Gender und Gentechnologie. Neue fröhliche Wissenschaft.

 

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Die genderpolitische Idealisierung eines hybriden Geschlechtes, also der moderne Hermaphroditismus, der die Geschlechterdifferenzen aufheben will oder zumindest sie verschmalt, marschiert im Schulterschluß mit der Gentechnologie. Beiden sind die organische Zeugung und Empfängnis nicht minder verdächtig als dem Monotheismus, der sie mit Schmerzen bestraft, die ‘unreine’ Geburt durch die Frau.
Frauen und Männer gehen zuende, und ein ins Korrekte korrigierter, neutraler Mensch erstehe, der g e i s t i g e Mensch: so lautete schon immer das eschatologische Credo, dessen Hebamm schon immer – – – ein Patriarch war.

[Aus der Überarbeitung der >>>> Paralipomena.]

Der freie Geist kennt kein Credo.

Aber spielerisch >>>> probiert >>>> er >>>> Credos >>>> a u s. Das ist das Kennzeichen seiner moralischen Ungebundenheit. Der freie Geist, immer, ist sozial unverläßlich.

(CCCCXXIX).

Die gefürchteten Konsequenzen. Oder: Kleines Lehrstück in Korruption. Netzfrauen § 19.

FRÜHJAHRSLIEBE

lieber anh, ich respektiere ihre aussage „Ich mag nicht mit Avataren reden. Und nicht mit Leuten, die kein Gesicht zeigen.“ vollinhaltlich. ich möchte mir dennoch erlauben, dazu noch etwas anzumerken. ich weiß. sie sind kein „frischling“ im internet, unter umständen ist dennoch der eine oder andere aspekt ihrer aufmerksamkeit entgangen. und daher behaupte ich jetzt ganz frech: anh ist eine weit durchdachtere und perfektere kunstfigur als eine ‚Frühjahrsliebe’ es je sein könnte. aus dem einfachen grund: sie m u s s es nicht sein. gerade dieser „avatar“ erlaubt es ihr, beinahe jede soziale mimikry beiseitezulegen und wirklich ganz die frau zu sein, die sie in ihrem realen leben und unter ihrem realen namen nie sein kann. nicht nur, weil ihr das private so wichtig ist, in allererster linie. sich hier etwas vorzumachen, wäre naiv. der künstler kann es sich leisten (von ihm wird es sogar gefordert) unter seinem profil, unter seinem namen, auch grenzen zu übertreten. nicht, dass es anderen verboten wäre, doch wem ist es vergönnt, dies ohne konsequenzen zu tun, die gerne vermieden werden. (…) Die Frühjahrsliebe darf zeigen, was die person dahinter tunlichst verbirgt und an das die wenigsten herankommen. (…)

ANH

Ich will Ihnen das doch gar nicht nehmen. Tun Sie, wie Sie wollen. Die innere Wahrheit aber ist anders. Wer, weil er Konsequenzen fürchten muß, sich “frei” nur a n o n y m auslebt, ist i m m e r in der einen und/oder anderen Weise korrupt.

[Sprachlich leicht revidiert und an Stellen, die Hinweise auf die Absenderin geben, umformuliert.]

Daraus gewonnenes Paralipomenon (CCCXXVIII):

Der Begriff soziale Mimikry ist das Abtestat
des schlechten korrupten Gewissens.

P.S.:
Es kann auch sein, daß dieses hier Wiedergegebene zumindest teilweise in das Hauptbuch der erlernten Geschlechterdifferenzen gehört. Dann eröffnete sich eine möglicherweise völlig andere Diskussion, die, so scheint’s mir jetzt, ins Thema gender gehört und vielleicht mit Erfahrungen des siegreichen Verdeckens zu tun hat.

“Was kann er denn allein gegen einen Mann im besten Alter ausgerichtet haben?” → § 18

Credo.

Nicht uneigentlich lieben wollen, sondern intensiv. Das bedeutet: begeistert. Eben n i c h t distanziert. Leidenschaftlich zu lieben ist das Gegenteil einer pragmatischen Handlung.

[Das unterscheidet die Geschlechter- von der Menschenliebe. Diese ist immer sozial, jene, wie die Kunst, ist es nicht. Jedenfalls nicht notwendigerweise.]

(CXVIII).

Paralipomena V

 

1
Schön, daß mittlerweile weibliche Schaufensterpuppen mit ausgeformten Brustwarzen hergestellt werden. Wann immer ich eine solche sehe, auch wenn die Figuren bekleidet ist, inmitten der Handflächen sofort das Gefühl, wie erwartend sich das aufgestellte Gewebe in die Haut drückt: wahrgenommen zu werden, bedacht.

2
Im Zug nach Köln neben mir eine Frau, die eine schöne linke Hand; die linke indes ist ausgesprochen häßlich.

3
Camille Paglia, Masken der Sexualität:

„Eine Erektion ist ein Gedanke und der Orgasmus ein Vorstellungsakt.“ (S. 35)

„Pornografie und Kunst sind untrennbar, weil in allen Sinneswahrnehmungen, die wir als sehende, fühlende Wesen haben, ein Moment von Voyeurismus und gefräßiger Gier steckt.“ (S. 54)

„Jedem Erkennen geht ein Streifzug des Blicks voraus; hat der Blick erst seinen Streifzug begonnen, läßt er sich moralisch nicht mehr an die Kette legen.” (51)

4
In der neuen Poetik geht es darum, die Grenze zwischen Synkretismus und Eklektizismus auszureizen.

5
Mann zu Frau bei erstem Ansichtigwerden: „Sie wirken überaus erregend.“
Daraufhin sie: „Finden Sie?“
Er: „Ich gäbe werweißwas drum, mit Ihnen zu schlafen.“
Direkt darauf, ohne irgendeine, auch nur achtelsekündige Pause: „Laden Sie mich zum Essen ein?“

6
Im Regionalzug. Aufgeregte sehr junge Menschen. Vielleicht ein Schulausflug. Dann wirkliche Unruhe, aus dem wie Wogen Kreischen bricht: „Er ist es!“
Gerufene Frage: „Habt ihr einen Edding?“
„Ein Promi! Ein Promi!“ Das wogt von Reihe zu Reihe, besonders der Mädchen Wobei es keine Rolle spielt, welcher „Promi“ es ist, in welcher Hinsicht „Promi“. Es reicht komplett, ein solcher zu sein. Und tatsächlich fragt eines von ihnen: „Mensch, wer ist das eigentlich?“ Die Frage fliegt als Kieselstein im Bogen über den schwappenden See, trifft in der Mitte eine Welle und versinkt.

7      (Braunschweiger Rücksinnen)

Hier spielten wir
Wo Das Institut heute steht
Und dort wohnte Gunnar
Die Schubladen voller Karl May

Hier war die Dschungel
Tropisch vor Ebenen, weit
an der Oker (- – – )
Kinderherzenzeit

“Sei froh!”: Paralipomena I, 1 – 4. (Aus dem freecity-Altblog, 2003)

1 | Dialog:

Er: „Schönes Foto von dir.“
Sie: „Etwas unscharf.“
Er: „Sei froh.“

2 | Thomas Carlyle

„Genie ist die unbegrenzte Fähigkeit, es sich schwer zu machen.“

3 | Verständnis

Ein Problem ist, daß „verstehen“ und „Verständnis“ so nah aneinanderliegen. So daß ein Greuel zu verstehen (am Beispiel Hitlers) schnell als Verständnis=Einverständnis gedeutet wird.
Das Problem ist zweigeschlechtlich. Denn tatsächlich wird „verstehen“ auch zu „Verständnis“ führen, und es s o l l also bisweilen nicht verstanden werden!

4 | Borges’ Zenon

Wie entkräftet man das Argument Borges’ gegen Nietzsches Argument für den Zyklus?
Nietzsche: Es gibt nur eine endliche Zahl von Dingen und Kombinationen: ERGO: Irgendwann müssen dieselben Dinge und Kombinationen wieder vorkommen.

Borges: Nein, denn: zwar (1 + 2 + 3 +… n Def.),
a b e r wenn 1 dann auch 1/3 + 1/3 ….

und entsprechend: wenn 1/3 dann 100/201, 102/203 …

Ich: Borges rekurriert aber auf Zenon, wobei wir doch wissen, daß Achill die Schildkröte einholt. Daß er sie logisch nicht einholen kann, zeigt die sprachliche Verfaßtheit von Logik und daß sie eben nicht letztlich Wirklichkeit zu beschreiben vermag.

1) Also muß es zu jedem Bruch/Teilding eine und nur eine Entsprechung geben, für die dann gilt, ihre absolute Zahl sei endlich.
2) Zwar „stirbt“ das Subjekt, aber, wenn auch für die Beobachter eine kaum meßbare Zeit vergeht bis zu seiner Wiederkunft, psychologisch nicht für es selbst. Das Subjekt erlebt es als Nu.
3) Eine noch so große Zeitspanne widerspricht ja der Vorstellung von Wiederkehr nicht, die durchaus das Gesamtsystem meinen könnte.

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