A. D. XVI Kal. Iul. Anno 2762 a.u.c.

Sechzehnter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis. Der Zephyr weht. Es geht der Orion auf (Ovid).
Ich glaub’, der siebzigjährige Bergamasker, der heute wegen unzüchtigen Verhaltens an einem Strand in Apulien angezeigt wurde (er habe seine „Aufmerksamkeit“ – so die euphemistische Umschreibung – auf eine Gruppe junger osteuropäischer Frauen gerichtet), wollte damit den heutigen Bloomsday ehren. Und dann sprang eine Rakete hoch und schoß peng blind und O! dann barst die Leuchtkugelröhre auseinander und war wie ein seufzendes O! und alles schrie O! und O! in Verzückung und es ergoß sich daraus ein Strom goldregnender Haarfäden und sie schimmerten auseinander und ah! da warens auf einmal lauter grünliche tauige Sterne die niederfielen mit güldenen, O so lebendig! O so sanft, süß, sanft! / Dann schmolz alles tauig dahin in der grauen Luft: alles war still. Ah! Und sie blickte hinüber zu ihm, als sie sich nun vorbeugte, schnell, mit einem rührenden kleinen Blick des kläglichen Protests, des scheuen Vorwurfs, unter dem er rot wurde wie ein Mädchen. >>> Nausikaa-Kapitel am Strand von Sandycove in der Übersetzung des leider nun auch schon seligen Herrn Wollschlägers. Room A für alle Fälle (steht im Briefkopf eines zu übersetzenden Textes: „RO O M A“). Erstmals eine nicht automatisierte Marketing-Stimme: „Mi chiamo Roberta“. Den Rest verstand ich schon nicht mehr, irgendwas mit biologischen Produkten. Sie rufe aus Narni an. Ob sie mir ein paar Fragen stellen könne. Ich sagte, daß es mich nicht wirklich interessiere. Worauf sie einlenkte und sagte, es sei nicht so wichtig. Worauf ich mir die Fragen stellen ließ. Wollte wissen, wo ich meinen Bedarf eindecke an solchen Produkten. „Im Supermarkt“. Und wo ich beispielsweise Kräuterbäder und andere Dinge für den gesunden Körper kaufe. „Kaufe ich nicht“. Dann ertappte sie mich: „Sie sind kein Italiener?“ Und nach kurzem, freundlichen Hin und Her schieden wir voneinander. Ärgert mich doch immer ein bißchen, so desavouiert zu werden. Liegt wohl auch daran, daß ich nur noch selten den Alltag italienisch verquatsche. Und den lokalen Slang werde ich mir wegen der spärlichen Kontakte wohl kaum aneignen. In den römischen Slang finde ich doch leichter wieder hinein. So Autofahrer-Römisch. Dieses Gebrabbel. Der ewig Frustrierten. Und die gemächlich auf dem römischen Autobahnring Fahrenden verleiten mich immer zu der Vorstellung, sie kreisten da den ganzen Tag Gott und die Welt (aber wohl eher Frau, Kinder und Arbeitgeber) verfluchend um die Stadt herum, endlich mit sich und ihrem Groll allein. Ansonsten Arbeits-, Lese- und Steuerzahltag.

Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.