Paul Reichenbachs Freitag, der 22.Dezember. 2006. Mönch Meyer.

Ich bin heute einfach nicht in der Lage auf Brunos TB eingehen zu können.
Seit gestern Nachmittag liege ich mehr oder weniger im Bett. Eine verschleppte Darmgrippe zeigt, dass 12 Tage unaufhörliches Zusammenhocken zweier Menschen krank machen kann. Wo keine Flucht möglich ist, verhilft nur noch das Krankenbett zur Freiheit. Nein – ich mache hier niemandem einen Schuldvorwurf. Nähe auf lange Zeit aushalten zu können, diese Kunst habe ich noch nie beherrscht. Vielleicht mag ein Grund meines Unwohlseins auch darin liegen, dass ich beim Durchblättern von Katalogen, in denen das Werk Anselm Kiefers abgebildet wird, keine Ruhe zur Konzentration fand. Kiefers Werk verstört. Und die Beschäftigung mit seiner Kunst lässt keinen Gedanken an Weihnachten zu, dass in zwei Tagen drohend über mich hereinbrechen wird. Einen Vorgeschmack dessen konnte ich dieser Tage schon genießen. Eine Schwägerin, die mittlere Schwester von ihr, ist seit Dienstag bei uns zu Besuch und schnatterte durch alle Räume. Morgen, einen Tag vor dem von ihr so gepriesenen Heiligabend, fährt sie glücklicherweise wieder. Ich hoffe es jedenfalls und meine leicht hypochondrische Physis hätte dann eine Chance sich zu erholen. Mönch müsste man sein und in Klausur wohnen. Zellen können auch retten…
Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei. (Walter Benjamin)

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