A. D. III Kal. Iul. Anno 2762 a.u.c.

Dritter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis. Wind (Columella).
Kein Wind. Auch nicht das ideelle Pusten von hinten. Selbst beim Autofahren auf Musik verzichtet. Die Kassiererin lächelte ein „Buon Giorno“, und ich grüßte nur so obenhin. Mehr so ein Lächeln in mich hinein mir aufgezwungen. Angeekelt auf dem Sofa während des Verdösens der postprandialen Flügellahmheit in der B.Lusconi-lastigen Zeitschrift (er auf dem Cover) geblättert, die mir abboniert wurde. Ohne mich zu fragen. Als „dono“, Gabe (so auch die ital. Übersetzung von Nabokovs „Die Gabe“ – „Il dono“) von einem ital. Internet-Bookseller, wo ich schon öfter was bestellt. Und nun jede Woche diese Zeitschrift („Panorama“) bis Weihnachten! Ich dachte schon, ich benutze den Mist, um mir Collagenmaterial herauszuschnippeln. Eigentlich müßte ich protestierend irgendwo anrufen oder einen Protestbrief schreiben. Was für eine Energieverschwendung andererseits. Was interessiert mich der Erbschafts-Hickhack der Familie Agnelli? Mögen sie doch alle an ihren Villen und ihrem Willen zugrunde gehen! Einer der freiesten Sätze (Satz eines Freien): „Ich brauche nichts!“ (Wiederhol dir das.) Und noch einer: „Schau, ich habe Zeit!“ – Gestern unterwegs. Und dennoch dieser ‚Depri’ (‚débris’) heute. Die ungefähre Richtung sind die Vertrauensbrüche (≠ Vertrauensbrücke) in den wieder einmal (endgültig?) zusammenstürzenden Beziehungen zur näheren Vergangenheit. Die Mythenbildung wird nun wieder etwas Zeit und Abstand brauchen. Und KEINEN Kontakt. Erst dann mag sich wieder ein Lot einstellen. Also doch keine Gespenster vertrieben. Nur neue und anders Geartete geschaffen. Man gehe auseinander, ohne sich wieder zu suchen, und sei’s des zivilen Umgangs, einer falsch verstandenen Verständigung wegen (Halber, du!). Unmöglich, das. In der Bar von neulich eine ganz andere Atmosphäre. Meine Zigarettenmarke nicht vorhanden. Auch nicht im Magazin. Sie würden sowieso für die nächsten zehn Tage schließen. Und diesmal einen Kaffee, nur um einen Schein zu wechseln und um Münzen für den Zigarettenautomaten zu bekommen. Diesmal auch der Raum hinter dem Tresen verwaist. Langes Warten. Aber so bekam ich Gelegenheit, eine weitere Runde zu drehen und Zeit zu verlieren, auf dem Weg zum Zigarettenautomaten. Gestern im Kino der Trailer eines Films: eine Art Nazikiller-Kommando, Einsatzort Frankreich: „Ich will, daß mir jeder von euch 100 Skalps von Nazis bringt!“ Als man dann ein paar drahtige Nazis sah, erscholl im Saal eine Stimme: „Schulz!“ Welch eine Verwirrung in der Welt! Fast schon Solidarität mit den bellenden Hunden. Aber wahrscheinlich bekamen sie grad’ zu fressen, denn nun ist’s wieder stille. Auf den Berg starren. Ein Weilchen.

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