Dienstag, der 8. November 2005.

4.52 Uhr:
[Bach,Kantate Nr. 21, “Ich hatte viel Bekümmernis“.]
Nein nein, meine Morgenmusik hat nichts mit meinem heutigen Zustand zu tun, sondern damit, daß Katanga davon erzählt hatte und wie schön – in einem Spielfilm, dessen Titel ich vergessen habe – diese Musik gewesen sei. Nun hör ich sie also, bevor ich sie ihm auf CD kopiere.
Gestern abend spät mit U.und G. zusammen; U. erzählte von einer anderen so unbedingten Liebe, daß sie sogar über eine Wut-Ehe hinweggegangen sei, und die Liebenden hätten sich wieder gefunden. Wir aßen noch etwas bei einem kleinen ThaiImbiß, dann radelte ich durch die Nacht heim. Nach wieder vier Stunden Schlaf jetzt auf, latte macchiato, Vortrag ff. Die Ratzen rennen auf mir rum, ich werd sie gleich herumlaufen lassen, damit sie Bewegung haben. Ich selbst muß noch etwas vorsichtig sein: zu laufen wird gehen nachher, aber das Kraftraining sollte weiterhin ausfallen, die Entzündung im linken Arm ist durchaus noch nicht weg. Vielleicht guck ich nachher kurz beim Sportarzt rein.
Heute abend >>>> Lesung; ich hab als zweiten Text Riedels Amsterdam-Erzählung herausgesucht, die mir in ihrer Klarheit und Härte gut gefällt. Danach folge ich vielleicht noch der marebuch-Einladung zu dem Privatabend mit Victor Jerofejew; aber je nachdem, wie es sich in der Buchhandlugn gestaltet. Sollte ich drum gebeten werden, würde ich zusätzlich eine der Erzählungen aus DIE NIEDERTRACHT DER MUSIK lesen.

0.02 Uhr:
Grad mit dem Rad von Kreuzberg, wo das Jerofejew-Treffen war, zurückgekommen. Vorher die Lesung, sehr wenige Leute waren da, und die Buchhändlerin sagt den markigen Satz: „Ich war ganz benommen. Das wußte ich ja gar nicht, welch eine S p r a c h e das ist.“ Man scheint offenbar Autoren einzuladen, ohne deren Texte zu kennen. In die Bücher wird, so sieht es aus, gar nicht erst mehr hineingeguckt, sondern geglaubt, was gesagt wird und was man so in den Zeitungen liest. Jedenfalls ist mir das nun auffällig oft geschehen: Ich lese eine Geschichte, und die Leute sind baff, daß sie gut ist. Nicht nur baff, nein, wirklich sprachlos. Nur daß diese Überraschung nicht anhält. Denn kaum kehrt man den Rücken, wird wieder der frühere Eindruck geglaubt.
Also nach der Lesung noch nach Kreuzberg geradelt in diese hochgelegene 300-qm-Wohnung, die einen Ausblick hat, wie ich ihn nur aus meiner Frankfurter Brokerzeit kenne: Mainzer Landstraße, fast ganz oben, alles rundum verglast.

Die Augen fallen mir zu. Knapp 4 ½ Stunden Schlaf, dann die Überarbeitung des Vortrags.

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