nur nicht mag. Da muß erst dieser Schatten weg, der seit gestern morgen drüberliegt. Aber vielleicht kann ich zumindest ein Notat zitieren, das ich als quasi Briefentwurf für meine Lektorin in der kleinen, mir vom Arco-Verleger empfohlenen “Degusteria” km 0 in mein Notizbücherl geschrieben habe, wobei ich – weil es, hätte ich ihn abgesendet, ein Privatbrief gewesen wäre – Klarnamen hier umerfinde. Und merke unvermittelt wieder, wie gut es mir tut, die Trauer auszu… — nein, mir m e i n e Trauer auszuschreiben:

(Settembre 9, sera)
[1]Nur zur Erläuterung. Wenn im Notizbücherl Seiten durchgestrichen sind, bedeutet das, die Texte seien bereits in die zugehörige Datei übertragen worden. Erst danach, in aller Regel, erfolgt die … Continue reading

Was ich gerade erlebe, habe ich erst ein­mal zuvor erlebt – als ich damals „Meere‟ schrieb. Ich bin völlig allein, es schnürt mir die Luft weg; zugleich bin ich in rasender Gesellschaft meiner „Figuren‟. Sie sprechen zu mir, wider­sprechen oder geben mir recht – doch alles ganz von oben herab. Indessen begründet. Ich darf nicht einmal ihre Wohn­orte aussuchen, alles tun sie selbst, einfach, weil ich genau sein will und muß. Die Sídhe wohnt jetzt dort (→ Bild) schon we­gen des Caffès San Marco gleich unten nebenan ( Bilder). Für mich selbst heißt das, ganze schon fertig gewesene Strukturen noch ein­mal (fast) völlig umzuwerfen. Und aber wer mir hel­fen könnte, hält sich – aus nachvoll­ziehbaren Gründen – zu mir in Distanz. Mit sowas muß man(n) leben können. Unterm Strich bleibt eine insofern eigenartige, aber schwere Einsamkeit, als ich ja ständig in Ge­sprächen bin – aber eben mit Figuren. Wenn die bei einem schlafen, ist da keine Wärme und kein Pulsen der Haut. Dies ist wohl das einsamste, den Rest eines Lebens allei­ne zu schlafen und allein aufwachen zu müssen. Was ich tu und arbeite weiter an dem Ro­man. Der nicht tut, was ich will, sondern mir vor­schreibt, was sein Interesse ist. Für mich ein ziemlich wilder Spagat. Bislang habe ich aber al­les „gepackt‟. – Helmut gestern in Skype: Er habe meine Pläne gesehen und nur gedacht, “unmög­lich, sowas zu schaffen. Niemals!” Ihm mache das eine ‚riesen‛ Angst. – Mir auch. Nur daß er auf die Angst hört und es nicht angeht, indes ich es da erst recht tu. (Das ist meine Verbindung zu Jessir, dem Kriegsberichtfotografen. Wir sind uns nah. Nur deshalb darf ich – ethisch Mariannes Geschichte verwenden und die ihres einstigen Partners. Wie Corinnas davor.) | Ich sitze hier und denke: Gleich breche ich zusam­men. Aber das werde ich nicht, sondern erfüllen, was ich mir vorge­nommen habe. Es gibt in mei­nem Leben für Schwächen keinen Platz; ich könnte denn meine Arbeit nicht zuendebringen.
Kopfhaut (wenn Haar darüber) ist
nie braun, sondern immer hell. (Bei Wei­ßen).
Immer noch in diesem „Risto­rante‟:
Die Menschen sind ein Zusammen­hang. Was aber, wenn jemand in keinen ge­hört? Ich gucke es mir an und finde es so toll – doch kann daran nicht teilnehmen. (Ich fühle keinen Neid, nur Zunei­gung, aber auch, nie ein Teil davon zu sein.)

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Daß die russische Übersetzung des Traumschiffs, Корабль-грёза, jetzt erschienen ist, wissen Sie → seit vorgestern und ahnen, denke ich, meine Ambivalenz, die vor allem darin besteht, mich freuen zu wollen, es aber angesichts des Krieges nicht zu können. Was gegenüber Tatiana Baskakova ein fast schreiendes Unrecht ist, zumal sie von allem Anfang an eine entschiedene Gegnerin Putins war und es nach wie vor ist. Ich kann wirklich nur Abbitte leisten und innig auf Zeiten hoffen, die es wieder möglich machen, stolz darauf zu sein, in Vladimir Nabokovs bis zu seinem Tod geliebte Muttersprache übersetzt worden zu sein — und mit welcher poetischen Akribie! Allein die fast einhundert zusätzlichen Seiten Kommentar sind eine Ehrung. Und dennoch, dennoch, dennoch. Dagegen an will ich aber doch wenigstens die Würde zeigen, das Buch auch zu annoncieren, selbst wenn ein befreundeter Kollege mich schon vor Wochen gewarnt hat: “Wenn du das tust, warte nur, wie schnell sie dich einen Putinfreund nennen werden.” Habe ich je aus egoistischen “Karriere”gründen besser mal den Mund gehalten? Nein. Es soll sich auch nicht ändern:


Ihr ANH

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References

References
1 Nur zur Erläuterung. Wenn im Notizbücherl Seiten durchgestrichen sind, bedeutet das, die Texte seien bereits in die zugehörige Datei übertragen worden. Erst danach, in aller Regel, erfolgt die Einbettung in das Typoskript. Wobei ich während der Übertragung aus der Handschrift meist schon umformuliere und/oder aus der Erinnerung ergänze, die von der Wiedervergegenwärtigung aktiviert wird.

Gestern abend vorm Tommaseo. Briefe nach Triest 61.

Das TOMMASEO ist mein, sofern es sich während der → Triestrecherchen einrichten läßt, allabendlicher quasi Meditationsort, an dem alle Personen des Romans verkehren, die hier leben — teils allerdings, ohne sich zu kennen; eine Konstruktion, aus der sich durchaus witzige Situationen ergeben, die ich dort hockend ersinne. Es ist dies nebenbei eine kleine Anspielung sowie Erinnerung an das (leider nicht mehr existente) Berliner SILBERSTEIN der Andersweltromane; allerdings ist das TOMMASEO für die Triestbriefe nicht ganz so zentral, eher ein Nebenschauplatz – was, “Schauplatz”, Sie bitte wörtlich nehmen möchten, liebste Freundin. Denn genau gegenüber, im neben der Molo Audace nordnordöstlichen Hafenbecken, springt nicht nur die Lydierin kopfvoran in das Wasser, sondern genau gegenüber und in diesem grandiosen Licht steigt eine Gesandte der Venere di Carsomare aus der See und schickt sich an, zu der so rätselhaften Statue zu werden, daß sie in die depositi des Museos Revoltella verbracht werden muß, aus denen sie noch später unter noch rätselhafteren Umständen wieder verschwindet.

***

Heute beginnt der vierte Recherchetag und damit zweite Abschnitt meiner Reise. Denn um zehn Uhr werde ich, muß vorher allerdings noch tanken, den geliehenen Wagen wieder abgeben und also alles übrige zu Fuß erledigen. (Ich bin tatsächlich derart eng getaktet, daß ich längere Arbeitsjournal oder überhaupt welche kaum schreiben kann. Doch können Sie die Reise über meine “Stories” bei Instagram verfolgen.)

Ihr ANH
Via Tigor 14, 7.11 Uhr

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Briefe nach Triest 62

Briefe nach Triest 60

Figur im Eingang des Hauses meiner Unterkunft.

Der Recherche dritter Tag. Briefe nach Triest 60: Planänderung.

Da einiges bereits am Vortag erledigt sowie hatte Sconicos Orto botanico carsiano, als ich gestern nach dem Besuch der Grotta gigante gegen 16 Uhr ankam, bereits geschlossen. Er ist, anders als ich voraussetzte, nur halbtags geöffnet.

 

 

Also:


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Um 16.20 Uhr Aufbruch zur Triest- und Karstrecherche vom 6. September morgens bis zum 13. mittags zur Weiterreise nach Wien. Briefe nach Triest 59, Planungen & Pläne.






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