A. D. XVIII Kal. Iul. Anno 2762 a.u.c.

Achtzehnter Tag vor den Kalenden. Dies nefastus.
Grad ist mir etwas passiert, das ich nicht angestrichen habe im „Gewicht der Welt“: ein Sich-In-Den-Finger-Schneiden. Beim Zerbrechen eines Plastikteils rutschte mir beim Brechen die Bruchstelle über den Ringfinger und den kleinen Finger der rechten Hand. Aus beiden Wunden quoll Blut, aber vor allem aus dem Ringfinger. Da mußte ich dann desinfizieren und ein Pflaster aufprokeln. Nu is gut. So zitiert die Wirklichkeit (mit dieser Bezeichnung ehre man dasjenige, was am Leben hindere (ebd.)), ohne nachschlagen zu müssen, was man gelesen. Blick auf den roten Fleck. Unterm. Linken. T-Shirt-Ärmel. Wahrscheinlich stehe ich jetzt auf. Einer der seltenen Tage, an denen es mir an nichts fehlt, was die Versorgung des Körpers mit Nahrungs- und Genußmitteln betrifft. Außerdem ist Sonntag. Also bestand nicht mal die Gefahr, daß die Postbotin klingelt. So daß ich seit gestern nachmittag immer noch im selben T-Shirt herumlaufe, -sitze, -liege. Dem jetzt etwas feuchten vom Schweiß, der sich wieder einstellte. Ich rieche aber nur meinen Geruch, keinen intensiven Schweißgestank. Doch, ein wenig schon. Kurzes intensives Einatmen durch die Nase. Das Draußen ist die Unbeweglichkeit in Person, und ich im Drinnen die Beweglichkeit dessen, was mir durch den Kopf geht. Aber doch auch wieder gelenkt. Das Übersetzen macht mich zu einem Übertragungsnetz. In der Mitte zwischen Dort und Hier. Das Hier, das entsteht, bin nicht mehr ich. Sondern es ist das Ergebnis der Übertragung im Sinne von „trasmissione“. Sowas läßt sich aber nur für solche Texte behaupten, die wie etwa heute Lebensversicherungen beschreiben. Immer wieder Zeitunglesen im Internet. Diese B.Lusconi-Geschichte. Es regiert die Fiktion. „In die USA begebe ich mich hübsch braun gebrannt.“ Morgen trifft er sich mit Obama, dem „braun Gebrannten“, wie’s ihm entfuhr nach dessen Wahl. Er begibt sich als Vertreter seiner selbst dorthin. Auf sich selbst bestehend. Schon nicht mal mehr Stammtisch-Witz, sondern: I’ve got the pow(d)er (Hypothese: der Mann schnieft Kokain (ist tatsächlich das reinste Stehaufmännchen, das Tag für Tag seine Wahrheiten vom Vortag leugnet und diejenigen als Verleumder bezichtigt, die seine Wahrheiten vom Vortag wiedergeben)). Da ist nicht mehr von Politik die Rede, die mich nicht wirklich interessiert, solange sie ihren öden Mechanismen folgt. Da wäre eine Psychopathologie zu beschreiben. Geschieht ja auch schon. Pynchon-Slapstick, fällt mir gerade ein. Pynchon-Paranoia. Hinzufügend. Alles recht spannend zu lesen. Bin gespannt auf das Ende. Nee, der Soratte hilft mir jetzt nicht weiter, weil er nix damit am Hut hat. Verabredung fürs nächste Mal mit ihm, wenn’s um Abgehobeneres geht. Immerhin: Countdown bis Juli hat begonnen.

Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.