A.D. XII Kal. Sept. Anno 2762 a.u.c.

Zwölfter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis. Markt.
Komm Feigen holen. Nein, ganz so hatte O. das nicht gesagt. Ob ich wolle, es seien noch so viele am Baum. Aber erstmal mußte ich zu den Neffen, die Mutter hatte mich zum Essen eingeladen. Ihr komparatistisches Landkarten- und Geschichtsinteresse: wer ist größer und somit stärker. Und mußte mir noch das Pseudo-Deutsch ihres einen PC-Kriegsspiels anhören, von dem ich außer „Hilfe, er hat mich getroffen!“ nichts verstand. Sie selbst kauderwelschten es sich in andere Wortgebilde zurecht. Und warum die Städte in Deutschland alle irgend ein K dabei hätten. Atlas auf: Wo? Selbst Köln war mit C geschrieben. Kunststück. Bei Kaiserslautern mußten sie lachen, das klinge wie… vergessen, wie’s dem einen klang. Karlsruhe habe ich vergessen. Da könnte ich sagen, das klinge wie >>> Carsulae. Dessen Besuch ich den drei Amerikanerinnen empfahl, die gestern Abend bei MMs Freunden, die ebenfalls in der Oberstadt ein B&B betreiben, beim Abendessen dabei waren, zu dem ich dito eingeladen war. Weil die, die’s betreibt, uns auch mal hören und damit ein bißchen Publicity in Gang bringen wollte für ihr B&B. Also dem Weitersagen auf die Beine helfen. Also abermals englisch. Ich wurde auch gebeten, für die Webseite den deutschen Text zu schreiben, den es noch nicht gibt. Drei in die Jahre gekommene Hostessen der American Airlines. Der Ausflug mit T. heute, dem sie gestern zunächst zugestimmt hatte, fiel aus, weil ihr Uralt-Kater gestern nachmittag plötzlich bedenkliche Krankheitszeichen aufwies, und sie doch sehr besorgt schien. Un’altra volta. Das andere Mal aber bestimmt. Indirekt war im Zusammenhang mit dem Ausflug auch die Vorstellung da: warum nicht O. mal zu so etwas einladen. So eine kleine, zeitlich umschriebene Zeit, in der ein Miteinander-Umgehen ganz anders stattfindet, als in einem Kontinuum, daß damit endet, daß man einander umgeht und vermeidet. Dann also am späten Vormittag dieser Anruf. Sie kam mir gleich mit einem Korb entgegen für die Feigen. Ich schaute wohl ab und zu in die vertraute Umgebung. Sie reservierte Distanz. Ich reservierte Distanz. Kaffee getrunken, über Oberflächensituationen gesprochen. Aber das Gewesene stellt sich einem Vertrauen entgegen. Das bißchen Angst ist weg, das sich im Tratsch-Vakuum der Kassandra gebildet und mit dazu beigetragen hat, daß ein Jahr verging, ohne daß wir direkt voneiander Notiz nahmen. Nun habe ich hier zwei Plastiktüten mit Feigen. Essen kann ich die nicht alle. Muß ich also irgendetwas damit machen. Marmelade oder irgendwie alkoholmäßig aufbereiten. G.L. optierte gern für letzteres: ‚die’ habe mir doch neulich schon Marmelade mitgegeben, die ich vor einigen Jahren sogar selbst gemacht, und die immer noch dastehe. Außerdem hätte ich doch gerade eine Marmelden-Parenthese gehabt, die wo Frauen ihre Hände dabei haben oder so. Sie meint: „die aus ihren händen / entlassen / die frauen / was sie berührend / geschaffen“. Milchig verrührt der Berg und kaum zu sehen.

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