Arbeitsjournal. Dienstag, der 9. Oktober 2007.

7.52 Uhr:
[Am Terrarium.]
Bin heute morgen noch nicht in die Arbeitswohung geradelt, da die Geliebte krank ist und ich warten möchten, bis der Besuch wiederkommt, der dann die Wache übernehmen kann. Nachts verbrachte diesmal ich mit den beiden Babies, was überhaupt nicht schwierig war. Die Kleine wurde nur dann unruhig, hatte sie keinen Körperkontakt; sie schlief quasi in meiner linken Achselhöhle. Und auch der Bub nölte sehr selten. Nur nachts um halb vier brauchten sie zu essen, alles übrige war, so schwierig die beiden momentan sind, für mich ganz problemlos. Um halb fünf war ich putzmunter, entschied mich aber, vorerst noch zu bleiben. Nun sitz ich am Terrarium, mein Sohn ist zur Schule fort, der Zwillingsbub schläft bereits wieder, die Geliebte schläft ebenfalls wieder, und das Zwillingsmädchen erkundet krabbelnd den ihr zugänglichen Bereich.

Ein paar Wendungen zur Heidelberger Vorlesung fielen mir heute früh ein, die werd ich jetzt gleich hier am Wohnzimmertisch skizzieren. Mir ist ein wenig kühl, ich trage mal wieder einen Schal überm Schädel (neulich früh, als ich ebenso draußen auf der Schönhauser stand und rauchte, lächelte mich eine deutlich europäische junge Frau an und sagte: „Salaam Aleikum“, worauf ich gleichfalls lächelte und erwiderte: „Aleikum Salaam“).

Gestern war insgesamt nicht mein Tag. Außer in den >>>> Messiaen fand ich in g a r nichts, weder in die Scelsi-Variationen, noch in die Vorlesung. Ab mittags reagierte das dann mit einer leisen Depression, die sich erst gegen Abend verblies, weil ich da kochte – und zu kochen mich immer wieder in entschieden bejahtes Leben zurückbringt. Wie will man sonst denn richtig würzen?

Guten Morgen. Ich schätz mal, daß ich sowas ab zehn dann wieder am Schreibtisch sitzen kann.

Wegen des >>>> Gluck-Projektes im Konzerthaus hab ich gestern endgültig den Auftrag der Sonntagszeitung erhalten. Fein.

11.30 Uhr:
[Arbeitswohnung. Gluck, Paride ed Elena.]
Nun bin ich hier angekommen und werd noch eine Stunde an der Vorlesung weiterarbeiten, bevor ich mich zum Mittagsschlaf legen will; um 17 Uhr wird meine Junge aufkreuzen, weil wir wieder lernen wollen. Bis dahin sollte ich den Entwurf der Vorlesung nun eigentlich fertighaben.
Zur Erheiterung diente vorhin, und zwar entschieden, >>>> das. Und gestern kam >>>> das neue Schreibheft http://www.schreibheft.de/docs/aktuell.html an; >>> mein Pound-Text ist das überhaupt letzte Gedicht dieser Ausgabe – noch nach den Werbeseiten. Das ist richtig gut, auch wenn es (weil später erst hinzugenommen) nicht im Inhaltsverzeichnis auftaucht. So bin ich zum, ich glaube, dritten Mal, wenigstens aber zum zweiten, ein „geheimer Dichter“ des Schreibheftes. Was ich nicht ohne Genuß konstatiere. Und worauf ich jetzt den ersten Cigarillo des Tages rauche.

14.25 Uhr:
Sehr tiefer Mittagsschlaf, jetzt der Mittags-Espresso, etwas Post und Erste Vorlesung ff.

(Ich hatte gerade die Idee, diese erste Vorlesung – und je nach feedback – die beiden weiteren auch, per Webcam als live-Stream per >>>> Skype direkt aus Heidelberg ins Netz zu übertragen. Das sollte dann vorher aber unbedingt als das kommuniziert werden, was es ist: eine poet(olog)ische Invention.
Da heute abend die Buchmesse beginnt und die ein- bis mehrschlägigen Verleger, Journalisten und Kollegen dort gebunden, werd ich das aber frühestens nächste Woche ankündigen.)

15.49 Uhr:
Mann!, jetzt hätt ich beinah den Interview-Termin vergessen, der heute hier anstand. Göttinseidank hatte ich dem Journalisten gemailt, er möge mich bitte übers Mobilchen anrufen, falls ich auf sein Klingeln nicht öffnen sollte. Das hat er getan. Und nun ist er auch schon wieder weg.
Da mein Junge gleich für die Hausaufgaben herkommt, wird das mit weiterer Arbeit jetzt s o viel wohl nicht mehr werden.

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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