PP30, 1. November 2013, Freitag: Leidigkeiten, diesmal sogar ohne Samhain. Statt dessen zum Frühsport.

Leidigkeiten, ja, die immer nervig aufhalten: Quellenangaben für VG Wort und GEMA, nach Sekunden jeweils herausgeschrieben, addiert, mit den nötigen Angaben versehen, deren Recherche ebenfalls schon Zeit braucht. Außerdem „bediene“ ich mich in den Hörstücken bisweilen dort, wo man’s rechtlich eigentlich nicht darf; aber anders sind manche Musiken nicht zu bekommen. Da muß ich bei den Angaben tricksen, tu das auch immer wieder. Nur muß das dann plausibel klingen, was wiederum Ideenzeit kostet. Besonders problematisch ist diesmal aber, daß der DLF die Sprecher:innen nach der Zeit bezahlt, die sie zu hören sind, nicht etwa nach den Stunden, die sie de facto gearbeitet haben. Besonders bei den beiden Frauenpartien, die für das Neapelstück entscheidend sind, ist das ungerecht, denn sie selbst, die Partien, sind jeweils nur kurz, bisweilen keine zweidrei Sekunden lang, doch eben diese Einsätze sind gleichsam der Rückengrat der gesamten Inszenierung. Habe darüber gestern mit einer Mitarbeiterin des Funks hin- und hergemailt, schließlich telefoniert, und wir haben, denke ich, eine Lösung gefunden, die aber für mich ebenfalls Zusatzarbeit bedeutet. Doch eh die beiden Sprecherinnen zu wenig Geld für ihren Aufwand und ihr Talent bekommen, zahle ich sie aus eigener Tasche. Ich habe für meine Schauspieler:innen eine Schutzfunktion, die mir wichtig ist. Sie müssen sich auf mich genau so verlassen können wie ich mich darauf, daß sie sich meinen Ideen einschmiegen und ihnen ihre Stimmen geben.
Also damit, mit der Auflistung, Sekunde für Sekunde, werde ich den heutigen Tag verbringen, ganz sicher den ganzen. So bleibt fürs >>>> Traumschiff noch immer keine Zeit. Und abends dann bin ich fast immer unkonzentriert, zu unkonzentriert, um tatsächlich gedeihlich arbeiten zu können. Da hau ich mir die Zeit anders um die Ohren, wobei ich spüre, daß ich neuerdings nicht einmal mehr Lust habe, in die Oper oder ins Konzert zu gehen. Das hängt, spüre ich, mit den vergangenen Geschehen zusammen; sie haben meine Leidenschaft für das Musiktheater ausgesprochen relativiert. Ich hoff aber mal, daß das ein vorübergehender Zustand ist, der sich nicht zur Prägung auswächst. Aber denke ich an die Oper, fühle ich an sie, dann ist da Schmerz, einfach nur Schmerz. Das ist wirklich neu.

Gut dafür ist meine neue Zeitorganisation: daß ich morgens um fünf aufstehe, um ins Kraftstudio zu gehen, oder um halb sechs, wenn ich schwimmen will. Komme ich dann gegen acht zurück, habe ich den ganzen Arbeitstag frei vor mir, ohne ihn, außer durch den Mittagsschlaf, unterbrechen zu müssen. Daran, derart früh schon körperliche Leistungsarbeit zu vollbringen, gewöhne ich mich erstaunlich schnell: auch das eine Routine: aufstehen, einen Espresso bereiten, ein paar Züge aus dem eCigarillo und ab. Im Studio hat das vor allem den Vorteil, daß quasi kein Gerät belegt ist, an das man will. Das gilt besonders für die Laufbänder. – Nach Rückkehr einen Eiweiß-Shake, dann erst den ersten Latte macchiato, zu dem es heute morgen Dvořáks Requiem gab. Wenn ich jetzt allerdings mit den Quellenlisten weitermache, ist an Musikhören nicht mehr zu denken.

Der Accuphase E-204, den mir mein Reparaturhändler gestern als Alternative zur möglicherweise nur unbefriedigenden oder schreiend teuren Wiederherstellung des E-205 mitgegeben hat (er unterbreitete mir ein Angebot, das sich eigentlich gar nicht ausschlagen läßt), klingt sauber, durchsichtig, kräftig; nur wenn ich den Laptop anschließe, höre ich ein leises Brummen. Das liegt aber nicht am Verstärker selbst, denn beim CD-Abspieler und auch bei den Schallplatten ist es n i c h t zu hören; eventuell hat also auch meine externe Edirol-Soundcard einen Schlag. Oder irgend ein Kabel ist nicht genügend abgeschirmt. Dem werde ich nachgehen müssen; indessen stand sowieso eine neue Soundcard auf dem Programm.

Vorher aber will ich die „Leidigkeiten“ erledigt haben. Sie haben einiges von Buchführung, die ich bekanntlich ebenfalls scheue. Mit den bekannten Folgen.

(11 Uhr.)

*******

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.