Paralipomena III

 

1

Das Öffentliche Tagebuch entspricht der völligen Auflösung einer Person in Literatur. Kafkas Tagebücher etwa: Eindruck einer kranken Persönlichkeit, was die Texte bestimmt – will man nicht einer Art literarischer Metaphysik anhängen.

2

Meeresfrüchte. Wovor man sich ekelt, wird, wenn es nur angedeutet und deshalb zugelassen wird, zum Lustgrund ganz wie im Sexuellen. Die Verfeinerung des Geschmacks lebt von seiner Animalisierung.

3
Bei Ilija Trojanow, II, 24

Um die Beziehung zum Gastherrn verbindlicher zu machen, fügt man dessen Eigentum einen kleinen Schaden zu. So bleibt man ihm etwas schuldig .

4

Weiterer Titel:

Die beharrliche Irritation des Verlangens

5

Wo in der Gesellschaft das Sicherheitsdenken alles überwölbt, wird auch die Kunst gutgemeint und also schlecht. (Ehen töten deshalb die Lust, weil zur Sicherheit geschlossen wurden.)

6
Polizzotti ue Breton, 788:

„Diese unausweichliche Gegenwart von Geschichte“. (Als Romantitel nehmen?)

7
(Vor längerem im Nachtzug notiert:)

Manche jungen Frauen, die halb noch in der Pubertät, riechen, schlafen sie ein, immer noch ein wenig nach Kleinkind.

8

Die literarische Welt ist eine Parallelwelt neben der unseren: Wir finden in sie hinein als in eine scheinbar stehengebliebene – und doch hat sie sich verändert, weil sich ihre Rezeption durch uns verändert hat, da wir selbst uns verändern, — so daß die Zeit der Parallelwelt letztlich ebenso irreversibel wie die unsere ist und ebenso reversibel als Ausschnitt.

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