Noch aus Schaffhausen. Das Arbeitsjournal des 14. Aprils 2018. Darinnen am fallenden Rhein, oben auf dem Munot, sowie im Kaisersaal des Klosters Rheinau. Mit einem großen Danke.

[Best Western Plus Schaffhausen, 101
6.11 Uhr]

Wie gerne bin ich in der Schweiz! Schon bezeichnend, wie wohl ich mich in diesem Land fühle, obwohl es doch heißt, „man“ sei hier als Deutscher nicht so arg beliebt – was für Österreich ähnlich gilt, dort freilich nachvollziehbare, von unseren dortigen, weiter östlichen Nachbarn selbst zu vertretende Gründe hat.

Viel zu früh kam ich an. „Oh verzeihen Sie, wir sind völlig ausgebucht, wir haben noch gar kein freies Zimmer.“ „Ach macht nichts. Ich mag eh zum Rheinfall fahren“, der schyzerdütsch der Rhyfall ist, gesprochen mit „i“. „Lassen Sie Ihr Gepäck einfach hier.“
Sie erklärte mir, wie ich hinkäme. „Ziehen Sie sich am besten eine Tageskarte, dann nehmen Sie den 1er-Bus.“
Es ist in der Schweiz noch nirgendwo ein Problem gewesen, nur Euros bei mir zu haben. Quasi wird jede Währung genommen, kurz umgerechnet; das Rückgeld sind freilich immer Franken. Ich konnte allerdings aus die Mastercard nehmen. Saß dann nicht im 1er, sondern 6er, weil ich keine Lust zu warten hatte. Der fährt einen kleinen Umweg. War mir recht.
Auf der Busscheibe folgendes Bild: 

 

 

Die Preisunterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz sind in der Tat grad hier im Grenzland ein ständiges Thema. Was Wunder, wenn ein Kilo Rindfleisch 140 Fränkli kostet. Also auch Werbung für die Güte Schweizer Fleisches: „Der feine Unterschied“. – Mit deutschem Einkommen ist in diesem Land wenig erschwinglich, ein salamibelegtes Stück Baguette nicht unter 8 Stützli zu haben.
Was ich aber wußte und schon deshalb gleichmütig nahm, weil eh auf Diät, egal ob ich sie vorgestern abend unterbrochen hatte und gewillt war, dies heut nach der Lesung noch einmal zu tun. Bis dahin freilich nüchtern bleiben. Sind Sie, Freundin, dran gewöhnt, macht es Ihnen nichts aus.

Allerdings im Hotel noch: „He, Alban!“
Klaus Modick eilte zur Rezeption. Zugelegt hat er, dachte ich, hatte ihn lange nicht gesehen, wir waren einander nie sonderlich hold. Auch er einer der Lesegäste der Erzählzeit, das wußte ich schon.
Kurzer unverbindlicher Plausch. „Ich will zum Rheinfall“, sagte ich. Er, in etwas wegwerfendem Ton: „Ach, war ich gestern. Die Niagarafälle sind das nicht“ – eine Idee, auf die ich auch gar nicht gekommen wäre. – „Hast Du ein Boot genommen?“
Hatte er nicht.
„Ist halt gut“, sagte ich, „wenn du jemanden hast, der dir etwas empfiehlt.“ (Danke nochmal an Oliver.)
Modick wollte auch gleich fort und entstapfte schwer. – Ich auf die Straße hinaus.
Als ich etwas mehr als drei Stunden später zurückkam, „ja, Ihr Zimmer ist jetzt fertig“ und mein Gepäck nehmen wollte: „Es steht schon auf dem Zimmer.“ – Wie gerne, schrieb ich’s Ihnen schon?, bin ich in der Schweiz!

In Neuhausen aus dem Bus, das letzte Stückchen zu Fuß hinab, wirklich ein traumhaftes Bild – um so schöner, als nur wenige Touristen die Ufer belebten.

Die volle Prächtigkeit, vor allem und Macht, des Wassers entfaltet sich dem Blick tatsächlich erst, sind Sie näher an die Fälle heran; auf jeden, hier im Wortsinn, Fall wollte ich auf den Mittelfelsen klettern – was nur vom Boot aus geht.

Also ganz um das natürliche Becken herumspaziert zum Schlössli Wörth, die paar Treppen direkt am Wasser, ich wurde wieder zurückgeschickt, Tickets gab’s nur an zwei Kiosken, die ich schlichtweg deshalb übersehen hatte, weil so wenig Touristen da waren, es vor den zwei Schaltern also keine Schlangen gab.
20 Fränkli für das Tourchen. Stolz. Da ich drauf vorbereitet seelisch und mit der Mastercard zahlen konnte, zuckt‘ meine Psyche die Schultern; überdies werd ich’s absetzen können: Recherche für ein neues Gedicht. Und war schon von dichtem Staub Wassers umsprüht, nassen, wie Nebel dichten Wolkenstäuben. Und dieser Krawall!

Man ist am Mittelfelsen schnell dran, eilig erklomm ich die Stufen und war als erster auch oben. Wo ich lange, sehr lange versann, als Grundierung der lärmenden Wasser Goethes Worte in den Ohren:

Erregte Ideen über die Gewalt des Sturzes. Unerschöpfbarkeit als wie ein Unnachlassen der Kraft. Zerstörung, Bleiben, Dauern, Bewegung, unmittelbare Ruhe nach dem Fall“, „Dunst schien mit Dunst gewaltsamer zu kämpfen, und indem die ungeheure Erscheinung immer sich selbst gleich blieb, fürchtete der Zuschauer dem Übermass zu unterliegen und erwartete als Mensch jeden Augenblick eine Katastrophe. (Goethe, 1797).
Und immer wieder der Blick hoch über das linke Ufer der Rheines hinauf. Woran erinnerten mich die Zinnen? Solche eine Ritterburg hatte ich als Junge einst. Vor meinen Augen marschierten die schönen Spielfiguren auf, die ich ebenfalls damals besessen. Meine Ivanhoe-Prägung, der schneeweiße Federschwall auf des jungen Sir Wilfrieds silbrig blitzendem Helm – und schon damals meine Anima, die bei Scott Rebecca heißt. Wirklich schon damals? So früh schon hat diese Frau in meine Seele, die ich wie Sie im Herzen fühle, ihre dunkelen Augen geschlagen. Hier stiegen sie, am Rheinfall, sirenenhaft von unten über mir auf, neu aus dem uralten Wassergetos‘, und ließen mich abermals an den Briefwechsel mit meiner Lektorin denken, den wir derzeit über Musen führen und was sie seien für mich und sie.

Ihr – beider – Aureole ward zum Regenbogen, als ich die Stufen hinabsah, über die mir nun die Mitbootler folgten. Da hört‘ ich sie, die Muse, singen – und zur anderen Seite ward die Versuchung auf kurzes hoch, mich selbst ins tiefe Schäumen hinunterzuwerfen. Leichte Windstöße kräuselten lebhafter die Säume des stürzenden Schaumes, Dunst schien mit Dunst gewaltsamer zu kämpfen, und indem die ungeheure Erscheinung immer sich selbst gleich blieb, fürchtete der Zuschauer dem Übermaß zu unterliegen und erwartete als Mensch jeden Augenblick eine Katastrophe: Wie Goethen schnürte auch mir sich das Herz.

Die Bootsbetreiber ließen mir Zeit; bevor der motorisierte Nachen drübseits nicht wieder ablegen würde, konnte ich stehen. Welch ein Rausch!
Wieder einge,nun jà,“schifft“ fragte ich, ob ich wohl linksrheinisch aussteigen dürfe. „Nehmen Sie das rote Boot gleich, überzusetzen ist im Preis drin.“ Wie unvermittelt-direkt ich dieses Schyzerdütsch verstand! Er zwinkerte mir zu. Den Berg hoch im Aufzug zum Schloß laufen koste aber nochmal einen Fünfer.
Ich nähme keinen Aufzug, schon prinzipiell nicht. Klang ziemlich, spürte ich, deutsch, dieses Wort. Prin/zi/piell. Ich lachte und glaubte spontan, er, der Bootsführer, wisse warum. Meinen hellen Hut hatte ich jetzt wieder auf; oben hatte ich ihn in die Hand nehmen müssen, weil er sonst vom rasenden Sprühen mir vom Kopf geweht worden wäre. Wie angenehm erhitzend das noch fast eiskalte Prickeln!
Der helle leichte lange Mantel, kaum mehr als ein Überwurf, war naß.
Drüben dann also den Berg hoch – außen herum, also auf dem „Känzeli“ stand ich dann n i c h t, danach über den Weg durch die Hauptpforten in die kleine Anlage hinein, die einen Restaurantbetrieb, vor allem aber die wohl schönstgelegene Jugendherberge birgt, die mir jemals begegnet (kann uns ein Ort „begegnen“, begegnen wir nicht ihm? „der ich„, mithin, „jemals begegnet„).
Wir spüren dem Schloß nicht an, wie alt es ist. Seine erste urkundliche Erwähnung aber finden wir bereits im 9. Jahrhundert, das ist noch nicht einmal Hochmittelalter.
Wieder hinaus, dann – ein weiterer Fußweg ist bergrutschshalber gesperrt – schräg den Weg zur begehbaren Eisenbahnbrücke hinab und sie hinüber, die das obere, gleichsam drängend wartende, 150 Meter breite Becken des Rheins überspannt, bevor er sich die dreiundzwanzig felsigen Meter hinabstürzt. Und rechtsrheinisch hoch zurück in den Ort.
Keine fünf Minuten warte ich an der Bushaltestelle, schon fährt’s mich nach Schaffhausen zurück.

Und nun? Es ist immer noch nicht zwei, „ab 14 Uhr wird Ihr Zimmer bereit sein“, hatte die freundliche Empfangsdame mir bedeutet. – Freundlich sind a l l e Menschen hier, es ist wirklich auffällig, mit einem Augenzwinkern oft, als scherzte selbst ihre Begrüßung. Nur als ich an Orell Füssli vorbeikam, der Buchhandlung, die abends den Büchertisch besorgen sollte, und hineinging, um mich höflichkeitshalber schon vorzustellen, wußte die Dame an der Kasse mit mir nichts anzufangen; es lag auch keines meiner Bücher aus.
Normalerweise ist man als Autor dann pikiert. Mir war’s wurscht, das Städtchen viel zu schön, die Sonne zu hell und zu warm, um auch nur eine Spur von Ärger zu erlauben. (Ich kannte einen hannöverschen Kollegen, der, wann immer ein neues Buch von ihm erschienen, durch sämtliche Buchhandlungen der Stadt klapperte, um zu sehen, ob er auch ausliege. Welch ein Masochismus! Er war dann auch immer ziemlich bedrückt.)

An der Bushaltestelle, ah jà! hatte nicht Oliver von „Munot“ gesprochen, der eindrücklichen Festung der Stadt? Buslinie 4. – Hm, zehn Minuten vorm Bahnhof warten? Nö.
So, erneut zu Fuß, durch das Städtchen, bei dem auffällt, was ich in der Schweiz immer wieder gefunden: So vieles ist erhalten, inklusive der Fassadenmalereien, inklusive der sehr alten, vor allem vom Berg aus wie verzauberten, ineinander quasi verschächtelten Dächer:

Es fiel hier ja nie eine Bombe. Meine Güte, wie spürbar!
Der Blick aber erst, als ich vom Munot über einen durch die im Hang gepflanzten Rebstöcke führenden Weg wieder hinabstieg (und kannte nun ein neues Wort: Zirkularfestung – am Abend kam „Vinbur“ dazu, Weinbauer)! Phantastisch weniger, übrigens, die runde Plattform oben und sowieso die zwei kleinen Feldgeschütze, die noch stehen, doch längst nicht mehr den Rhein bestreichen, sondern phantastisch das Innengewölbe, nachdem Sie einen sehr dunklen Rundgang entlang: Hier blieb ich denn tiefatmend drin stehen und lauschte.
Hübsch auch weniger das gestern ohnedies nicht sichtbare Damwild, das in dem die Feste halbumgebenden Graben lebt, sondern daß der Hirsch jeweils den Namen des amtierenden Stadtpräsidenten Schaffhausens trägt. Auch sowas meine ich mit dem Augenzwinkern, das mir in jedem Blick der „Schaffhuser“ zu begegnen schien, dieser Freundlichkeit, die immer zugleich ein pfiffiges Scherzen. So selbst in der Neugier, die ein Punkpärchen mich, den hellgekleideten, mit hellem Hut, fremden Flaneur ein paar Sekunden lang anschauen ließ, gleichsam selbst ein Stück Damwild.

Nach diesem zweiten Ausflug kehrte ich ins Hotel zurück. Nun war es gegen halb vier.
„Ihr Gepäck? Das ist bereits auf dem Zimmer.“
„Oh“, machte ich und lächelte: „Ich bin in der Schweiz.“
Die nunmehr jüngere Empfangsdame lächelte bezaubernd zurück.

Eine Stunde Nachmittagsschlaf. Allerdings möge ich vorher Herrn Eigenherr anrufen, der mich zum Kloster Rheinau abholen werde.
Tat ich. Fragte, ob es möglich sei, schon etwas früher dort hinzufahren – ich wolle doch gern etwas sehen, wenn ich einen historischen Ort noch nicht kennte.
Er kam um fünf und wurde mir ein ebensolch guter Vergil, wie es vortags Oliver Gassner gewesen.
Alles hierzustadt geht per Du.
Kräftiger Handschlag. Ins Auto. Er schwätzte gleich los, männlich, augenzwinkernd, himmlisch lebendig. – Ob es mir etwas ausmache, wenn er Schyzerdütsch spreche? „Aber nein!“ Es wäre mir in der Tat unangenehm gewesen, wäre er formell geworden.

Erstaunlich, wie schnell man versteht – nicht immer alles sogleich, zumal die Sprache dahinschäumt und -perlt wie der Rheinfall, wo er ausläuft. Doch müssen Sie sich nur mittreiben lassen. So verging die Fahrt im Flug.
Es hatte plötzlich zu regnen begonnen.
Ich kann’s schwyzerdütsch nicht nachstellen, deshalb in meiner Diktion: „Willst zur Bergkirche hoch? Da hat’s einen tollen Überblick.“
Den Hang hinab wieder Reben. Drüben das Kloster, dessen Geschichte mein neuer, ja, muß ich sagen, Freund erzählte, der aus Rheinau („Rhynau“) auch stammt und dort lebt. Lesen Sie die Geschichte des Gebäudekomplexes selbst nach, Wikipedia erzählt sie knapp, aber gut. Anekdotisch allerdings die Bemerkungen, wie vieles auch noch der späteren Sanierungsmaßnahmen sich nach wie vor kleinen Pieksereien der „Katholischen“ gegen die keltisch-protestantischen Schweizer verdankt.
Ein psychiatrisches Heim war hier untergebracht, einige seiner Bewohner arbeiteten in den ökologisch betriebenen Weinhängen mit: DEMETER – eine bis heute starke Vertretung der Anthroposophie. Hübsch auch, daß die große Kirche ökumenisch genutzt ward; eine Zeit lang gab es für das Gebäude zwei Hauptschalter für Heizung und Licht: der eine für die Katholiken, der andre für die Protestanten, „damit man auch wußte, wer wieviel verbraucht hat und nicht die eine Religion für die andere mitzahlen mußte.“
Wir schritten durch den Klostergarten, das sakrale Gebäude selbst war geschlossen, doch hinten die kleine Kapelle, vorbei am Haus der Stille, geöffnet. Eine Grabkerze brannte darin in ihrem roten Napf.
Ich stellte, wie immer in katholischen Räumen, die meine dazu, entzündete sie, gedachte, wie immer in katholischen Räumen, meiner Lieben. Nie lange, einzwei Minuten vielleicht. Diskret stand mein Freund beiseite, zeigte mir dann die erneuerten Fresken in der Apsisdecke. Ein Fresko für jeden Evangelisten. Unten eine Marienfigur. „Noch so ein Zwacken in die reformierte Haut.“ Wieder dieser Pfiffigkeitsblick.
Auf dem hierseits künstlichen Rheinableger, die Klosterinsel umspielendes Wasser, hielt eine Ente den Schwan für ihren Gemahl. Sie folgte ihm, der es ergeben geschehn ließ, mit einer Sturheit nahe, daß es ans Selbstverständlichste grenzte und tatsächlich nicht einmal Komik hatte.
Das Haupthaus seitlich des großen Kirchengebäudes ist in Sanierung begriffen. Eine Schwyzerdütsch wie Deutsch gleichermaßen flüssig parlierende Frau asiatischer Herkunft ließ uns ein und schauen. Hintseits auf der Terrasse unter abenteuerlich gestutzten Platanen – längst war die Sonne wieder durch die Wolken gebrochen – rief sie mir zu, der ich ans tatsächliche Rheinufer getreten war: „Da drüben ist die Heimat!“ Womit sie Deutschland meinte, und zwar mit demselben Pfiffigkeitsblick.
In der Tat, erfuhr ich, haben die Grenzer hier einiges zu tun; es werde ordentlich geschmuggelt, Butter vor allem und, wie schon erzählt, Fleisch; sowieso Lebensmittel. „Nicht an den Zollämtern, sondern fünf Kilometer tiefer im Land wird kontrolliert.“ Tatsächlich gerieten wir auf der Heimfahrt, längst war es stockedunkel, in eine Straßensperre. „Du wohnst hier?“ „Ich bringe nur einen Schriftsteller heim“, womit er das Best Western meinte. „Na dann kannscht weiterfahre.“

Unendlich freundlich der Empfang durch die Veranstaltungsdamen, wunderschön der Kaisersaal, in dem ich Vogelfreier läse:

Auch hier, von Anfang an, alles per du, mich herzlich inkludiert. Für den Apero wurden Tabletts voller heimischer Kleinigkeiten hereingebracht und aufgebaut, auch Wein stand schon da. Ich würde meine Askese für einen weitren Abend unterbrechen.

Aufbau der Tonanlage, Soundcheck. Derweil begrüßten sich die Leute und – begannen eine Wette. Jeder schrieb die Zahl der Stühle auf, die später vorausschätzungsweise besetzt sein würden. Eine der Damen gab die Bank.
„Wir machen das jedesmal so, Frau Soundso lebt teils davon.“
Wie hoch die Einsätze waren, dies allerdings blieb mir verschwiegen. Statt dessen bekam ich meinen ersten Wein und dachte nur: grandios!

Es wurde voll. Sehr aufmerksames Publikum, allerdings kaum junge Leute. Von Orell Füssli erschien freilich niemand. Wunderte mich nicht. Es gab auch „nur“ Meere, kein Traumschiff. Mitgebracht hatte sie mein Freund. – Egal, ich kombinierte dennoch beide Bücher noch einmal. Wobei diesmal bedauert wurde, daß ich nicht aus Meere mehr gelesen hätte. Es sei etwas schwierig gewesen, sich auf den neuen Erzähler, Gregor Lanmeister also, umzustellen.
Es tue mir leid, sagte ich zu Beginn, daß ich nicht Frau sei. Die Gastgeberin hatte Anne von Canals, für die ich eingesprungen, Absage etwas bedauert: „Weischt, wir haben immer nur Männer hier.“ So entschuldigte ich mich auch vor den Hörer:innen für mein Geschlecht. Ein solches Buch, sagte ich, hätte eine Frau allerdings gewiß nicht geschrieben. Eine Woge, nein Brise sympathischsten Lachens durchwehte die Reihen.
Nach der Lesung, beim Apero, immer wieder Fragen wegen der präzisen Sprache, ihrer Bildkraft, ihrer plastischen Beschreibungen. Dennoch, Bücher gekauft wurden auch hier kaum – und d i e kauften, gehörten zu denen, die an der Performance beteiligt gewesen, der Tontechniker zum Beispiel, aber auch mein Freund, später dann auch einer der „normalen“ Hörer.
So schwätzten wir lange.
Schließlich aber ging es doch an den Aufbruch – schon weil mein Freund mir leid tat, der meinetwegen, weil er mich nach Schaffhausen zurückchauffieren mußte, nichts als pures Wasser trank. Daß er ein wenig litt darob, war ihm nicht anzusehen, selbstverständlich; spüren konnt‘ ich es dennoch. So ging die großartige Erzählzeit – dieses Festival, an dem grenzüberschreitend an die vierzig Gemeinden beteiligt – für mich denn zuende. Allen sei Dank, die mich so herzlich betreut.


Im Hotel nahm ich ein letztes Bier vorm Schlafen. Um sechs war ich schon wieder hoch.

*

Mein Zug zum Zücher Flughafen wird um 11.14 Uhr gehen, in die Luft werd ich um 13.40 Uhr mich heben und gegen 15 Uhr in Berlin zurück sein. Kurz auspacken dann, mich in die Sportklamotten werfen und ab zum Lauf in den Friedrichshainpark.

Lassen Sie sich’s wohlsein!
Ihr ANH

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Ein Kommentar zu Noch aus Schaffhausen. Das Arbeitsjournal des 14. Aprils 2018. Darinnen am fallenden Rhein, oben auf dem Munot, sowie im Kaisersaal des Klosters Rheinau. Mit einem großen Danke.

  1. Oliver sagt:

    Das freut mich, dass du alles Wertzuschätzende in SH angetroffen hast: Rheinfall, Munot, Menschen – jeweils natürlich anders zu sortieren. Bin schon gespannt auf den Gedicht-Fall.

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