| Krokodile & Lackschuh‘ |

 

Ich war auf einer Gesellschaftsparty, die in einer Art einstöckiger, sich zusammenhängend, wenn auch verwinkelt über mehrere plane Areale eines Hügelgeländes hinziehenden Anlage stattfand. Es war Nacht, man sah von außen die zahllosen Fenster der niedrigen Säle golden leuchten. Drinnen der Boden war je nach Saal um Fußhöhen ungleichmäßig terrassiert. Einmal sogar, um auf die nächste Ebene zu gelangen, mußte ich zwischen den in Smoking und Cocktailkleid versammelten High-Society-Gästen durch einen innenarchitektonischen Steingarten klettern, .

Das Fest wurde zunehmend ausgelassen, schließlich wild. Ich tanzte, alle anderen tanzten, man fand keinen Platz mehr, an dem es sich einfach herumstehen ließ. Die Szenerie hatte einiges von Stargalas der Fünfziger Jahre: blitzende Manschettenknöpfe, dunkle Fliegen, funkelnd brillantig die Frauen. Seltsam, daß ich mich nicht erinnere, welche Musik man gab.

Irgendwann war die Stimmung derart aufgeheizt, daß sich erste Gäste ihrer Schuhe entledigten, wohl, um trotz der Blasen weitertanzen zu können. Man warf die Pumps und blitzenden Schnürer einfach unter Tische, zwischen Pflanzenkübel. Wo man grad stand. Ich tat dem nach, zog meine schwarzes, lackpoliertes Schuhwerk ebenfalls aus. Mußte irgendwann dringend auf die Toilette, fragte, wo sie sei. Jemand wies mir den Weg, ich zwängte mich durch die Menge, fand die Tür, aber es war die Damentoilette. Ich fragte abermals, man lachte, verwies mich auf eine der tieferen Ebenen, vielleicht sogar den Keller. Doch gab es keinen Zugang. Da der Druck so groß war, zwängte ich mich zurück und preßte die Tür dieser Damentoilette auf.

Ich trat in einen ausgesprochen aquarischen, bzw. terrarischen Raum, eine Art großer Kammer, deren Wände sichtlich feucht und bemoost waren. Der Boden stand voller Pfützen, in denen glotzend Salamander lagen. Das Klo selbst stand auf einem steinernen Podestchen, das kaum Platz für die Füße ließ. Davor überall hellbraune Kothäufchen, ich wußte gar nicht, wie an die Toilette herankommen. Und wie es draußen offenbar keine Geräusche gab, so hier drinnen auch nicht den Gestank, der die Kammer hätte füllen müssen. Das also war mein Problem nicht. Doch wie nah genug an die Toilette treten? Vorsichtig setzte ich zwischen den Häufchen die Ballen auf, fast panisch darauf bedacht, nicht barfuß in solch eine Masse zu treten. Doch als ich wieder heruntersah, trug ich Schuhe, wenn auch andere als die, mit denen ich gekommen war, braune Schuhe nämlich.

Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, der Druck war zu groß, wenigstens war die Toilettenbrille schon hochgeklappt. Ich versuche zu zielen, das Becken ist immer noch mindestens einen Meter von mir entfernt und ungefähr um einen halben Meter höher als normalersweise. Kaum pinkle ich los, schiebt sich hinter dem WC aus einer in einen schmalen Sims, der in Kopfhöhe die Wand entlangläuft, mündenden Verblendung ein kleines Krokodil: Es glänzt vor Nässe, die Schnauze extrem flach. Um mich herum setzen sich die anderen, kleineren Echsen und Amphibien in Bewegung. Aber ich komme jetzt nicht weg, es steht ja schon der Bogen. Ich drehe mich und ziele ich auf das Krokodil, erleichtere mich weiter. Das getroffene Tier reagiert nicht, bleibt zur Hälfte sichtbar, den Hinterleib noch von der Blende verborgen. Und sowie ich meine Blase entleert habe, fliehe ich die Kammer, trete in die Säle zurück.

Kaum jemand mehr ist da. Ein irres Durcheinander von Sachen und Speiseresten, umgefallene Gläser, Kleidungsstücke, Taschen. Ein Kellner räumt auf. Ich frage ihn nach meinen schwarzen Schuhen. Er zuckt die Achseln, weist herum, ich solle selber suchen. Was ich tu. Hunderte Schuhe finde ich. Unter den Tischen, neben Steinen, hinter Kommoden. Die Leute müssen alle barfuß weggegangen sein. Mein Schuhe finde ich nicht. Manchmal denke ich, da sind sie, aber dann sind die Modelle nur ähnlich, doch ist das Leder anders vernäht oder anders gestanzt. Und schon wieder habe ich einen Druck auf der Blase, muß erneut in die Kammer, wieder schiebt sich das Krokodil hervor, diesmal ziele ich gleich auf das Tier. Und beginne draußen abermals nach meinen Schuhen zu suchen. Und spür zum dritten Mal den Druck.

Davon wache ich auf.

Es ist halb vier in der Nacht. Mein Gott, denke ich, hast du ein Glück, nicht ins Bett gepinkelt zu haben. Ich eile durchs eiskalte Zimmer zur Toilette, um nicht den Anschluß zu verpassen, ich will unbedingt meine Schuhe wiederfinden. Erst, als ich mich erleichtert habe und zurück ins Bett eile, bemerke ich, daß ja gar keine Not ist, daß die Schuhe ja nebeneinander im Flur stehen, und zwar beide Paare, das braune, das schwarze, und daß ich alles nur geträumt habe. Doch diese innere Realisierung hat mich mindestens drei Minuten gekostet, die, wenn man zur Hälfte noch schläft, mindestens zwanzig von ihnen entsprechen.

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