A. D. XVIII. Kal. Febr. Anno 2761 a.u.c.

Achtzehnter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis. Wechselhaftes Wetter.
Ich spürte heute eine Art frühlingshaftes Wetter, wie etwa im März bei „uns“ (ich mag nicht schreiben „in Deutschland“ bzw. „da oben in Niedersachsen“ (was schon wieder neutraler und akzeptabler wäre), ich stutze aber gleich bei dem „uns“ und erkenne dessen Wahrheit in seiner Unwahrheit (da stößt mir gleich zu Anfang was Heftiges auf!)). Es ist feucht, aber die Kälte nicht so, daß man bibberte. Was mir S. am Telefon nicht glauben mochte. Aber es entspricht ziemlich genau dem „Wie-etwa-im-März-bei-uns-Gefühl“, eine Art Wiedererkennen. Die Reaktion von S. bedeutet, daß sich gewisse Empfindungen nicht vermitteln lassen, weil sie in einem jeweils eigenen Klima entstehen und mit ihm verwachsen sind, in welcher Hinsicht auch immer. Zu bedenken ist dabei auch, daß S. aus Salerno stammt. Wo Afrika anfängt, weil der jeweilige Süden hier immer schon ein afrikanischer Beginn ist. Man könnte auch sagen: Die Heimat mag zwar geographisch festgelegt sein, gehört uns aber nicht, sondern erst dort, wo sie in uns selbst anfängt als ein Nicht-Ort. Pavese, Handwerk des Lebens. Nein, steht nicht dort, ich assoziiere bloß, weil er, Pavese, dieses Thema hat (an der fernen unheimatlichen Uni mal ein Referat darüber angefertigt). Auch die Dschungel sind ein Nicht-Ort der Nicht-Ansässigen. Wer schreibt, ist ein Nomade. Die Zigeuner stammen aus Indien. Sie sprechen Sanskrit miteinander. Und machen die Germanen zu Indern, deren Asche allerdings nicht den Ganges hinabschwimmt, sondern den Bach hinunter. Dies aber auch nur wegen der Indo-Germanen, die es wahrscheinlich nie gegeben hat. Aber mit dem Sprachenvergleich war es schon immer abenteuerlich bestellt. Ich erinnere mich an einen Vergleich der Maori-Sprache mit dem Griechischen. Vor Jahren die Rezension einer Untersuchung gelesen, die eine Verwandtschaft des Ungarischen mit dem Etruskischen als Hypothese zum Gegenstand hatte. Aber eigentlich sollen die Etrusker ja aus Lydien stammen. Und hier schließt Gyges seinen Ring, ohne zu verraten, warum. – Böses Erwachen um halb sechs. Morgenalp, die Arbeit betreffend. Gleich danach lief das Wasser der Kaffeemaschine über den Tisch. Kaputt. Versäumt, rechtzeitig zu entkalken. Aber wenigstens eine Tasse blieb mir. So daß ich recht früh nach Terni fuhr, eine neue zu kaufen für 30 Euro. Danach zur Post, Wasserrechnung bezahlen. Und die Nachbarin, für die ich gestern ein Paket annahm und es auf die Treppe legen ließ (denn sonst wohnt ja keiner im Haus), wird wohl gedacht haben, es sei von selbst durch die Haustür gekommen. Keine Reaktion. Das neue Links-Projekt verspricht einiges.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .

%d Bloggern gefällt das: