Arbeitsjournal. Freitag, der 16. Februar 2007.

4.48 Uhr:
[Berlin, Am Terrarium.]
Pünktlich hoch, aber müde. Im Erwchen sofort der Gedanke: Wie blöd manche Leute sind! Oder wie zynisch. Was, w e n d e t man nur gut, fast dasselbe ist:

Sind wir nicht längst so? Abgestoßen die Hörner,
stumpf also? Jubeln Blödlern zu, die sich die Hände
reiben? Und setzen, was wir auch tun, in Häkchen? Wo aber
einer es w a g t und nimmt die Sonne nicht chemophysisch,
und den Mond sieht er n i c h t als abbaubereites Lager
nutzbarer Rohstoffe an, sondern sieht ihn für ein Versprechen,
machen wir uns lustig und sehen nichts eigentlich mehr, und
spöttisch relativiern wir‘s. Solch nüchterner Unernst ist es
ernüchterter Pedanten, die witzelnd Verlust bilanzieren.
Zweite Bamberger Elegie (aus der Skizze zur ZF).

Das gilt, verschoben, wohl auch >>>> für „Stefan“, der als Nummer 13 lawblog‘s Link kommentiert. Ich konnte es gestern nacht nicht seinlassen, darauf milde zu regieren (Nr. 17); hier und jetzt ist mir nach schärferem Ton. – Zum einen ist „originell“ nur dann eine angemessene Kategorie, wenn es einem Tun über sich selbst hinaus darauf ankommt und nicht etwa bloß, wie im Fall meiner Notebook-Briefe, auf den Erfolg dieses Tuns. Ich will ein neues Notebook nutzen können und b r a u c h das und will nicht von denen, die es mir geben, andren Support; vor allem würde ich auch die Inhalte Der Dschungel nicht modizifizieren, um einem Sponsor d i e n l i c h zu sein. – Zum anderen zielte >>>> die Microsoft-Acer-Aktion, nach der ich übrigens wegen „Stefans“ Kommentar eigens googlete und von der ich dann nämlich überhaupt erst las… also sie zielte ja wohl mehr auf, sagen wir, Bestechung ab. Wobei schon d a s ganz dumm ist, daß sich, wenn‘s stimmt, ihretwegen in der Blogo, na ja,sphäre eine Diskussion über Ethik entsponnen habe.
>>>> Das ging mir direkt beim Aufstehn durch den Kopf; nun aber wende ich mich zur Straße für die Morgenzigarette und setz mich dann an die Zweite Elegie ff. Es ist nicht viel Arbeitszeit heute, ich verspach der Geliebten, mittags mit den Zwillingen spazierenzugehen, und abends ist des Profis Fest, so müßte ich vorher unbedingt etwas schlafen. Weiß aber ja nicht, wann.
Guten Morgen, Leser. Der Blogcounter zählte mir gestern 1001 Nächte, in denen war jeder von Ihnen ein Mond.

8.12 Uhr:
[Berlin, Küchentisch.]

Das erste Mal zur Schule allein

Ich kann und mag meinen Vaterstolz nicht verhehlen. Dreivier Minuten, nachdem der Junge gestartet war, radelte ich – sehr sehr langsam für meine Art – ihm hinterher und erwischte ihn, instinktiv nur vorsichtig um die Ecke lugend, wie er sein Fahrrad an der Schule abschloß. Was er ebenfalls perfekt tat. Ich drehte aber noch eine Runde, damit er mich nicht doch noch bemerkte und überwacht vorkam. Als ich dann das Schloß kontrollierte, war der Bub schon nicht mehr zu sehen. Wenn ich ihn nachmittags abholen werde, werd ich ein Geschenk dabeihaben; mein Sohn hat den nächsten Schritt in die Autonomie getan, und so etwas muß man feiern.
Die Frühmorgenarbeit brachte mich mit der Zweiten weiter; heute vormittag will ich diese Überbeitung zur zweiten Fassung denn endgültig abschließen und fürs >>>> SCHREIBHEFT gleich an die Neunte gehen, die ich dann, wenn sie eigentlich dran ist, nämlich nach der Überarbeitung der Achten, vielleicht n o c h einmal revidieren werde.

16.06 Uhr:
>>>> Dazu kann ich nicht mehr sagen als >>>> das. Es geht in mir entsetzlich und entsetzlich m i t mir um. Und während des Spazierganges mit den Babies kam ich durch den >>>> Thälmann-Park, stand vor und unter den Plattenbauten, und die Eindrücke verdichteten sich dermaßen, daß ich das Notizbücherl nehmen und Zeilen skizzieren mußte. Die schlimmste Idee in ihnen war, daß diejenigen, die jetzt indirekt wieder nach Zyklon B gröhlen, die ersten wären, die man in die neuen Lager transportierte. Ich führe die Gedichte aber heute nicht mehr aus, sondern versuche, nun endlich noch mit der Zweiten Elegie zuendezukommen, die, weil sie trauern kann, versöhnt.
Um sechs zur Familie, um acht radle ich los zum Kreuzberger Profi-Fest. Wann ich morgen ins Netz kommen werde, ist ungewiß.

17.44 Uhr:
Fertiggeworden mit der Überarbeitung der Zweiten Elegie zur ZF; aber noch nicht auf dem Papier korrigiert. Das mach ich gleich drüben und stell Ihnen den Text dann erst morgen ein. Mit dem Volkslied haben Sie wahrscheinlich schon schwer genug zu ringen. Wie ich.
Für heute meld ich mich ab.

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