Toast Hawai. 09.03. 2009. montgelas empfiehlt das studium der speisekarten.

.danke diadorim!

lies keine oden, mein sohn, lies die Speisekarten
sie sind genauer. ( frei nach HME)

Was der westhausfrau, 2 blühende kinder, ein ehemann, der >>>>haiwaitoast gewesen ist, war der dreichschichtarbeitenden kranführerin, 3 kinder, kein ehemann, im osten die >>>>>karlsbader schnitte, ja – ich weiß , eigentlich müsste ich „käsebrot auf karlovy vary art“ schreiben, aber ich heiße gottseidank nicht steinbach, selbst die tschechen, fällt mir jetzt ein, sprachen von karlsbader schnitte, die sahen das damals noch nicht so eng, klauss regierte halt noch nicht. die karlsbader schnitte, von nun an, nicht vergessen, schreibe ich der einfachheit halber kasch war ein mit wurst, darüber käse, belegtes brot, das im herd solange überbacken wurde bis der käse schmolz, ganz besonders fein schmeckte es , wenn unter dem käse und über die wurst noch birnenstückchen gelegt wurden. ananas gab es keine, auch tomaten sind selten gewesen. zwiebeln unterlegen, sozusagen eine art toast zum weinen zu fabrizieren, was niemand tat, es wäre auch schlecht möglich gewesen, denn zwiebeln gab es auch lange nicht. das war in den sechziger jahren, über den damaligen zwiebelmangel können sie in >>>>Hermann Kants „Die Aula“ nachlesen. Trullesand, ein freund des protagonisten Iswall, muss ihm aus china, Trullesand hatte sinologie studiert, was in jenen jahren, keine karriereempfehlung mehr gewesen ist, befand sich doch der konflikt zwischen peking und moskau gerade im zenit. wo war ich ? ach so, kasch ( karlsbader schnitte) : am besten mit weissbrot, wenn welches vorhanden? wenn keins, dann tat es auch malfa. Ein malzbrot, 2 pfund kosteten 56 pfennige, das waren noch brotpreise weissbrot musste man bestellen. Und es war auch nicht ganz egal bei welchem bäcker es man holte. So gab es zwischen jena und apolda z.b. einen bäcker, da standen wochenends die leute von jena bis weimar und darüber hinaus, um dort ihren weissbrotbedarf in welchen formen auch immer, zu decken. kasch und bier muss man zusammen denken, wer wernesgrüner, stern, radeberger oder gar echtes pilsner ergattern konnte, durfte sich glücklich preisen. unsereiner schlangen wie der teufel das weihwasser fürchtend, fügte sich ins normale angebot, das war in der regel zwickauer oder altenburger plempe, wie komme ich jetzt bloß wieder auf die karlsbader schnitte (kasch) und vor allem zum toast hawai. Jetzt klickerts, die kasch konnte noch besonders veredelt werden, mit tabasco, das gabs natürlich nur im westen, ergo organisierte man sichs. In einer kleinen weinstube in leipzig „bodega , ich glaube sie gibt’s heute noch, konnte man sie gegen irgendetwas anderes, was auch bückware war, tauschen. Mit tabasco, weissbrot, einer scheibe bierwurst, damit der fleischfresser sich nicht angeekelt wegwendete, einer halben birne, bekam man einen herrlichen snack. Voriges jahr war ich mal in Kalovy vary lazne, im hotel popp, auf der ganzen karte keine karlsbader schnitte, dafür pelmeni und borscht, und jetzt kommts:
toast Hawai !
kasch war offenbar im untergang des ostens mit untergegangen,
warum erzähl ich das alles und auf was lässt das schliessen? schauen sie sich doch mal um, studieren sie die speisekarten, neulich, ich hatte hunger, kam aus einem konzert, ging ich in eine kleine eckkneipe in offenbach, um Toast Hawai, nicht aus der mikrowelle, nein direkt aus dem ofen, zu bestellen, ich gehe da schon, ab und an versteht sich, seit zwanzig jahren hin, und was soll ich ihnen sagen, es gab keins, nur frühlingsrollen aus der mikrowelle. Oh , dachte ich, die wiederholung brauchen sie nicht mitlesen, mit dem verschwinden der karlsbader schnitte, verschwand vor jahren auch der osten, wurde toast hawai sozusagen..

der osten ist halt eher, schneller, den sozialismus hatten die früher, den untergang auch – ex oriente lux !– … sie wissen schon , worauf ich hinaus will, wenn nicht, empfehle ich ihnen außer speisekarten die börsenkurse zu studieren.

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5 Antworten zu Toast Hawai. 09.03. 2009. montgelas empfiehlt das studium der speisekarten.

  1. Der Westen geht nicht unter, montgelas. Sondern er neigt zur Produktrenaissance. Bei etwas gezielter Werbung und also geschaffenem großen Bedürfnis wird es auch Kasch wieder geben, vielleicht mit ein wenig Lachs (wie bei Kartoffelsuppe drin) darauf, doch aber in jedem Fall – teuer (wie eingelegter Hering). Man nimmt den armen Leuten das Armenessen fort und macht ein Luxusgut daraus: d a s ist die Bewegung, nicht der Untergang. Der kommt erst sehr viel später: wenn die immer weniger immer mehr Reichen den immer mehr immer mehr Armen nichts mehr verkaufen können. Nur fällt immer mehr arm sehr tief hinab, und noch aus den Slums, die der Westen s o gar nicht kennt, wird der Umsatz gesichert, zumindest und zuletzt noch des Pops. Möge man auch nichts mehr zu beißen haben, so will und kann man doch fernschaun, z.B. daß Deutschland den Superstar sucht. Mit etwas Geschick werden Sie Kasch zwar nicht mehr auf den Speisekarten der Eckkneipen finden, wohl aber auf denen der Adlons.

    • montgelas sagt:

      Möglich ANH,

      dass der Westen sich noch im Protountergang befindet, dies ändert am Gehalt der Aussage „ex occidente nox“ für mich nix. Die Lemminge mit ihren silbernen Löffeln – „Globalplayer“ ( Was für ein Wort, die Welt ein Spielsalon!) – sind ja unterwegs. Auch in Restaurants, wohin sollten sie auch sonst mit ihren Löffeln, ob eigene oder geklaute ist egal. Speisetechnisch prophezeit: Wenn einmal in vielen Gourmetrestaurants >>>>> „Klare Linsensuppe“ geschlürft wird, dann ist es soweit. „Klare Linsensuppe“ ist das Geschmackloseste, was ich mir vorstellen kann, müssen Sie wissen.
      Die Apokalypse kündigt sich u. a. gastronomisch an, oder sie i s s t nicht.

  2. LeChuck79 sagt:

    Mensa In der Gießener Mensa arbeiten größtenteils ostpreußische KöchInnen. Das Essen schmeckt nicht wirklich, im „Chop Suey“ ist zuviel Kohl und der Rosmarin passt auch nicht wirklich dazu. „Traditionelle“ Küche (aus dem Blickwinkel der Küche) wie „Boeff Stroganoff“ oder „Gulasch“ gibt es viel zu selten, stattdessen versuchen sich die Damen und Herren an „Putenbrust nach Kanton – Art“ und „Hamburger nach Mensa Art“. Etwas weniger Multi-Kulti und etwas mehr Mut zur eigenen Küche wäre schön!
    Bei allen Inkompetenzen, die sich in der Kreation dieser Speisen widerspiegeln scheint mir das Küchenteam dennoch einen Sinn für Subversives zu haben:
    Das mit Abstand ekelhafteste, weil nicht gewürzte und total beliebige Essen ist die „Käseschnitte Angie“! Diese wird manchmal mehrere Tage hintereinander serviert, kein Mensch möchte sie kaufen. Am dritten Tag wird sie häufig mit einem Schokoriegel als „Abwrackprämie“ ergänzt.

    • montgelas sagt:

      Danke, LeChuck79 Versteh ich Sie richtig: Meinten die KöchInnen etwa die..,welche alle kennen? „Käseschnitte Angie“ eine giessener karlsbadhawaitoastschnitte als Gipfelpunkt gastronomischer Subversion hat, da ist kein Zweifel,
      mehr Massenwirkung als jede Klare Linsensuppe im Adlon. 😉

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