ANH. Von Sh. Lowan & R. Singh Chohan.



[Fotografie ©: Shasharad Lowan.
Design ©: >>>> Ranjit Singh Chohan.]
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2 Responses to ANH. Von Sh. Lowan & R. Singh Chohan.

  1. Avatar Deters sagt:

    „Es wird Wirklichkeit gewesen sein“: Das Neue Erzählen. Ich finde, lieber Herbst, daß zu diesem Plakat-Entwurf vorzüglich ein Aufsatz Ursula Rebers paßt:

    Bereits die Sprache an sich versteht Herbst in Absetzung zu ihrer grammatischen, subjet- und bewusstseinskonstituierenden Form als ein „Mitteilungssystem des Empfindens”. Mit dem „außersprachlichen Empfinden” arbeitet Herbst, um den Affekt fließen zu lassen und dem Pathos eine Ausdrucksebene zu verleihen, über Rhythmisierung. Rhythmisierende Elemente lassen sich auf allen Ebenen der Dichtung ausmachen. Bereits der einfachen Lektüre erschließt sich die sonatenförmige Anordnung der In/Kompossibilitätsstränge, die in jedem Buch in ein durchvariiertes „Finale furioso” münden. Den In/Kompossibilitätssträngen sind Motive zugeordnet. Gemeinsam zugleich mit den Weltenwechseln und -überschneidungen werden solche Motive einander anverwandelt und ineinander überführt, synkopisch zunächst, Satz-, Absatz-, Kapitelgrenzen überschreitend, sodass verschiedenen Subjekten dieselbe Empfindung oder Sensation zugeschrieben wird. Leitmotive im Versmaß bilden eine Art des innerpoetischen Gedächtnisses, sie tönen abgelöst von aktual erzählenden Stimmen wie eine Mahnung immer wieder auf: „Blut und Hirn verspritzten sich rings um die Wände” in Wolpertinger, „Three things that enrich the poet:/myths, poetic power and a store of ancient verse” sowie „die Rinder des Thetra” in Thetis. In Argo tritt die leitmotivische Strukturierung zugunsten einer Gesamtversifizierung in den Hintergrund. Grund und Methode legt Alban Nikolai Herbst offen, macht er sich doch konkret an eine Neudichtung von Goethes Achilleis in einer vers- und metrikgenauen Umwandlung. Unterlegt und durchmischt mit Zitaten aus weiteren epischen Werken wie der Ilias durchziehen diese neuen Verse den Roman, einen rhythmischen und motivischen neuen Grund für die Exaltationen der Sprache und die Affizierungen der geschilderten Körper zu geben.
    „Schöne Literatur muss grausam sein!” lautet der Titel einer poetologischen Rede, die Alban Nikolai Herbst am 23.03.2002 in Leipzig vor der Deutschen Literaturkonferenz hielt.,In ihr bekennt Herbst sich zur Grenzüberschreitung, zum Ausnahmezustand, kurz gefasst zu einem literarischen Verständnis von Intensitäten. Aus ihr leitet er das Programm der Literatur her, dem Pathos v.a. als dem Leiden Raum zu geben, dem empfundenen Affekt vor der Moral oder ohne Moral eine Stimme zu verleihen und sie dabei auf Mannigfaltigkeiten zu verteilen, die auch die sprachliche, damit die (onto)logische Struktur von Subjekt und Objekt durchbricht, einfach darüber hinwegfegt. Mit andern Worten fordert er eine ekstatische, eine kathartische Literatur.

    Ursula Reber, Es wird Wirklichkeit gewesen sein.
    In: —-> Expanded Narration/Das Neue Erzählen,
    hrsg. v. Bernd Kracke und Marc Ries,
    Transcript Verlag, Bielefeld 2013.

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