Siebenundzwanzigster Brief nach Triest. (Briefe nach Triest, 34).


Geliebte Sìdhe,

Arbeitswohnung, den 9. Januar 2015,
9.25 Uhr,


ich habe, verzeih mir, einige Tage, ja fast drei Wochen lang geschwiegen. Es ging nicht anders. Du weißt, eine wichtige Arbeit war anzufassen und zu beenden. Denn was hülfe es uns, stürzten sich die Hunde, auf die ich gehe, auf mein Konto noch mit? Wie sie um meine Füße knurren, ist mir Gefährdung genug, fordert eine ständige Obacht: – eine unbesonnene Handbewegung, und sie schnappen, fürchte ich, zu.
So tue ich in dieser Zeit fast alles, was nicht meine Dichtung betrifft, in einer Art stoischen Gleichmuts, quasi sediert: Die Produktion meines körpereigenen Morphiums muß enorm sein. Mein Aktives, das sich aus einer Lebenszuversicht gespeist hat, die einige Menschen an mir bewundert haben (indessen sie den meisten anderen unangenehm, weil vielleicht unheimlich war, so daß es zur sozialen Abstoßung kam), ist gleichsam gerissen, so daß als Dampf entwich, was den Teig hat treiben lassen. Da ist es nicht ohne Witz, daß es sich, was noch blieb, aufs permanente Backen von Brot konzentriert, das Walken und Falten des Teigs, der auch immer wunderbar aufgeht, aber bezeichnenderweise stets wieder zusammenfällt, wenn ich ihn in den Ofen gebe. Deshalb bin ich nun dazu übergegangen, es in einer Form zu tun – wie sie, Form, ja überhaupt eines der Geheimnisse ist, die Poesie und Leben durchhalten lassen.
Auch bei Lenz, als er die Lydierin verloren hatte, war das zu Anfang so. Wäre er Blutspender gewesen, aus seinen gefüllten Spenderbeuteln hätten sich nicht nur die Erythrozyten gewinnen, sondern mindestens ebenso viele Sedativa, und ziemlich kraftvolle, isolieren lassen. Ganze Krebsstationen hätte man damit versorgen können. Nicht aber nur seine Bewegungen verlangsamten sich, auch seine Gedanken brauchten, um etwas zu halten, zu wenden und abzuwägen, oft einige Minuten, während er zuvor zwar nicht wirklich ein Mann von innerer Stärke gewesen war, doch so entschlußschnell, wie sein früherer Brotberuf es verlangte. Ein Trader muß sich nicht selten innerhalb von Sekunden positionieren können. Der Bauer hingegen hat es wie der Bäcker mit Abläufen zu tun, die quasi geophysisch orientiert sind; allein die Herstellung eines Lievito madre benötigt nahezu einen Monat, und auch ein weniger komplizierter Sauerteig ist nicht vor vierfünf Tagen reif.
Wenn ich, Liebste, schreibe „zu Anfang“, so meint das freilich nicht, es hätte sich später geändert, sondern nur, daß seine quasi Lethargie zu Anfang sehr a u f f i e l – oder aufgefallen w ä r e, hätten ihn denn Bekannte von früher besucht. Was nicht der Fall war. Er lebte tatsächlich eremitisch und würde seine Zürcher, nun ja, „Freunde“ auch dann nicht an sich herangelassen, geschweige sie besucht haben, hätten sie zu ihm räumlich näher gewohnt. Vielleicht allerdings hätte er für seinen Sohn eine Ausnahme gemacht, nur daß dem die Wandlung seines Vaters hochgradig peinlich war. Übrigens schrieb ihm der Junge nicht einmal, nicht einen Brief, noch, seiner Generation gemäß, eine Mail. Letztres wäre auch gar nicht gegangen, weil Lenz in seinem Grenzhäuschen keinen Netzanschluß hatte; sein Sohn rief aber auch nicht an. Dabei wäre es gar nicht schwer gewesen, Lenzens Cellulare-Nummer herauszubekommen. Nein, er war längst zu, will ich bewußt sagen, perfekt trainiert, auf die Bedürfnisse der Warengesellschaft, ein Trader fast schon selbst, auch wenn er eine, ecco!, Karriere als Chirurg anstrebte und später in die Pharmazie wechseln würde; es ging ihm hie wie dort um Einkunft. Gleichsam wird er sich die leere Haut anziehen, die sein Vater in Zürich zurückließ, sie sich wie Latex eng über die eigene ziehen. Auch Hohlheit läßt sich vererben. Mag sein, daß Lenz das geahnt hat und deshalb seinerseits keinen Kontaktversuch unternahm.
Der Eheprozeß ging übrigens, wenn wir uns seine nunmehr rudimentären Bedürfnisse vor die Augen halten, unterm Strich für Lenz vergleichsweise gut aus; anstelle daß das gemeinsame Haus und der übrige Zugewinn aufgeteilt wurden, bestimmte der Gerichtsbeschluß, daß die geschiedene Frau ihrem Ex monatlich einen bestimmten Betrag anzuweisen habe. Dem kam sie als selbstverständlich nach; gegenüber späteren Partnern sprach sie gelegentlich von einem zweiten Kind, das sie alimentiere; war sie böser gestimmt, zog sie Vergleiche mit geistig Behinderten heran, deren Heimaufenthalt finanziert werden müsse. In der Tat nahm ihr Gefühl den früheren Mann für einen quasi Debilen: Die Entfernung Zürich-Triest war ihr sehr recht.
Ich weiß nicht, meine Schönste, ob ich, an Lenzens Stelle also, so hätte leben mögen. Aber ihn erreichte das nicht, berührte ihn nicht; Stolz war keine Kategorie mehr für ihn. Er erinnerte fern an den alternden Brahms, als der in sich – ich stelle mir vor: – hineinraunte, alles sei eitel. So spricht in dem Hörstück, das ich nun fast fertig habe, Paulus Böhmer den Lanmeister. Schon gar nicht mehr ganz da. Der Tod hat mich, nein, das Sterben, über das gesamte vergangene letzte Jahr begleitet, erst als Roman, schließlich als Hörstück; dazwischen leuchtete Leben auf, neues, erneuerbares, wie ich glaubte. Und ging schon wieder zugrunde. Das Sterben hat gesiegt, hat geradezu, indem Du fortgingst, zugeschlagen. Wir irren uns, wenn wir meinen, daß es „l e i s e“ sei. Der Fehlgedanke rührt daher, daß wir es ganz an die Ränder unseres täglichen Lebens geschoben, es desintegriert haben. Doch irgendwann stehn wir mitten darin, und nichts mehr bleibt, als zurückzuschauen. Haben wir uns eingelassen, oder schreckten wir ständig zurück?

Nur was heißt das, Geliebte, ohne einen bestimmten anderen Menschen nicht leben zu können? Freilich ist „zu können“ ganz sicher falsch, wie selbst Lenz uns beweist. Aber „nicht mögen“. Nur, was heißt d a s? Daß wir, Liebste, nicht vollständig sind? Geht es um eine Schwäche der Autonomie? Ganz offenbar.
Wie wir lieben, lernen wir früh, auch wohl die Bereitschaft, sich verwundbar zu machen und Wunden schließlich, pervertiert sich der Vorgang, sogar herbeizusehnen, ob wir‘s nun wissen (bewußt „haben“) oder nicht. Weil wir an ihnen spüren, daß wir sind – aus der Differenz also wieder, eben n i c h t in der ersehnten Verschmelzung? Nimmt unser Geist sie als einen Regreß wahr, der unserer Reifung zuwiderläuft, wobei doch diese in Wirklichkeit etwas Stillgesetztes ist, das nicht merkt und merken auch nicht darf, wie wir in Zukunft, ja jetzt schon, zerfallen? So daß wir alles dafür tun, die Gegenwart und unsern innren status quo so zu erhalten, wie er ist – wenigstens scheinbar. Und uns diesem Schein letztlich opfern, besonders aber ein Neues, das kam und uns ansah.

Ach, wie Du dalagst. Wie Du saßest. Und wie Du stauntest, Spiegel meines eigenen ständigen Staunens, seit ich Dir zum ersten Mal begegnet war. Daß es so etwas gab! Doch habe ich zu spüren angefangen, wie Du diese Begegnung von allem Anfang an literarisiert hast – als etwas, das in die Wirklichkeit gar nicht gehört und das Du wie einen Urlaub genossest, so daß diese Briefe eigentlich fortsetzen, was Du selbst begannst. Schon, daß Du von Minne sprachst, verrät die Dynamik. Ich jetzt, so schwer es mir fällt, geb ihr nur schriftliche Form. Denn Du, für mich, als Du noch warst, warst unmittelbare, unmittelbarste und sich ständig noch weiternde Realität. So war ich bereit.

Wir hätten, Sìdhe, ein legendäres Paar werden können und wären‘s geworden, ja w a r e n es schon. Niemandem, der unser Blicken bemerkte, entging das: Es strömte uns aus der Haut zueinander. Kein fremdes Wort, das sich dazwischenzufugen vermochte. Stirn an der Stirn.
Du hättest deshalb hierbleiben müssen, einfach nicht mehr nach Triest zurückfliegen dürfen, jedenfalls nicht ohne mich. Die Nähe war unser Geheimnis, war unser Antrieb; wann immer wir sie unterbrachen, brach sie Dir insgesamt, bis zum jeweils nächsten Ansehn. Dann aber, sofort, war alles wieder da – fast, als hättest Du nicht vermocht, sie, diese Nähe, weiterzuglauben, sowie Du wieder allein warst… als wäre Dir meine Zauberkammer eine Illusion gewesen, die man im Kino genießt oder eben nur als Dichtung. Im wirklichen Leben, meintest Du das?, halte sie nicht, das Dich zu andrem verpflichte und andren. So daß ich mich erinnern muß, wie Du eines nachmittags sagtest, ich-selbst sei imgrunde Romanfigur. – Du wolltest mich nur träumen, Sìdhe?
Bist nun erwacht und zur Tagesordnung übergegangen. Da ist in der Tat, bis in den nächsten so erwarteten wie erwartbaren Schmerz, alles verläßlich. Schriebest Du mir noch, Dein Ton wäre nüchtern und seelenvoll allenfalls dort, wo Du über Kunst sprichst. Die Du Dir, ich habe keinen Zweifel, als Antialltag bewahren, doch eben vom Alltag als eine pure, unantastbar ekapistische Ideenwelt freihalten willst – genau das, was ich als Künstler verachte. Meine Arbeit, Geliebte, mag nicht als Alibi dienen, nicht einmal Dir.

Alban

*

(15.06 Uhr.)
„Wie es heute um mein Grenzhäuschen stürmt! Der Regen schlägt in massiven Streifen herab, es ist, als wollte er sich ins Holz kerben. Città dei venti, Stadt der Winde, wird Triest genannt, aber sie stürzen sich eigentlich vom Karst in die Ebene hinab. Nun scheint sie etwas aufzuhalten. Dazu ist es kalt; mein kleiner Ofen kommt gegen das Wetter kaum an. Es heult aus den Fugen, rüttelt an den Türen.
So mußte ich hinaus, um meine Pflanzungen zu sichern. Ich begriff es aber nur langsam, saß am Mitteltisch, trank Tee, rauchte, sann und schrieb an diesem Brief. Auch ihn werde ich nicht abschicken, auch ihn an die Wand tun. Du wolltest ihn ohnedies nicht lesen.
Manchmal aber, Elfe, steigt in mir ein Verlangen, hinabzufahren, vielleicht eine halbe Stunde vor Eurem Haus auf- und abzugehen, mich schließlich durchzuringen und zu klingeln. Doch wie empfingest Du mich? Außerdem wärest Du womöglich nicht da, und ich hätte den ganzen seelischen Aufwand sinnlos betrieben. Überdies fürchte ich mich vor einem neuen Ton zwischen uns, vor seiner Kälte, die Deine Dir nötige Abweisung braucht.
Daß ich nicht vergessen kann! (Tief sich verbergen in unsrer Höhle.)
Also bin ich hinaus, fest eingepackt. Die Bäume des so benachbarten Waldes bogen sich in den Böen, und der Himmel, mitten am Tag, war schwarz. Bisweilen fegten die Schauer wie weiße zerrissene Nebelschlieren an seinem Saum entlang. Es sind auch zerrissene Stunden, weil sich in ihnen nichts tun läßt, außer daß man vor sich hinschaut. Wie anders wäre es, säßen wir dann beisammen. Es ist anstrengend, Elfe, diesen Gedanken nicht zuzulassen. Ich kann ihn nur immer hinunterdrücken, flachdrücken. Aber der reißende Wind wühlt ihn auf, jeder Schwall aus Wasserspitzen, wenn er gegen die Fenster prasselt, verhöhnt mich, Percussion meiner Einsamkeit.
Ich verliere die Haltung. Sehe zur Mauer hinaus. Sie allein gibt mir Gewißheit. Nur sie hält ihm stand, diesem Sturm. Deshalb habe ich vorhin den Gedanken gehabt, eine zweite Mauer zu beginnen, die schließlich um mein Häuschen herumführen und es von allem Draußen abschließen könnte. Vielleicht, meine Frau, die Höhle, Du weißt schon: am Boden der cava gigante, aus ihr hervor- und ans Licht ziehen und in ihm ganz neu wölben. Der Bau müßte schließlich groß genug sein, um mein Haus in sich zu bergen…“

Kein Zweifel, Geliebte, daß Lenz sich eine architektonische Gebärmutter vorstellt, in der das Grenzhäuschen wie ein Fötus eingelagert wäre. Was mich auf meine Frage zurückbringt: Was heißt das, ohne eine andre nicht leben, nicht weiterleben zu können oder doch, zumindest, es nicht zu wollen? Wo kommt das her? Und wer hat eigentlich „recht“: Diejenigen, die vermeinen, unabhängige Personen zu sein, die enge Nähe nur zeitweilig mögen, im übrigen aber auf Distanz achten, oder solche, die ganz im Gegenteil Wiedereinheit herstellen wollen?

Dazu die dynamische Perfidität, daß wir, je sehnsuchtsvoller wir etwas wünschen, es um so weniger erhalten werden: Geliebt werden die, die‘s nicht brauchen. Ich sprach darüber lange mit der Löwin, gestern oder vorgestern. Trauer wird nicht belohnt, sondern gemieden. Nun ja, sie ist wohl auch wirklich nicht sexy. Was seine Berechtigung hat und mir abermals mit der Fortpflanzung zusammenzuhängen scheint: Kinder brauchen Optimismus. Wirkt er nicht auf sie ein, werden sie geschädigt. Auch Dir, die doch ständig erschüttert wurde, konnte ich ihn geben. Das ist meine Kraft gewesen. Indem Du weggingst, zogst Du sie aus mir ab. Auf diese Dir ganz sicher nicht bewußte Weise hast Du die Gefahr desinfiziert, die ich für Deinen Lebensentwurf war. Ich mußte so schwach werden, wie der ist, für den Du Dich schließlich entschiedst.
Ich sehe das zunehmend deutlich. Aber was hilft es, Dir, mir? Es sei denn, ich risse Dich aus mir raus, wie man jätet. Und jäten, Geliebte, werde ich bald. Ich spüre ihn kommen, den Griff an Hacke und Sense. Laß es, Du Schönste, nur Frühjahr werden…
Auch Lenz wird dann jäten. Ich sehe ihn fast schon in der Tür stehen, von all dem Winter grau im Gesicht. Er blinzelt durchs Fenster in die frühe Sonne, die bereits wieder wärmt. Aber in genau dem Moment, da er sich aufrafft, klopft es an der Tür. „Da bin ich wieder“, sagt die Lydierin. Und wirklich kein Wort m e h r.
Auch das gehört zur Dynamik: aufzugeben und dann zu bekommen.

A.

*


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Über Alban Nikolai Herbst

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12 Antworten zu Siebenundzwanzigster Brief nach Triest. (Briefe nach Triest, 34).

  1. P.S. Es kann sein, daß ich Dir morgen n i c h t schreiben werde, sondern erst am Montag wieder, wenn ich weiß: Die Frau ist zurück in Triest. Aber an Dir schreiben, werde ich weiter, nicht, indem ich die Briefe durchschau, sondern indem ich mir die Gedichte auf Dich noch mal ansehe, an ihnen feile und zwei weitere, die nur entworfen sind, fertigstelle.

    A.

  2. (Dummheiten unter diesen Briefen – es stand eine da – werden gelöscht. So, wie ich vorhin >>>> dort die Kommentarfunktion ausschaltet habe. Um einige Kommentare ist es dabei schade, aber insgesamt wirkten die Texte zerstörend oder banalisierend. Dschungelleser:innen wissen, daß ich Profanierungen ablehne.)

    • diadorim sagt:

      und sie wissen auch, dass ich sie gern über die hintertür wieder reinschleppe ;). meist geduldet, manchmal beschmunzelt, selten völlig verräumt. alles gut. na ja, fast.
      habe ich eigentlich schon erzählt, dass carl hagenbeck seinen lieblingslöwen triest nannte? kein witz.
      gerade noch mal nachgelesen bei wiki: „Auf seinem Grab liegt schlafend vor einem Findling mit den Namen Carl, Heinrich und Lorenz Hagenbeck der bronzene Löwe Triest, das Lieblingstier Carl Hagenbecks. Der Löwe hatte ihm einmal das Leben gerettet, als Hagenbeck im Freigehege gestolpert und von einem Tiger angegriffen worden war.“

    • Ja@diadorim, das wissen sie und weiß ich. Aber sie sind bei Dir nie hämisch gemeint und oft, auch wenn ich mich über sie ärgere, letzten Endes wohltuend. Vielleicht gehört diese Bewegung zusammen, ergänzt sich: die Profanierung spricht gegen den Hohen Ton ein, genau so er gegen sie; auf diese Weise geht, mag sein, nichts oder nur wenig von dem verloren, das uns – abermals dieses Sìdhe-Wort, ich habe es tief inhaliert – taugt.

    • diadorim sagt:

      wohltuende ärgernisse, ach, das ist schön!

  3. Klaus sagt:

    Welche Sprache spricht die Sidhe eigentlich?

    • @Klaus zur Sprache. Sie meinen die Lydierin? Lydisch. Aber sie ist polyglott. Deswegen wohl kommt sie in diesen Konferenzraum; sie muß also auch deutsch sprechen. Muttersprachlich, denke ich derzeit, hebräisch und das lydische Arabisch. Ihre um 1936/37 emigrierten Großeltern haben tiefe Wurzel im KuK, haben die Sprache auch zeitlebens nicht abgelegt. So hat schon das Kind sie mit aufgesaugt.

      (Danke für diese Art Kommentar. So etwas, immer, stelle ich mir vor, erhoffe ich mir.)

    • Klaus sagt:

      Utopie Weltsprache Ich habe zu danken für Ihre Texte. Ich schwebte durch etwas Ähnliches in diesem Sommer, bin Ihnen ein paar Monate voraus sozusagen und auf dem Weg zur Akzeptanz, oder vielleicht besser: Hinnahme. Was mich aber immer wieder straucheln lässt, ist die Verzweiflung ob unserer fehlenden gemeinsamen Sprache (aber warum verzweifeln an Dingen, die man nicht ändern kann). Mit einer polyglotten Lydierin wird das sicher keine oder kaum merkbare Missverständnisse mit sich gebracht haben, aber sich treffen in einer Drittsprache, das führt zu Wettbewerbsnachteilen. Vielleicht auch Romanstoff, nur wie diese Distanz zwischen den Sprachen abbilden, frage ich mich.

    • @Klaus (während der Fünfte Brief entsteht). Die Akzeptanz ist gleich nach dem Nein da, das ist das Bittre. Auch wenn es regnet, können wir das nur akzeptieren. Alles andere ist leider Unfug. Hinnahme aber? Nein. Sondern Umformung. Was bedeutet: sich stellen, nicht wegdrängen, sondern im Gegenteil tief eindringen, auch in sich selbst. Das ist grade das Erstaunliche an solchen Prozessen, was in uns selbst dabei freiwird. Es kann deshalb sein, daß wir, die verlassen wurden, sich zumindest verlassen fühlen (in meinem Fall war es kein Verlassem, sondern ich wußte von Anfang an, daß ich erst etwas baute, bauen wollte, das allerdings tatsächlich beim ersten Blick im Raum stand; verlassen worden aber wäre, wenn, der andere Mann), – daß also wir, die sich so fühlen, weitaus größere Chancen auf innere Veränderungen, im allgemeinen „Reife“ genannt, haben als die, die weggegangen sind.
      Die Lydierin ist polyglott, ich skizzierte, weshalb. Mit der „wirklichen“ Sìdhe spach ich, logischerweise, Italienisch und aber auch Deutsch. Österreich, bis heute, wirkt nach in Triest: die Stadt ist ein Ungefähres, man spürt es nach wie vor, Slovenien auch, auch Kroatien, also den Balkan. Die Stadt liegt am Karst. Deshalb halte ich auch für den Roman an ihr fest, anstatt sie umzuerfinden. (Sämtliche anderen möglichen Städte müßten in Grenzgebieten liegen, die mal hier- mal dorthin gehörten.)

      Mich in einer Drittsprache zu treffen, so, wäre mir nicht möglich. Gerade ich, wenn ich mich nicht bis in die Verästelungen ausdrücken könnte, wäre als Liebesspieler vollständig disqualifiziert. Bei einer „rein“ erotischen Beziehung ist das selbstverständlich anders, aber um so etwas geht es in diesen Briefen nicht.

      Ich wünsche Ihnen von Herzen Ruhigwerden aus Gewißheit.

  4. „Stirn an der Stirn.“

    Das Gedicht ist bereits fertig, jedenfalls als Entwurf. Trotzdem mag ich es noch ein wenig für sich liegen lassen; es ist eine Objektivierung darin, die mir wehtut – und zwar w e i l ich mit ihr dem von Dir vorgegebenen Weg folge. Sie sollte insofern noch sehr viel härter sein, sehr viel schneidender, als ich bislang zu formulieren vermag. (Hinzu kommt die Schreibpause, die mich von uns nicht entfernt, aber den Druck gedämpft hat.)

    A.

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