Eine Unterschlagung: zu Literaturhaus und Werkschau. Im Arbeitsjournal des Sonntags, den 26. August 2018. Mit besonderem Hinweis auf Schuldt.

[Arbeitswohnung, 8.18 Uhr | France musique: Sibelius, Sinfonie Nr.2]

Verletzend ist das schon. Bereits Anfang August hatte ich festgestellt, daß in der online geposteten PDF des Septemberprogramms des Literaturhauses Fasanenstraße Berlin die ANH-Werkschau nicht mit verzeichnet war, auch nicht unter „Gastveranstaltungen“. Also informierte ich die Leitung des Literaturfestivals, die sich sofort ans Literaturhaus wandte und von dort den Bescheid erhielt, der zuständige Grafiker, der noch Änderungen vornehmen könne, sei zur Zeit leider in Urlaub; man werde sich nach dem 20. August melden.
Was nun mit dem Ergebnis geschehen ist, daß die Werkschau vom Literaturhaus weiterhin nicht angekündigt wird, und zwar ärgerlicherweise eben auch nicht in dem gedruckten und versendeten Programmheft, das öffentlich überdies ausliegt. Allerdings betrifft die Unterschlagung auch andere Veranstaltungen des Literaturfestivals, u.a. die hochpolitisch-journalistischen Nicholas Shakespeares und Luke Hardings sowie quasi alle, die eine Art Hommage an poetische Vorbilder sind, etwa Peter Wawerzineks Erinnerungsabend an Dylan Thomas. Besonders bringt mich allerdings auf, daß auch des großen Schuldts rhythmische Performance „Skip it if you can“ auf diese Weise unter den Tisch fällt. Freilich, auch er, Schuldt, gehört zu den großen Unangepaßten der zeitgenössischen Literatur-, bzw. Kunstszene und ist in keiner Weise verdächtig, vor welcher Correctness auch immer in die Knie zu gehen. Dafür bekommen solche Menschen, die’s eben, also Menschen, noch sind, schnell mal die Quittung.
In jedem Fall werden auf diese Weise die Stammbesucher des Literaturhauses, sein eigentlicher Gästekreis, in möglicherweise sehr beabsichtigter Unkenntnis gelassen – es sei freilich denn, sie erfahren von den „unterschlagenen“ Veranstaltungen anderswoher, müssen sich dann aber fragen, weshalb denn „ihre“ Hausleitung von denen gar nichts wissen will: Hat sie sich auf diese eingelassen nur, um Zusatzeinkünfte zu generieren? Nun ja, dann schön für des Hauses Finanzen; hingehn freilich „braucht man nicht“.
Andererseits werden Veranstaltungen etwa des Geistigen Rates der Bahá’í (am 8.9.) durchaus beworben, bzw. ebenso genannt wie eine Veranstaltung der „Bücher-Frauen e.V.“. Da kann man, und Mann sollte, durchaus nachdenklich werden. Zumindest werde ich mit den zwei neuen Leiterinnen des Hauses darüber noch vor der Werkschau ein Gespräch führen müssen, schon weil ja einige technische Vorbereitungen zu planen sind. Noch vor kurzem übrigens habe ich in einer ziemlich scharfen Diskussion für die beiden Partei ergriffen; so zahlen sie’s mir also heim.

Ansonsten bearbeite ich – für den im kommenden Frühjahr bei Septime erscheinenden Band der Gesammelten Erzählungen – die nächsten Lektorate der poetisch ungemein präzisen Elvira M. Gross, die mir nichts, aber auch gar nichts durchgehen läßt. Ihre Präzision werden auch Sie erleben können, da sie ja zur Werkschau mit auf dem Podium sitzen wird.
Des weiteren habe ich mit den Arbeiten für die Contessa zu tun und kümmre mich um meinen Körper.

Ihr, liebste Freundin,
ANH
[France musique contemporaine:
John Cage, One 8 nach Bach für Violoncello und Knabensopran]

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7 Kommentare zu Eine Unterschlagung: zu Literaturhaus und Werkschau. Im Arbeitsjournal des Sonntags, den 26. August 2018. Mit besonderem Hinweis auf Schuldt.

  1. Kommentare von Facebook sagt:

    Sabine Scho
    das ilb hat alles angekündigt in allen druckwerken und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das absichtsvoll geschieht. die beiden leiterinnen sind neu und du schreibst ja selbst, anderes wird auch vergessen. wenn man nicht zu den ständig virulenten n…Mehr anzeigen
    ANH
    Alban Nikolai Herbst Möglich, aber nicht mehr, wenn vorher eigens auf das Versäumnis hingewiesen und darauf geantwortet wurde, man könne m o m e n t a n nichts tun, weil der Grafiker in Urlaub sei. Das Lithaus war also informiert und w o l l t e nicht.
    Das ilb seinerseits ist perfekt in den Ankündigungen. Da gibt es überhaupt keinen Grund, sich zu ärgern.
    Sabine Scho
    anmerken würde ich es auch, aber ich würde versuchen, mich nicht zu ärgern. hm, seltsam, mal nachfragen! aber die haben nun wirklich null hühnchen mit dir zu rupfen, ich glaube nicht, dass die irgendwas gegen dich haben, so was ist meist versäumnis aus irgendwelchen, aber seltenst intentionalen gründen.
    ANH
    (Ich werde diesen Kommentarbaum später in Die Dschungel kopieren).
    Sabine Scho
    das war mir klar! ich weiß, das tröstet nicht wirklich, aber du unterhälst dich ja auch mal mit kolleg*innen und dir ist sicher aufgefallen, dass sich alle, wirklich alle mal verfolgt und intentional vergessen vorkommen und fühlen, und natürlich ich auch… und, tröste dich, eine gestandene und angesehene fotografin quält sich damit, wenn verleger sich nicht melden, sämtliche meiner kolleg*innen, mich eingeschlossen und ich bin dann immer diejenige die sagt, schaut euch die verleger*innen an, die haben einen plan und einen terminplan im kopf, den sie einfach abarbeiten und man ist dann eben dran, wenn man dran ist, wie beim arzt eben 😉 und ich behalte meistens recht, während wirklich sich alle aufgrund ihrer werke abgelehnt fühlen dann, auch, wenn sie rational drüber nachdächten, das gar nicht sein kann, weil sie z b die zugpferde des verlags sind, aber so was setzt dann immer aus, wir alle fühlen uns dann immer mit unseren werken abgelehnt. und dann lamentieren immer alle, ja, aber sie könnten dann doch schreiben, gerade keine zeit und ich sage dann, emails produzieren mehr emails, darum schreiben sie nicht, sondern sitzen einfach gerade über der fertigstellung eines anderen buches etc und ich habe meistens recht und alles löst sich dann in wohlgefallen auf, verleger*innen und veranstalter*innen sind auch nur menschen…
    und du könntest auf der haben seite dir immer sagen, alle, wirklich alle deine werke finden verlage und ich zeige dir nicht die autor*innen, die darüber mehr als glücklich wären, sie sind legion!
    die ablehnung kulminiert meist in einer sehr einfachen sache. je mehr publikum man zieht, desto höher die chance, nicht vergessen zu werden. das ist es eigentlich auch schon. so kommt es mir vor. und, das letzte mal im literaturhaus, als ich dich vorttragen hörte, war der kaminsaal voll. hätten das die nachfolger*innen schon erlebt, wärs vielleicht auch nicht passiert. wer weiß, weil du ihnen schon ein begriff gewesen wärst.
    und, sei dir doch sicher, hier schreibt jemand, die genau so denkt, wenn es sie gerade betrifft, ist ne berufsdeformation. lieber intentional abgelehnt aus widerständigkeit, als einfach schnöde vergessen, weil man nicht kehlmann heißt und der agent schon allen auf die finger klopft und die herrschaftsverhältnisse sich umdrehen dabei…

    • Kommentare von Facebook sagt:

      Titania Carthaga
      Das Nicht-Wollen trifft vermutlich nicht zu. Man ist Dir dort ja nicht gram. Ich würde das auch schlicht unter menschliches „Versagen“ / Vergessen / schlechtes Projektmanagement einordnen.
      ANH
      „Man ist dir dort nicht gram“: Ich habe keine Ahnung, kenne die beiden neuen Leiterinnen persönlich so wenig, wie sie mich kennen. Nur war das eben noch nie ein Hinderungsgrund für Ablehnung. Eine Preisjury schied mich kürzlich aus, weil ich vor Jahren den, so wurde gesagt, „furchtbaren“ Roman Meere geschrieben habe; unter „furchtbar“ wurde mein vorgeblicher Machismo verstanden. Es ging hier um einen völlig anderen Text, aber die Vorurteile wirken noch nach bald zwanzig Jahren. Man kann fast sagen, daß sie sich v e r e r b e n.
      Titania Carthaga
      ich kenne und verstehe Deine Sicht, würde jedoch zunächst erst einmal das direkte Gespräch suchen, um dann solch ein Fazit bzw. Urteil zu ziehen. Im Moment ist das noch eine Art Sippenhaft, weil das ja andere so gemacht haben. Ich wäre zunächst – bei allem verständlichen Ärger – etwas zurückhaltender mit solchem Urteil, es sei denn, im direkten Gespräch erhärtet sich solcher Verdacht. (Aber das ist nur meine Sicht.)
      ANH
      Deine Sicht ist nachvollziehbar. Meine Skepsis, glaube ich, auch.
      Titania Carthaga
      du kennst den Jean Paul-Satz über die Abgründe und Geister, die man dann in jeder Ecke wähnt. ? Egal wie – ich wünsche Dir dennoch eine sehr gelungene & erfolgreiche Werkschau. Mich hat Deine Ankündigungsmail sehr gefreut.
      ANHSie dort n i c h t zu wähnen, wäre nach meinen Erfahrungen aus ja nun Jahrzehnten Indiz einer an geistige Behinderung grenzenden Naivetät.
      Titania Carthaga
      (Oder self fullfilling prophecy. Du würdest es vermutlich Charakterschicksal nennen.)
      Sabine Scho
      manchmal lebt es sich mit naivität gar nicht soooo schlecht!

  2. Jenny sagt:

    Wenn die Unterschlagung bzw. Weglassung des Programmhinweises auf die Werkschau keine Absicht war, dann war es wohl Inkompetenz. Denn es geht hier z.B. nicht darum, den Grund einer nicht angewiesenen Überweisung für die Bezahlung eines Handwerkers, der irgendwas im Haus repariert hat und nun auf die Bezahlung seiner Rechnung wartet, mit einem Büroversehen in der Buchhaltung zu erklären, was immer mal vorkommen kann.

    Nein, hier geht es um den Kernbereich, um die ureigensten Aufgaben der zu erledigenden Hauptpflichten der Leiterinnen des Literaturhauses, nämlich die Organisation und Präsentation literarischer Veranstaltungen im Haus. Dies ist eine Aufgabe, mit der die Leiterinnen dieses Hauses befasst sein m ü s s e n, und, sofern sie sie delegieren, z.B. an die Abteilungen Öffentlichkeitsarbeit oder Organisation/Presse, regelmäßig kontrollieren müssen, wie sie erledigt wird, gegebenenfalls müssen sie korrigierend eingreifen. Zudem handelt es sich hier nicht nur um eine einzelnde einstündige Veranstaltung im Haus, sondern um eine Werkschau mit gleich mehreren Terminen an einem Tag, an dem das Literaturhaus in Beschlag genommen wird, so dass also schon allein vom Umfang her betrachtet diese Veranstaltung eigentlich nicht „vergessen“ werden kann.

    Die Verantwortung liegt also in jedem Fall bei den beiden Leiterinnen und ich bin gespannt, wie sie den Vorgang erklären werden.

  3. Pingback: Des Neapelversprechens Arbeitsjournal des Mittwochs, den 29. August 2018. | Die Dschungel. Anderswelt.

  4. Marion Koepf sagt:

    Schließe mich total Jenny an. Sowas darf einfach nicht passieren! Wegen Urlaubs! Dann muss Vertretung gefunden werden. Schlamperei! Die Werbung ist nachzuholen. Und zwar massiv.

  5. Jenny sagt:

    Auf der Web-Autorenseite von Ihnen beim Internationalen Literaturfestival Berlin http://literaturfestival.com/autoren-en/autoren-2009-en/alban-nikolai-herbst ist übrigens noch die alte Weblogadresse von Twoday als Verlinkung angegeben, wie mir eben beim Stöbern aufgefallen ist, Herr Herbst.

    Sehr schön aber finde ich, dass ein Porträt von Ihnen als eines der rotierenden Bilder auf der Einstiegsseite die Besucher empfängt!

  6. Oh @ Jenny, das hab ich noch gar nicht gesehen…

    Wegen der Weblog-Adresse gebe ich beim Festival eben Bescheid. Danke.

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