Medikamentenprotokoll: Lyrica (Pregabalin Zentiva 75mg). Fünfter Tag. [Krebsfolge-Tagebuch].

(Verschrieben wegen der als Chemofolge eingetretenen Polyneuropathie in den Füßen.
Statt des verschriebenen LYRICA bekam ich in der Gethsemane-Apotheke das gleichwertige PREGABALIN.)

Meinerseits nach Lektüre des → Beipackzettels Bedenken wegen der möglichen, aus meiner Sicht → extremen Nebenwirkungen des Medikaments, insbesondere in Verbindung mit Alkohol. Deshalb Absprache mit der Ärztin: Testlauf mit Beginn des alkoholfreien Monats[1]Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH eine Woche lang je eine Hartkapsel abends, danach für eine Woche zwei Kapseln, nämlich je morgens und abends. Daraufhin in der Praxis das auch insofern ausgesprochen wichtige Ergebnisgespräch, als LYRICA nicht, gegebenenfalls, einfach abgesetzt werden kann, sondern “ausgeschlichen” werden muß.)

Fünfter Tag (Eine Kapsel abends)

Erst spät aufgestanden, nach heute für mich ungewöhnlichen sechs Stunden Schlafs. Weshalb auch immer, beim  Aufwachen erneut – und stärker als die Male davor – das Gefühl, zuviel getrunken zu haben. Zwar war ich auf einem Geburtstagsfest, aber trotz der angebotenen Spezialiäten, darunter einem offenbar hinreißenden Malt, blieb ich bei alkoholfreiem Bier und anderen, übrigens interessanten alkoholfreien Spezialitäten, etwa einem wirklich leckeren Campari-Surrogat.
Jetzt am Schreibtisch nach der ersten Hälfte des morgendlichen Latte macchiatos ist dieses Gefühl allerdings schon weg; auch Bekifftseinseindrücke habe ich nicht. Allerdings war – dies kann aber eine Einbildung sein – im Vergleich mit den Vortagen dieser “Versuchsreihe” das Kribbeln in den Füßen wieder etwas stärker. — Die Tattoowunden jucken gar nicht mehr; klar, die Transparenzpflaster sind ja nun ab.  Dafür ging es mit der Gewichtszunahme wieder weiter: 70.3 kg direkt nach dem Aufstehen. Für mich ist das ein kleiner Triumph. Siehe hierzu weiterhin→ dort.

Jetzt sehr frisch und nach wie vor hoch arbeitsmoviert. Dazu wahrscheinlich gleich im Arbeitsjournal.

ANH, 9.29 Uhr
[Jens Peter Molvær, Stitches]

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Vierter Tag

References

References
1 Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH

Medikamentenprotokoll: Lyrica (Pregabalin Zentiva 75mg). Vierter Tag. [Krebsfolge-Tagebuch].

(Verschrieben wegen der als Chemofolge eingetretenen Polyneuropathie in den Füßen.
Statt des verschriebenen LYRICA bekam ich in der Gethsemane-Apotheke das gleichwertige PREGABALIN.)

Meinerseits nach Lektüre des → Beipackzettels Bedenken wegen der möglichen, aus meiner Sicht → extremen Nebenwirkungen des Medikaments, insbesondere in Verbindung mit Alkohol. Deshalb Absprache mit der Ärztin: Testlauf mit Beginn des alkoholfreien Monats[1]Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH eine Woche lang je eine Hartkapsel abends, danach für eine Woche zwei Kapseln, nämlich je morgens und abends. Daraufhin in der Praxis das auch insofern ausgesprochen wichtige Ergebnisgespräch, als LYRICA nicht, gegebenenfalls, einfach abgesetzt werden kann, sondern “ausgeschlichen” werden muß.)

Vierter Tag (Eine Kapsel abends)

Eine halbe Stunde länger geschlafen als sonst, also erst um halb sieben hoch. Denn bis halb 23 Uhr → Giacomuzzi gelesen (bin jetzt fast “durch”), dann noch zwei Folgen der ersten Staffel Babylon.Berlin gesehen, die ich bislang noch nicht kannte; mein Sohn empfahl sie mir dringend, zurecht. Nun, doch nur direkt beim Aufwachen und noch unter der Decke, erneut der Eindruck, zuviel Alkohol getrunken zu haben, der aber, sowie ich nicht mehr lag, sondern stand, verflog. Das “Bekifftseins”gefühl überhaupt nicht mehr, wie gestern, da es sich auch über den gesamten Tag nicht mehr einstellte. In den Füßen nur noch ein sehr leichtes Kribbeln, doch auch das nur, wenn ich drauf achte. Was ja eigentlich auch Sinn dieser Medikamenteinnahme ist – also nicht, drauf zu achten, sondern es nicht mehr zu merken.
Tattoojuckreiz am Hals gar keiner mehr, kann aber damit zusammenhängen, daß die obere Hautschicht nun geschlossen ist und es auch sein sollte. (Die Pflaster kommen nachher, unter der Dusche, ab, rollen sich eh schon auf). Gewicht zu gestern und vorgestern unveränderte, dennoch erstaunliche 69.7 – obwohl ich mich redlich bemüht habe, jedem, aber auch wirklich jedem aufsteigenden Appetit unmittelbar zu folgen. Siehe hierzu erneut→ dort.

Ebenfalls weiterhin sehr feine Arbeitslust, kam gestern auch entschieden prima weiter, siehe nachher das Arbeitsjournal.

ANH, 7.24 Uhr
[France Musique contemporaine:
Guillaume Connesson, Toccata nocturne]

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→ Fünfter Tag

Dritter Tag

References

References
1 Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH

Medikamentenprotokoll: Lyrica (Pregabalin Zentiva 75mg). Dritter Tag. [Krebsfolge-Tagebuch].

(Verschrieben wegen der als Chemofolge eingetretenen Polyneuropathie in den Füßen.
Statt des verschriebenen LYRICA bekam ich in der Gethsemane-Apotheke das gleichwertige PREGABALIN.)

Meinerseits nach Lektüre des → Beipackzettels Bedenken wegen der möglichen, aus meiner Sicht → extremen Nebenwirkungen des Medikaments, insbesondere in Verbindung mit Alkohol. Deshalb Absprache mit der Ärztin: Testlauf mit Beginn des alkoholfreien Monats[1]Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH eine Woche lang je eine Hartkapsel abends, danach für eine Woche zwei Kapseln, nämlich je morgens und abends. Daraufhin in der Praxis das auch insofern ausgesprochen wichtige Ergebnisgespräch, als LYRICA nicht, gegebenenfalls, einfach abgesetzt werden kann, sondern “ausgeschlichen” werden muß.)

Dritter Tag (Eine Kapsel abends)

Gleich nach dem Aufwachen wieder das Gefühl, gestern abend zuviel Alkohl getrunken zu haben (trinke aber nach wie vor keinen); dafür überhaupt keine Empfindung mehr, bekifft zu sein. Nicht die geringste Wirklichkeitsaufweichung. Statt dessen – bei weiterhin nur noch wenig Kribbeln dort –  Taubheitsgefühl in den Füßen – doch ein Gefühl tatsächlich nur; der Tastsinnn unter den Sohlen ist gänzlich unbeeinträchigt. Freilich kann dieser Eindruck, zuviel getrunken zu haben, auch von den nur vier Stunden herrühren, die ich geschlafen habe. Wobei ich das eigentlich ja gewöhnt bin. Auch das Tattoo juckt im Halsbereich gar nicht mehr (weshalb ich mit dem Gedanken spielte, nun doch schon die Transparenzpflaster abziehen; nachher unter der Dusche wird es etwas Disziplin kosten, es wirklich erst morgen früh zu tun).
Gewicht 69.6 kg; quasi keine Veränderung zu gestern mithin. Siehe hierzu auch → dort.

Große Arbeitslust. Das Gehirn r a s t !

ANH, 7.26 Uhr
[France Musique La Baroque:
Tommaso Bernardo Gaffi, Belle luci guerriere]

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Vierter Tag
Zweiter Tag

References

References
1 Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH

Medikamentenprotokoll: Lyrica (Pregabalin Zentiva 75mg). Zweiter Tag. [Krebsfolge-Tagebuch].

(Verschrieben wegen der als Chemofolge eingetretenen Polyneuropathie in den Füßen.
Statt des verschriebenen LYRICA bekam ich in der Gethsemane-Apotheke das gleichwertige PREGABALIN.)

Meinerseits nach Lektüre des → Beipackzettels Bedenken wegen der möglichen, aus meiner Sicht → extremen Nebenwirkungen des Medikaments, insbesondere in Verbindung mit Alkohol. Deshalb Absprache mit der Ärztin: Testlauf mit Beginn des alkoholfreien Monats[1]Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH eine Woche lang je eine Hartkapsel abends, danach für eine Woche zwei Kapseln, nämlich je morgens und abends. Daraufhin in der Praxis das auch insofern ausgesprochen wichtige Ergebnisgespräch, als LYRICA nicht, gegebenenfalls, einfach abgesetzt werden kann, sondern “ausgeschlichen” werden muß.)

Zweiter Tag (Eine Kapsel abends)

Beim Erwachen abermals, aber sehr viel milder bereits, dieses Gefühl, bekifft zu sein, allerdings ohne das Phänomen der, wie ich es →  gestern nannte, “Wirklichkeitsvibrationen”. Ebenso ist das polyneuropathische Kribbeln in den Füßen noch weiter zurückgegangen das am Abend ebenso wieder auftrat wie, daß das frisch gestochene Tattoo insbesondere im Halsbereich ziemlich juckt, (also der Heilungsprozeß im Gang ist), und ich mich dort am liebsten dauergekratzt hätte. Davon war nach dem Aufwachen gar nichts mehr zu merken. Was ich – am erst zweiten Tag dieser “Testreihe” logischerweise – noch nicht einschätzen kann, ist, inwieweit es sich bei diesem “milderen Bekifftsein” nicht bereits um Gewöhnung handelt. – Ganz enorm allerdings meine (im Begleitzettel als Nebenwirkung genannte) Gewichtszunahme; “Nebenwirkung” insofern, als ich bis in den späten Abend hinein dauernd den Drang, etwas in mich hineinzufüttern hatte, was ich auch tat, und heute morgen tatsächlich bei 69,5 kg war, dem höchsten Gewicht seit der Krebs-OP überhaupt. Für mich ein klasse Begleiteffekt; für nicht-Krebspatienten hingegen dürfte er in der Tat ein Problem werden.

Mal sehen, wie es sich heute weiterentwickelt. Jetzt, anderthalb Stunden nach dem Aufstehen, ist das vermeintliche Bekifftsein übrigens schon fast nicht mehr zu spüren.

ANH, 7.41 Uhr
[France Musique contemporaine:
Giya Kancheli, Ex Contrario – pour violoncello, violin, cordes et percussion]

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[20.30 Uhr
Beethoven, Sinfonie 5, Norrington 1987 (Vinyl)]
Über den Tag ging dieses Gefühl gekifft zu haben, deutlich zurück, der ständige Appetit aber blieb. Die Polyneuropathie wurde erst sowas ab 16 Uhr wieder deutlich spürbar, ihr Kribbeln steigerte sich bis jetzt, da ich fast schon die dritte Kapsel nehmen muß. Gut, ‘s sind noch anderthalb Stunden hin bis dann. Auch kann ich nicht recht sagen, ob diese Deutlichkeit mir nur deshalb so auffällt, weil ich die Symptome über den Tag einfach kaum gespürt habe. Wahrscheinlich sind sie jetzt einfach “nur” wieder normal. Auch das Jucken der heilenden Tattoowunde ist zurück, aber s e h r ermäßigt, was nach drei Tagen nach dem Stechen Göttinseidank normal ist. Dennoch habe ich mich entschlossen, das Transparenzpflaster auch morgen noch draufzulassen und erst am Sonnabend abzuziehen, wenn die vier Tage komplett vorbei sind, die die Oberschicht der Haut braucht, um sich zu, sagen wir, schließen und der eigentliche Heilprozeß beginnt, den zu unterstützen ich eine medizinische Creme habe, eine, die auch mein Sohn verwendet und die sich bei ihm bewährt hat, der er in Hautdingen um einiges empfindlicher ist, als ich es bin.
Arbeiten jedenfalls konnte ich gut und sehr konzentriert. Jetzt bin ich auf morgen gespannt.

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Dritter Tag

Erster Tag

References

References
1 Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH

Medikamentenprotokoll: Lyrica (Pregabalin Zentiva 75mg). Erster Tag. [Krebsfolge-Tagebuch].

(Verschrieben wegen der als Chemofolge eingetretenen Polyneuropathie in den Füßen.
Statt des verschriebenen LYRICA bekam ich in der Gethsemane-Apotheke das gleichwertige PREGABALIN.)

Meinerseits nach Lektüre des → Beipackzettels Bedenken wegen der möglichen, aus meiner Sicht → extremen Nebenwirkungen des Medikaments, insbesondere in Verbindung mit Alkohol. Deshalb Absprache mit der Ärztin: Testlauf mit Beginn des alkoholfreien Monats[1]Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH eine Woche lang je eine Hartkapsel abends, danach für eine Woche zwei Kapseln, nämlich je morgens und abends. Daraufhin in der Praxis das auch insofern ausgesprochen wichtige Ergebnisgespräch, als LYRICA nicht, gegebenenfalls, einfach abgesetzt werden kann, sondern “ausgeschlichen” werden muß.)

 

Erster Abend und der Morgen (Eine Kapsel abends)
Es sind sehr kleine, aus zwei Hüllensegmente bestehende Kapseln, die ich auseinander-, quasi, -schrauben muß, weil sich diese Hüllen ohne Magen, also fehlender Magensäfte halber, nicht auflösen könnnen. Innen sehr wenig eines weißgrauen Pulvers, das ich mir auf die Zunge, nun jà, “schütte”; von “stäuben” zu sprechen, träfe eher zu, nur daß dieses Pulvor so fein denn auch nicht ist, also kein Staub. Die Einnahme ist gegen 22 Uhr, rund zwei Stunden vor dem Schlafengehen, erfolgt.

Bis zum Einschlafen selbst keinerlei Wirkung zu verzeichnen, nur, daß ich etwas genervt von dem seit Mittags seitlich rechts am Hals aufgetretenen und bleibenden Juckreiz bin, der eine Folge der → erweiterten Tätowierung und insofern natürlich ein gutes Zeichen ist, nämlich von Heilung der offenen Stechwunde. Ich will immer wieder kratzen, beherrsche mich aber und drücke nur manchmal leicht dagegen. Was auch hilft, vermutlich eingebildeterweise.
Als ich aufwache, ist dieses Jucken nahezu komplett weg und allenfalls noch, selbst dann nur sehr leicht, spürbar, wenn ich den Kopf sehr drehe, so daß sich die die Wunde schützenden → Transparentpflaster, sich dehnend, verziehen. Interessanterweise aber muß ich nicht wie sonst, wenn ich aufstehe, sofort an meine Füße denken, vergesse sie fast. Bis mir das LYRICA wieder einfällt. Tatsächlich ist auch dieser, ein über alle Tage währender Juckreiz deutlich zurückgegangen. Das Medikament hat “angeschlagen”. Irritierend alledings, daß ich den Eindruck habe, es sei noch, upps, Alkohol in meinem Blut. Genauso fühl ich mich an, als hätte ich gestern abend einen Wein zuviel gehabt. Dabei habe ich seit drei Tagen tatsächlich auch nicht einen Tropfen “versteckten” Alkohols zu mir genommen (was mir übrigens, erleichternderweise, nicht im geringsten schwerfällt).
Jetzt, länger als zwei Stunden nach dem Aufstehen, ist es immer noch so. Selbst nach dem Latte macchiato und meinem allmorgendlichen Müsli; hinzugekommen ist außerdem eine leichte Wahrnehmungsvibration, als hätte ich gekifft oder drei Tropfen vom Dronabinol genommen. Hab ich aber nicht. Auch von Letztrem will ich ohnedies die Hände besser lassen, so lange die LYRICA-Testphase läuft.

Jedenfalls fängt dieser, ich schreibe mal, “Selbstversuchslauf” nicht sehr öde an, sondern hat dort eine Neugier geweckt, wo ich vorher skeptisch, nein, ängstlich sogar war, ja geradezu ablehnend. Autofahren allerdings würde ich in diesem Zustand nicht; der Beipackzettel warnt auch davor.

ANH
[David Ramirer, Etüden (2017)]
 

[16 Uhr
Ramirer, The Endles Dance, Variationen auf BWV 848]
Die seltsam dronabinolähnliche Begleitwirkung hält an, ist allenfalls eine Spur abgeflaut. Eben, beim Einkaufen, war denn leicht auch wieder dieses neuropathenische Kribbeln zu spüren, aber tatsächlich deutlich weniger als seit einem Jahr (oder länger). Dennoch weiterhin das Gefühl, ich hätte gekifft, allerdings ohne die halluzinogenen Ausflüge, die mich, wenn ich tatsächlich kiffe (also THC einatme), unterdessen fast regelmäßig ereilen; die habe ich aber auch bei Dronabinol nicht.  – Dieser ganze Komplex ist ohnedies abenteuerlich, wenn Sie sich, Freundin, vor Augen führen, daß ich, bevor ich erstmals Dronabinol nahm, seit meiner Jugend weder auf Grass, Marihuana, “Shit”, was auch immer, reagiert habe. “Deine körpereigenen THC-Rezeptoren haben sich geöffnet”, erklärte es mir vor dreivier Monaten mein Sohn. Aber das schrieb ich Ihnen wohl schon. Doch wie DRONABINOL erzeugt bei mir auch LYRICA/PREGABALIN einen enormen Appetit. Was für mich selbstverständlich gut ist; ich habe bereits enorm was in mich reingefuttert. (Entsprechend listet der Begleitzettel bei den Nebenwirkungen auch Gewichtszunahme auf.)

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Zweiter Tag

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Diese Bachvariationen David Ramirers sind einfach hinreißend! Wie andere vor mir bezüglich Schuberts Neunter möchte ich von “himmlischen Längen” sprechen: BWV 849 braucht zwischen 6,26 (András Schiff) und 9.34 Minuten (Svjatoslav Richter), Ramirers computergenerierte Improviation rauschhafte 1h34min36sec.

References

References
1 Vor Corona habe ich jährlich einen solchen eingelegt; seit Corona leider nicht mehr. Das war zu ändern und wurde mit dem Sonntag, 20.11., geändert. ANH

Yōseis Tätowierkunst im Arbeitsjournal des Dienstags, den 21. November 2022, worin die Triskele | radikal zum Rhizom geworden und damit — literarisch a u c h.

[Arbeitswohnung, 6.43 Uhr
Erste Morgenpfeife, Latte macchiato
Kaija Saariaho, Nymphea]
Es gibt Komponistinnen und Komponisten, die ihre musikalischen Themen vollendet melodisch schon haben, bevor sie ihre Verarbeitung, die “Arbeit am Material” (Adorno), beginnen, und solche, die sie während dieser Arbeit erst finden. Ich hörte viel Rautavaara, nun die von mir fast geliebte Saariaho; er gehört in die erste, nun jà, “Kategorie”, sie gewiß in die zweite. Ganz wie ich selbst, der ich, wenn ich ein Buch beginne, zwar eine Idee verfolge, nie aber wirklich weiß, wohin sie mich führt. Dieses ergibt sich erst aus dem Schreibprozeß. Wie abermals n u n, da die zweite Erweiterung meines → Bioport-Tattoos gestern abgeschlossen wurde. Es hat jetzt, wie ich Phyllis Kiehl in Whatsapp schrieb, genau dies Organische, das mir vorgeschwebt war, als ich das Abenteuer ohne schon zu ahnen anfing, das es zugleich ein literarisches würde, und zwar sogar doppelt gebunden.
Vielleicht wäre aber absehbar gewesen, daß ich dieses Erleben in einen poetischen Text einbinden würde, in w e l c h e n, aber sicher nicht. Ich hatte ja bloß die Idee, daß eines Morgens auf Yōseis Rücken ein Symbol erscheint — es sollte anfangs → ein Drache, Ryū, sein, was ich indes, weil es Klischee gewesen wäre, sehr schnell verwarf —, von dem sie selbst gar nichts spürt; dort hinten sieht sie es freilich auch nicht. Aber ihr neuer Freund, beim gemeinsamen Aufwachen, bemerkt es, übrigens nicht auf dem Rücken, sondern inmitten ihres schmalen Nackens.

Ich mag nicht, wie mein Sohn es ausdrücken würde, “spoilern”; doch es ist ein Tattoo. Nur daß sie das Symbol, eine wie bei mir linksläufige Triskele, niemals hat stechen lassen. Und etwas geschieht mit ihm, weil das Ding nämlich lebt. Was in den Griff bekommen werden muß. Imgrunde mein Thema: Wie ermächtige ich mich dessen, was mir geschieht, und drehe also ein Geschehen, dem gegenüber ich eigentlich hilflos bin, weil ich objektiv keinen Einfluß auf es habe, so herum, daß es mein eigener Wille gestaltet. Hier sehe ich stets den künstlerischen Prozeß. So wird denn Yōsei eine Tätowiererin werden, und zwar eine meisterliche und daher radikale Künstlerin ihres Fachs. Auch dies dann wieder aus dem Leben genommen; wenn ich sie, Yōsei, bei der Arbeit beschreibe, beschreibe ich, was ich an → Elena beobachten darf.
Die zweite Bindung des thematischen Motivs ergibt sich daraus, → daß ich neulich begriff, eigentlich gehöre der Prozeß, mich, eben von dem Bioport ausgehend, tätowieren zu lassen, in das → Krebstagebuch, allerdings in seine Fortsetzung nach der noch nicht geschriebenen Klimax, für die ich erst nach Aqaba muß, um den “Spielort” der “Enteinigung”, also der OP, zu finden. Für die Reise dorthin fehlt mir noch das Geld (allerdings die Flüge dorthin → sind erschwinglich); ein guter symbolischer Zeitpunkt wäre im Februar mein Geburtstag. Nur hält mich noch mein, sagen wir, Aberglaube davon ab, mich zu verhalten, wie ich es eigentlich täte – mit dem vitalistischen Schlachtruf “Sei’s drum!” Vielleicht nämlich sollte ich warten, bis medizinisch objektiv gesagt werden kann, daß ich “geheilt” sei, bis also nach dem fünften Jahr. (Meine nächste Kontrolluntersuchung findet am 6. Dezember statt). – Wie aber nun auch immer, läßt sich dieses Tattoo-Projekt auch als eine Verbeugung vor → Liligeia verstehen, die ich als – bislang – Unterlegene e h r e. MIr ist das wichtig. Hatte ich aber s i e schon, also den Krebs, in mein literarisches Werk integriert — selbst unvollendet, gehört das Krebstagebuch bereits, wenn auch nur in Der Dschungel publiziert, zu meiner Literatur[1]Albert Meier hat sogar schon → einen Aufsatz darüber geschrieben. —, so nun auch den, den sie “befiel”, – meinen Körper. Es ist dies eine unabdingbare Logik meiner Poetik. Was nämlich die Realitätskraft der Fiktionen anbelangt, bekommt das gesamte Unternehmen mit einem Mal sogar fiskalische Valenz, indem ich die Kosten des Tattoos von der Steuer werde absetzen können. Diese Volte ist eben nicht nur ein Schelmenstreich (ein bißchen freilich auch), sondern vor allem eine nächste Nagelprobe auf die Wirklichkeitsvalenz von Dichtung, und nicht nur der meinen. Die von mir längst nicht mehr nur projektierte Ästhetische Theorie ist, soweit nicht Praxis, durchaus normativen Charakters – allerdings im Bezug auf ihre historische Zeit. Spätere Entwicklungen der Künste (und also der Gesellschaften sowie der Naturen[2]Womit ich nicht nur die verschiedenen geologischen Naturformen meine, sondern auch → Zweite & Dritte Natur usw., also Natur in den kulturellen Codes ihres Wahrgenomenwerdens. Wie diese sich … Continue reading, in die sie eingebettet sind) werden sie relativieren.
Wiederum aber die rhizomatische Form des Tattos entspricht sogar insgesamt den auch anderweitig immer wieder attestierten prozessualen Strukturen meiner insbesondere Romane, die ich somit fortsetze auf Haut.

*** (Unterbrochen, um zu duschen usw.) ***
 

[Sophia Gubaidulina, София Асгатовна (Sonnengesang)]
Gestern kam die endgültige Zusage zur Graphik Novel; tatsächlich → der Zilts wird es werden. Nur über den Vorschuß ist noch zu verhandeln. Woran ich eigentlich gedacht hatte, was ich mir gewünscht hatte, wird wahrscheinlich zu erreichen nicht sein. Aber vielleicht doch noch genug, um mir einzwei Monate durchzufinanzieren.  Es wird doch einige Arbeit zu leisten sein, um die lange Erzählung auf Pavlenkos zeichnerische Bedürfnisse auszurichten. Gut, liebste Freundin,wir werden sehen. Mich drängt es erst einmal in die Briefe nach Triest zurück. Sie stehen ja ziemlich kurz vor dem Abschluß ihrer ersten Fassung. den ich sehr, sehr gerne noch im Dezember sehen möchte. Es wäre ein feiner Beginn für 2023. Das meiste dann wird nur noch konzentrierte Fleißarbeit sein; vor allem wird gestrichen werden müssen, aber klug. Manches, was in der Ersten Fasung jetzt steht [3]Der von mir so genannte “Rohling” ist, was →  von November 2014bis Februar 2015  in Der Dschungel stand., kann so nicht mehr bleiben; viel zu viele Angaben sind ungenau oder sogar unmöglich. Doch um das zu beheben, braucht es fast durchweg nur kleine Verrückungen; und einiges kann oder muß sogar ganz weg. Die Geschichte hat sich – siehe oben – geschrieben, jetzt ist die Fassung anzugleichen.

Ach so! Gestern sehr spät am Abend der plötzliche Impuls, wieder mit dem Sport anzufangen. Er hängt wohl mit meinem begonnenen alkoholfreien Monat zusammen. Wirklich wieder riesige Lust … nein, nicht zu joggen, meine 15-km-Läufe “kosten” zu viele Kalorien, die krieg ich in den Körper nicht rein. Aber neu mit leichtem Krafttraining zu beginnen, erstmal an den Slings. Zu Anfang nicht mehr als jeden Tag eine halbe Stunde, danach dann weitersehen. “Sicherheitshalber” schaute ich aber im Netz wegen des Tattoos nach. Also, ich soll noch bis zur Abheilung warten. Gut, dann hoffe ich mal, daß der Impuls bis dahin so lockend mir erhalten bleibt. Aber mir gefiel einfach nicht, daß unter dem Bizeps die Haut hängt, was mir auf Foto mit der Tattooergänzung aufiel. Wie mein, nun gut, “verkaterter” Zustand des Wochenendes war auch dies ein mir von meinem Körper, den ich achte, als “Jetzt paß aber endlich mal auf, versammt!” zugefunktes Signal. Und wie immer, wenn er mir etwas sagt, höre ich darauf. Nicht bei den Menschen, nur bei meinem Körper.

Ihr, Allerverehrteste, wie immer
ANH

References

References
1 Albert Meier hat sogar schon → einen Aufsatz darüber geschrieben.
2 Womit ich nicht nur die verschiedenen geologischen Naturformen meine, sondern auch → Zweite & Dritte Natur usw., also Natur in den kulturellen Codes ihres Wahrgenomenwerdens. Wie diese sich auch subjektiv ändern, ist momentan ausgesprochen gut an mir selbst zu beobachten, der doch über Jahrzehnte ein Gegner von Tattoos gewesen.
3 Der von mir so genannte “Rohling” ist, was →  von November 2014bis Februar 2015  in Der Dschungel stand.

Es l e b e n lassen, das Tattoo! Das Zeichnen- und Montierjournal des Sonnabends, den 24. September 2014.

[Arbeitswohnung, 18.08 Uhr
Holmboe, Steichquartett N. 10 op. 102 (1969)]
Da ich mich nun entschlossen habe, die letzten Triestbriefe zu schreiben, bevor ich zur Erstellung der zweiten Romanfassung die Notate der → Recherchereise in sie einpflege, aber in den Text schon gestern nicht richtig hineinfand, habe ich den Tag bisher fast ausschließlich mit dem Entwurf der Weiterentwicklung → meines Bioport-Tattoos verbracht:

Sie wissen ja, Freundin, um meine Idee, es ständig sich verändern, gleichsam wachsen zu lassen; im Frühjahr wahrscheinlich werden erste Blätter an die Ranken kommen, möglicherweise danach auch, aber kleine, Blüten. Es soll nicht kitschig werden. Vor dem wird allerdings noch ein kleiner Zusatzeingriff nötig werden. Nämlich ist mir in der Triskelenmitte das Shakti-, mithin Venusdreieck nicht konturiert genug. Zwar habe ich auch daran heute herumgebastelt, aber alles, was ich zuwegebrachte, war mir zu unorganisch, also aufgesetzt. Hier auf der Abbildung zwar ist es deutlich erkennen, nicht aber in der bisherigen Ausführung, da steht es, weil nicht auf der Spitze, sogar falsch:

Da also muß nachgebessert werden. Doch erst einmal die Ranken.

Bin übrigens wieder auf 67 kg; zweieinhalb der während der Reise verlorenen mithin sind trotz der kurzen Krankheit schon wieder drauf. Was ich beruhigend finde. — Ach so, sicherheitshalber noch einmal, weil es sich offenbar noch nicht herumgesprochen hat: Ich habe → die Hamburger Veranstaltung leider absagen müssen, doch wird sie ebenso nachgeholt werden wie die für den 18. 10. geplante Karlsruher, die gestern wiederum mir abgesagt worden ist, leider; die Hamburger soll nun entweder zu Ende Januar oder Februar stattfinden, die Karlsruher in eben diesem Zeitraum. Bitte schauen Sie in der rechten Spalte unter “Veranstaltungen”; sowie der genaue Termin steht, wird er dort eingefügt werden.

Ihr ANH

P.S.: Gestern abend noch einen sehr schönen Gesprächsabend mit Hendrik Jackson verbracht, viel und lang außer über auch Persönliches über vor allem Lyrik gesprochen. Mit der meinen habe er Probleme – was aber so gut zu erläutern vermochte, daß es nicht die Spur schmerzhaft sondern, glaube ich, der Beginn einer Diskussion war, die in Lyrikerkreisen zu führen ich mir doch immer so gewünscht habe. Ich gab ihm → Das Ungeheuer Muse mit. Und tatsächlich mailte er mir heute schon einen ausführlichen kritischen Brief → zur Entsteigenden, auf den ich aber erst wieder im persönlichen Gespräch reagieren werde; und kurz darauf landete eine zweite, diesmal hellauf begeisterte Mail in meinem Postfach, diesmal zu → Ich habe so geweint im Schlaf.
Dieses 1 : 1 gefällt mir selbstredend sehr.

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