Wien 2: „Ein alter Mann geworden zu sein“: ungut ein ‚Encounter‘. Im Wiener Arbeitsjournal zum 22. und 23., geschrieben am Sonntag, den 24. Juli 2022. Darinnen zudem der Abschluß des Lektorates der Verwirrung des Gemüths, ein Podcast zu literarischen Helden, hier zu einem dunklen, sowie der Arbeit im Sommer an sich.

[Im Verlag, Gästezimmer
7.12 Uhr]

Pünktlich auf um sechs. Zur ersten Pfeife, wie überhaupt um zu rauchen, immer in den Hausflur, da mein Verleger empfindlich. Also den Kaffee bereitet, eine Pfeife schon mal gestopft und mit ihr sowie Aschenbecher, Feuerzeug, dem Laptop für die morgendliche Presselektüre an eines der hohen Fenster im Gang, es geöffnet, den Tabak entzündet, den Laptop aufgeklappt und so den Tag schon mal fortgesetzt, auch die Arbeit von gestern gesichtet, ich übertrug die (vielen) Korrekturen des vierten Durchgangs, dem auf dem Papier, der Triestbriefe bis nachts um eins. Immer wieder dem Freund auch vorgelesen, dabei ständig neue Ideen und aber auch Lösungen für Probleme gefunden, die dieser Roman für mich noch bereithält. Es wird nun, bevor ich mich werde an die letzten sieben Briefe setzen können, die ihn abschließen werden, noch einen fünften Korrekturgang geben müssen. Aber mir ist sehr klar geworden, wie der Anschluß der neuen Briefe an die „alten“ aussehen wird – und fast auch schon das Ende des Romans. — Nachdem die halbe Pfeife geraucht, den Ort gewechselt, nämlich an den kleinen Arbeitsplatz zurück, den ich in meinem Gästezimmer habe, einen sehr angenehmen, an dem halt nur nicht geraucht werden darf.

Der nicht nur angenehme, sondern himmlische – und nicht nur, weil ich unter dem weiten Himmel dort rauchen konnte – breitete sich in Bad Fischau aus. Und tatsächlich, Elvira M. Gross und ich haben das Lektorat zuende bekommen, also der „Verwirrung des Gemüths“, deren satzfertiges Typoskript nunmehr pünktlich im Verlag liegen wird. Die Abgabe des lektorierten Textes nimmt stets meine Lektorin vor, damit es mit den vielen Fassungen nicht zu unnötigen Verwechslungen kommt. In dieser Hinsicht, wurde es anders gehalten, sind schon mehrmals unnötige Irrnisse entstanden; seit wir es so tun, nicht mehr.
Die Arbeit selbst war sehr gelöst, wir haben zudem viel gelacht. Elvira versteht oft den Witz, der weniger Schnellen erklärt werden muß. Ihrerseits sie kommt immer wieder auf hinreißende Ideen, wenn mal was stockt, und manches, das ich noch vorsichtig formuliert habe, spitzt sie gewaltig zu; dann kann eine ironische Abfälligkeit plötzlich schon ziemlich scharf sein und aus „Blödmänner, blöde Frauen“ wird „Blödfrauen, blöde Männer“. Oder es wurde bei mir viel gestarrt, angestarrt usw., was sich oft auch mit „erstarren“ mischte, was ihr nach einiger Zeit ziemlich auf den Keks ging – also gegangen war, als sie es las. Nun waren dauernd Alternativen zu finden, oder es hieß einfach streichen, streichen, streichen. Manchmal müssen dann, aus rhythmischen Gründen, die Satzteilstellungen geändert werden, oder es ist insgesamt umzuformulieren.
Und so lief es denn, anderthalb Stunden Arbeit, eine Stunde schwimmen (bei ihr ein zügiges, nicht unterbrochenes Durchkraulen; ihre Eleganz dabei ist berauschend), die nächsten anderthalb Stunden arbeiten, dann abermals schwimmen – und so bis kurz vor sechs Uhr abends, weil der 18.18er Zug genommen werden will, der uns bis kurz vor halb acht zurück nach Wien bringt.

Gestern sah ich sie nicht, mal sehen, ob sie sich heute meldet. Allerdings liegt hier Arbeit genug an – allein, meine Korrekturen, Ergänzungen, Änderungen usf. in die Triestbriefdatei zu übertragen, dürfte nicht unter acht Stunden zu schaffen sein. Bevor ich mit dem dann halt fünften Durchgang beginne. Wichtig ist nämlich, ein ganz bestimmtes Übergangsmotiv, das mir seit vorgestern klar ist, für dessen Einbau ich aber gestern erst die zündende Idee fand, schon ganz an den Anfang zu stellen, etwa auf S. 2 — und erst auf Seite 302 wieder aufzunehmen – eine, also, s e h r weite Klammer. (Die hier abgebildete Seite enthält das Motiv also „wieder noch nicht“ .)

***

Bevor ich aber nun zur Erzählung dieses in der Überschrift angekündigten  „Encounter“s komme, etwas noch Erfreuliches, nämlich → Gutenbergs Welt von gestern, in Manuela Reicharts Redaktion und Moderation. Mit meinem kleinen Text zum vampirischen Helden:

Schön dabei auch, daß, und vor allem „wie“, Manuela im Nachsatz über die → Béarts spricht, für die so etwas wie der folgende „Encounter“ ebenfalls zu befürchten wäre gewesen, hätte nicht Carsten Otte dem → den Riegel vorgeschoben, und nunmehr Reichart auch: „… und diese Anrufung von Lust und Liebe ist eigentlich immer eine Heldentat.“

***

Doch nun zum alten Mann:

Wie immer mittwochs gab es im → 777 ein Essen – einen ganz wunderbaren Sugo aus frischen, nicht verkochten Paradeisern zu, tatsächlich (bei Dieter Würch selbstverständlich) al dente, Spaghetti als Vorgang, danach beinah noch transparent gebackene Forellenfilets auf Mischgemüse. Danach saßen wir Wein trinkend auf der Domgasse, die ich immer „mein Wiener Neapel“ nenne und so auch empfinde. Das kleine, höchst lebhafte Hündchen einer Hausbewohnerin, nennen wir sie Lady Amanda, tollte mit einem Quietscheball herum und wollte ihn ständig apportieren müssen, so daß er ums Werfen bettelte („klein“ und „chen“ ist hier völlig korrekt, sprachlich muß man das Tierle zwiefach diminuieren, damit Sie die korrekte Vorstellung haben) … — wie auch immer, die anderen waren irgendwie kurz drinnen, und ich saß allein — als sich die Haustür öffnete und eine sportliche junge Dame heraustrat, was das von mir danach „Bluthund“ benannte Tierlein mit einer kläffenden Attacke auf sie quittierte. Die junge Dame schrie auf, ich sprang herbei, aber ungeschickt, weil ich so lachen mußte, was ich mir indes schnell verkniff, um diese aus dem quasi Nichts aufgetauchte tatsächliche Schönheit wieder zu beruhigen. Jedenfalls: „Setzen Sie sich zu uns, ich bring Ihnen schnell einen Wein.“ Und bald war sie von uns Männern eher gerahmt als umgeben; mein Verleger, in flirtenden Belangen stets auf dem Quivive, hatte sofort einen Stuhl gebracht, damit diese Fee auch sitzen bliebe. Was sie tat, bis spät in der Nacht. Wir trennten uns mit einer losen Verabredung für den Freitag eben hier — was, wie ich erst tagsdrauf kapierte, ein reichlicher Unfug war; denn Freitag abends hat die Buchhandlung, na logo, geschlossen.
Auch hier war mein Verleger pfiffig. Es traf sich, daß Paul-Henri Campbell seit neuestem in Wien lebt; wir hatten uns verabredet, er und ich, ohne schon etwas fest auszumachen. So daß Haacker, dem ich — weil ich doch in Bad Fischau fest im Lektorat mich sonnte und Elviras sprachelegantes Beimirsein genoß — die Angelegenheit sozusagen übertrug; und da er von der Verabredung mit der, denn das ist sie, Jordanerin wußte, verstand es nun so einzurichten, daß das Treffen mit Campbell und seiner Gefährtin eben im 777 stattfinden würde, also die meiste Zeit draußen auf der Gasse; er selbst wollte – und tat es auch – eine Suppe zubereiten, die wir, er und ich nach meiner Rückkehr aus Bad Fischau hinübertragen würden. Es ist vom Verlag zum Dom nicht sehr weit (und auch das schon eine Übertreibung). — Ja, da waren wir aber gespannt, ob die Jordanerin käme. Und da wippte sie schon herbei, sah mich, gab ihren Schritten Tempo, fiel mir quasi um den Hals, rief „bis nachher“ und verschwand für ihr Training im Haus (sie hängt dazu in Seilen). Campbell, aufs erfreuteste irritiert, zu mir: „Was war denn das?“ Ich, leise: „Herbst und die Frauen“. Da wurde aber schon zum Essen gerufen. Alle also hinein an den Tisch.
Mit dabei die schon genannte Amandamadame, die seit runden zehn Jahren in Wien lebt, aber kaum ein Wort Deutsch spricht. Dabei ist sie sonst ausgesprochen polyglott, Italienisch, Spanisch, Englisch, Hebräisch sogar; durchaus nicht dumm, im Gegenteil, nur etwas laut. Jedenfalls gab es nun ein Vorspiel zu dem, was dann peinlicherweise kommen sollte – ich trage nach wie vor eine Art Schock davon. „Das Deutsche“, fing sie tumb zu dozieren an, „eignet sich als Sprache nur für sehr junge Wissenschaftler und ein bißchen für Philosophie, in keinem Fall aber für die Dichtung.“ Dieses alles auf stark akzentetem Englisch. – Mir blieb ein Stücken der spannenderweise nach weißem Spargel schmeckenden Zucchini unterm Gaumen kleben, somit das Erlebnis vorbei. Das sei doch kompletter Unfug, erwiderte ich, worauf sie einen, nur einen Vers eines, nun jà, ganz netten Keithgedichtes vortrug, der als Beweis dienen solle. Ich konterte mit Duino, einem Orpheussonett und Goethes Harzreise im Winter. Da diese Gedichte auf Deutsch sind, das diese Frau, wie gesagt, nicht versteht, konnte sie meine Rezitation nicht einmal als einen Gegenbeleg akzeptieren, sondern versteifte sich nur noch mehr in ihrer Bizarrerie, wurde noch lauter, vor allem sehr aggressiv, so daß ich einfach gar nichts mehr sagte, sondern aufstand, um draußen eine Pfeife zu rauchen.
Nach und nach kamen die andern hinzu, wieder wurde der Wein gereicht, die Madamanda nahm quasi zu Füßen des Buchhändlers Platz, das Bluthundchen ließ sich den Quietscheball werfen, die Haustür ging auf. Und die Jordanierin re-erschien. umarmte mich kurz, nahm neben mir Platz mit Blicken der lustvollsten Willkür. Es war ein herrlicher Mutwill. Wir begannen zu plaudern; sie sei in der und der Tanzgruppe gewesen, professionell, großes Theater dort und dort, leider dann ein Knöchelbruch, ich stellte Fragen um Fragen, weil ich ja auch nie weiß, was ich irgendwann einmal für eine Erzählung brauchen werde. Kurz ging ich hinein, um neuen Wein zu besorgen. Zurückkehrend gewahrte ich, wie Ladamanda der Jordanierin zuraunte, sie solle sich doch besser um Männer ihrer, der Jordanierin, Generation bemühen, nicht um einen so alten Mann wie mich. Woraufhin die junge Dame ausgesprochen  elegant parierte, die Amandanerin sozusagen abgleiten ließ, die nun aber immer wütender wurde. Was in mehrmaligem Ausrufen, wirklich lautem, mündete, sie müsse in einem fort kotzen, wenn sie uns sehe. „Seeing you, I only can vomit!“ Da wurde dann auch ich sauer. Ein Wort gab das andere, es peitschte sich auf – vielleicht war die üble Dynamik davon in Gang gebracht, daß diese Frau für mich von nicht dem mindesten Interesse war. Übrigens hatte ich sie auf um die fünfzig geschätzt, was mein Verleger auf um die vierzig herunterkorrigierte. Die Jordanerin ist etwas über dreißig Jahre alt. – Solch ein Altersunterschied sei ekelhaft, einfach nur ekelhaft, ekel-, ekel-, ekelhaft! schimpfte die Keife erneut. Und wieder das Wort, she could only vomit, vomit, vomit. Und obwohl ich nun wirklich nichts anderes vorhatte, das aber sehr genoß, als mit dieser jordanischen Schönheit einfach nur zu plaudern und Blicke zu tauschen, die inmaginieren, was doch niemals mehr sein wird — ich weiß doch sehr wohl, was eine durchgestandene Chemo bedeutet, welche irreversibelen Folgen sie hinterläßt, mit denen wir uns dann irgendwie arrangieren müssen, ohne den Stolz zu verlieren —, also obwohl ich nur das Spiel spielen, es wiederspielen wollte, Frau Amanda hatte es restlos zerstört.
Gewiß, all dies wäre aufzufangen gewesen, lebte ich in Wien, doch reise ja übermorgen abend bereits wieder ab. So nützt es denn auch nichts, daß diese Frau sich bei dem Buchhändler und, über den an dessen Mobilnummer gelangt, bei meinem Verleger und über ihn indirekt auch bei mir, per Whatsapp entschuldigt hat. Denn was mir bleibt, ist ein schwerer Zweifel an meiner Selbstwahrnehmung. Im Spiel glaubte ich mich weiterhin; es vergeht selbst in Berlin kein Tag, an dem ich nicht angeflirtet werde – ganz wie ich es mein Leben lang gewohnt war, also ab etwa meinem dreißigsten Lebensjahr; davor war es anders. Jetzt aber habe ich das Gefühl, den „alten Mann“ schon im Aussehn zu tragen und mich also, flirte ich mit jungen Frauen, lächerlich zu machen. Wie ich davon wieder wegkommen soll, weiß ich noch nicht, zumal ich zwar gut im Verzeihen, im Vergessen aber schlecht bin und unbegabt im Verdrängen, diesem zumal abgeneigt.
Geatmet hatte ich Frühlingsluft, die in meiner Lunge aber als scharfe Frostklümpchen ankam. Und in ihr immer noch nachklirrt. Es ist ja auch nicht ungefährlich in solchem durch mein Rauchen sowieso schon beanspruchtem Gewebe.

Ihr ANH

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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7 Antworten zu Wien 2: „Ein alter Mann geworden zu sein“: ungut ein ‚Encounter‘. Im Wiener Arbeitsjournal zum 22. und 23., geschrieben am Sonntag, den 24. Juli 2022. Darinnen zudem der Abschluß des Lektorates der Verwirrung des Gemüths, ein Podcast zu literarischen Helden, hier zu einem dunklen, sowie der Arbeit im Sommer an sich.

  1. Gaga Nielsen sagt:

    Ach und ach…
    Zunächst sehr amüsiert bei:
    „(…) hatte sofort einen Stuhl gebracht, damit diese Fee auch sitzen bliebe. „
    (Der liebreizende Eifer, ich sehe es vor mir!)

    Bei „(…) Solch ein Altersunterschied sei ekelhaft, einfach nur ekelhaft, ekel-, ekel-, ekelhaft! schimpfte die Keife“ kam mir in den Sinn, dass sich die Echauffierte in der Adresse vertan hat. Der liebe Gott ist zuständig für die Existenz von Lebewesen mit Altersunterschied. Hätte er diesen nicht gewollt, wären alle gleich alt! 🙂
    Ich verstehe natürlich den Ärger, weil solche Aussagen vor allem eine obszöne Qualität haben, die man nicht in seinem Leben braucht. So kann sich jemand selbst demontieren und herabwürdigen. Es ist keinerlei ernst zu nehmende Herabwürdigung der Beschmutzten – aber eine unerhörte Frechheit allemal. Ich denke durch unverzügliches Ausformulieren hier kann man das schon transzendieren und einen mächtigen Gegenzauber manifestieren.

  2. bersarin sagt:

    Schon die Aussage dieser, nun ja, Dame zur deutschen Sprache diskreditiert jene Dame erheblich und man fragt sich, was solche Leute in der Wissenschaft verloren haben und vor allem: Wie sie es auf solchen Posten geschafft haben. Mit derartig töricht bis dummen Aussagen haben wir nicht einmal mehr mit 18 Jahren andere provoziert.

    Ansonsten auch absurd: Gedichte und eine Sprache, die man gar nicht versteht zu beurteilen und solche Aussagen zu machen. Zutiefst einfältig.

  3. franzsummer sagt:

    smile, gewisse junge Damen machen sich einen Sport daraus, alte Männer anzuflirten. Besser, man geht ihnen aus den Weg. Später wird man sonst zur Witzfigur.
    Vor zwanzig Jahren in Nairobi in einem Gartenrestaurant beobachtete ich eine junge Frau, die einem nun ja weißen Greis Essen in den Mund stopfte und ab und an das Kinn mit einer Serviette säuberte. Ich war fasziniert, selbst ja damals noch im besten Mannesalter, wie man so dahin sagt, und beobachtete nur stumm. Diese junge Frau machte das sehr liebevoll und aufmerksam.
    Das, meine Beobachtung registrierend, wiederum amüsierte meine kenianische Begleitung. Sie lachte und sagte: „old man are gold“. Nein, meine Begleitung fütterte mich nicht.ich war damals noch nicht so weit 🙂

    • Bin ich heute noch nicht und ja eh lebenslang Beziehungen zu (viel) jüngere Frauen gewöhnt. Sollte ich verpappäppelt werden, merkte ich‘s sofort und gäb in stärkerer Währung zurück. Grüße noch aus Wien, ausnahmsweise mit dem Ifönchen: ANH

  4. franzsummer sagt:

    In meinen Mailordner landete eine Nachricht, die ich von dort aus nicht beantworten kann, danke.
    Tja, wir sind ja nicht alle gleich und alter Mann und junges Mädchen kommt in jedem zweiten Film, in jedem zweiten Buch vor. Gestern sah ich die göttliche Penelope Cruz im TV und fragte mich, findest du sie eigentlich schön und begehrenswert? Und musste verneinen, es ist die Generation meiner Tochter, inzwischen sehe ich schöne Frauen nur so ab Mitte fünfzig, darunter, das sind Kinder, niedlich ja wie Penelope, aber mehr auch nicht, ist so. und bei Sex denke ich an den alten Bunuel, der einst in einem Interview danach gefragt, nur knurrte: „Endlich hört der ganze Mist auf.“ :-)Ich denke, wir sind da ziemlich verschieden.
    In meiner geschilderten Beobachtung damals in Kenia, sah ich etwas, was mich vielleicht noch zukommen könnte und war doch verblüfft über junge Afrikanerinnen, die das ganz ernst meinten, wenn sie alte Männer liebten. Eine Uganderin beteuerte, Frauen füttern Männer aus Liebe.
    Das ist für Frauen in unseren Breiten genau genommen undenkbar.

    • Ihr Mailfach, lieber franzsummer: Ich war ja unterwegs und hatte gedacht, die Antwort per Ifönchen in Die Dschungel einstellen zu können. War ein Irrtum, mein Texlein ging an Sie direkt. Entschuldigung bitte. Ich habe es jetzt >>>> dort nachgetragen.
      In der Tat, mir geht es mit der Schönheit der Frauen anders als Ihnen. Nicht daß ich speziell auf sehr viel jüngere stünde, aber Alter ist für mich keine erotische Kategorie – sofern sich ein Wort wie dieses auf Begehren/Emfindungen anwenden läßt. Vor allem gibt es Frauen, die von umgemeiner Alterslosigkeit sind, was auch frühe Reife einschließt; sie könnten zwanzig, aber auch dreißig oder vierzig Jahre alt sein; manchmal schwingt sogar etwas Uraltes in ihnen mit, etwas Mythisches, das nicht den Zeitläuften unterworfen zu sein scheint. Das sind die Personen, die ich als „Sídhe“ zusammenfasse, Albinnen also. Vor allem jetzt in den Triestbriefen, vor allem aber im Wolpertingerroman, der von ihnen geradezu durchsirrt ist. Es ist dies aber keine Phantastik, sondern speist sich aus sehr persönlicher Erfahrung.

  5. franzsummer sagt:

    ja, alles klar, lieber Herr Herbst, ich hatte mir das schon gedacht, dass die Technik nicht so funzt, konnte das aber richtig einordnen, ist ja angekommen. Wenn ich recht erinnere, bin ich fünf Jahre älter als Sie und wir laufen Gefahr, als alte männliche Knacker öffentlich über Frauen und Liebe zu schreiben, letztendlich ist das alles theoretisch, ich weiß auch gar nicht, ob meine Mitbewohnerin mitliest, wo sie sich doch in dem Traumalter eines Weibes sich befindet, wie ich es als schön empfinde (hier nur verschämt bekennend).
    Na gut, hat sie was zu lachen…
    Aber im Ernst, jeder Mann hat eine Mutter, und das Attraktivste auf der Welt ist nun mal für ein männliches Baby die weibliche Brust. (Meine Tochter hatte als Baby immer meinen Bizeps gesucht, um daran zu nuckeln, wir Männer haben da aber nix zu bieten))
    Als junger Mann hatte ich oft lachend zitiert, wie ich dachte: „Das ewig Weibliche zieht uns hinab“ bis mich eine Frau korrigierte: „es heißt nicht hinab, es heißt hinan“
    So haben wir es literarisch belegt.
    Haben Sie weiter erfolgreiche Schreibtage mit den mythischen Sidhen, die da durchsirren, von mir aus auch mit den „viel zu jungen“. Wenn sie es so fühlen, müssen Sie es schreiben.

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