Zu den Göttern. Hier nutzt sich nichts ab.

[Arbeitswohnung, 19.42 Uhr.]
Zweieinhalb Stunden Musik gehört. Ich wußte nicht, war unschlüssig, was tun, setzte mich endlich wieder einmal in meinen Musikstuhl, der in (fast) genau gemessenem Abstand von den ProAcs, und zwischen ihren Schallströmen, steht, und fing zu hören an. Bereits bei Petterssons Zweiter traten die Tränen vor, in der Siebten f l e n n t e ich und schluchzte – aber hielt die Form, indem ich dirigierte.

Ich bete, ja, bete, es möge dieser Komponist niemals vergessen werden. Für mich ist er heute, was Gustav Mahler in meiner Jugend und früher Erwachsenenzeit war. Weshalb findet sich keine Dirigentin und/oder kein Dirigent von Range – nein: von der Popularität, vom Rang taten’s schon einige – Mengelbergs, Bernsteins, Soltis, sich für diese Musik zu verwenden?
Vielleicht mache ich wahr, was ich kurz dachte, und schreibe an Petrenko handschriftlich zwei Zeilen: „Kümmern Sie sich um Allan Pettersson. Darum bittet ANH“

Daß Pettersson gequält war und dafür eine Sprache fand, nahm man ihm als Selbstmitleid übel. Man nahm ihm seine Kranheit übel. Wer darbt, soll schweigen wie die Schwachen. Dagegen erhebt sich Petterssons Musik. Sie gehört zur menschlichsten, die ich jemals hörte. Ach, glauben Sie mir, Freundin! Hören Sie auf mich, mir zu …

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24 Kommentare zu Zu den Göttern. Hier nutzt sich nichts ab.

  1. PHG sagt:

    Es ist nicht sein ‚Gequältsein‘ allein, wofür er eine Sprache fand. Er fand in seiner Musik eine Sprache für die Menschen des ganzen 20. Jahrhunderts. Ohne Petterssons Musik wäre das Leiden stumm. Und die Schwachen hätten keine Stimme. So zumindest erlebe ich es.

  2. @PHG:
    Sie sagen es. Ich wollte die Objektivierung „nur“ meiden, Petterssons Subjektives wahren, weil sich gegen dieses die Vorwürfe richten, bzw. richteten – auch ehemaliger Fürsprecher wie Manfred Trojahn, der desungeachtet eine der intensivsten Einspielungen von Petterssons Sechster vorgelegt hat:

  3. PHG sagt:

    Bedankt für den Link.

  4. Ute Dr. Strasser-Köhler sagt:

    Allan Petterson – werde Ihr Anliegen an die jungen Dirigenten, die ich kenne (Sohn und Freunde) weitergeben, vielleicht ist ja einer darunter, der es will und kann ! Zum Beispiel Kerem Hasan oder ….

  5. Ute Dr. Strasser-Köhler sagt:

    sorry sorry ! : Allan Pettersson

  6. Ach wunderbar, Frau Strasser-Köhler!

  7. J. Sanders sagt:

    Höre in diesem Moment die siebte Symphonie. Es war das erstbeste, was mir der Streaming-Dienst anzeigte. Das beliebteste. Und nun kann ich nicht aufhören. Das ist Musik, fühle ich, nach der es mich verlangt hat. Ich stolpere ja nur durch die klassische Musik, bin ein Kind des Pops und diesem lange schon entwachsen. Aber was gibt es mehr? Ich bin seither, seit der Vorhang gefallen ist, auf der Suche.

    Daher vielen Dank für Ihren Verweis auf Petterson.

  8. @J.Sanders:
    Bevor Sie an die ganz radikalen Stücke gehen, die Nres IX und vor allem XIII, nehmen Sie die II, danach die VIII. Weitere Hörempfehlungen, auch auf andere Komponisten, schreibe ich immer wieder. Auch in der Musik gilt, daß es einen geheimen Kanon neben dem offiziellen gibt – „geheim“ doch nur deshalb, weil sich seine Vertreter dem Mainstream entzogen und entziehen, was sie für die Industrie uninteressant macht, nicht indes den Menschen.

  9. joe sagt:

    petterssons 7.

    grad mal angschnuppert – also die ersten takte geradezu heimtückisch daherkommend, fast schon wieder ausgestiegen, naja patchwork ? irgendwann versucht sone art 7 viertel zu identifizieren, schnarrtrommel brüche irgendwann gefragt was eigentlich los sein soll, wieso dieser dominante bass und diese wirklich auf staffage reduzierte zärtlichkeit bis dann diese traingel kam, so als witz
    ausgeschaltet.
    kurz an hans zimmer denken müssen – drei akkorde – und dann an die musik von sin city no 1- und überhaupt an eine grindcore band ( alles später in der musikhistorie aufgetaucht ) aber halt ein wenig puristischer, herausgeschälter ohne zärtlichkeits anmutungen und dann gerne stockhausens trans klarheit dazudagegengestellt.
    nicht mein ding, nix was ich mitgehen will.
    vielleicht was verpasst, phantasien ohne verbalisiertes thema sind eh nicht mein ding

    cream auflegen müssen white romm und jetzt läuft riders on the storm von doors
    ich mag klarheit, auch poetisch ohne universalitätsansprüche

  10. @joe alias lobster:
    Da ich weiß, aus welcher Ecke Sie „argumentieren“, also so etwas versuchen, lasse ich diesen Text mal so stehen. Cream und Doors am Ende sind überführend genug.
    Ach Sie armer, wirklich armer Mensch!

  11. J. Sanders sagt:

    @ANH:
    Besten Dank! Ich werde mich da so durchhören.

    @joe:
    Ob Klarheit oder Unklarheit, die VII von Petersson ließ mir keine Wahl. Ich musste „mitgehen“, so wie Sie das sagen. Das ging gleich ganz tief. Ähnliches bei dem Soundtrack von Blade Runner 2049 erlebt, aber nicht in derselben Qualität, wie es mich hier bei Petterssons VII ergriffen hat. Allerdings das ist nun ganz etwas Anderes.

  12. joey sagt:

    sag mal baby alban, wie ergeht es dem weissen so im laufe der jahrexzeiten, wa, heyhex alter wa starling ?

  13. jore thy whatbeast sagt:

    sie sind doch armselig, welch unwirsch projection

    die dürfen doch nocht mL VERZERRTE guitARS hören mögins bishin zu lieben.
    ja das wort liebe ist nämlich mitabzu schaffen etc um qualität garantieren zu können.
    ich würde mich sicherlich ultragerne in detailliertes begeben ( was ja auch undoder mit genuss bedeuten kann ) duAUSGENÜSSLICHWIE GENUSSvoll – aber ich bin derade etwas breit – ich würde sie um mich ihren geschmacksnerveninterpretationsabdruckinstanzen zugrundeliegenden informtionen gebeten haben.
    eine intention steht auf dem ersten take, eine endfassung ist wenigstens lebenslänglich.
    bin zu breit

    • jore zhy whatbeats sagt:

      irgendwie machen halt frau oder man ihr ding/ihre dinger und sie veröffentlichen, wenn sie das selbst irgendwie gut finden, was sie da machten.
      banal, real, letztlich faktisch argumentiert.
      also : zuerst das kreative, dann das resonierende.
      zuerst die eigene freude, dann die fremde freude.
      ich hatte als joe nicht wirklich widersprochen, oder ?
      ich hatte sin city no 1 und vor allem trans ( stockhausen ) dazu gestellt um zu vertiefen und nicht unbedingt luftige zärtlichkeitsanteile von musik, sondern eher so das dunkle, das erdige.
      sie wollen das systemische das formenaufbrechen thematisieren, ich brauche formen nicht, ich forme, schaffe form, halt dann nicht mehr als form lehrbar.
      so einfach sehe ich das nun mit ein wenig abstand, fast schon ernüchtert.

      salve

  14. jore thy wahtbiest sagt:

    … formen hinter sich lassen, formen…

  15. joe, das original sagt:

    poem für einen aufstrebenden lyriker

    was brauche ich ?
    anscheinend alles.
    balance usw.
    mit was kommich klaa ?
    mit mir garantiert.
    die frage nur ob ich das
    aus
    halte

  16. joey effort sagt:

    balance

    es sei zu sorgen, dass es den unteren und untersten nicht zu schlecht gehe,
    auf dass sie nicht unruhig würden
    es sei desweiteren zu sorgen, dass es diesen nicht zu gut gehe
    auf dass diese nicht aufmüpfig würden.
    jenes sei also einzurichten und zu(aufzzu) bewahren.
    ( es sei im system stets anschaulich begründbar und stützlich zu machen )

    🙂

  17. joe sagt:

    es gibt in der tat momente wo ich mich frage wo mein unkaputtbarer kern ist und dann frage ich mich was mein unkaputtbarer kern ist und wie dieser mir bewusst sein kann, wenn er er es nicht ist scheiss er, der,
    also meine die kernin oder das kern.
    wo das kern ist oder was ?
    also – das kern.

    ( geh jetzt auf die piste – ein wenig sozioquatsch schnuppern )

  18. joey sagt:

    einen „schritt“ weiter ist da möglicherweise ( anytin goes ) luftig versus erdig in der spielerei ( ludens )
    es ist nicht anthropologie, also komplette nacktheitskultur versus verhüllungskulturalität, es ist eher hybrid, durch technik herausgeschälte definition.
    ich musste mich kurz fassen.
    verständnis.

    alles geht nicht für eine_n künstler_in

  19. jolojo sagt:

    sie sind ja gut aufgehoben sie anarchist.
    in ihrer leidenschaftlichumfangreichen musikalischen mitschnittkollektion, ihrer affirmation des vergangenen usw. aber wieso müssen sie gelegentlich meinen jähzorn herausforden und serielle musik abkanzeln um pettersson zu hypen ?
    vendetta ?
    es tut ihrem lesenswerten journal abbruch und ich echauffiere mich so gut wie komplett.

    ministry ward mir tuibistisch aufgelegt nach sin city no 1, noch keine idee eines tütcjhens geraucht mittlerweile.

    • @Jololo (Lobster)
      Ich „kanzele“ serielle Musik nicht „ab“, das haben vielmehr einige ihrer Hautvertreter mit Pettersson getan, und zwar über Jahre. Dogmatisch waren jene, nicht bin es ich. Daß es – auch – serielle Musiken gibt, die ich schätze, darüber habe ich nie einen Zweifel gelassen, statt dessen hier und da Bedenken angemeldet. Das ist legitim.

  20. hamlet sagt:

    paranoia und macht, schwachparanoia und schwachmacht
    edukationen regulationen
    slave master offa slaveslave
    es ist etwas faul im staat

  21. lu kiffa ( den teufeldenkesichwerwelcheauch imma ) ludens sagt:

    naja, war vor etlichen jahren so ein ifone geschnatter , nicht ( ganz ) zu unrecht im spiel.

    auf zur näxten spielerei.
    verflichst v

    könnte klanglcihe folen gehabt haben aud wirkung, psychichiell..somatisch.

    jeder einzelne ist mit respekt und gerechtheit ausgastaltet, mal ein wenig inellektuell formusilert, la musikka, aua selbstgerechtigkeit…………………………..brrrrrrrrrrrrrrrr

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