Das Arbeitsjournal des Donnerstags, den 2. November 2017. Mit unter andren und andrinnen Hannah Lühmann.


[Arbeitswohnung, 8.07 Uhr
Bach, Wohltemperiertes Klavier (Gould)]

Punkt sechs hoch. Zu Eribon Hannah Lühmann gelesen und >>>> für diadorim kommentiert. Twitterlink an Lühmann gefunkt, die überhaupt mich interessierende Positionen vertritt; ihr Name war mir bislang kein Begriff.
Etwas gezögert; seit gestern wollte ich die Dts’e wieder aufnehmen, wußte aber nicht recht, wie. Jetzt >>>> mal skizziert, aber es wird etwas brauchen, bis ich, mich an die Vornahmen auch zu halten, wieder gelernt haben werde. Jesses, das davor letzte DTs notierte ich bald ein Jahr vorher – und erinnere mich, daß auch da schon alles recht wacklig war. Hing wohl mit meiner im Wortsinn Ent|täuschung wegen des >>>> Traumschiffs zusammen. Und mit sonstigen, na jà, Lebensentgleitungen. Unser Alter(n) ist ein Faktor. (Neben mir dreht sich der Uhrenbeweger:

Ohne Titel)


Dafür stellt uns Christopher Ecker heute morgen einen „schüchternen Knilch in einem schlecht sitzenden Anzug von der Stange” vor, wobei wir nicht wirklich wissen können, worauf „von der Stange” sich bezieht; die Bemerkung könnte grammatisch durchaus eine bewußt nachgesetzte Gemeinheit sein. Dafür spricht auch die Charakterphysiologie dieses von Ecker so genannten „Idealisten”. Jeder solche habe nämlich etwas Nagetierhaftes, „er strahlte etwas Feldmausartiges aus, so etwas spitznasig Verdutztes”. Wenn Sie jetzt noch, liebste Freundin, bedenken, daß diese Etude „vor dem Krieg” stattfindet, einem aber, dem die Gründung der Bundeswehr vorausging, wird Ihnen nicht undeutlich bleiben, weshalb mir mulmig wurde. Dazu kommt die Begriffsbildung „kobenhafte Tischmanieren”… ich meine, Koben! Ein Wort, das direkt zum Schulterschluß mit Enzenberger führt: „Mittelmaß ist die Rettung der Demokratie!” Wen also nimmt es noch Wunder, daß ein (dritter) Krieg danach ausbrach? Denn feinst böswillig bemerkt der Erzähler, er habe, indem er in diesen Ruf ausgebochen, gerade noch rechtzeitig den Impuls wegdrücken können, „seherisch” den rechten Arm zu heben:



Die >>>> Thetis<-Überarbeitung zur Zweiten Auflage. Ich habe ausgerechnet, daß ich ab heute täglich dreißig Seiten schaffen muß, um bis Ende November fertig zu sein. >>>> Elfenbein will im Dezember setzen (lassen), so daß das Buch zum Frühjahr 2018 wieder lieferbar sein wird; es wird also auch in die entsprechende Verlagsvorschau kommen, mit einer eigenen Seite, vielleicht sogar einer Doppelseite. Da diese Vorschau bereits jetzt gebaut wird, muß ich zuverlässig sein.
Für die Contessa wiederum warten die zu transkribierenden Interviews – genauer, es war ein komplett durcheinandergeführtes Sechsergespräch von über fünf Stunden. Enorm viele Namen fielen darin, die ich so ohne weiteres noch nicht werde zuordnen können; also wird das dann fertige Protokoll detailliert durchgesprochen und jede genannte Person in einen Familien-, sagen wir, -baum eingetragen werden müssen.
Gleichzeitig muß ich mir Gedanken darüber machen, wie ich für dieses – nicht für die Veröffentlichung vorgesehene – Buch perspektivisch vorgehen will, zumal ich für die neue Arbeit bereits bezahlt werde.

Und wirklich, ich muß abends damit aufhören, Filme zu gucken. Wobei ich’s gestern eh nicht tat: Die Familie war zum Essen hier; die Kleinen, die sich langweilten, kehrten schließlich früher heim als ihre Mama und ihr großer Bruder. Wir saßen hier und sprachen bis gegen halb elf; ich las sogar aus dem >>>> Béartzyklus vor – etwas, das mir derzeit ausgesprochen gut tut, weil es mir vergegenwärtigt, daß ich nicht nur an, es wie auch immer revidierend, schon Fertigem zu schreiben habe, also daß ich nicht nur immer und immer zurückschau. Sondern voran.

Übrigens mach ich’s wie Freund >>>> parallalie und schiebe in die Arbeitsgänge immer die Lektüren ein; momentan weiter >>>> Diaphanes Magazin, Ausgabe 2. Außerdem liegt von einer mir eng befreundeten Romancière ein neues Typoskript zur Durchsicht hier. Dafür werde ich mir einen ganzen Tag nehmen, wahrscheinlich am kommenden Wochenende. Denn sie wartet.

Und dazu die ständige Trauerbegleitung, oft scharf an der Kante zum Aus. Die ich zu schleifen, begehbar zu machen, versuche.

InVersicherungmeineruswLiebsteFreundinIhr
ANH

(Ich blicke zur Uhr und sehe auweia, schon jetzt in Verzug).

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2 Kommentare zu Das Arbeitsjournal des Donnerstags, den 2. November 2017. Mit unter andren und andrinnen Hannah Lühmann.

  1. Ach ja, und freilich das hebt die Stimmung auch:

    abgelenkt bin ich dabei gerade von „Meere“, die ich mir, nach langer zeit einmal wieder belletristik, gönnte, und intensiv lese. was daran skandalös sein soll (außer einer zu respektierenden persönlichen betroffenheit, die zum vertriebsverbot führte), sehe ich nicht. das ist nichts als die wahrheit. ein balanceakt auf den klippen der verzweiflung, sehr traurig, eben wahr. und die ganze rohheit ist sprachlich von einer unglaublichen dezenz, ohne zu beschönigen, chapeau.
    Dies schickte mir mein >>>> Arco-Verleger; es sind Sätze eines seiner klügsten Autoren (ich habe ein Buch von ihm hier, will ihn aber ohne seine Erlaubnis nicht nennen). Schon aber, daß er von „Meere“ als die spricht, sie also naturhaft nimmt, nicht als einen bloßen Buchtitel, ist hinreißend. Ich habe das so noch nirgendwo gelesen.

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