A. D. XII Kal. Iul. Anno 2762 a.u.c.

Zwölfter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis. Fest des Gottes Summanus („des nächtlichen Himmels“ „blitzwerfender Nachtgott“) im Tempel am Circus Maximus. Der Schlangenträger (Ophiuchus) geht auf (Ovid).
Mit den Blitzen tat allerdings sein Gegenpart, der Jupiter sich heute hervor. Merklich kühler, wenigstens draußen. Unter mir regt sich was, der Vermieter ist mal wieder auf einen Sprung aus Lecco hier. Erst fegte er die Steintreppe, nun tut sie es, während er vielleicht irgendetwas einrammt, mit kräftigen Schlägen wummernd. Die Wohnung unter mir. Begegnen möchte ich ihm nicht. Die Vorstellung allerdings, er könne unversehens klingeln, ließ mich das Wohnzimmer aufräumen und Staub wischen. Das Unsichtbarmachen, das Verwischen meiner Staubpräsenz (staubigen Gegenwart?). Another One Bites the Dust. War plötzlich da die Melodie (der entsprechende Link liegt unterm Staub). Durch das Nichtsgelten in der Fremde sich bilden – und dazu wieder Goethes „Die höchste Kultur, die ein Mensch sich geben kann: daß niemand nach ihm fragt“ (etwa so) – doch wieder angestrichen (heute unterwegs in ‚Gestern unterwegs’). Der Ausdruck ‚in den Staub beißen’ muß wohl daran liegen, daß die Briten viele staubige Kolonialkriege führten, wo doch England mindestens so grün wie Deutschland, wo man aber ins Gras beißt. Und der Pfarrer wird immer nur von Erde reden. Im Denken aber beginnt es zu klaffen. Nein, wahrscheinlich ist „kläffen“ doch näher dran. Ein Art Furcht vor mir, weil ich mir alles mögliche in die Schuhe schiebe. Das „kläffen-klaffen“ ist dann der Punkt, an dem sich alles ins Künftige spiegelt, vor dem ich ins Gespiegelte davon und mir entgegen laufe. Insofern ist es ja schön, sich im Handke-Goethe-Zitat wiederzufinden, heißt aber mitnichten, es nicht doch für sich verwurschten zu müssen. Kurz: du mußt es aufschreiben. Immerhin, wer in einem Land reist, dessen Sprache man nicht kennt, wird nicht korrumpiert. Er darf nur mit allen seinen Sinnen da sein. So wie der, nach dem nicht gefragt wird. Tatsächlich so? Denn fragte jemand nach mir, müßte ich ja doch eine Lüge erzählen. An der Kasse am Supermarkt antworte ich auch immer automatisch mit Ja, sobald ich gefragt werde, ob eine Tüte benötigt würde. Mir wäre wohler, wenn die Frage weniger gestelzt einfach „Tüte?“ lauten würde, da könnte man dann manchmal aus Trotz auch mal Nö sagen. Hier wohl der Schlüssel. Könnte nicht mal der Berg anstatt – nein, nicht anstatt: mitsamt – der Sonne untergehen? Und dann morgens nach dem Aufstehen wieder aufgehen. So vereinnahmt ihn ja nur Summanus. Warum der nun heute gefeiert wird, verstehe ich nicht ganz. So nah der Sommersonnenwende. Um ihn über die kurze Dauer seines Nachtreiches nicht zürnen zu lassen? Oder wegen der Sommergewitter?

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4 Kommentare zu A. D. XII Kal. Iul. Anno 2762 a.u.c.

  1. walhalladada sagt:

    Versuch über den Staub… eher gehn zwerge als berge durch statt unter 🙂

  2. Bruno Lampe sagt:

    Immer wieder verwechsle ich den Ohridsee mit dem Meer – wären nicht die Schwäne und die um sich selber schnellenden, dabei silbrig werdenden Winzigfische. – Handke, Gestern unterwegs (nicht angestrichen: erinnert)

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