Svava. (I).

ich habe meine Tochter gesehen
nichtgeboren im Rahmen der geschlossenen Tür
längst war sie Frau, und ich war ganz alt

so stand sie lange und wehte

[ICE Bamberg-Berlin.]


Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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8 Antworten zu Svava. (I).

  1. montgelas sagt:

    Zugang: Zuggang mein Haar verweht im Rahmen
    der geschlossenen Tür
    stützt aufs Glas die Ellenbogen

    Herbstfeuer flogen.vorbei
    der Wald eilte zur Stadt
    ich matt, verloren und alt

    sah SVAVA meine Tochter,
    lange stand sie und wehte.

    • Svava. Variation. Man könnte den unterliegenden Sinn des Gedichtes verdeutlichen, würde der letzte Satz umgeformt.

      ich habe meine Tochter gesehen
      nichtgeboren im Rahmen der geschlossenen Tür
      längst war sie Frau, und ich war ganz alt

      stand lange und verwehte


      Ich bin mir aber unsicher, ob das gut wäre, ob nicht gerade die Uneindeutigkeit i h r e s Wehens wichtig ist.

      (Die Walküre holt den Einherjer ab, also den Gefallenen und für die Ewigkeit Gekürten. Beziehungsweise erscheint sie ihm noch zu Lebzeiten, um ihm den Tod anzukündigen. ‚Svava‘ ist bei Wagner Brünnhilde, also Wotans Tochter. So gesehen, holt sie hier im Gedicht den eigenen Vater ab, jungfräulich wie j e d e s Nichtgeborene. Holt ihn zu einem erlaubten Inzest ab, da es ja um den Tod geht, in dem a l l e s Getrennte zusammenfallen darf.)

    • montgelas sagt:

      Das Wehen, das Weh, die Wehe etc. vergehen nicht, ziehen und dehnen sich im Klang -und Bedeutungsraum. Verwehte oder verwehen gehen in eine ganz andre Richtung.

    • parallalie sagt:

      ich halte es ja gern mit lautwiederholungen:

      so stand sie lange, verwehend im wehen

    • svarupa sagt:

      @parallalie: … ohne mir Deinen Ärger zuziehen zu wollen – es sind ja Deine Worte. Noch ein Gedanke dazu

      „Verwehend im Wehen stand sie lange“

      oder

      „stand sie lange dort und verwehte“

      …ups – ich weiß ja garnicht, ob ich dazu etwas sagen darf… ich schreib‘ ja nicht.

    • parallalie sagt:

      es geht aber doch gar nicht um m e i n e worte, sondern um ANH’s worte.

    • @svarupa. Selbstverständlich kann auch, wer nicht ’schreibt‘ (gemeint ist wohl poetisches Schreiben), etwas dazu sagen. Ich bin jetzt immer stärker entschieden für meine zweite Version. Und zwar, parallalie, gerade n i c h t mit Lautwiederholung, weil das dem Gedicht die Schlichtheit nähme und es in eine ganz andere Ausdrucksform brächte. Aber, svarupa, „stand sie lange dort und verwehte“ ist schwächer als in der ersten Version, weil es d a eben n i c h t so konkret sein darf. Hingegen hat der letzte Satz der zweiten Version den Vorteil, daß nicht verraten wird, w e r da steht und verweht; grammatikalisch wäre beides möglich. Das entspricht dann wieder dem Ungefähren Visionhaften der ersten Version.

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