B.L.’s 22.12. – gehupft und gesprungen ohne wie

18.45
Möglich, daß mein kurzer Beitrag von gestern etwas zu wenig von der Problematik wiedergegeben hat, die dahinter steckt. Ein bißchen kann man’s nachlesen in älteren Tagebucheinträgen. Ich selbst verlinke jetzt nichts. Vielleicht läßt sich ja der Wunsch so zusammenfassen: einerseits durch das, was ANH in seinem Kommentar schrieb, wobei mein Freund in Berlin selbst davon Gebrauch macht. Die Begründung ist schon das Andererseits: nämlich die Vermeidung von unnötigen Frustrationen (und nicht nur bei mir, auch bei meiner Frau), die ich nun mal in der Vergangenheit schon öfter erlebt habe. Auch geht es nicht um Potenzstärkung, sondern um Potenzhilfe. Es ist nun einmal ein biologische Tatsache, daß das mit über 50 anders aussieht als mit noch 40 und 45. Nein, den Hirsch will ich dabei nicht spielen. Welch eine irrige Vermutung. Es geht um sehr viel mehr als um Potenzbeweis, es geht um eine Identität, die beginnt, nicht mehr immer das zu finden, was einst AUCH und GERADE zu ihr gehörte.
Ich hatte auch wenig Lust zu schreiben gestern: vormittags in Rom gewesen, dann gearbeitet. Heute bin ich reichlich früh aufgestanden (aber dennoch war der Körper nicht bereit, nach dem auf 5 gestellten Handywecker zu tanzen), außerdem war’s später geworden, als ich hoffte, weil der Fernseher lief und mich störte und ärgerte.
Heute ließ sich meine Frau am Auge operieren (Star). Ihre Schwester hatte sie begleitet (Ärztin von Beruf und Schwester aus Neigung). So lasse ich mich denn heute bekochen. Gestern bekochte ich sie. (Falls jemand Pascha-Allüren in mir entdecken wollte). Morgen fahren sie dann zu ihr (der Schwägerin) nach Rieti. Ich selbst werde dort Weihnachten dann zum Mittagessen eintrudeln. Auf mich warten mithin zwei Tage, in denen ich mich hauptsächlich dem Lesen widmen werde. Ob ich schon den Nettelbeck anfangen soll? Heute endlich kamen sie an: die 13 bereits erwähnten Bände. Nein, sie kamen eben nicht an. Ich hatte den glücklichen Einfall, auch heute wieder bei der Speditionsfirma anzurufen (GLS), da stellte sich dann heraus: es war da! Da ich sowieso nach Terni mußte, um meine Lebens- und Unfallversicherung zu bezahlen, fuhr ich dann direkt zu deren Lager. Was sich dann noch herausstellte: es lag dort seit dem 10.12. und wäre heute abend wieder zurückgegangen. Der Zusteller hatte mich nicht gefunden. Dabei wäre das für diese Leute doch sehr einfach, mal die Postbotin zu fragen. Und überhaupt!
Immer wieder frustrierte Blicke aufs Bankkonto: keine Gutschriften.

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3 Kommentare zu B.L.’s 22.12. – gehupft und gesprungen ohne wie

  1. ConAlma sagt:

    Identitätsessenz Ich könnte hier einiges dazu berichten, aber es ginge zu sehr in die Intimität eines anderen Menschen. Nur ganz vorsichtig so viel: ich selbst hatte Viagra abgelehnt, g l a u b t e an die anderen Möglichkeiten, an die Kraft anderer Wesentlichkeiten. Meine Verstörung danach, mit mir selbst, war nachhaltig. Hatte auch mit m e i n e r Identität zu tun.

    Der Hirsch, der jetzt so natürlich über mich springt, ist 77. Aus nahem Miterleben weiß ich um die ungebrochene Lendenkraft eines 83jährigen. Ihr gestriger Eintrag war in seiner Verkürzung allzu mißverständlich: es geht wirklich um eine Identität. Und jede Auseinandersetzung damit (die erffolgen m u s s ) ist essentiell, jede persönliche Konsequenz daraus begründet. Sie sollte aber um eines selbst willen erfolgen; mit einem „ich tu das für dich“ kommt man nicht an die Wurzel.

    • Bruno Lampe sagt:

      Hier ist aber kein „ich tu das für dich“. Als lyrisches „dich“ und „du“ hätte es eine Berechtigung. Also spräche ich von mir, auch wenn ich von dir spreche. Es geht um den Tagebuchschreiber, der einer Identität auf der Spur ist, die sich schon in seinem Namen verliert. Und dieser Satz schon ist ein Verwischen von Spuren. Identitätsessenz. Schon einen ganzen Tag lang stellt mir das Wort ein Bein. Identität ist klar: (klar?) : die suche ich (und aufpassen muß ich jetzt auf die sich von selbst einstellen wollenden „man“ (weil ich auch dachte, daß die beschriebenen hochbetagten Lendenstarken auch nur Einzelfälle sind, wie alles nur auf Fallbeschreibungen hinausläuft (niemand funktioniert nach Schema F))). Wo aber liegt in der Identität die Essenz? Es ist, als wollte ich fragen, wo liegt der Kern des Pudels, der mit einem Ich / Io / I / Ego / Icke usw. sich einbildet, ihn getroffen zu haben. Die Essenz kann ich nur in dem sehen, was letztlich der Augenblick in unserem Sein sich selbst zu bescheren vermag. Die Bewegungen selbst haben etwas unbewußt-automatisches. Aber ich möchte nicht denken, dahinter stecke ein Mechanismus. Groß ist immer die Freude, die Bewegungen betrachten zu können, wie von außen. Also sich veräußern? Ein kleiner Versuch hierzu findet hier statt. Und anderswo. Identitätsessenz. Ich sehe sie darin, aus sich herauszutreten und mit sich selbst sprechen zu können wie mit einem Freund. Und wie das bei Freunden ist: ganz ohne Ressentiments. Was mich zurückführt zu meiner Todes-Phantasie von vorgestern, vorvorgestern: Sich den Tod vorstellen ganz ohne Ressentiments. Woraus tatsächlich ein merkwürdiger Gedanke entsteht: Wären Freunde so etwas wie der Tod? Auch der wirft einem nichts vor. Er sitzt neben dir. Und hört dir zu. Und erzählt selber von seinem „Leben“. Aber ich rutsche jetzt – glaube ich – ins Fach „Tagebuch“ an sich und in seine Unterfächer. Ich muß mich erinnern: Identitätsessenz. Essenz ist ja ein Konzentrat. Nun habe ich’s verdünnt. Ich sage es mal so: Identität ist die Erinnerung, die wir von uns haben bis zu diesem Augenblick.

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