‚Ich‘, nämlich E s. Anthropologische Kehre, Vortrag. (6).

Zwar habe ich – hat Ich – den Begriff der Anthropologischen Kehre aus, dachte ich*, Eigenem gebildet, nämlich aus eigenem Erleben im Netz, und zwar im Rahmen der ersten pflanzenden Schritte meines Literarischen Weblogs Die Dschungel. Anderswelt. Doch tritt anderthalb Jahre nachher in Der Dschungel >>>> ein Kommentator namens glagolica auf, der den Begriff der Kehre an Heidegger zurückweist. Das bringt mich dazu, Heiderggers Aufsatz zu lesen und meinen eigenen, von Heideggers teilweise sehr verschiedenen, teils aber erschreckend mit ihm übereinstimmenden Begriff m i t Heidegger lesen zu lassen. Der Begriff Anthropologische Kehre bleibt dabei meiner, ist aber von Heidegger nun mitbedingt. Ich ist von Heidegger mitbedingt. Heidegger – der jetzt gelesen wird – ist von Ich mitbedingt. Als historische Größe ist Heidegger vergangen. Das Vergangene wirkt indes, als es gegenwärtig ist. Heidegger wirkt. Seine Wirkung t r i f f t sich mit dem kybernetischen Netz, das Gleichzeitigkeiten herstellt und nicht etwa F o l g e n. Der Anthropologischen Kehre haftet darum etwas Unhistorisches an. Das reflektiert die mythische Kraft des Netzes und also der daraus gewonnenen Menschenbilder. Auch der Mythos ist nicht historisch, sondern ging der chronologischen Geschichtsschreibung voraus. Diese Situation wird im Netz psychisch – nicht objektiv – wieder hergestellt. Die möglicherweise sich dann d o c h begebende objektive Wiederherstellung ist ein Ergebnis der von der Anthropologischen Kehre mit ausgelösten selbstreferenten Rezeptionsweise.

*) Dachte E s, n ä m l i c h ‚mein’ ICH.

[Es gibt in diesem Text neben dem ausgewiesenen noch einen versteckten Link. Sein Inhalt ist wichtig.]

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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14 Antworten zu ‚Ich‘, nämlich E s. Anthropologische Kehre, Vortrag. (6).

  1. glagolica sagt:

    „versteckter link“ :-))) … ach, wie schön, daß …
    nicht weiß, daß „ich“ … heiß
    …………
    glagolica@online.ms

    • Der verborgene Link. Hat in Den Dschungel eine >>>> Geschichte, die aus >>>> einer Idee kam. Es handelt sich also nicht um eine Neuerung, sondern ein Verfahren, mit dem hier seit annähernd anderthalb Jahren gearbeitet wird. Dabei steht eine Überlegung im Zentrum, die sich gegen die Entkörperung von Welt richtet und dem Netz eine Art Körper g e b e n will. Sozusagen wird umgekehrt sublimiert.

  2. ms sagt:

    Historische Größe? Der unter dem versteckten Link zu findende Artikel ist äußerst fragwürdig; das Thema wird durchaus kontrovers diskutiert. So hätte ich mir bei einem so schwierigen Thema eine eigene Stellungnahme des Bloggers gewünscht und keinen ‚versteckten Link‘.

    • Die Stellungnahme. Ist ihrerseits hochgradig ambivalent und ergibt sich aus dem Kontext vieler anderer Beiträge in Der Dschungel. Es kann nicht darum gehen, Lesern eine eigene Stellungnahme abzunehmen, sondern es geht Der Dschungel gerade darum, sich eben mit den Widersprüchen vertraut zu machen und sie auszuhalten. Daß jemand sich mit den Nationalsozialisten handgemein machte (oder machen w o l l t e: es ist ein widerhakig böser Witz, daß die den Mann ignorierten), bedeutet dummerweise nicht, daß jemand ein schlechter Physiker sei; für den Philosophen gilt das gleiche und auch für den Tischler, aber bei Handwerksberufen wundert es keinen.

    • Hurdalak sagt:

      RE: Die Stellungnahme Wobei der gute Tischler bei den Nationalsozialisten die Barracken und Guilloutinen baute, der Physiker die V2 entwickelte und der Chemiker bei BASF das Zyklon B bereitstellte. TsTsTs…

    • Damit haben Sie selbstverständlich recht. Es benimmt aber nicht die Aussage über die Qualifikation des Physiker a l s Physiker. Genau hieraus rührt ja eines der großen moralische, aber auch wissenschaftlichen Probleme der insbesondere Neuzeit (da die F o l g e n in der Neuzeit andere und weiter tragende sind als in den Ären davor). Tatsächlich ist bekannt, wie viele Ergebnisse auch aus den Menschenversuchen schließlich sogar in die Medizinen der Allierten eingegangen sind, von Wernher von Braun will ich hier nicht sprechen, da der Fall sehr bekannt ist. Es ist im übrigen von einem P h i l o s o p h e n die Rede gewesen, und der hat nicht einmal an den Baracken mitgebaut; gleichwohl ist er moralisch nicht freizusprechen. Seiner Leistung als Denker benimmt das aber wiederum nichts. In diesen Zusammenhängen meine ich, daß gedacht und bewertet werden muß. Und hierüber zu einer Einschätzung zu gelangen, ist unter anderem eine Aufgabe der Philosophie; sich hier einzufühlen, eine der Poesie. Es ist eben nicht damit getan zu sagen „Das war ein Mitläufer“ oder „Der ist schuldig“ und dann zu glauben, auch „die Sache“ an sich sei damit beigelegt, bzw. unberührbar, also auch in den „Ergebnissen“ tabuisiert. Sondern es wird auf ihnen, sofern sie wissenschaftlich stimmen, aufgebaut, egal aus und mithilfe welcher ethischen Katastrophe sie entstanden sind. Wenn wir nur einmal uns in unseren Küchen umschauen, finden wir überall Enkel und Enkelsenkel des Harzwerkes Dora.

    • Hurdalak sagt:

      Zwischen den DINGEN, die aus Ereignissen entstehen können (V2 zu Raumfahrt) und dem GEIST oder besser UNGEIST der aus Ereignissen entsteht (Faschismus zu Neonazis) gibt es den Unterschied, dass meist weiteres Unrecht aus dem UNGEIST entsteht, während die Dinge nur Dinge sind. Wenn Heidegger sich so sehr zum Faschismus hingezogen gefühlt hat, dass er so lange versuchte von den Braunen akzeptiert zu werden, dann stimmt auch offensichtlich mit seiner Philosophie etwas nicht. Oder war er vielleicht doch schizophren?

    • Daß „etwas“ nicht stimme, ist sicher wahr. Sogar, daß „einiges“ nicht stimmt, könnte mit Gründen vertreten werden. Nur: Was? Und wo dann anders als das, was etwa bei Kant ’nicht stimmt‘ oder bei Schopenhauer oder Aristoteles? Welches ist die Spur, die den Mann in seine Anbiedereien führte? Und woher stammt sie? Denn auch sie hat ihre Geschichte. Und damit eine, sofern wir denn an Ursachen glauben, also kausal gestimmt sind, geistesgeschichtliche und/oder perönliche Motivation, die sehr wahrscheinlich eine Notwendigkeit war. ‚Notwendigkeit‘ bedeutet, etwas habe sich ‚mit Not‘ so und so gewendet, wenden also m ü s s e n: Die Gründe ließen etwas anderes nicht zu. (Nur darum entscheiden wir ja, k ö n n e n wir entscheiden: weil ein Grund unhintergehbar ist oder unhintergehbar zu sein scheint. Es kann auch ein unbewußter sein; diese Spur wäre in der Philosophie dann zu zeigen.)

      P.S.: ‚Schizophren‘ ist ein methodisch derart verwässerter Ausdruck, daß sich damit für keine Erkenntnis etwas anfangen läßt.

    • Hurdalak sagt:

      ‚Schizophren‘ ist ein methodisch derart verwässerter Ausdruck …dann lassen Sie uns doch für die Erkenntnis mit der Umschreibung „…vielleicht war ja bei Heidegger was im Kopf kaputt…“ weiter an diesem Umstand rätseln. Die „Not“ und „Notwendigkeit, die Heidegger als persönliche Motivation für sich gesehen haben mag, ist weit mehr, als es der übliche Mitläufer im 3. Reich als Motivation vorbringen konnte. Heidegger wollte dazugehören. Lesen Sie mal die Tagebücher von Victor Klemperer und vergleichen Sie diese Geschichte mit Rüdiger Safranskis“ Ein Meister aus Deutschland“, dann wird alles klar. Zwei verschiedene Leben, eines wurde oportun ausgelebt, das andere in hoher Not. Alles zur gleichen Zeit. Lesenswert hier Peter Sloterdijks: „Regeln für den Menschenpark“. Heidegger war ein Denker mit einer dunklen Seele. Meine Erkenntnis und 5 Cents.

    • Die dunkle Seele. Ist nicht Heideggers allein. Und muß nicht gegen alles sprechen, was er dachte. Man macht es sich zu einfach, ihn dergestalt abzutun. Viele Denker taten das auch nicht, etwa Sartre. Daß nach der Lektüre eines Buches von Rainer Safranski „alles klar werde“, wage ich nun allerdings ganz besonders zu bezweifeln.

    • Hurdalak sagt:

      Neue Erkenntnisse? „Daß nach der Lektüre eines Buches von Rainer Safranski „alles klar werde“, wage ich nun allerdings ganz besonders zu bezweifeln. „

      Wenn sie neue Erkenntnisse haben, her damit! Wenn Sie etwas gegen den Autor Safranski haben, lassen sie es aber besser sein!

    • Aber nein, ich habe nichts gegen Safranski. Nur Ihre Aussage, es werde nach der Lektüre des Buches e i n e s Autors „alles klar“, hat mein tiefstes Mißtrauen. Da könnte es sich auch um ein Buch Adornos handeln, der mir allerdings näher war, als Safranski es ist. In Safranskis Fall ist es mehr der allgemeine Hype, der mich so skeptisch stimmt. Wenn sehr viele etwas loben, zeigt meist ein Teufelchen die Hörner. Um über Heidegger „neue Erkenntnisse“ zu gewinnen, wird es keine andere Quelle als den Originaltext geben, sofern mit „Heidegger“ die Philosophie und nicht die Person gemeint ist. Was d i e s e getan oder wie sie sich dargestellt hat, ist mir so gleichgültig wie jeder autobiographische Interpretationsansatz in der Dichtung. Die Person v e r g e h t, die Dichtung, wenn sie gut ist, nicht. Die Frage ist (für mich) nie, was hat mir eine Person, sondern immer, was hat mir ein Werk zu sagen – also das Werk, das sich zu mir in Beziehung setzt. Dächte und fühlte ich anders, ich könnte sagen wir mal 7/8 aller Dichtung nicht lesen und käme in die Verlegenheit, jemanden wie Heinrich Böll höher schätzen zu müssen als George Bataille oder Erich Fried höher als Louis Aragon. Der ja nun in seiner KP-Zeit ein ziemlicher Widerling gewesen ist. Dennoch hat er in seinem Alterswerk ein W u n d e r vollbracht, indes die Dichtung des characterlich ganz gewiß reiferen und hochachtbaren Frieds kaum je über Peinlichkeiten hinauskam.

    • Hurdalak sagt:

      ! Alles klar. Verstehe jetzt ihren Sinn dahinter. War wohl etwas umgangssprachlich von mir ausgedrückt.

  3. ms sagt:

    Einen Schritt zu weit Die Diskussion geht mir einen Schritt zu weit: Sich darüber zu streiten, wie Heideggers Denken nach seinem politischen Engagement zu bewerten sei, macht wenig Sinn, wenn die Fakten über sein Engagement nicht klar zu sein scheinen. Man würde differenzierter über ihn urteilen, wüßte man z.B., daß der Rektor Heidegger 1933 nur Nicht-Nationalsozialisten zu Dekanen berufen hat und damit ausdrücklich nicht den Wünschen der NSDAP gefolgt ist, daß er bereits Ende 1934 aus Protest als Rektor zurückgetreten ist und daß seine Vorlesungen, in denen er sich außergewöhnlich mutig und kritisch äußerte, von der Gestapo überwacht wurden.

    Bemerkungen von Hurdalak wie »Wenn Heidegger sich so sehr zum Faschismus hingezogen gefühlt hat, dass er so lange versuchte von den Braunen akzeptiert zu werden, dann stimmt auch offensichtlich mit seiner Philosophie etwas nicht.« sind also völlig grundlos. Auch mit dem Wort »Anbiederei« wäre ich vorsichtig.

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