Die immer wieder, leider, “böse” Seite der Guten. Sowie, in einer Nachbemerkung, das deutsche “Russia today”-Mitverbot.

Dabei hat sich Petrenko mehr als nur deutlich
gegen diesen Krieg → ausgesprochen. Das reicht
“dem” Ukrainer → aber nicht. “Der Russe” nämlich
ist böse-an-sich:


Derartige Haltungen sind nicht nur Tendenz, auch → dieser Aufruf zeigte sie schon, und immer wieder tönt das “russische Böse”, daß ein ganzes Volk nämlich böse sei, aus den Verlautbarungen ukrainischer Politiker und Publizisten. → Ebenso der ukrainische PEN, der sogar Puschkin und Tolstoij in Haft der “russischen Erbschuld” nahm, soeben allerdings → vorsichtig zurückgerudert ist. Dennoch mehren sich auch hierzulande Absagen ukrainischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller für Lesungen, auf denen ebenfalls russische auftreten sollen, gleichgültig, welche Haltung diese haben und vertreten — auch dies ein nationalistisches “Narrativ”. Es läßt sich fast schon völkisch nennen. Als wäre nicht deutlich genug, wie selbst in russisch dominierten Gegenden, der Ukraine also, sich Russen gegen die Kriegsrussen wenden. Die Haltung vieler russischer Künstler, gegen Putin und den Krieg, ist spätestens seit dem → Aufruf russischer Kunstschaffender vom 25. Februar bekannt; einige der Unterzeichnenden haben Rußland unterdessen verlassen müssen. Der Text selbst ist in Rußland nicht mehr abrufbar; → dort die Übersetzung. Rufen Sie den Link auf, sehen Sie nun das:

Dazu noch folgende Erläuterung:

Hier ein offener Brief von Kunst- und Kulturschaffenden mit ihrer Meinung zu der “militärischen Sonderaktion”*, der von mehr als 18 000 Personen unterzeichnet wurde. Am 4. März 2022 wurde ein “Fake-News-Gesetz” verabschiedet, das eine Geld- oder Gefängnisstrafe vorsieht. Die Unterschriftensammlung wurde inzwischen eingestellt, und der Text des Schreibens und die Unterschriften wurden zur Sicherheit aller Unterzeichner unter Verschluss gehalten.
* Auf Wunsch des Staates können wir die “besondere militärische Operation” nicht anders nennen.
Es sei daran erinnert, dass gemäß Artikel 54 der Verfassung der Russischen Föderation “Gesetze, die eine Haftung begründen oder verschärfen, nicht rückwirkend in Kraft treten” und “Niemand darf für eine Handlung verantwortlich gemacht werden, die zum Zeitpunkt ihrer Begehung keine Straftat war”.[1]Здесь было открытое письмо работников культуры и искусства с их мнением о «специальной военной операции»*, … Continue reading

***

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch das europäische Verbot der russischen Sender → “Russia Today” und → “Sputnik” , durch das verhindert wird, auch die russische Propaganda detailliert analysieren zu können. Strukturell tat Deutschland nunmehr das gleiche, was Rußland mit ausländischen und inländisch oppositionellen Sendern gemacht hat. Die Begründung, es solle russische Propaganda verhindert werden, ist gegenüber eigenständig denkenden demokratischen Staatsbürgern fatal. Deniz Yücel hat hier recht. Zwar lassen sich russische Staatssender über VPN leicht erreichen, doch allen, die, wie ich, kein Russisch verstehen, hilft das nichts. Die Dschungel würde sehr gewiß auch die “heldische Sprache” des putinschen Rußlands mehr und schärfer attackieren, als es bislang der Fall sein konnte, wäre ein Zugriff noch möglich. So nun hat sie, notwendigerweise, besonders die heldische Sprache des Westens im Blick.
________
ANH
, Berlin

References

References
1 Здесь было открытое письмо работников культуры и искусства с их мнением о «специальной военной операции»*, которое подписало больше 18000 человек. 4 марта 2022 года принят «закон о фейках», предусматривающий штраф или срок лишения свободы. На данный момент сбор подписей был приостановлен, текст письма и подписи скрыты для безопасности всех подписавшихся.
* По требованию государства мы не можем называть «специальную военную операцию» как-то по другому.
Напоминаем, что согласно статье 54 конституции Российской Федерации, «Закон, устанавливающий или отягчающий ответственность, обратной силы не имеет», а также «Никто не может нести ответственность за деяние, которое в момент его совершения не признавалось правонарушением».

Krebstagebuch, Tag 57, Kontrolle: Donnerstag, den 25. Juni 2020.

 

[Arbeitswohnung, 14.45 Uhr
71,7 kg]
[Dvořák, Streicherserenade E-Dur
Digitale Konzerthalle, Berliner, Petrenko]
Die Wahl Petrenkos ist ein Abenteuer. Im besten Falle
sorgt sie dafür, dass der Neue das Orchester wieder auf jenes Feld zurückführt, das es in den letzten Jahren
unter Rattle bei allen außermusikalischen
Projekten vernachlässigt hat: die konzentrierte Arbeit am eige-
nen Sound. Und das wäre dann wirklich
nicht die schlechteste aller Lösungen.
Cicero, → 23. Juni 2015 

Also früh um 9.15 Uhr der dritte Kontrolltermin beim Onkologen, Blutcheck, Firmung des Termins der nächsten, nämlich vierten Phase für den kommenden Dienstag.
Keine nennenswerten Nebenwirkungen heute; Kribbeln in den Fingern und Füßen, die aber nur leicht geschwollen; leichtes, beim Schnauben, Nase- sowie, beim Zähneputzen, Zahnfleischbluten, Gejucke an Berlichingens Götzenschnauze; nur direkt nach dem Aufstehen (um fünf) leichtes Übelsein. Die dritte Chemo läuft deutlich, deutlich aus. Dennoch noch keine Schmerzen wie am Ende der ersten und zweiten.
Blutwerte in Ordnung, aber an der Dosierung des Oxaliplatins will Dr. Fais… — ähm, Josting etwas schrauben, weil ihm die neuropathischen Nebenwirkungen nicht ganz geheuer sind; es bestehe die Gefahr, daß sie auch nach der Chemo bleiben. Deshalb sind die, so → Wikipedia, “häufig dosislimitierend”; dies nun also auch in meinem Fall – immerhin erst für den, mit dem Wort der Nefud ausgedrückt, vierten Höllenkreis (was insofern erleichternd ist, als Oxaliplatin nachweisbar hoch wirksam ist).

Ich habe Medizinerinnen und Mediziner unter meinen Leserinnen und Lesern; deshalb hier die spezifizierten heutigen Werte:

 

 

 

Die sich ergebende Planung, terminlich bereits festgeklopft: Gegen Mitte der Chemo ein abschließendes CT im Sana-Klinikum am 8. Juli; am selben Tag dort Tumorkonferenz und am 13. das Beratungsgespräch mit meinem, möglicherweise, Operateur Michael Heise. Ich meinerseits will auch noch, am besten für den 12., das bereits locker avisierte zweite Gespräch mit Matthias Biebl terminieren, der mir → bei unserem ersten Treffen überaus sympathisch war, indessen ich mit Heise bis heute nicht gesprochen, ihn während meines “Staging“s nur ein paar Mal auf dem Gang gesehen habe.  Ich möchte einfach ein gutes Grundgefühl haben, wenn ich jemandem mein Leben in die geradezu wörtlich zu nehmenden Hände lege, also dem Kenntnisreichtum und der Geschicklichkeit ihrer Finger anvertraue. Wobei ich unter “Gefühl” meinen Instinkt verstehe, dem zu vertrauen mich immer wieder, wenn überhaupt etwas, mein Leben gelehrt hat.
Die OP selbst wird dann ungefähr in der letzte Juliwoche stattfinden, was bedeutet, daß ich → Aqaba nun doch etwas später erreichen werde, als vom Onkologen → bei der letzten Kontrolle angekündigt, was wiederum zeigt, daß meine eigene anfängliche Schätzung mit Anfang August ziemlich korrekt war. Wenn alles gut geht, dürfte das Rohste Mitte August ausgestanden sein und ich, wenn mein Zustand es zuläßt, wieder auf Reisen gehen – wahrscheinlich erst mal nach Wien zum Lektorat der → Béarts, dann aber, nachdem ich in dem der nefudschen Anderswelt gewesen, für fünfsechs Tage zum “realen” Aqaba, um später nachzutragen, was ich kaum – zumindest nicht in den ersten Kliniktagen – werde direkt erzählt haben können; wie ich die Tage der OP und der sich anschließenden Intensivstation für Die Dschungel regeln werde, steht völlig in den Sternen. Auf jeden Fall wird es eine daraufhin zu füllende Leerstelle geben, und wie immer täte ich gerne irdische Gerüche, Tastsensationen, tatsächliche Blicke hinein.

Bis dahin wird meiner Gefährten und meine Durchquerung der Nefud also noch währen. Zwar sind wir der Stadt schon sehr nahe, aber noch läßt uns Liligeia nicht zu sich herein, geschweig’ daß sie uns bäte.

ANH
[Schönberg, Violinkonzert
Digitale Konzerthalle, Berliner, Kopatschinskaja, Petrenko]

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