Donnerstag, der 2. März 2006.

8.44 Uhr:
[Bach, Partiten für Violine Solo. Shlomo Minz.]

Liebe Leser,
daß ich einmal bis halb neun durchschlafe (ich schaltete den auf halb acht gestellten Wecker, als er, heute schon von sich aus rücksichtsvoll leise, anschlug), ist, wie Sie wissen, rar. Aber ich mochte ein Zeichen setzen und etwas Sanftes zwischen >>>> SAN MICHELE und die nun wieder aufzunehmende strenge Arbeitsroutine schieben. Nun sitze ich am Schreibtisch, den ersten latte macchiato neben mir und höre, während ich schreibe, Shlomo Minz’ selten-schöne Interpretation von Bachs Violin-Partiten. Er gab sie vor 24 ½ Jahren bei den Salzburger Festspielen, und damals habe ich sie aufgenommen, da war ich dreißig Jahre alt.
Ich bin etwas matt, etwas melancholisch und gestern nacht n o c h einmal über der Schubert-Collage aus SAN MICHELE eingeschlafen. Nein, ich werde heute noch nicht mit ARGO weitermachen und auch erst VERBEEN wohl morgen erst wieder aufnehmen. Statt dessen möchte ich auch dem SAN-MICHELE-Typoskript eine endgültige Form verleihen, so daß es sich als einigermaßen adäquate Partitur für das Hörstück als pdf auf die fiktionäre Website stellen läßt, von wo Sie es dann nach der >>>> Sendung am 17. März sollen herunterladen können. Im übrigen möchte ich von meiner CD heute einige Kopien herstellen, die ich mit jeweils einem Dankesbrief an die Sprecher verschicken will. Das wird einige Zeit benötigen. Am Nachmittag habe ich wieder bereits meinen Jungen.
Es wird also ein ruhiger, eher besonnener Tag. Und ganz sicher werde ich noch einzweimal die SAN-MICHELE-Aufnahme anhören. Das tue ich nach fertigen Produktionen fast immer. Diesmal ist es jedoch wie ein Abschiednehmen. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Morgen.

10.36 Uhr:
[ANH, Das Wunder von San Michele.]
Erzählte ich Ihnen bereits, daß Berlin wieder im Schnee liegt? Nein, erzählte ich n i c h t. Ich radelte also in leichtem Schneesturm gestern abend zum Deutschlandradio hinüber und radelte nachts durch den Schnee in die Arbeitswohnung zurück. Das war wunderschön.

14.51 Uhr:
Hatte eben, beim abermaligen Hören des Stücks, dort, wo zum zweiten Mal und zum ersten Mal allein, Adrian etwas sagt, einen Weinanfall. Und weinte dann immer wieder. Solch eine Mischung aus Glück und Trauer. Und beides zugleich und im selben Maß. Was hab ich da nur für ein Stück geschrieben?

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