Besser sich ärgern. Das Arbeitsjournal des Dienstags, dem 15. September 2015. Abends mit Frank Witzel.



[Arbeitswohnung, 8.55 Uhr]



Seit sechs auf, aber schon um halb sechs den Ofen vorgeheizt.
Den Teigling eingeschossen, mußte noch zweimal gefaltet werden. Versuch mit den „Abtaten“ des neuen, seit nunmehr zehn Tagen im Werden quellenden Lievito madre, um den ich heute etwas bange, weil ich in genau der Zeit >>>> Frank Witzel moderieren werde, in der ich diese Mutterhefe „eigentlich“ weiter umsorgen müßte. Ein paar Stunden Differenz werden ihr hoffentlich nicht schaden.
Längere Antwort >>>> an Lourdes geschrieben, danach das lange neue Video >>>> eingestellt. Jetzt warte ich auf die Handwerker; der erste, für den Boiler, ist ab 8.30 Uhr zu erwarten, der zweite gegen 10 (der für die dauerlaufende Klospülung). Und der Mops wartet auf die Fütterung.

Doch „besser sich ärgern“, das ist wohl wahr, als in der Depression versinken. Die Magenattacke gestern war eine deutliche Warnung. Zudem träumte mir heute nacht von Magengeschwüren, sogar von Magenkrebs. Also heute wieder laufen; gegen das Nichtstunkönnen anlaufen. Das Wetter ist zu schön fürs Studio, will ja eh erst das Baucherl weghaben, bevor es neu an den Muskelaufbau geht.
Besser sich ärgern, also.
Worüber?
Der Ton ging mir nach, >>>> Otto A. Böhmers „Mängelrüge“. Wer bin ich denn? Sein Schüler? Und er ist der Herr Studienrat, der mir Noten in sein Bücherl kritzelt? Ich darf doch wohl um ein bißchen Verhältnismäßigkeit bitten, nein: erwarte sie.
Was s i n d die „Mängel“, die er rügt? Daß das „Anekdotische“ und „Boshafte“ fehlten, „das jedem Leben innewohnt“, falsches Prädikat, übrigens, grammatisch: is‘ ja wohl Plural. Daß Monsieur Bayoun (der zur Zeit der Erzählung gar nicht mehr lebt) und die Pianistin „durchweg im Halbschatten“ blieben, was schlichtweg nicht stimmt; vielmehr sind sie gezeichnet, wie der Erzähler der Buches sie wahrnimmt, der ja überdies zunehmend vergeßlich wird. Kurz, Böhmer erwartet eine auktoriale Rede, wo von ihr notwendigerweise Abstand genommen werden mußte. Ein Mangel ist das sicher nicht, schon gar keiner, der sich „rügen“ ließe. Böhmer wäre gern aus der Immanenz des Romans hinausgesprungen, hätte gern eine andere Perspektive gehabt. Das ist sein Recht, aber hat mit diesem Buch wenig zu tun. Kurz: Er vermißt (möglicherweise ironische) Distanz, die aber gerade dasjenige ist, was ich in nahezu allen meinen Arbeiten zu unterlaufen versucht habe und weiter zu unterlaufen versuche. Mir geht es um die (so drückte Benjamin es aus) „unendliche Nähe“, letztlich: um Musik.
Das kann einer Leseerwartung zuwiderlaufen, zugestanden. Dann läßt es sich aber nicht rügen. Na sowieso nicht. Es ist diese gönnerhafte VonobenherabArt, die mich nervt und von der ich denke, daß sie auch objektiv kein gutes Bild auf diese Rezension wirft, auch nicht, wenn Böhmer (diesen bitte nicht >>>> mit dem großen Dichter verwechseln) am Ende – unwillig, wie ich spüre – zugesteht, ich hätte unterm Strich dann doch ein gutes Buch geschrieben. Auch stilistisch läßt sich in dieser Rezension manches zerpflücken; man sehe mir nach, daß ich darauf keine Lust mehr habe.
Doch zum Stil-„an-sich“ noch ein paar Worte:
Immer wieder lese ich, wenn ich was übers Traumschiff lese, es sei „schwer“ zu lesen. Da frage ich mich, angesichts der kurzen und meistens prägnanten Sätze, wieso? Was haben die Leute vorher gelesen? Nicht hier, aber bei Anderswelt wäre zu fragen: Last Ihr je Joyce, je Pynchon, je Hermann Broch? Sogar Thomas Mann wäre ins Feld zu führen, etwa gegen die permanenten Vorwürfe der „Manieriertheit“. Was ist damit überhaupt gemeint? Ich las sogar von falschen Sätzen, grammatisch falschen. Aber niemand zitiert so einen; der Vorwurf wird schlichtweg nirgends belegt. Lanmeisters Verwendung des Konjunktivs ist lax, ja, das ließ sich nicht ändern, wenn ich nicht die Rollenprosa stören wollte. Dennoch schreibt er nirgends „wäre“, wo „sei“ zu stehen hat usw.; vielmehr wird, wo sonst der Ton zu hoch würde, auf den Indikativ ausgewichen, ein Verfahren, das umgangssprachlichen Formen entspricht. Auch dies ist durchdacht.
Bisweilen gibt es in dem Buch ungewöhnliche, nicht aber falsche Wortstellungen im Satz. Sie charakterisieren die erzählende Person und werden völlig einsichtig, wenn man den Satz ein wenig anders betont, als man es gewöhnlich tut. Dann auch erst wird die Musik laut. Gegen den Vorhalt ungewöhnlicher Satzstellungen (im Traumschiff übrigens rar) hätte ich auch gar nichts einzuwenden; ich schreibe Literatur, nicht etwa Tagesnachrichten. Es kann nicht darum gehen, der Dichtung ihr Artifizielles zu nehmen; andernfalls würde der (gesellschaftliche) ScheinCharacter bedient. – Ja, diese Aussage ist politisch.

Gut, man wird mir wieder sagen: Du darfst nicht auf Kritiken reagieren. Tust du das, werden sich die Leute erst recht zurückhalten, über deine Arbeit zu schreiben. Das will niemand, geradestehen, niemand, der, wie begrenzt auch immer, Meinungsmacht hat. Die Autor:inn:en haben sie stoisch auszuhalten.
Kann also sein, daß ich mit diesem Arbeitsjournal meine Risiken noch vergrößre, mich abermals unbeliebt mache. Es kann aber auch darum nicht gehen, beliebt zu sein, sondern ausschließlich und immer allein um die Kunst und ihre Stärken und/oder Schwächen. Wer diese kritisch benennt oder vermeintlich benennt, muß für Begründung bereitstehn. Ich halte es mit meinen Kritiken genauso; es ist schlichtweg eine Frage von Legitimität und Fairness. Auch mit Einwänden meiner Leser, >>>> wie heute Lourdes‘, gehe ich so um: erklärend, beschreibend und offen, dabei die eigenen Vorurteile möglichst im relativierenden Blick. Daß man sich trotzdem manchmal zofft, steht auf einem anderen Blatt, nicht selten dem des Temperaments. Dann genügen drei Worte, und man ist wieder gut.

ANH
15.9.2015

P.S.:
Ah jà: Heute abend, auf dem ilb, >>>> Frank Witzel. Wer mag, kann mich da ansprechen – aber bitte erst n a c h der Moderation.

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26 Kommentare zu Besser sich ärgern. Das Arbeitsjournal des Dienstags, dem 15. September 2015. Abends mit Frank Witzel.

  1. Sogar Thomas Mann wäre ins Feld zu führen, etwa gegen die permanenten Vorwürfe der „Manieriertheit“.
    Die Manieriertheit bei T. M. ist in der Literaturwissenschaft längst Standard. Manieriertheit muss kein Vorwurf, kein Makel sein.

    Texte wie die von Böhmer entlarven sich doch selber: Seine „Wünsche“, falsch erfüllten Erwartungen, Geschwafel von „Mängelrügen“ wie aus einem BWL-Buch – alles lächerlich. Das ist wie eine Amazon-Kritik, wenn einer schreiben würde, es gibt kein Kapitänsdinner im Buch.

    Sie sollten dieses Gekleckse nicht mit Ihren Emotionen noch adeln. Die stärkste Waffe des Betriebs ist nicht der Verriss, sondern die Ignoranz. Daran muss man sich zuweilen erinnern. Hilft auch ggf. dem Magen. (Meine Erfahrung.)

  2. H.F. sagt:

    Böhmers Rezension habe ich gelesen. Vielleicht tun Sie ihm ein wenig unrecht. Ich habe jetzt endlich eine Vorstellung davon, was mich bei der Lektüre des Buches erwarten würde. Das ging mir bei den bisher sehr im Ungefähren liegenden zahlreichen Lobpreisungen nicht so, die Sie ja wohl vollständig verlinkt haben
    Böhmer scheint eher ein nüchterner Mensch zu sein, der darauf aufmerksam macht, dass diese Art Literatur doch vom Pathos her von der fast religiösen Überhöhung des Sterbens zehrt und sie auch benutzt, um „Wirkung“ zu erzielen.
    Das ist nicht jedermanns Sache.
    Sorry, ich werde das Buch wohl deshalb nicht kaufen.
    „Anekdotisches und Boshaftes“ meint er wohl als ein- und dasselbe. Und da ist doch sein Bezug aufs Singuläres durchaus logisch, oder.
    Er möchte es doch am Ende auch gut mit Ihnen.
    Und Sie mögen das nicht, na ja.
    Es gibt etliche Menschen, welche „Manieriertheit“ und Überhöhung lieben und andere wiederum nicht. Aber Thomas Manns Zauberberg beispielsweise ist doch eine andere Liga.. das ist Weltliteratur. Es ist Jahrzehnet her, dass ich dieses Buch las. Da ward doch das Sterben des Joachim(?), Cousin Hans Castorbs beschrieben, und ich erinnere mich wie ich als noch junger Mann gar nicht aus dem Kichern herauskam. Ich vermute, so etwas würde mir bei Ihrem Buch nicht wieder geschehen…
    Ich hoffe, Sie werden über diese Bemerkung nicht gleich wieder wütend
    Aber im heutigen „Literaturbetrieb“ einen heutigen Erfolg zu haben, das hätte ich Ihnen auch gewünscht und es ist irgendwie ungerecht.
    Manchmal kommt ja ein Erfolg auch langsamer daher.

    • @H.F. „Sorry, ich werde das Buch wohl deshalb nicht kaufen“:
      Sehen Sie, genauso funktioniert’s.

      [Und Th. Mann ist eben im Literaturniveau keine andere Liga als die meine. Falls Sie anderer Meinung sind, müßten Sie’s beweisen oder zumindest belegen. Ich meine das formal. Aber dazu müßten Sie lesen, und das wollen Sie nicht. Ihtr Recht – aber keine Grundlage für ein Urteil. Im übrigen gilt, kurz, Benn: „Klassiker werden gemacht“ – oder eben verhindert. (Ein gewisses (beherrschtes) Niveau der Romanästhetik – also der Faktur – selbstverständlich vorausgesetzt.)]

    • Phorkyas sagt:

      Hab’s Traumschiff erst zur Hälfte durch und will daher in die Rezensionen nur spinsen (besonders da ich selbst noch eine verfassen möcht‘) – aber der Zauberberg war auch eine meiner ersten Assoziationen… Nur weil das Mann’sche Werk eben kanonisiert und zu Weltliteratur erhöht, sollte man den Vergleich nicht scheuen. Ich mochte den Zauberberg sehr, habe ihn aber nur als Hörspiel ertragen, dann allerdings fast wie im Fieber, passend wohl zur verbreiteten Stimmung in wenigen Tagen durchgehört.

    • diadorim sagt:

      erfolg lässt sich nicht zwingen und wenn du im dreieck springst. meine lateinlehrerin hat immer gesagt, deutsch sei eine ‚würde‘-lose sprache und thomas mann habe den konjunktiv gern und oft völlig falsch angewandt. der zauberberg, na ja, thomas mann, na ja. der literaturbetrieb der alten männer, na ja, das ist geschichte, nur virginia woolf, tolle frau, und erst die bücher ;)! das beste am zauberberg war eigentlich celans gedicht dazu: ief im nee, fand ich.

    • diadorim sagt:

      und da scheint mir doch noch was auf der zielgeraden mit omas mann verknüpft zu sein: http://lesen.tibs.at/content/erwachsene/phyllis-kiehl-fettberg eine doppellesung würde mich sehr erfreuen! denn, mein innerer slapsticker ist ja nicht befriedet, wenn es nicht keaton wird, buster, in der kombi kiehl/herbst könnte das gelingen!

  3. (Tr.)

    7,5 km/48’55“
    2 x 10 km Rad
    45 ‚ Krafttraining zum „Einstimmen“
    76,1 kg
  4. H.F. sagt:

    smile, wer ist denn Virginia Woolf?

    • diadorim sagt:

      die schwester von wolverine!

    • lol sagt:

      okay, ich frage demnächst mal meine Enkeltochter 🙂

    • diadorim sagt:

      nach der shortslist? alles ohne eingriff ist cool, wird sie sagen und klar recht damit haben!

    • zappa frank sagt:

      alban, den vorwurf des epigonalen ist ein geschmacksurteil .

      setze ich meinen eigenen epigonalen geschmack gegen zeit ?

      zeit wird immer schlauer über sowas wie göhte, brecht und mann, brecht doch.

      der hit war doch der : ihn gab es nicht.

      wirklich.

      es gab den HIT nicht.

      es gab hits und es gab lulu !

      die erdgöttin pandora.

    • jingo sagt:

      … es gab keine götten, es gab goeth.

      und goeth erschuf erde und pandora sagte : les bitte nix von herbst.

    • H.F. sagt:

      Thomas Mann ist nur erträglich durch seine Ironie, ich meine keine gelegentlich aufblitzende Ironie, sondern eine Ironie als Grundstimmung über allem, und die vermisse ich bei den heutigen Büchern, vor allem wohl von Akademikern hier in Deutschland.
      Die Ironie macht seine Werke zur Weltliteratur.
      Ohne diese Ironie ist jeder Pathos unerträglich.

    • @H.F.: Zur Ironie habe ich so vieles schon geschrieben, daß ich meine Begründungen nicht wiederholen mag, schon gar nicht nach Ihren resentimentlastigen, bezeichnenderweise immer normativen Aussagen.
      Erzählerische Ironie ist unterdessen ein deutscher Germanistenfetisch, und er ist es aus historischen Gründen geworden, ist ein Teil des, wie ich neulich schrieb, „negativen“ Hitlererbes, das das schlechte deutsche Gewissen angetreten hat – um sich auf einfachste Weise ein gutes zu machen. Lesen Sie den Herbst des Patriarchen, also García Márquez, und Sie werden nach Ihrer Ironie lange suchen; das gilt auch für viele Szenen in Gravity’s Rasinbow, gilt für Aragons Blanche, gilt für Gaddis‘ Neuerfindung der Welt, gilt für Eckers Fahlmann und und und – ich mag nicht weiter aufzählen weil Sie wieder sagen werden: Wer ist das? (Lesen Sie mal Woolf! Lesen Sie mal Bachmann, lesen Sie Katharina Schultens, nur so als Tip – indessen Diadorim nun wirklich eine Vertreterin der Ironie ist, an sich müßten Sie sie lieben). Die Angst vor dem ironielosen Pathos ist unterdessen die Kleinbürgerei; sie erwartet kenntnisloses Wohlgefallen.
      Ironie „als Grundstimmung über allem“ heißt: allem gegenüber distanziert sein, auch sich selbst und seinen Gefühlen gegenüber, heißt: nichts ernst nehmen, nicht mehr „eigentlich“ sein: die Selbstentschuldung für jederlei selbstbewirktes Unrecht, das man anderen antut.. Es ist eine Abwehrbewegung (eine, psychoanalytisch gesprochen, Reaktionsbildung), so, wie Leute im Kino lachen, wenn es besonders blutig wird, und sie schürt die Lust auf Blut. Nicht so Katharsis. Lesen Sie also auch mal Camille Paglias Masken des Sexualität, Kraussers UC, Marianne Fritzens Sterne der Romani.

    • @Zappa. „es gab hits und es gab lulu“ ist, Lobster, ein großer Satz, ein Fund. Er hat mir den Morgen versüßt.

    • diadorim sagt:

      so ein kappes, du selbst hast nach meiner lesung im lcb gemeint, meine texte würden sich etwas trauen und warst sehr angetan, wo bitte sind die denn durchgehend ironisch? zudem ist es ein stilmittel, das schon die griechen benutzten, und virginia woolfs orlando arbeitet auch mit ihm, ein fantastisches buch. und die frage, wo ich mich selbstentschulden müsste, das musst du mir erklären, mir fallen allerdings auf anhieb ein paar leute ein, auf die träfe das zu, nicht gerade begabte selbstironiker, auch wenn ich nicht dich damit meine. du könntest mal aufhören mit deiner ständigen sortiererei, die guten ins kröpfchen, die schlechten ins töpfchen, unter deinem zuschnitt findet man sich am ende nämlich dann auch nicht wieder. du pflegst selber tiefe freundschaften zu slapstickern und ironiebefürwortern, keine ahnung, wirklich inzwischen null, warum dieses gegeneinander in stellung bringen dir so ein bedürfnis ist, aber man kommt da nicht ran. nicht mit ironie, nicht mit pathos, das soll und muss so bleiben, bis in alle ewigkeit. und wer ein bisschen was von dialektik versteht, versteht auch, dass uneigentliches sprechen nicht pathosfrei ist, sondern nur ein anderes gewand für die wahren gefühle benutzt, das wusste heine schon, lange bevor hitler da irgendwas dran gedreht haben soll und der musste deutschland fliehen. und wer ironiefreie gefühle will, der landet auch schnell bei helene fischer, direkt, ironiefrei, millionen deutsche spricht das an, ganz ironiefrei, nur echt ist daran gar nichts, außer, dass sich mit unironischem gestammel viel geld machen lässt, viel mehr als mit feinen, ironischen spitzen, viel viel mehr.

    • @diadorim zur Ironie ff. Bezieh doch nicht immer alles auf Dich. Aber tatsächlich sind nicht Deine Gedichte, sondern Deine Einlassungen oft von Ironie getragen, die als eine Art Verkleinerung der Verhältnisse fungiert. In der PsyAn spricht man, ebenfalls als Reaktionsbildungsmuster, von Verniedlichung. Sowas macht Zustände zwar aushaltbar, aber nicht besser.
      Meine Rede geht auch nicht gegen Ironie an sich, unter der vor allem die Romantiker etwas völlig anderes verstanden als den heutigen en-vogue-RobertGernhard-Quatsch. Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich in Deutschland die sogennante Ironie, mit Adorno gesprochen:, verdinglicht, kurz: ist normativ geworden. Deshalb spreche ich von einem (bezeichnenderweise ausschließlich deutschen) Germanistenfetisch. In der Antike war neben dem Ironischen (mehr oft dem Kynischen) Pathetisches ebenso möglich und gewollt, andernfalls es zum Begriff des Kathartischen nicht gekommen wäre. Dieses wird in Deutschland – wenn von Deutschen gemacht – unterdessen nur noch im Schlager erlaubt, dem Pendant zu vielem, was unter Pop läuft; dort darf pathetisch sein, was in den E-Künsten geradezu schon untersagt ist, und selbstverständlich im Spielfilm. Otto Böhmers „Kritik“ läßt sich daraufhin vortrefflich analysieren, >>>> die Haltung H.F.s hier in Der Dschungel ebenfalls. Es ist ein fast schon pathologisches Bild, und selbst das „fast“ ist mir zweifelhaft.
      Wenn es mal über diesen Themenkomplex ein Symposion gäbe, wäre ich sofort dabei. (Aber man lüde mich selbstredend nicht ein. Egal.)
      Also es geht mir nicht prinzipiell um „gegen Ironie“, aber gegen „um Ironie als Bedingung von Qualität“. Ebenso steht es um die Forderung nach „Einfachheit“ von Dichtung. Ich sehe hier einen politischen, ihren Vertretern meist ganz unbewußten Kontext, einen, der sich tatsächlich als aus dem Hitlertrauma entstanden erklären und verstehen läßt, gegen den man aber angehen muß, weil er sich eben verdinglicht hat.

    • diadorim sagt:

      „(Aber man lüde mich selbstredend nicht ein. Egal.)“ boah, du opfer! wie war die moderation, ich wäre gekommen, aber ich hätte allen was gehustet, mach ich ja nicht. das problem, du hast mit vielem ganz schön viel recht, nur du hast null gespür dafür, wie man diese ladung am besten an land bringt, du kennst erst mal nur das mittel weg freischießen, bamm bamm bamm. klar kühlt ironie runter, nicht jeder greift gern auf die heiße herdplatte, das finde ich nicht minder pathologisch, denn sich die wunden immer wieder aufzureißen, ob das nicht auch n ausgewachsner tick sein kann? ich glaube, ja. get the balance right. ich muss dir nur meine wunden zeigen, dann zögerst du im übrigen nicht, noch hineinzulangen, umgehend und sofort. ich kenn den mechanismus inzwischen, er belustigt mich dann tatsächlich eher, als dass er noch trifft. wenn mich das nämlich träfe, wie es sicher andere trifft, dann erzählte ich dir erst gar nicht mehr davon. so erschaffst du dir quasi selbst die figuren mit, die du dann ablehnen willst, denn sie reagieren darauf, dass du gerne und fortwährend in ihre wunden langst, verzeih ihnen, dass sie sich nicht jedes mal darunter unter schmerzen winden und das geil finden. wenn du nur irgendwen das mal moderieren ließest, was du drauf hast, aber, das ist wie autorenkino hier, alles selber machen, alles selber kontrollieren, keine handbreit spielraum, geben sie gedankenfreiheit, sire, dann liefe einiges auch für dich besser, scheint mir. aber, was weiß ich schon. ich bin mir sicher, du könntest auch anders und vermutlich lachst du dich regelmäßig mit dem mähnentier hier ordentlich schlapp, aber das ist vermutlich nur wieder meine wunschmaschine der verniedlichung, war es nicht alice, die nach ein paar pillen einiges verkleinern und vergrößern konnte nach gutdünken? caroll, auch ein großer unter den verkleinerern. ich denke oft, wir erniedrigten und beleidigten geben schon auch ne echte lachnummer ab, du bekanntest dich mal leidenschaftlich zum zirkus, da muss ich ja nicht sagen, welche funktionen clownerien haben. buster keaton hat nie die mine verzogen, dich eint einiges mit ihm, scheint mir. und, das war ein riesenkompliment, ich sags gleich dabei, weil der ironytranslator bei google kaputt ist.

  5. Obat TBC sagt:

    Reply When you use a home air conditioner, do not forget to take care of on a regular basis. Because when AC is not treated regularly and carefully, it will have a bad air and becomes a place to spread the disease
    Obat tradisional diabetes
    obat herbal stroke
    obat herbal jantung
    Obat kanker rahim
    Obat Diabetes Melitus

  6. Nick sagt:

    Thomas Mann gibt doch nichts mehr her. Den Zauberberg zitieren in der Kritik oder bei einem neuen Roman ist eher ein Ballast.

    • @Nick. Thomas Mann ist auch „Doktor Faustus“, sind vor allem auch die Josephsromane. Wer bei Th.Mann als erstes immer den Zauberberg nennt, beweist fast, daß er diesen Autor nie gelesen hat (auch den Zauberberg nicht oder zu zehn Seiten) und aber trotzdem eine Meinung. Dazu paßt das Wort „Ballast“ wie >>>> die Browning auf Kultur

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