Im FREITAG: ANH antwortet auf THOMAS HETTCHE. Literatur & Internet.

Am 9. April 2010 erschien von Thomas Hettche in der FAZ >>>> jener Artikel, im FREITAG von gestern, 15. April, erschien meine Antwort. Sie stand bereits gestern >>>> online: Gegen ein ärgerliches Schisma.

Es gibt in der Druckfassung der Zeitung eine Entstellung, die eine falsche Aussage mitträgt: „Diese Rhetorik wischt Rainald Goetz vom Tisch, den Konkurrenten aus Suhrkamptagen, sogar den Freund Paulus Böhmer und jeden sonst, der im Netz publiziert und doch auch wichtige Bücher schrieb, zum Beispiel Banjamin Stein.“
Tatsächlich sollte dastehen: „Das ist nicht ohne Verrat: Auch Paulus Böhmer, ein enger Freund Hettches, hat ihn nicht unterschieben. Die Polemik wischt aber auch Rainald Goetz, den Konkurrenten aus Suhrkamptagen, und Jelinek vom Tisch und Benjamin Stein.“
Der Fehler kam, und ich übersah ihn, durch einen redaktionellen Eingriff zustande, der kürzen mußte.
Die ursprüngliche Version lautet n o c h anders. Ich zitiere den entsprechenden Absatz der Originalfassung ganz, es ist Punkt 2: „Das Urheberrecht werde durchs Netz bedroht. Büchern freilich gestattet Hettche die Verletzung des „vom Autor bestimmten Textes”; sie soll nur auf hohem Niveau geschehen. Dem ist beizupflichten. Nur wer bestimmt die Kriterien? Auch hier sieht Hettche nicht wirklich die Dichtung, sondern seine wohlbezahlte Deutungshoheit gefährdet, weshalb er alle, die den Hei­delberger Appell nicht unterschrieben haben, „keine ernstzunehmenden Schriftsteller” nennt. Die Behauptung scheut den Verrat nicht: Auch Paulus Böhmer, ein enger Freund Hettches, hat den Appell nicht unterschrieben. Anders als der, so lautet suggestiv der Schluß, sind die 2600 Unterzeichner ernstzunehmende Dichter. Die gleiche Rhetorik wischt Rainald Goetz vom Tisch, den Konkurrenten aus Suhrkamptagen, und jeden sonst, der im Netz publiziert und doch auch wichtige Bücher schrieb, zum Beispiel Benjamin Stein.“
ANH, 15.4.2010.
ICE Mannheim-Berlin.

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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83 Antworten zu Im FREITAG: ANH antwortet auf THOMAS HETTCHE. Literatur & Internet.

  1. Ich fand’s schon >>>>>hier. Gefällt mir gut.

    • @Keuschnig. Ich habe eben noch eine Richtigstellung angefügt. Mit dem Redakteur ist soeben besprochen worden, daß mein Text in der morgen erscheinenden online-Fassung korrigiert erscheinen wird.

    • Schon blamabel, diese Redaktionsarbeit…

    • @Keuschnig. Es lag auch an mir. Der Redakteur sandte mir die redigierte Fassung zu, ich sah sie durch, übersah aber, da anderweitig abgelenkt, die nun subktan mitverfaßte Unterstellung: sie betrifft Böhmer. Tatsächlich hält er sich insgesamt vom Betrieb fern, ihn interessieren Betriebsusancen so wenig wie das Netz. In der jetzigen Fassung klingt es nun aber, als wäre auch er ein Netz-Dichter. Das ist er mit Sicherheit nicht. Das Durcheinander kam zuwege, weil bereits Hettche den Heidelberger Appell mit dem zusammenwirft, was Netz-Literatur sei. Meine erste Fassung des Artikels hatte das wieder aufgelöst, aber durch den kleinen Eingriff kam dann eben doch dieses Zurückrutschen zustande.

    • Nicht die Literatur verfängt sich im Netz, sondern Hettche verfängt sich in seinen Mutmaßungen. Im Bashing der Heilsversprechungen diverser Internetpropheten liegt er allerdings nicht ganz falsch, auch wenn das relativ langweilig ist. Sein Beitrag passt zum >>>>>unsäglichen Pamphlet, welches gestern in der FAZ erschien.

      Als Juror bem Bachmannpreis fand ich Hettche allerdings erfrischend un-elaboriert.

    • hab sagt:

      merci übrigens, für die erwähnung der BC. nur bei der bevornamung hats uns (online only?) wohl in richtung parallalie redigiert … (edit: ok, hat sich erledigt …)

    • @Keuschnig zu Hettche. Es besteht gar kein Zweifel daran, daß es sich bei Hettche um einen gebildeten und hocheloquenten Mann handelt. – Von dem Pamphlet gestern in der FAZ erzählte mir der Profi am Telefon kurz vor meinem >>>> Heidelberger Seminar; er insistierte, ich solle mir eine FAZ kaufen… allein schon für die Diskusssionen, die wegen meiner Hettche-Replik ins Haus stünden. Ich hatte aber keine Lust. Insgesamt habe ich den Eindruck, sowohl Hettche als auch der andere Autor – und weitere werden folgen – stellen sich hinter Schirrmachers Internet-Thesen, um ihre, der Autoren, auch übrigen Positionen vom Licht des starken Mannes erleuchten zu lassen, will sagen: sie machen sich bei ihm mit solchen Artikeln beliebt und können insofern, oder meinen zu können, ihre Einflußpfründe weitergenießen. Um gar nichts anderes geht es.

    • Ich glaube, Sie sehen dies zu Schwarz-Weiss. Die Leute reden nicht Schirrmacher oder irgendwelchen anderen Leuten nach dem Mund – die „ticken“ so, weil ihre Sozialisation droht, durcheinander zu geraten. Vermutlich werden sie auch recht behalten: Das Online-Reservoir in Deutschland (also Blogs; nicht nur literarische Blogs) ist zwar recht umfangreich, aber meist eben doch niveauarm.

      Es spielt dabei keine Rolle, dass rd. 30% aller FAZ-Feuilletonartikel schlechter sind als so manche Online-Kritik. Entscheidend ist, dass aus einer gewissen (ökonomischen) Stärke heraus diese Qualitätsmedien im Netz schlichtweg ignoriert werden können. Die heute 40jährigen (und natürlich älter) haben in der Regel ihre eingefahrenen Wege – sowohl im Beruf als auch in der Freizeit als auch in der Vermittlung von Information (wozu ich im weitersten Sinne auch Literatur zähle). Hier ist eine Veränderung im Verhalten kaum zu erwarten. Für diese Klientel und von dieser Klientel werden diese Artikel geschrieben. Es sind sozusagen „Durchhalteparolen“. Natürlich geht es AUCH im Deutungsverlust, aber es geht vor allem um Verlust an Aufmerksamkeit. Dem möchte man vorbeugen, in dem alles, was mit Netz zu tun hat, madig gemacht wird. Und das ist eben nicht so schwierig.

      Daher ist die Erläuterung unter Ihrem FREITAG-Artikel auch für die entsprechende Klientel wieder Grund genug, sich mit Ihrer Polemik erst gar nicht auseinanderzusetzen. Diese Art der Rezeption ist aber bei weitem nicht auf das Netz bezogen. Sie zeigt sich hier nur stärker. .

    • @Keuschnig zur Erläuterung. Weshalb gerade s i e Grund sein, sich nicht auseinanderzusetzen, verstehe ich jetzt nicht. Gerade eine solche „Richtigstellung“, zumal ohne Aufforderung, „einfach“ um der Richtigkeit willen, zeigt doch, daß seriös diskutiert werden will.

      Im übrigen, ob Deutungshoheit, ob Sozialisation (was bei Hettche so übrigens nicht stimmt; deshalb mein Eindruck, daß er bewußt diffamiert: er ist sehr wohl mit dem Netz vertraut und viel mehr noch als ich, da er viel jünger ist, mit ihm aufgewachsen; es bezahlt ihn aber nicht)… im übrigen also gilt Wilhelm II: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil hat keine Zukunft.“

    • Es ist ganz einfach: In dem Moment wenn dort steht, dass Sie den grössten oder besten oder bedeutendsten literarischen Weblog betreiben, unterstellt man Ihnen natürlich Parteilichkeit. Das ist ein Verfahren, dass sich längst aus der Politik herausgebildet hat: Die Aussagen von Politikern, Verbandsfunktionären, Lobbyisten, Wirtschaftlern, usw. werden immer aus der Betrachtungsweise ihrer Interessenlage gesehen. Leider stimmt das ja auch inzwischen zu 99%.

      Daher fällt es auch vielen Leuten so schwer, unkonventionell zu denken. Vor seher vielen Jahren als die Grünen noch „Fundis“ hatten, saß eine Heroine des grünen Fundamentalismus in einer Fernsehsendung mit einem CSU-Mann. Der stellte eine These auf. Ganz überrascht sagte die Frau, sie stimme dieser These zu, müsse aber eigentlich immer einem CSU-Menschen widersprechen. Die Frau war ganz verwirrt.

      Umgekehrt gilt jemand schon als freier Geist, wenn er seine eigenen Interessen nicht zum Maßstab seiner Meinung und seines Handelns macht.

      Das Zitat von Wilhelm II trifft ins Schwarze.

    • Maßstab der Meinung. Dasselbe gilt dann aber auch für Hettche; ich fürchte jedoch, daß in seinem Fall Ihre nachvollziehbare These n i c h t gilt, eben weil Hettche auf Seiten der Meinungsmächtigen steht und jeder andere von denen Bröckchen zu schnappen haben möchte. Umgekehrt ist bei mir ja nun schlecht von einem – jedenfalls „reinen“ – Netzautor zu sprechen, schon in Anbetracht sowohl meiner traditionellen Buchveröffentlichungen wie meiner bürgerlichen Auszeichnungen. Im Gegenteil stehe ich selbst mit einem Fuß im Sumpf Hettches, mit dem anderen in dem – eben nicht minder tiefen – des Netzes. Genau deshalb verweist mein Text betont auch auf Benjamin Stein und Elfriede Jelinek.
      Nein, man wird die Auseinandersetzung scheuen, weil man weiß, daß man sie – verliert. Geht man nicht auf sie ein, wird die Angelegenheit vergessen und nach etwas Zeit zur Tagesordnung der Macht zurückgekehrt werden. Bis das passieren wird, was vor der und zur Französischen Revolution passierte: Jahrelang vorher redete sich die Aristokratie die Köpfe über das heiß, was über die Köpfe dann kam – es war eines der beliebtesten Salonthemen -, – bis sie selbst in die Körbe rollten. Diese Körbe stehen auch jetzt schon bereit.

    • Das mit den Körben sehe ich anders. Bzw. so, dass man nicht genau wissen wird, wessen Köpfe hineinrollen werden.

    • parallalie sagt:

      @hab ich frag‘ mich nun schon den ganzen tag nach meiner richtung.

    • hab sagt:

      @parallalie vornamentlich, lieber h.s. im print bin ich noch der helmut a. online wurde es mittlerweile schon bereinigt …

    • parallalie sagt:

      @hab danke, lieber hab. mir liegt ja nun schwerlich die printversion vor. und sah diesen verwechsler nicht (kontrollierte tatsächlich in der richtung nochmal den text, aber ohne ergebnis). drum diese meine unsicherheit. pardon! [umgekehrt ist mir mal dasselbe widerfahren, ich hieß da vornamentlich wie Sie (muß wohl an den zeiten liegen, denen solche vornamen nicht mehr gang und gäbe)].

    • hab sagt:

      tipp >>meedia bietet immer die frontseiten / titelblätter div. zeitungen an …

    • parallalie sagt:

      geseh’n danke für den link. ansonsten hab‘ ich meinen letzten kommentar noch in sachen vornamen ergänzt.

    • hab sagt:

      die gedächtnisse das internet vergisst ja nix, sagt man. wobei es da auch schon starke gegenthesen gibt. schwer aber >>>mit diesem und dabei an zufall zu glauben … (schönes beispiel für dissemination)

    • Lyrik und Netz. Viele Urteile werden vor allem deshalb gefällt, weil keine Kenntnis besteht. Etwa diskutierte ich vor Erscheinen meines Textes telefonisch mit >>>> dem Redakteur Michael Angele, inwieweit für poetische Arbeit nicht doch allein oder vorwiegend das Buch der angemessene Ort ihres Erscheinens sei. Für Romane gab er mir schnell recht, daß allein die ständige Veränderung der Form, Definitionen usw. dieser literarischen Kunstgattung dafür spreche, sie im Netz weiterzuentwickeln. Prinzipiell anders sah er das aber für Lyrik. Entsprechende Sites wie >>>> parallalie und >>>> hor (es gibt Hunderte, ja Tausende weitere, ich nenne einmal nur diejenigen, die mit Der Dschungel in direktem Kontakt stehen) sind ihm ganz offensichtlich gar nicht bekannt gewesen. Das finde ich nicht schlimm, denn keiner von uns kennt alles. W a s ich inkazeptabel finde, ist, wenn dennoch Urteile gefällt werden – im Fall Hettches ganz bewußt wider eigenes besseres Wissen. Hettche steht damit nicht allein. Es geht sehr deutlich – ich glaube da etwas leicht anderes als Keuschnig – um Machtinteressen. Denn interessenterweise, das habe auch, hörte ich, ein Experiment >>>> Urs Engelers ergeben, findet gerade Lyrik im Netz signifikant mehr Leser als in Buchform; übern Daumen gepeilt kommen auf 800 verkaufte Lyrikbände pro Gedicht die zehnfache Anzahl an Netzlesern. Es läßt sich nur (noch) kein Geld mit dem Netz verdienen. Sowie sich das ändert – das heißt: sowie das Netz vom Markt und seinen Vertreterkräften „reguliert“ worden und mit lenkbarer Kaufkraft aufgeladen ist -, werden alledie Netzgegner f ü r das Netz sprechen.

      (Ich werde später noch einige der >>>> Argumente, bzw. Behauptungen Hettches im einzelnen analysieren und widerlegen. Für eine de facto intensive Argumentation war für die Aktion des FREITAGs kein Platz; es standen 12000 Hettche- gegen 3500 Herbst-Zeichen; Hettche vertut allerdings bereits 3500 seiner Zeichen damit, am Fall Hegemann weiterzuverdienen. – Vorerst indes möchte ich weitere Reaktionen abwarten, sowohl hier wie >>>> dort. Auch >>>> in|ad|ae|qu|at will getrennt dazu Stellung beziehen. Zu wünschen wäre eine Debatte, die auch in den >>>> FAZ-Sites Raum greift.)

    • @Herbst Zu wünschen wäre eine Debatte, die auch in den >>>> FAZ-Sites Raum greift
      Genau das wird ja nicht passieren, weil es gegen das Eigenimage der netzkritischen Publizisten wäre: Man setzt sich nicht mit jemanden an einen Tisch, den man nicht für satisfaktionsfähig hält. Ich glaube nicht, dass es nicht AUCH um Machtinteressen geht, aber die tatsächlichen Gründe für die Ignoranz und Arroganz sind profaner: Sie halten sich einfach für besser. Das hat durchaus etwas Koloniales. Leute wie Hettche kolonialisieren den Diskursraum. Sie wollen sich dabei nicht mit „fremden“ Thesen auseinandersetzen, weil sie es „geschafft“ haben.

      Es gibt ins Enzensbergers Bürgerkriegsessay die Beschreibung, als jemand neu in ein Zugabteil kommt und von den dort sitzenden Fahrgästen misstrauisch beäugt wird. Kommt dann an der nächsten Station wieder ein neuer Gast in das Abteil, übernimmt der vorherige „Neuling“ exakt das gleiche Verhalten wie die anderen Fahrgäste. Er ist sozusagen angekommen in seiner Gruppe.

      Einzig die Blogger der FAZ könnten es aufnehmen, aber das ist sehr unwahrscheinlich.

    • „Leute wie Hettche kolonialisieren den Diskursraum. “ Exakt.

      Allerdings bin ich ja selbst wenn auch nur gelegentlicher Autor der FAZ sowie der Frankfurter Sonntagszeitung. Zumindest ich sollte also in den FAZ-Blogs (die es ironischerweise nicht n i c h t gibt) mitspielen und dann andere Autoren nachziehen können. Mal schaun.

    • Dass Sie gelegentlich FAZ/FAS-Autor sind, hatte ich in der Eile übersehen. Ob dies jedoch „genügt“, wird sich zeigen.

      Im übrigen halte ich die Maßnahmen der F.A.Z. einige besonders pointierte und luzide Blogger auf ihren Seiten schreiben zu lassen, für durchaus zukunftsweisend. Das zeigt im übrigen, dass man dort das Netz durchaus auch als Reservoir sieht. Wer bei der F.A.Z. bloggt, hat den „Ritterschlag“. Da ist es fast logisch, dass die FAZ-Blogger im Blogger-„Dossier“ dieser Woche nicht vorkommen; sie sind „vereinnahmt“.

    • Aergerliche Vermengung

      dasperfide an dieser art von kritik ist , dass sie teile von wahrem ( schrumpfung der institutionen , event-isierung der literatur ) mit dumpfen ressentiments vermischt : wenn man so lala durchs netz geht , gibt es ja wirklich scheussliches zeug . aber gälte das denn etwa für die 70 000 neuerscheinungen bei der frankfurter buchmesse etwa nicht ? ( >>> und siehe , die Schirrmacher- Methode … ! ) ausführlich dazu : Passigs „Standardsituationen der Technologiekritik“ …

      dass letztlich DER | DIE mit lieratur ins netz geht ( als wäre dies ein abstellgleis , welches medial so funktioniert wie der druck ) , weil’s sonst keiner nimmt , ist allerdings unterstellung . und : wer ZWINGT die autoren zum medienwandel ?!
      darüber hinaus geht Hettche völlig unberechtigerweise von einem kanon der genres aus , die de facto vielleicht nur mehr als „warengruppe“ firmiert : als würden sich avancierte buchpubkikationen brav an „roman“ , „novelle“ , „poem“ , „essay“ halten …
      schliesslich mit Hegemann | Eszterhazy gewürzt und noch ein bissel „Heidelberger“ drübergestreut , ist diese gyulas reichlich verzichtbar . ABER nützt es , so etwas , wie man in wien sagt , „ned amal zu ignoriren“ ?

  2. Dem „Stürmer“ ähnliche Diffamierungen, wie Sie hier der „Scharfrichter“ gegen Thomas Hettche hinkommentiert hat. Werden sofort gelöscht. Und zwar auch dann, wenn sie Dschungel-Gegner verhöhnen wollen. Völlig egal. Ich e h r e Gegner, die Gesicht zeigen.

  3. Originalfassung der Antwort auf Hettche im FREITAG. Klopapier

    Zu >>>> Thomas Hettches „Wenn Literatur sich im Netz verfängt”.

      

    Am 9. April veröffentlichte Thomas Hettche in der FAZ einen kunstreaktionären Artikel, der die poeti­sche Arbeit diffamiert, die im Internet erscheint. Dazu benutzt er drei die Feuilletons alldurchstapfende Thesen, kriegt freilich den Lehm von den Stiefeln nicht weg.
    1) Das Internet sei nur an Klatsch interessiert und unkonzentriert; es befördere ein, nenn ich das mal, literarisches Pisa. Man sehe das an der unangemessenen Beachtung einer jungen Pla­giatsautorin, der Hettche aber selbst unangemessenen Raum greifen läßt. Denn nicht das Netz war diskutiert, sondern ein Buch. Welchen Dietrich einer benutzt (copy&paste oder Kuli), spielt fürs Plagiat keine Rolle, auch nicht, woraus jemand abschreibt, zumal das Phänomen, wie die Skandalgier, alt wie die Dichtung selbst ist und die Geschichte ihrer Kritik. Bis zu den jüngsten histoires de cul Millets drängt einem eben nicht das Netz, sondern der Buch­markt die Bei­spiele auf. Auch dieses, selbstverständlich, kennt solche Texte. Nur sind Bekenntnisse seit je eine Säule der Literatur: zu denken an Rousseau, an „Montauk” und „Erinne­rung, sprich”. Was jemand schreibt, ist zweitrangig; wie er es macht, ist entscheidend. Im Netz erscheint nicht weniger Müll als im Buch, dessen Trägersubstanz, Papier, öfter noch zum Abwischen dient; mehr Scheiße backt auch an Twitter nicht. Hingegen blendet Hettche, gewiß ein ehrenwerter Mann, alle poetische Netzarbeit aus, die das gefährdete Werk wieder neu focussiert: ob >>>> des von Bense kommenden Kreises um Auer, ob Zint­zens >>>> in|ad|ae|qu|at, ob >>>> Abend­scheins Bibliotheca Caelestis. Deren „Unlite­rarisches” besteht einzig darin, daß sie nicht zwischen Buchdeckel passen. Nicht einmal >>>> hor.de wird erwähnt, ja Hettche verschweigt sogar >>>> Jelineks Sites. Es geht ihm nämlich nicht um Dichtung. Vielmehr läßt sich das literarische Netz (noch) nicht vom Markt regulieren, ja kaum überschauen. Der aber hat, nicht das Netz, die Dich­tung zu „Events” umgebogen. Woran Hettche kräftig mitbiegt, seit er hinaufgebürgert ist.
    2) Das Urheberrecht werde durchs Netz bedroht. Büchern freilich gestattet Hettche die Verletzung des „vom Autor bestimmten Textes”; sie soll nur auf hohem Niveau geschehen. Dem ist beizupflichten. Nur wer bestimmt die Kriterien? Auch hier sieht Hettche nicht wirklich die Dichtung, sondern seine wohlbezahlte Deutungshoheit gefährdet, weshalb er alle, die den Hei­delberger Appell nicht unterschrieben haben, „keine ernstzunehmenden Schriftsteller” nennt. Die Behauptung scheut den Verrat nicht: Auch >>>> Paulus Böhmer, ein enger Freund Hettches, hat den Appell nicht unterschrieben. Anders als der, so lautet suggestiv der Schluß, sind die 2600 Unterzeichner ernstzunehmende Dichter. Die gleiche Rhetorik wischt Rainald Goetz vom Tisch, den Konkurrenten aus Suhrkamptagen, und jeden sonst, der im Netz publiziert und doch auch wichtige Bücher schrieb, zum Beispiel >>>> Benjamin Stein
    3. Literatur im Netz befördere den Personenkult. Dieser ist ein vom Pop an­getretenes Erbe aus Zeiten künstlerischer Autonomie­kämpfe. Um Label zu werden, brauchte Baudelaire nicht, brauchten nicht Pynchon noch Kracht das Netz. Es relativiert den Kult sogar, schon weil er sich, etwa in kom­mentierbaren Blogs, angreifbarer macht als ein Hettche das er­trüge: Zu offen würde benannt, was er absichern will: nicht Qualität, somdern Macht. Wäre der jungen Plagiatsautorin Roman im Netz erschienen, keine Aufferhähnin hätte nach ihm ge­kräht, und auch Hettches wären bedeutungsärmer: so arm schon, wie sie es sind.
     
    3500/3500 Zeichen (ohne Überschrift und biografische Angaben).
    Die Verlinkungen wurden für diese online-Version nachträglich eingefügt.

  4. sumuze sagt:

    Bei dieser (und änhlichen) Diskussionen frage ich mich, ob ein dezentral organisiertes Reden wie im Netz jene eine eminent wichtige Leistung bereit stellen kann, die das (Lackmus-)Papier einer ‚richtigen‘ Veröffentlichung doch stets sehr gut erledigt: die Selektion zwischen jenen Autoren, die begutachtet und verbindlich anerkannt und jenen, die nur als Hobby und sozusagen privat ihre Umwelt mit ihren Werken langweilen oder aufrütteln.

    Selektion nach einem chaotischen (per Akklamation der Masse oder gar eines ‚only the fittest survive‘) Prinzip scheint mir uns Menschen immer eher unheimlich zu sein, weswegen wir uns gerne in Form der Jury, der Redaktion, der Wissenschaft, der Kritik usw. Instanzen dafür schaffen. Diese haben einigermaßen vorhersehbare Kriterien und Ansprechstellen für den Zugang zu ihnen (sowohl was ihr Rekrutieren angeht als auch das Bewerben, Umschmeicheln und Bestechen). Und sie verteilen die gewünschten und benötigten Belohnungen (Preise, Empfehlungen, Ehrungen, Aufmerksamkeit usw.). Fehlen diese Strukturen, sind gesichertes Einkommen, Anerkennung, Auszeichnung usw. permanent in Gefahr. Und ich sehe nicht, daß ein solcher ante-leviathanischer Zustand im Alltag erstrebenswert oder gewollt wäre.

    Solange das Netz keine verläßlichen Schichtungsprinzipien seiner Benutzer und seiner Benutzung und seiner Belohnungen anbietet, wird der sehr menschliche Wunsch nach Status, Prestige, Autorität, Über- und Unterordnung sowie Sicherung des Erreichten wohl immer (noch) von anderen, nicht via Netz ausgewiesenen Instanzen bedient werden müssen. Auch diese Website mit der Galerie der Buchveröffentlichungen des Betreibers quer oben drüber geht in meinen Augen da durchaus einen konformen Kompromiß zwischen Netz und Papier ein, den ich für sehr verständlich und vollkommen akzeptabel halte.

    • @Sumuze. Dieser Kompromiß ist zugleich eine Spaltung, die ich als schmerzhaft erlebe. Tatsächlich bin ich, nicht anders als Hettche, über Bücher sozialisiert und liebe sie und hänge an ihnen. Dagegen sieht mein Geist eine ganz andere Entwicklung, und mehr oder minder gelingend versuche ich, die vorgeblich getrennten Sphären irgendwie – vor allem auch für mich selbst – aufeinanderzulegen. Man kann das meinen Widerspruch nennen; es läßt sich aber auch – weil ich die Tendenz ohnehin ja schon in den Büchern selbst habe – als Lust an einer Vermischung begreifen – womit ich in einer philosophischen u n d poetischen Tradition stehe, die als Manifest zur Zeit der jüngsten literarischen Moderne im Zwanzigsten Jahrhunderts formuliert worden ist. Es geht nicht ohne Ambivalenz, glaube ich, und man muß sich ihr aussetzen, auch wenn Besitzstandssicherung angenehmer ist. Dabei zweifle ich nicht daran, daß auch auf den Umbruch, den die Neuen Medien – sogar nur auf der Erscheinungsebene – darstellen, ein nächster Umbruch folgen wird, von dem wir noch gar keine Vorstellung haben.

      Übrigens hatte ich auch Ihre Site erwähnen wollen, aber als ich sie ansteuerte, war sie nur für, sagen wir, Eingeweihte offen. Es wäre da wenig sinnvoll gewesen, einen entsprechenden Link zu legen.

      Die „verläßlichen Schichtungsprinzipien“ sind aber auch gerade das, was M a c h t konsolidiert und das Fremde ausschließt. Sie sind i m m e r der Tod von Kunst. Wer urteilen will, muß das Risiko eingehen, daß er sich irrt und dann irgendwann ziemlich nackt dasteht.

    • Das Netz zeigt deutlich, wie diese verläßlichen Instanzen, die man im Gemeindeutsch „Gatekeeper“ nennt, erodieren. Und zwar aus zwei Gründen:

      1. Die Kriterien der Gatekeeper bleiben weitgehend unklar.

      2. Es ist ihnen u. a. durch das Netz leichter nachzuweisen, dass sie nicht neutral sind.

      Jede Sichtung impliziert bereits eine Auswahl, die von Leuten getroffen wird, deren Kriterien mir nicht oder nicht genügend bekannt sind. Die Verläßlichkeit der Gatekeeper im „Nicht-Netz“ ist demzufolge nur eine Simulation von so etwas wie Neutralität. Im Netz zeigen sich Strukturen durch Verlinkungen viel schneller und sind transparenter als irgendwelches Geklüngel in Redaktions- oder Weinstuben. Der Wunsch, der Unübersichtlichkeit des Netzes Herr zu werden, ist sicherlich nachvollziehbar. Der Rezipient wird durch das Netz viel mehr gefordert, diese Gatekeeper-Funktion selber auszuüben. Er entscheidet, welche Medien er an sich heran lässt und welche nicht. Er entscheidet, wem er Kompetenz zuspricht, und zwar aufgrund der Leistung, die er selber bewertet.

      Ich bin ausdrücklich KEIN Netzapologet und halte vieles, was man dort zu lesen bekommt, für schrecklich. Aber es gibt interessante Chancen, die man sich nicht per se vermiesen lassen wollte.

      Das alles gilt natürlich speziell für Journalistik, aber durchaus auch für Literatur im Netz. Hettche hat ja recht, wenn er betont, dass die Literaturrezeption eine andere geworden ist und werden wird. Aber das hat mit dem Internet rein gar nichts zu tun. Das ist in etwa so, als wollte man die Finanzkrise dafür haftbar machen, dass in Island dieser Vulkan ausgebrochen ist.

    • @Keuschnig. Bekanntlich l i e b e ich Vulkane!

      (Danke für den wirklich tollen Vergleich.)

      Aber was unterscheidet diese Ihre Aussage von einer, die man nicht unähnlich über die in inflationärem Ausmaß erscheinenden Bücher treffen kann, ja m u ß?: „…und halte vieles, was man dort zu lesen bekommt, für schrecklich.“ Das geht mir selbstverständlich auch so. Aber dies hat mit dem Netz-als-solchem, wie Herr Schirrmacher und seine Domestiken das insinuieren wollen, gar nichts zu tun. Die Schirrmacher-Linie ist eine im Absturz der Umsatzzahlen.

  5. Netwatch sagt:

    Andrea Diener zu Hettche und seinem Literaturkonzept http://aviess.posterous.com/dies-ist-meine-literatur-lasst-es-eure-sein

  6. sumuze sagt:

    @albannikolaiherbst

    Genau das „Die ‚verläßlichen Schichtungsprinzipien‘ sind aber auch gerade das, was M a c h t konsolidiert und das Fremde ausschließt. Sie sind i m m e r der Tod von Kunst. Wer urteilen will, muß das Risiko eingehen, daß er sich irrt und dann irgendwann ziemlich nackt dasteht.“ bezweifele ich.

    Ich sehe dagegen, daß, wer einmal in ein exklusives Stratum vorgedrungen und dort zugelassen worden ist, diese Eigenschaft (oft eifersüchtig) behält und mit sich trägt. Daß manchmal noch die banalsten Äußerungen zu geheimnisvollen Einsichten verklärt werden, wenn sie nur von jemandem stammen, der irgendwo anders sich Meriten erworben hat, sollte jedermann kennen. Wie auch den Maler, der als Guru fernöstliche Lebensweisheiten absondert, den Dirigenten, der allseits beachtete Gedichte sich ausdenkt oder den Poeten, der emsig den Large Hadron Collider und die Stringtheorie erklärt. Solche (in meinen Augen eher traurige) Gestalten sind in den Medien gern gesehen, und von ihnen wimmelt sicherlich auch die Kultur- und Kunstszene. Eben weil angehefteter Status behalten und übertragen werden kann und soll. Das ist ein durchaus willkommener Nebeneffekt von Macht.

    Ob dieses (die Schichtung) der Tod ‚der Kunst‘ ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich ‚die Kunst‘ nicht kenne und mir nicht anmaße, Kunst von Nicht-Kunst zu scheiden. Ich kenne Künstler, und ich sehe, daß sie Risiko ebenso meiden wie jeder andere Mensch auch. Sie lieben den Gestus des Risikos, das macht sie oft amüsant und spannend, aber auch sie müssen Miete zahlen und ihre Kinder in die Schule schicken. Die Kunstszene (als Lebensraum) dagegen ist immer ein Teil der Macht, wenn auch nur als Appendix, die sich (in ihren Produkten) gern autonom oder avantgardistisch handelnd wähnt.

    Zum Link: Das SuMuze-Blog habe ich beendet, es ist nur noch als Steinbruch für private Zwecke vorhanden. Der Link unter dem Sumuze-Nick oben funktioniert aber, führt jedoch nicht auf ein Blog, sondern eher auf eine Art Netz-Notizbuch ohne viel Konnektivität.

    @Gregor Keuschnig

    Jede Sichtung impliziert bereits eine Auswahl, die von Leuten getroffen wird, deren Kriterien mir nicht oder nicht genügend bekannt sind. Die Verläßlichkeit der Gatekeeper im ‚Nicht-Netz‘ ist demzufolge nur eine Simulation von so etwas wie Neutralität.

    Das ist richtig. Es spielt aber auch keine Rolle. Solche Schichtungen reflektieren Macht, Privilegien usw. und stehen nicht uneingeschränkt jedermann zur Disposition. Gerade das Geheimbündlerische und für Nichtmitglieder Undurchschaubare der Gatekeeper- und Kulturwächter-Zirkel schätzen Menschen sehr, sind sie erst einmal darinnen angekommen, und halten dann (meistens glücklicherweise auf die Dauer erfolglos) oft eifrig hinter sich die Türe zu! Ich denke, das ist eine sehr menschliche Eigenschaft. Wer möchte denn schon, kaum hat er sein nettes Eigenheim bezogen, die Nachbarn im Schlafzimmer vorfinden, die dort neue Tapeten haben wollen?

    • @Sumuze: die Tür zuhalten. Genau deshalb gibt es Revolutionen, im sozialen Alltag wie in der Kunst. Wir erleben soeben eine im Medienumbruch. Daß die Dinge so liegen, wie Sie ihnen attestieren, will ich überhaupt nicht bestreiten. Es greift aber zu kurz zu sagen: Das ist eben so. Es wird sich ändern, und Leute wie Hettche werden fallen. Hat sich die neue Situation als neue stabilsiert, wird s i e in die reaktionäre Lage geraten und ihrerseits fallen. Ich schließe mich da völlig mit ein. Imgrunde funktioniert so die Evolution. Ich fand nur, daß Hettche zu jung dafür ist, an der historisch falschen Position zu stehen. Es hat etwas Lächerliches. Stünde dahinter nicht die gesamte Betriebsmacht einer zugleich längst stürzenden Buchmarktkultur, die deshalb versucht, die andere Kultur niederzutreten, schwiege ich deshalb auch lieber; immerhin war ich mit Hettche einst befreundet. Aber schon sein Unternehmen – zusammen mit Dean, Politycki und Schindhelm – in eine „relevante“, das heißt: an der Macht mitbeteiligte – Position der politischen Mitte zu rücken, war das Zeichen für einen angestrebten neubürgerlichen Ausgleichskonservatismus, der der parallellaufenden politischen Affirmation die Schuhe geputzt hat und Begriffe (nein: Inhalte) wie Utopie, Emanzipation, Gleichberechtigung aus rein persönlichem Partizipationsinteresse anheimgibt. Wir diskutieren hier nicht nur ein publizistisches Orchideensegment.

    • @Herbst Es wird sich ändern, und Leute wie Hettche werden fallen.
      Ja, natürlich. Aber – und das ist meine Prognose – die „anderen“ Leute (sprich auch Sie oder – mit Verlaub – ich) werden auch „fallen“. Am Ende wird eine Oase der Banalitäten stehen. Ich glaube allerdings tatsächlich, dass dies durch das Netz beschleunigt wird, allerdings nicht absichtlich. Die so viel beschworene „Demokratrisierung“ des öffentlichen Raums (eben durch die Netzmedien) ist ja eigentlich eine Horrorvorstellung. Das andere allerdings auch.

    • @Keuschnig zur Oase der Banalitäten. Daran glaube ich nicht. Ich glaube mit allem Feuer, das ich habe, daß es immer einen Widerstand geben wird, einfach, weil es immer Eros geben und Eros immer, allein wegen seines Sehnsuchtspotentials, nicht nur natürliche, sondern auch Kinder der Kunst sowohl zeugen wie empfangen wird. Das gehört so nicht hierher wie etwas anderes nicht, auf das ich soeben >>>> in meinem Arbeitsjournal eingegangen bin, um 13.37 Uhr, aber es ist meine Überzeugung… nein: wirklich mein Glaube, daß das Kunstfeuer vielleicht mal etwas einglimmen, nie aber völlig erlöschen, sondern immer wieder hell und hoch aufflammen wird. Eros und Kunst haben miteinander gemein, nicht sonderlich sozial zu sein; genau deshalb wird beide die Demokratisierung nicht stören.

    • troll sagt:

      können sie nicht einfach mal irgendwo einen punkt machen anstatt dauernd weiterzuquatschen ?
      nervt mich schon wieder völlig dieses allgemeine blabla richtung demokratisierung.
      was heisst denn demokratisierung für sie wogegen sie so unverständlich wettern ?
      die vorstufe einer anarchosyndikalistischen gesellschaft etwa, oder watt ?
      sie texten und texten und texten und texten – die seminare lassen von jahhr zu jahr immer mehr & gebildetere studenten raus und sie reden von verflachung ?
      hä ?

    • sumuze sagt:

      @albannikolaherbst Eine Revolution im Medienbereich vermag ich (leider) nicht zu erkennen. Was ich dagegen sehe, ist ein Prozeß der beginnenden Domestizierung eines noch nicht ausreichend formierten Sektors Technik-basierter Kommunikation.

      Schauen Sie sich einmal die Geschichte des Kurzwellenfunks in den USA an. Die startete in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ähnlich dezentral und chaotisch und anarchisch-demokratisch wie das Internet, und wurde dann recht schnell rechtlich und ökonomisch kanalisert. Mit dem bekannten Resultat. Gleiches, so bin ich überzeugt, steht dem Internet bevor. Daran werden auch noch so tapfere und spannende Diskussionen der emsigen Konsumenten/Benutzer (alike re:publica) nichts ändern. Allein schon, weil eine auf Technik basierende Kommunikation ohne jene die notwendigen Mittel und Regulierungen bereit stellenden und wartenden Firmen und Organisationen und Staaten nicht funktioniert. Von den ordnungspolitischen Vorstellungen der diversen interessierten Gruppierungen ganz zu schweigen.

      Daß Eros und Kunst sich nie ganz formieren, kanalisieren und kastrieren lassen, sehe (oder genauer: hoffe) ich dagegen wie sie. Aber mit Künstlern geht das Formieren ganz prima, weil sie Menschen sind. Soziale Systeme aus Belohnung und Strafe schaffen das immer, und am leichtesten noch just bei den Menschen, die am Ende mit Fleiß ihren geschliffenen Verstand einsetzen werden, um sich ihren Status je nach Bedarf schön zu denken, haben sie erst den ihnen zugebilligten Platz eingenommen.

      Hieß es nicht eine Zeit lang auf Klappentexten und ähnlichen Machwerken immer so schön: der Künstler im Spannungsfeld aus archaischer, unbedingter Natur und ordnender, bedingender Vergesellschaftung?

    • Konsolidierung. Vieles von dem, was Sie sehen, sehe ich nicht anders. Es wird nur oft vergessen, daß die konsolidierenden Kräfte in neuen Medien schließlich andere sind, als diejenigen, die zuvor konsolidiert hatten. Die Strukturen wiederholen sich, ganz sicher, aber ähnlich, nicht identisch. Vor allem ändern sich Inhalte und deren Formen. Dies geschieht momentan im Netz.
      Worum es mit in meiner Polemik geht, was auch in ihr so drinsteht, ist nicht, daß es keine Kräfte gäbe, die festhalten wollen, sondern daß es Kräfte gibt, die den Anschein des Modernen haben, aber längst die Fronten gewechselt haben und ganz anders als das, was sie vorgeben, an Machtkonsolidierung interessiert sind. Mehr habe ich im Freitag erst einmal nicht geschrieben. Es ist ja Hettche gewesen, der von einer bedrohten Kunst spricht, ich selber sehe sie nicht bedroht.
      Selbstverständlich wird man das Netz nach und nach domestizieren; wenn das gelungen ist, haben aber andere, nicht die Domestizierer, die Standards gesetzt, die dann auch sie und nicht die Domestizierer „verwalten“ werden – in einem weiten Sinn mal gesprochen. Sie werden die entsprechenden Namen sein. An Hettches schon damals völlig verfahrenem „Null“ kann man sehen, wie um so etwas bis heute eine da nicht einmal begründete Legende kreist. Aber „Null“ ist ein anderes Thema, den Nullzahn will ich hier nicht ziehen.

      Und sicher, Menschen werden ihren erlangten Status verteidigen (Hettche verteidigt aber eigentlich ohne Not, oder?); doch andere Menschen werden sie ablösen oder wenigstens an ihre Seite treten, wenn auch oft genug posthum. Denken Sie an den Goethe/Kleist-Zusammenhang.
      Den ihnen zugebilligten Platz nehmen sie ein: das ist nicht zu Unrecht auch ein Begriff aus der Kriegführung. In der Kunst sind sogar die allermeisten, die zu ihrer Zeit „Bestseller“ waren, schlichtweg vergessen, und die Hölderlins stehen dann da, auch wenn ihre Kritiker und Mißgönner dann noch als Leichen die Zähne verlieren.

    • Aikmaier sagt:

      zu Herbsts „Hettche verteidigt aber eigentlich ohne Not, oder?“ –
      Das scheint mir der interessante Punkt an seinem monumentalen Leit-Artikel zu sein. Man kann selbstverständlich über die Zukunft der Kunst spekulieren, sei es mit oder ohne Internet, sei es mit oder ohne heilsgeschichtliches Modell im Hintergrund. (Ich persönlich muss eher Keuschnigs Ansicht zuneigen, dass es netz- und andersliterarisch ebenso wie anderswo auf einen Banalitätenreigen funktionalisierter Halbbildung hinauslaufen wird.)

      Spannender aber ist es, Hettches Text als Phänomen zu betrachten: Was bringt ihn, der keine Verlage oder Zeitungen zu leiten hat und der de facto fest im Betrieb verwurzelt ist, wohl dazu, ein solches Pamphlet zu verfassen? Das ja nicht nur einen Verrat darstellt (insofern ist Herbsts Hinweis auf Böhmer wichtig), sondern Teil einer größeren Kampagne der FAZ gegen das Netz ist? Einer FAZ, die ja ihrerseits keineswegs auf dem alten Standpunkt der (journalistischen) Kunst einen Elfenbeinturm errichtet, sondern ihrerseits einen Blog betreibt, sich mithin an jener Literatur beteiligt, auf die nun öffentlich kartätscht wird? Warum gibt er sich dafür her, Schirrmachers Karren zu ziehen, wohin immer der rollen mag? – Ich weiß es nicht, trauere nur ein wenig darüber, dass ein Autor, der doch ‚Ludwig‘ und ‚Arbogast‘ geschrieben und Aretino (!) herausgegeben hat, sein Fell so billig zu Markte trägt.

      (Billig, schon fühlbar in der langen Exposition über Hegemann, über die nun doch wirklich jeder genug gelesen haben sollte.)

    • Herr Überflieger sagt:

      @aikmaier „banalitätenreigen funktionalisierter halbbildung“ – also mich interessieren schon seit geraumer zeit keine monolithischen textkörper mehr im netz, es ist ja auch das netz
      und nicht eine spielzeugburgenansammlung von sich gewichtig oder avantgardistisch fühlenden leuten.
      je mehr leute im netz aktiv kunst betreiben, desto mehr müssen sich die texte straffen, aber auch verfeinern, damit ein zusammenklang überhaupt entstehen kann/könnte.
      so – und das bitte wie gehabt löschen – aber bitte wenigstens zur kenntnis nehmen.
      also eine verweildauer dieses posts von etwa einer stunde wäre mir lieb.

    • steht mit faust sagt:

      werd ich zum posting sagen: verweile doch! du bist so schön! dann magst du es mit löschen strafen, dann will ich es verschwinden sehen!

    • Stumpfrichter sagt:

      sorry aikmaier ich möchte mal wissen – was an Hettche als Künstler oder gar „Literat“ zu finden ist. NICHTS – würde meine Antwort lauten, ausser Gemanistenklügelei und in letzter Zeit hektisch blinkende Positionslämpchen einer sinkenden Schabrakke.

    • stumpfrichter sagt:

      frage mich warum alle das so ernst nehmen?

    • @stumpfrichter. Wenn Sie Ihre Meinung am Text belegen würden, ließe ich Ihre beiden Kommentare stehen; ansonsten kommen sie weg, weil sie weder etwas zur Sache beitragen noch ihrem Gegenstand, nämlich Hettches Prosa, auch nur entfernt gerecht werden. Ich habe >>>> an anderer Stelle sehr deutlich und belegt auf Hettches Qualitäten hingewiesen; meine jetzige Polemik gegen seine Positionierung relativiert diese Einschätzung n i c h t. Sondern in Hettches Artikel geht es um eine angepaßte Machtwahrung, die andere Kunstauffassungen mit unlauterer Rhetorik und dem ganzen FAZ-Apparat dahinter niedermähen will. Das sagt aber nichts, gar nichts, gegen Hettches hochentwickelte Prosakunst. Um es knapp zu formulieren: Man kann menschlich ein Arschloch sein und dennoch große Werke schaffen.

    • stumpfrichter sagt:

      moment….kommt gleich, die textkritik: Nichts leichter als das. Im übrigen gibt es auch unter den Arschlöchern solche und solche. Warum belegt ein Lober wie Aikmaier seine Hettche-Begeisterung nicht mit Textstellen?

    • Aikmaier sagt:

      im krebsgang geantwortet: @ stumpfrichter: „Warum belegt ein Lober wie Aikmaier seine Hettche-Begeisterung nicht mit Textstellen?“

      weil es ihm zu mühsam ist, jetzt hier texte einzukopieren bzw. zu tippen, nur weil es Ihnen zu mühsam ist, ein buch aufzuschlagen. kennten Sie den ‚fall arbogast‘ oder ‚Ludwig muß sterben‘ wüssten Sie, dass hettches roman zu dem guten gehören, das der postmoderne impuls in deutschland ausgelöst hat. spätestens mit ’nox‘ hat er bewiesen, dass er auch andere gattungen beherrscht. seine jüngeren werke habe ich nicht mehr gelesen, nicht aus desinteresse, sondern weil ich nicht beliebig viel zeit zur verfügung habe und diese dann eher von georg klein gefüllt war. das „geklüngel“ um ihn interessiert mich eigentlich nicht, allenfalls insofern, als er sich offenbar jetzt selbst erfolgreich in der Schirrherrschaft ‚eingeklüngelt‘ hat.

      PS.: auf den ersten blick las ich Ihre attribuierung meiner Person als ‚Lobster‘, wurde dann aber in meiner erwartung eines launigen bildes getäuscht.

      @ Herbst: „Man kann menschlich ein Arschloch sein und dennoch große Werke schaffen.“

      Mit Blick auf weite Teile der Literaturgeschichte ließe sich diese These sogar noch zuspitzen.

      @ Herr Überflieger: insgesamt.

      „Well, that’s your opinion, man“, würde Ihnen ein gewisser lebowski wohl antworten. ich schließe mich da an. vielleicht haben Sie meine parenthese zu konkret gefasst. ich sprach nicht unbedingt nur von netzliteratur und schon gar nicht von aller, als ich von banalitäten schrieb. überhaupt war es nur eine parenthese, da es mir um zukunftsspekulation nicht ging, ich vielmehr über hettches (ausgerechnet!) vehralten sehr verwundert war und bin.

      zu einzelnem: „je mehr leute im netz aktiv kunst betreiben, desto mehr müssen sich die texte straffen, aber auch verfeinern, damit ein zusammenklang überhaupt entstehen kann/könnte.“

      entscheiden Sie sich doch mal für einen modus! abgesehen davon: müssen die leute si handeln? ich bezweifle es. Sie mögen ja kein interesse mehr an „monolithen“ haben, aber auch solche großen brocken können sehr fein geädert sein und beim gekonnten (lektüre-)schlag in viele facettierte einzelstücke zerfallen. in diesem sinne ist die bibliotheca caelestis für mich ein monolith und dabei keineswegs so gestrig, wie Ihre unterscheidung es, tendenziös, natürlich, nahelegt.

    • cellini sagt:

      @Aikmaier Sie haben d i e Frage überhaupt gestellt, eine, die ich heute früh in einer Korrespondenz auch stellte. Warum hat Herr Hettche diesen Artikel geschrieben… als Antwort fiel mir dazu mein eigener Verleser ein, der mich statt „verläßliches Schichtungsprinzip“ (siehe Austausch Sumuze/Herbst)…. „verläßliches Sichtungsprinzip“ lesen ließ.

      Wiewohl ich an Hettches Eingangssatz hängengeblieben bin….

      „Literatur besteht nicht aus Büchern, weder aus papiernen noch aus digitalen. Literatur besteht aus Romanen, Sonetten, Erzählungen, Novellen, Oden, kurz: aus Werken, abgeschlossenen, nach bestimmten ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten organisierten Gebilden, die eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, nur aus sich selbst heraus verstanden werden und auch auf nichts anderes reduziert werden können.“

      Wenn man sich Ihre Frage vor dem Hintergrund dieses Eingangssatzes ansieht, hebt sich der Inhalt des ganzen Artikels ineinander gegeneinander auf. Also wieder die Frage: Wieso hat Herr Hettche das so geschrieben?… als reine Provokation?…. damit mal wieder ein bißchen Schwung in die Szene kommt?

      Und eines hat Herr Hettche überhaupt vergessen… wo landen zwischen zwei Buchdeckeln geklappte ganz alte Texte letztendlich?, wenn man die Bücher nicht mehr kaufen kann, sie vom Markt verschwunden sind?

      Im Netz (siehe Gutenberg; pro Tag bis zu 30.000 Leser, oder Google)

    • @Cellini. Frédérik T. zum Mord an Herrhausen 1989: „Wenn Sie wissen wollen, wer schuldig ist, dann schauen Sie sich immer an, wer etwas von der Tat hat. Dann kennen Sie die Mörder.“

    • stumpfrichter sagt:

      hier ein kurzer Auszug: „Sie lachte wie über etwas, das sie gerade entdeckt hatte, und sah sich nach ihm
      um. Er ging auf dieses Lachen zu und ließ dabei die beiden Flügel der Schwingtür langsam über die offenen Handflächen gleiten und dann sehr vorsichtig los. Es gab nahezu kein Geräusch, als die Tür zurückschwang, er in den Dämmer des Abends hinaustrat und in ihr Lachen hinein. Immer würde er sich später an diesen Moment der Stille erinnern und wie das kühle und glatte Holz der Türblätter über seine Hand wischte, als ermunterte man ihn. Das war der Moment, als es begann. Und wenn er sich später ihr lachende Gesicht vergegenwärtigte, wußte er noch nicht einmal zu sagen, was darin ihn so in den Bann schlug. …..“

      Sorry, Lober, das ist ein Romananfang. Bitte: Der erste Satz ist schon holprig. Sie lachte wie über etwas…..was ist denn das für eine Hilflosigkeit?
      und ganz unten wird „in den Bann geschlagen“

      Das kühle und glatte Holz der türblätter wischt über seine Hand, – und daran soll sich einer erinnern, wenn er gleichzeitig eine Frau lachen hört, in die er sich womöglich verguckt….was ist denn das für ein gekünsteltes und herangeschaufeltes Gestammel, für eine herbeigefühltes Gefühligkeitsgeschreibsel. Und das ist erst der Anfang eines Romans!!!
      Nee, also wirklich sorry, Freunde!

    • stumpfrichter sagt:

      das war aus „arbogast“

  7. Zu „Überflieger“ und anderen. Beiträge, die nicht zum Thema gehören, lösche ich aus diesem Kommentarbaum, ebenso Beiträge, die nur quasseln. Gleichfalls habe ich „Stulli“ gelöscht, der hier bekanntermaßen immer wieder lümmelartig hermtrollt. Die meisten dieser Art erkennt man bereits an den Nicks, die sie sich ja nicht grundlos wählen. @Überflieger: Ihre direkte Antwort auf Aikmaier wäre stehengeblieben hätte sie sich nicht abermals wieder im völlig Beliebigen verloren.

    • stumpfrichter sagt:

      @aikmaier… ich habe jetzt darauf gewartet eigentlich, dass Sie hier den Finger heben und sagen: „Ja, natürlich ist das furchtbar geschrieben, und für einen Romananfang sogar überdiemaßen unerträglich schlecht, und man wagt garnicht, diesen furchtbar schlecht angefangenen Roman weiterzulesen, aber immerhin hat ja Hettche hier zwinker zwinker für die Kenner eine berühmte Stelle aus Zauberberg zitiert, wo nämlich die schöne Clavdia Chauchat durch die Glastür in den Ess-salon kommt, zwinker zwinker, hi hi Hettche hat das ja umgedreht und lässt jetzt einen Mann hi hi auch durch die Flügeltür kommen….und ich wollte ihnen dann antworten, ja sehen Sie lieber Aikmaier, unterstellt, dass H. das zitieren wollte, was noch nicht mal ausgemacht ist, ist das aber so unterallerkanone viel schlechter geschrieben als bei Thomas Mann – und genau diese Mischung, diese Mischung aus Gemanistenzwinkerzwinker und unsagbar schlechtem aus Hohl-PVC-Rofilrohr – mit der Klebepistole gebasteltem Schreiben, ist genau das, was die papiernen Redakteurs – und Kritikerherzen nicht pumpen sondern rascheln lässt, und ist genau das, was Leute wie Hettche und Leute wie Katharina Hacker und wie sie alle heissen in die Kanäle bringt. Es sind diese geklügelten, ungelebten, uninspirierten und wirklich verdammt sehr wahnsinnig schlecht, ja schon beinahe verlogen schlecht gedrechselten und verholperten Semi – und Pseudo- und Zwinker – Texte – die hierzulande repräsentieren, was Literatur heißen soll – und frage mich, warum keiner hier mal darauf hinweist, dass allein deshalb eine Stimme wie Hettche weder Gewicht haben kann, noch sonst irgendeine Bedeutung – und damit – Herbst – wäre wohl auch ihr – „ehrenwerter Mann“ – Verschreiber nun hoffentlich aus der Welt geschafft.

    • @Stumpfrichter, ehrenwert. Mir unterlaufen Tippfehler, ja. Aber ich verschreibe mich nicht.

    • Aikmaier sagt:

      abermals krebsend: @ Herbst: „ich verschreibe mich nicht“

      doch. und zwar der dichtung (mit eros), wie ich mittlerweile wohl unterstellen kann.

      @ stumpfrichter: erwartungen

      mit selbigen ist es so eine sache. ich wollte in der tat auf Ihr zitat des ‚arbogast‘-angfangs eingehen, wurde aber zur oper abgeholt (bernhard lang: Montezuma – Fallender Adler, bei dem ich zum ersten mal die klangliche qualität der wiederholung in extenso genießen konnte), so dass ich jetzt erst auf Ihre zweifellos abermald tendenziöse darstellung eingehen kann. nämlich so: t. mann mit hettche zu vergleichen: nein, dessen entblöde ich mich keineswegs. vielmehr hätte ich Sie darauf hinweisen wollen, dass mit der schwingtür, der lachenden schönen und dem „Bann“, dem der ich-erzähler ausgesetzt ist, dreierlei zitiert wird, was man mit fug und recht als ingredienzen des klassischen kriminalromans (d. hammett & co., vielleicht wissen Sie, was ich meine) bezeichnen kann. und das ist der ‚fall arbogast‘ ja auch: ein kriminalroman, freilich ein postmoderner, kein klassischer und kein ’stopfkuchen‘, sondern eben etwas eigenes, was hettche (für mich) zu einem autor macht, mit dem man rechnen muss – müsste, sollte ich sagen, denn sein FAZ-auftritt hat ihn doch ein wenig zurückgestuft – für mich zumindest, denn (und das repliziert auf Ihre einschätzung im ganzen): de gustibus non est disputandum. (das würde heute auch kein germanist mehr sagen, oder?)
      zwinkern Sie, soviel Sie wollen. aus Ihrer eigenen tendenz-maschinerie kommen Sie, stumpfrichter (adam?) einfach nicht heraus. judizieren Sie sich also getrost selbst den hals in das eisen.

      @ cellini; schön zu lesen, dass Sie das gleiche an diesem FAZ-pamphlet gestört hat wie mich. ich halte Ihre erklärung für plausibel und kann dennoch nicht anders als mich zu wundern. ja: hettche hat mich gewissermaßen enttäuscht. ich hätte mehr rückgrat erwartet. nicht von schirrmacher. (wer die geschichte seiner dissertation kennt, weiß, um wen es geht!) aber von einem autor, den ich einmal schätzte. übrigens schätze ich auch Sie. erfreulich, ganz nebenher, dass man wieder des öfteren etwas von Ihnen in der dschungel liest.

    • stumpfrichter sagt:

      Thomas Hettche, @aikmaier sie haben wieder nicht verstanden: es geht nicht darum, ob oder wem jemand nachschreibt oder zitiert. Wenn jemand „in den Bann schlagen“ sagt, dann ist das schlecht geschrieben – so einfach ist das.
      Und wissen Sie, was noch schlechter ist, als schlecht schreiben?
      Mittelmäßig gekonnt schreiben. In einem geborgten, ausgeliehenen literarisch-sich anhören-sollenden-Ton.
      Und deshalb gehört Hettche in diese mäßige Mittelklasse von eigentlich Uninspirierten mittelmäßigen mäßig mittleren Sätzeaneinanderreihern. Diese Nissan-Sunny- Schriftsteller oder – wenn es hoch kommt – diese VW-Golf-Schriftsteller, die glauben, der Literatur sei genüge getan wenn sie mäßig gut mit aneinandergereihten Sätzen zusammengsetzt it. Und wenn sie hier noch mal einen Beamten, bundesdeutschen Abiturienten und Durchschnittsbürger auch nur ansatzweise und im gleichen Atemzug mit einem Giganten der Kriminal – Litaratur nennen, dann werde ich mich hier als Kritiker betätigen.

    • Aikmaier sagt:

      @ stumpfrichter; vielen dank. Ihre drohgebärde hat mir den morgenkaffee gesüßt.

      „dann werde ich mich hier als Kritiker betätigen.“

      aber das tun Sie doch schon, oder? wie gesagt: Sie können Ihre literarische deutungshoheit inklusive gebrauchtwagen-metaphern gern behalten. ob hettche ein guter oder schlechter oder gar kein dichter ist: jedenfalls hat er sich mit seinem FAZ-monolithen blamiert. d a r u m ging es mir, nicht um literarische wertung.

    • Einige Kommentare gelöscht. Diese Diskussion hat mit der Frage, ob und inwieweit Thomas Hettche ein guter Schriftsteller sei, nichts zu tun. Einzelne Satzkritiken werden deshalb fortan gelöscht, auch Angriffe auf Hettche, insoweit sie mit seiner Internet-Position nichts zu tun haben. Wer das möchte, kann sich über Hettches Romane anderswo streiten; dasselbe gilt für Angriffe, bzw. persönliche Unterstellungen, die mich selber betreffen.
      Der Kommentarbaum ist unterdessen zu unübersichtlich, als daß alles stehengelassen werden dürfte, was den Diskutanten noch nebenbei so einfällt, zumal die Positionen gegenüber Hettches Büchern genannt sind.
      ANH
      17.4., 12.21 Uhr.

    • stumpfrichter sagt:

      die Textdiskussion gehört hier hin, Sie hätte an erster Stelle gehört, um die Frage zu klären, Kraft welcher Wassersuppe Hettche seine Deutungshoheiten oder albernen Manifestationen erstellt. Und siehe da, kaum schaut man auch nur ein bisschen genau hin, löst sich die Fatamorgana „Literatur von Thomas Hettche“ oder die Fata Morgana „Der Literat Thomas Hettche“ auf.

      Das hätte hier am Anfang stehen müssen, weil die Diskussion ansonsten nur eine Aneinaderreihung von Eingeschnapptheiten bleibt, zu denen man entweder die Achseln zuckt oder auch nicht.

    • @Stumpfrichter. Unabhängig davon, ob Ihre Meinung zu Hettche stichhaltig ist oder nicht, verkennen Sie die Situation, da Sie davon auszugehen scheinen, daß Macht und Machtausübung in kulturellen Belangen von der Qualität der Arbeiten derer abhängen, die sie ausüben. Das ist nicht so, es gibt nicht einmal einen Zusammenhang. Will sagen: für Macht ist es völlig nachrangig, ob jemand „gut“ oder „schlecht“ ist; allenfalls ist wichtig, für was er gilt. Es gibt sehr gute Autoren mit Macht, es gibt sehr schlechte, und es gibt jede Stufe dazwischen. Von daher k a n n es in dieser Diskussion nicht um Qualität gehen.
      Im übrigen haben mich Ihre Argumente gegen Hettches Kunst nicht überzeugt; es gibt Hunderte begründete gegen Ihre Meinung. Nur werde ich diese Diskussion hier nicht führen. Wenn Sie das nicht akzeptieren, werden Ihre Beiträge gelöscht werden. Die Dschungel sind kein Spielfeld der Mitbestimmung; das scheint sich immer noch nicht herumgesprochen zu haben. Ich bin, um es deutlich zu sagen, kein Demokrat, schon gar nicht ein Vertreter irgend einer Form von „Basis“demokratie.

  8. Alea Torik sagt:

    Ich habe mich nun ebenfalls an dieser Diskussion beteiligt, spät allerdings Mein Beitrag findet sich hier: http://titel-magazin.de/artikel/3/7301.html Es geht in dem Artikel vor allem um die re:publica. Erst im letzten Drittel komme ich auf die Diskussion um die Netzliteratur zu sprechen.
    Aléa Torik

  9. phyllis sagt:

    Nullrelevanz >>> Ein Potpourri bekannter Blogger, zu beklemmender Harmlosigkeit zusammengerührt, heute in der FAZ.
    Kein literarisches Weblog wird auch nur erwähnt.

    • @phyllis. Bereits gesehen und gelesen. Ich werde später einen eigenen Beitrag dazu verfassen und ihn ABBESTELLT DIE FAZ! nennen. (Kann sein, daß mich das meine dortige Mitarbeit kostet, aber darauf kommt es nicht an.)

      Ich werde dann von hier nach dort und rückwärts verlinken. >>>> Ihre knappe Einlassung bringt es in Knappstheit auf den Punkt. Nicht erwähnt wird selbstverständlich auch >>>> meine Replik auf Hettche.

    • phyllis sagt:

      Geschähe das wirklich, dass Ihnen die Mitarbeit entzogen würde, würde zumindest offensichtlich, dass Die Dschungel in der Redaktion gelesen werden.
      Und dass somit Absicht hinter ihrer konsequenten Nicht-Nennung steckt.

    • @phyllis. Die Dschungel w i r d gelesen… Sie ahnen nicht, von wem alles. (Ich selbst ahne das wahrscheinlich nicht, höre aber immer wieder, bisweilen erschrocken, wer alles mitliest. Das hat, selbstverständlich, auch unangenehme Folgen für mich.)

    • RICHTIGSTELLUNG. Ich hab’s eben schon >>>> im Arbeitsjournal notiert: Der FAZ-Artikel erschien im Druck bereits am 14.4., er kam nur heute erst ins Netz. Bezeichnend ist, daß er dort, von einer an sich netzfremden Quelle, eher wahrgenommen wurde, ja überhaupt erst wahrgenommen wurde. Das zeigt deutlich das Recht, das die Printmedien haben, wenn sie sich fürchten.
      Aber meine Replik auf Hettche k o n n t e dann noch gar nicht erwähnt werden, einfach, weil sie noch nicht erschienen war. Okay. Taktischer Rückzug.

  10. Klönschnack sagt:

    ;-)hey stumpfrichter http://www.youtube.com/watch?v=gXwDtglb09Q

    hier kannst du das auch mal gelesen hören: Du warst ja noch gnädig. Sehr schön ist auch der Satz: „Den ganzen Tag war er sich nicht sicher gewesen
    und nun betastete er die plötzliche Gewißheit mit der Zunge wie einen glatten
    Kiesel im Mund, spuckte ihn dann verschämt in die Hand und steckte ihn in die
    Hosentasche.“
    uhihiuhhiiii uhi…

    • plutonium luttger sagt:

      „Als er um den Wagen herum war, lag sie schon nahe bei dem kleinen Wasserlauf
      im Gras.“

      ich finde alleine schon diesen satz bemerkenswert. knapp kurz, bestechend einfach.
      und dann das fundament der brücke, wellche sich wohl mächtig über dies rinnsal spannt.
      da denkt man sofort doch an die büsche und an das kühle und vermutet jäh, dass diese frau rasiert ist.
      pikant, dieser auszug. sehr pikant. eine tartüfferie irgendwie feinsinnigster provenienz.

    • klönschnak sagt:

      @ plutoniumluttger was ich noch anhängen wollte: ich hatte mich gelegentlich gefragt,
      wie man als schriftsteller eigentlich ein Buch vollkriegt, also was schreibt man über 200 Seiten. Und dann habe ich das gefunden. Das Zauberwort heißt Detailversessenheit. Damit klappts:

      „Als er um den Wagen herum war, lag sie schon nahe bei dem kleinen Wasserlauf
      im Gras. Deutlich hörte man hier, wie das Wasser um das Fundament der Brücke
      rauschte und es fächelte auch kälter herauf, als in der Nähe der Büsche. Kaum war er ihr nah, drehte sie sich weg, rollte herum und lag nun wieder, wie zuvor, auf angewinkelten Ellbogen und Knien……“

      Der Feine Unterschied: am Fundament der Büsche fächelte es kälter hinauf als in der Näher der Brücke…“ Oder war es umgekehrt? Der Unterscheid ist so detailversessen, dass man geradezu überhaupt nicht das Gefühl hat, dass hier der Schriftsteller direktes Dabeisein simulieren möchte, nein, er vergisst nichts, auch nicht das Fundament der Büsche.

      Die Kunst besteht darin, in hocheleganten, könnerisch phrasierten Details eine geschlechtliche na sagen wir mal – durchaus stattfindende Szene zu beschreiben, und dabei auch das „Fundament der Brücke“ nicht zu vergessen, während Sie „herum rollte“ und „nun wieder, wie zuvor, auf angewinkelten Ellbogen und Knien…etc…pi pi.. das ist eben die Kunst, auch das Fundament der Brücke nicht ausser Acht zu lassen.

    • Klönschnak sagt:

      ich wette, der hat sich wochenlang gefreut, dass er so eine geile 50iger Jahre Zigarette gefunden hat KURMARK – direkt für den Leser. Damit auch deutlich wird, in welcher Zeit das Buch spielt, hat er das WORT kapital geschrieben, großartig..

  11. Den Textkritikern Hettches. Wenn Sie weiterhin Texte Thomas Hettches oder anderer Autoren auseinandernehmen wollen, dann ist das nur dann akzeptabel, wenn Sie sich in Der Dschungel registrieren und dabei kenntlich machen, w e r da kritisiert: also mit nachvollziehbarem Klarnamen. Zudem ersuche ich Sie, rein persönliche Invektiven zu unterlassen. In jedem anderen Fall wird das, wie bereits jetzt immer wieder, gelöscht.

    ANH
    Am Terrarium, 21.44 Uhr.

    • Klönschnak sagt:

      ich finde Sie sehen das falsch, Herbst das Internet ist doch ein Phantasieraum und kein Intimzirkus. Ich halte es da mit einem Ausspruch von Gregor Keuschnik, der bekanntlich gesagt hat:
      „Pseudonyme sind – das müssten Sie eigentlich besser wissen – weder ehrenrührig noch neu. Es gab und gibt herausragende Schriftsteller und auch Journalisten, die Pseudonyme benutzt haben und benutzen; aus den unterschiedlichsten Gründen. Es ist wie mit einem Wein: Der Kenner braucht das Etikett eigentlich gar nicht, um die Rebsorte herauszuschmecken und die Qualität zu beurteilen.“

      Es ist mir auch völlig egal wer Hettche in Persona ist.

      Es geht hier um Texte. Ihr unablässiger Versuch, Personen wichtig zu nehmen, schadet den Texten und einem textbezogenen Diskurs. Der autor ist bekanntlich längst abgeschafft.

    • Ich finde, ich sehe das richtig, Herr Klönschnak. Nämlich ist Hettche keine Fantasiefigur, sondern eine Person, die verletzt werden kann. Wenn jemand das unternimmt, muß er sich selbst verletzbar machen. Erst dann, allenfalls, ist ein fairer Kampf möglich. Ich habe Erfahrungen mit Heckenschützen genügend in Der Dschungel gesammelt. Wenn ich heute einen sehe, schieße ich ihn ab, ohne Fragen, ohne Zögern. Es sei denn, es läßt sich aus seinem Beitrag eine Erkenntnis gewinnen, die mich interessiert und die ich in meinem Sinn benutzen kann.

    • plutonium luttger sagt:

      also wenn das so ist, dann bitte ich darum, dass mein ja nun ziemlich ironischer kommentar hier etwas weiter oben bitte stante pede entfernt werden möge.

      gut dann später sachlich insofern diese exerzitie ordentlich ausgeführt wäre.
      wobei ich gleich sage, dass es dann mit schmackes gerne meinerseits zur sache ginge, wiewohl mir diskussionen in literaturblogs immer spass bereiten können, trotz vielleicht so mancher blessuren, von denen auch ein betreiber nicht verschont werden kann.
      bestimmt nicht, übrigens.
      aber das spielt ja keine rolle.
      man muss herrn keuschnig hier entschiedenst recht geben, ein kluger, umsichtig formulierter gedankengang seinerseits, welcher auf tiefe einsichtförderung bei vernunftbegabten zeitgenosssen nur positiv anklingend stossen kann.
      ich kann es des weiteren überhaupt nicht verstehen, dass hier auf texte kaum kritisch eingegangen ist, zumal ich selbst ein reger beobachter textlixher entwicklungen vor allem im bereich internet bin, was ja nicht alltäglich ist und anspornen sollte, als auf ein harsches kritisieren in conclusio mit gerade zu personaler ablehnung trotz des schon verwendeten pseudonyms verwiesen zu sein.

    • @plutonium luttger. Dann wäre es sicher sinnvoll, wenn Sie selbst sich ein wenig im genauen Formulieren schulten. Es könnte nämlich gut sein, daß ich fortan auch alle Kommentare lösche, die schludrig geschrieben worden sind, sei’s aus Gründen eines sowieso psychischen Mangels, sei’s aus Bekiffung. Etwa würde, um in Der Dschungel stehenbleiben zu dürfen, mindestens die Fähigkeit verlangt, die korrekten Konjunktive zu verwenden.

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