Zum Narzissmus-Vorwurf.

Was den Gegnern Der Dschungel wie ein aus dem Ruder laufender Narzissmus erscheint (oder was sie bewußt und aus strategischen Gründen so aufgefaßt sehen wollen), ist in Wirklichkeit der Ausdruck eines höchsten Selbst-Zweifels: weil nämlich den Fiktionären das Ich so problematisch wurde, wie im Munde Lord Chandos’ die Pilze zerfielen. Ich ist ein Glaube, aber Die Dschungel sind zutiefst agnostisch; ‚Ich’ wohlgemerkt als Instanz der Autonomie, nicht hingegen als polymorph gerichtetes Triebbündel; als solches ist es beobachtbares Phänomen und unbestritten. Der NarzissmusVorwurf setzt jedoch ein Ich voraus, das sich h a b e und also von sich loslassen könne. Die Idee, ‚Ich’ müsse sich in jeder Sekunde aufs neue gestalten, weil da keine Festigkeit sei, ist denen, die ihn erheben, fremd; sie nämlich sind g l ä u b i g. Und treten gegen den Selbstzweifel an wie der Missionar gegen die sog. Naturreligion: Ihr Vorwurf will missionieren. (Dahinter steckt allerdings möglicherweise ebenfalls ein Selbstzweifel, der sich aber nicht zugeben will und genau darum missionieren, bzw. strafen oder verleugnen – abschieben – m u ß.)

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12 Kommentare zu Zum Narzissmus-Vorwurf.

  1. bvl sagt:

    nur die dschungel koennen nicht irren? was aber bleibt wenn es sich aufs wesentliche reduziert, auf brot und salz, einer sagte auch: das herz der dinge: sehen sie selbst.
    warum vorwurf wenn beobachtung? und was trifft so dass es thema wird hier durch sie selbst?
    legen sie worte und taten auf die waage und lassen sie diese sprechen. ganz ohne ego.

    • „was aber bleibt wenn es sich aufs wesentliche reduziert“ Was aber bleibt von der modernen (neuen) Musik, wenn es keinen Strom mehr gibt?
      Was aber bleibt von der Dichtkunst, wenn es kein Papier mehr gibt?
      Was aber bleibt vom Verkehr, wenn es keine Räder mehr gibt?

      Was ist wesentlich? (Hier gilt der alte, die Differenz von Substans und Akzidens verneinende Dschungelsatz: Das Wesentliche gibt es nicht.)

      Und außerdem, Sie argumentieren suggestiv („Was trifft so?“). Nicht d a s ist der Anlaß, sondern die Häufigkeit der fehlgeleiteten Argumentation, die immer, wo argumentiert werden sollte, eine Wertung unerschiebt. Ganz wie soeben Sie selbst in Ihrem Beitrag tun. Die einzige Frage aber, die letztendlich zählt, lautet: Ist ein aus alledem entstandener Roman g u t? Alles übrige ist marginal. Die Zeit geht darüber hin und wird die Unbilden der Entstehung ebenso vergessen lassen wie die Irrtümer, die sich selbstverständlich in Den Dschungeln a u c h finden, zumal sie Teil des Prozesses (der Entstehungsdynamik) sind. Wäre dem anders, kein Mensch könnte heute mit solcher inneren Erhebung den Tristan hören, wie diese Musik-selbst sie den Menschen für alle Zeiten geschenkt hat.

    • bvl sagt:

      genau das. was zaehlt es ohne papier?
      wesentlich ist das was noch bleibt wenn die definition (ueber musik, literatur, kunst, anyway) des eigenen selbst wegfaellt. was bleibt dann?
      ich muenze diese frage nicht als angriff auf ihre person. sie ist allgemein.
      die wertung ist doch schon gegeben, wenn sie einleitend sagen: die gegner der dschungel. woher nehmen sie die gewissheit jeder andersdenkende in manchen fragen sei gegner? dort sitzen sie selbst dem vorurteil auf.
      substanz ist wesentlich. sie traegt freundschaften, ehen, gesellschaften.
      ein schoener roman macht nicht satt. brilliante fugen noch keinen guten und verlaesslichen freund.
      meine frage war kein argument, sie war frage. weil es anschein erweckt.
      allgemeingueltig: die zeit geht nicht ueber das weg was substantiell manko ist. bei niemandem. ob mans sieht oder nicht, sehen will oder nicht.

    • S o gelesen. Mag ich Ihrer Argumentation folgen. Und verstehe sie und Sie.

      Daß ein Buch nicht satt macht, ist völlig unbestritten. Aber es kommt – oder M u s i k kommt – unmittelbar danach. Unabhängig davon wird hierseits der Inhalt des Substanzbegriffs bestritten und statt dessen ein W i r k g e f ü g e ins Feld geführt, das k e i n Akzidentielles kennt. Sondern alles hat seinen Platz. A l l e s. Fällt eines weg, und wäre es noch so gering, verändert sich das Ganze – in Ihrem Wort – substanziell.

    • bvl sagt:

      sehen sie? und grad im gefuege bricht die kette bim schwaechsten glied. so auch beim charakter, im leben, ueberall: die eine sache mag sand in die ganze suppe streuen. entfernt man ein glied wie sie sagen/oder bricht das glied/oder ist unzureichend ist das ganze ding hinueber.
      (jedes glied des gefueges muss seine substanz bewahren zugunsten des ganzen. gerichtete staerke ist damit immer auch punktuell.)
      und das ist die antwort.

    • Nun ja. Nur wo wäre sie in diesen diskutierten Fällen n i c h t gewahrt? Punktuell ist alles beisammen. Ob im ‚Ganzen‘, das wird sich erweisen.

    • LeanderSukov sagt:

      Und es wäre ganz unerheblich, die Richtigkeit der Dschungel entsteht aus ihren Fehlern. Es ist ein dialektischer Prozess und zudem einer der Fokussierungen. Was, mitunter auch mir, unter dem einen Gesichtspunkt als falsch erscheint, mag mir unter einem anderen ganz deutlich richtig daherkommen.

      Insofern bricht nichts, in jenem übertragenen Wortsinne, wenn es bräche. Was geschehe, wäre eine Veränderung des Aggregatzustandes. Mehr nicht.

      Überhaupt scheinen mir die vorstehenden Kommentare unter ihrem Vokabular zu leiden. Mäntel werden zu Mantelträgern. Ein Beispiel ist Annahme, das einzige, was zähle, wäre, ob ein Roman gut sei? Aber unter welchen Rezeptionen wäre er gut? Was sind die Gesichtspunkte. Wofür ist er gut und wodurch. Und: Für wen? Ein anderes Beispiel wäre der Begriff der „Substanz“, der inhaltlich kaum fassbar ist. Was ist denn das, was Substanz wäre. Wieder stellt sich die Frage nach den Bedingungen.

      Es scheint mir weiters eine hübsche Reihe von Mißverständnissen zu geben, die schon aus der Antwort ergeben, die ANH auf seinen „guten Roman“ erhält. Der „gute Roman“ mutiert zum „schönen“.

      Dieses wäre der Moment, die freundliche Spitze hinsichtlich des guten Romans zurückzunehmen und die Festlegung zu treffen, ANH fände, dass ein Roman dann gut sei, wenn er ihn gut fände. Das ist ein völlig und vollständig akzeptabler Ansatz. Insbesondere unter Berücksichtigung des, ja nicht nur ihn treffenden Vorwurfes des Narzissmusses. Diese Spiegelung im eigenen Hirnwasser, wird verwechselt mit einer statthaften Eitelkeit, die Künstler benötigen, um an der eigenen Bewertung ihrer Arbeiten festzuhalten. Sie umschließt übrigens nicht zwanghaft die Überbewertung des eigenen Schaffens. Eitelkeit kann auch bedeuten, als schlecht zu verwerfen, was andere als gut befinden, weil es der Eitelkeit nicht genügt.

      Man muß sich dringend von der Esoterik der Draufsichten lösen und die statischen Betrachtungsweisen fahren lassen.

  2. gorethwán sel prestoljariy sagt:

    Das >problematische< ICH Selbst-Zweifel: nicht unbedingt zutreffend, aber vorstellbar.
    Das >problematische< ICH: keinesfalls unter zuhilfenahme der Ratio ach so problematisch.
    Gegner Der Dschungel: sind augenscheinlich nicht vorhanden.

    vielmehr beschrieb erst kürzlich eine kluge frau die gegenseitige wechselwirkung eines kultur- bzw. eines kunsthistorischen kommunikationsnetzwerkes, zweifelsohne nicht frei von notwendiger beziehungsähnlicher verstrickung, welches den beiderseitigen vorteil der ‚Befruchtung‘ zu tage fördert. gleich einer ‚Nahrungsaufnahme‘. impulse nähren impulse. davon zehrt einerseits das ICH, andererseits aber auch die imaginäre substitutionsebene, die niemals völlig frei vom ICH sein kann. inwiefern ‚Glaube‘ in diesen kontext zu integrieren sinnvoll ist, mag ich nicht beurteilen. kann ich nicht beurteilen. nicht jeder darf sich glücklich und beruhigt schätzen, einen festen glauben verinnerlicht zu haben. für manch einen von uns scheint die suche fort zu dauern.

    hochachtungsvoll:
    GsP

  3. gorethwán sel prestoljariy sagt:

    >s+t+o+p+p< empfinde nur ich diese narzissmus-schlacht als wahnsinn? selbige offenbar ausufert und zudem jedweder grundlage entbehrt? die differenziellen ansichten ihrer 'Bewunderer', mein lieber ANH, in allen ehren. doch erdreiste ich mir in diesem fall für Sie eine lanze zu brechen, mit Ihrer erlaubnis: wie ich bereits schrieb, gibt es diskrepanz in den auffassungen. unweigerlich. in diesem zusammenhang ist mir nicht geläufig, was diese plattform der künstlerischen schaffenswelt DER DSCHUNGEL mit ‚Vorwürfen‘, und dann auch noch mit gegen die natürliche person des >KÜNSTLERS< (!!!!) gerichteten vorwürfen (obgleich nun ‚Narzissmus‘ oder sonstwed gelagerte angriffe dies sein mögen, sein werden) zu schaffen hat. ich erlaube mir, festzustellen, dass hier völlig verschiedene ebenen nach verzahnung zu lächzen suchen. und ‚SIE‘, liebe ANTAGONISTEN, in erster linie eines nicht in vergessenheit zurückdrängen dürfen: RESPEKT vor dem KUNST SCHAFFENDEN!
    RESPEKT vor der ERSCHAFFENEN KUNST!

    der hier eingeschlagene weg ‚befruchtet‘ nicht, sondern aggressiviert in höchstem maße, zuspitzender welcher von mir nicht gut geheissen werden kann. sollte die PERSON des ANRUFERS eine ‚Auffassung‘ vertreten, die zu keiner ‚Verzahnung‘ der disobjektivierten ‚Ebenen‘ führen kann, ob der tatsache, dass ein zutiefstes missverständnis in den ‚Grundlagen‘ offenbar (wie offeriert, nein signalisiert wird) unnötig – weil sinnlos – ausgefochten wird, so sollte die ‚Kommunikation‘ zumindest eines nicht tun:

    GRENZEN überschreiten!

    verwehren würde auch ich mich gegen die ermangelung hintergrundwissentlicher mutmasslichkeiten. denn als solche muss sie der KÜNSTLER hier auffassen. noch einmal: wir haben hier nicht dieselben EBENEN. wer nun allen ernstes noch behauptet, ÜBERHEBLICHKEIT sei im spiel, der sollte den worten des KÜNSTLERS erneut zeit widmen, und gründlicher recherchieren, vor allem in sich selbst. dort – und nur DORT – liegt der SCHLÜSSEL.

    umfangreiche artikel über ‚Narzissmus‘ helfen in diesem fall nicht weiter. zumal dieser hier eingestellte das eigentliche ‚Thema‘ völlig verfehlt. das vom artikel NICHT ERFASSTE, das ist es wert zu ergründen. Lassen Sie mich um himmels willen bitte keine RESPEKTLOSIGKEIT predigen, aber mir persönlich fehlt in dieser diskussionsrunde das ‚Beinige Mark‘, das ‚Fleisch auf den Knochen‘, oder wie Sie es, mein lieber ANH, so treffend formulierten: Es fehlt SAFT!

    GsP

    • Ich hoffe Sie beziehen Ihren Beitrag nicht auf meinen. Denn ich wollte genau das erreichen: Die Akzeptanz jener Eitelkeit, die ANH, aber nicht nur ihm, zur Recht zusteht, die wesentlich für das eigene Umgehen mit dem Werk ist und die nur aus Gründen der Boshaftigkeit mit Narzissmus verwechselt wird.

      Mir erscheinen viele Beiträge von Usern hier an der Oberfläche zu bleiben. Es gibt einen ständigen Abgleich der Arbeiten ANHs mit den eigenen Erwartungen von Literatur und Kunst überhaupt und natürlich auch hinsichtlich des Künstlers. So funktioniert Kunst und Literatur nicht. Was geboren worden ist, lebt und hat ein Recht auf eine eigenständige Betrachtung.

    • gsp sagt:

      Zur Öffentlichkeit DER DSCHUNGEL mit nichten, monsieur SUKOV.
      auf – oder vielmehr auf die zweifelhaften beiträge einzelner diskussiastInnen – bezieht sich mein kommentar. lesen Sie bitte besagte unter:
      „Zur Öffentlichkeit Der Dschungel“.
      sie werden sich IHRES (so auch meines) eindruckes nicht erwehren können. im übrigen stimme ich IHNEN zu: was diese ‚Surface Tensions‘ anbelangt, so kämpfe auch ich bereits seit jahren gegen ‚Oberflächlichkeit‘, und für ‚Vertikale Tiefe‘. das meinte ich mit ‚Vielschichtigen EBENEN‘. so wahr wir UNS zu helfen wissen.

      GsP

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