An Frau Venus, Hörselberg Thüringen, Belle Étage. Das Arbeitsjournal des Freitags, den 17. November 2017. Mit Giuseppe Sinopoli.


[Arbeitswohnung, 10.29 Uhr]
Gestern abend, Freundin,

brach am Musikcomputer das gesamte Audio zusammen; wahrscheinlich hat ein Treiber was abgekriegt, ohne daß ich aber wüßte, wovon und weshalb. Damit muß ich mich heute morgen beschäftigen. Da der Freund nach Warschau aufbrach, hektisch, habe ich vier Tage Ruhe; weshalb er es tat, erzähle ich nicht.
Dann eben, ich hocke schon an dem Audioproblem (immerhin geht das interne Netzwerk wieder, das gestern nacht ebenfalls gesponnen hat), meldete sich die Contessa und bat um die Idee für ein Logo; für was, sag ich hier öffentlich auch nicht, schon weil sie abergläubisch ist, und ich bin‛s also mit ihr.
Literarische Arbeit wahrscheinlich erst wieder nach mittags

während mein >>>> Morgeneckermann uns eine Erzählung unterschiebt, die in Wahrheit eine Rezension ist, nur daß sie mit dem irren Satz endet, er habe die Folgebände der Trilogie nicht gelesen. – Verstehen Sie, Freundin, das Problem in dem Satz? Nur daß schon die Familie des ersten Bandes, also von dreien, in einer Gemüseabteilung „biwakiert (…), die sich nach allen Seiten bis zum Horizont erstreckt”, und es in dem Kaufhaus schließlich zugeht fast wie in Nach Centaurus A, dem Intermezzo in >>>> Thetis. Allerdings ist die Generationenfolge nicht gar so biblisch; es werden überhaupt „Kataloge” vermieden, statt dessen nicht mehr zu unterscheiden ist, ob Rotten wilder Tiere oder Waren die Heldenfamilie bedrohen, die im dritten Band bereits eine Sippe ist. Und alles das auf 1 ¾ Seiten:


Sei man in dem einen Genie, so schrieb ich eben der Contessa, dann in dem anderen a u c h – und fügte derart allerbescheidenst hinzu, daß ich’s „demütig” besser hätte genannt, es stamme der Satz nicht von mir, sondern von dem Jahrhundertdirigenten Giuseppe Sinopoli. Er hat ihn 1986 in einem Interview nach seinem Bayreuther Debüt gesagt.

Ihr

Tannhäuser

(der in den >>>> Hörselberg aber wieder hineinwill)

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2 Kommentare zu An Frau Venus, Hörselberg Thüringen, Belle Étage. Das Arbeitsjournal des Freitags, den 17. November 2017. Mit Giuseppe Sinopoli.

  1. werneburg sagt:

    Lokale Göttin In dem obigen Text kommt das Wort „demütig“ vor. Das bin ich nämlich, wenn ich hier erwähne, daß – zwei Jahre vor dem Interview mit dem auch von mir verehrten Giuseppe Sinopoli – meine Dichtung, die eines Thüringers, mit dem Titel „Minnesprüche“ entstand (enthalten in dem Band „Thüringer Meer“), worin auf vergleichsweise altmodische Weise auch auf die „lokale Göttin“ Venus (Residenz im Hörselberg) eingegangen wird. Ja, nicht nur ein Musikcomputer kann zusammenbrechen, auch eine ganze Welt. Gut immerhin, wenn man es physisch überlebt hat und die alten Texte nicht verlorengegangen sind.
    ˃˃˃ https://sites.google.com/site/joachimwerneburg/werke-ueberblick#TOC-Th-ringer-Meer

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