Montag, der 6. März 2006.

4.36 Uhr:
Es geht wieder los. Ohne jedes Problem hochgekommen um Punkt halb fünf. Das Fenster im Kinderzimmer geschlossen, die Heizung dort aufgedreht, damit der Kleine es nachher warm hat; in die Arbeitsklamotten geschlüpft und in die Küche gewechselt, um Kaffee und Wasser in die Maschine zu tun. Kurz ins Bad, dann an den Küchentisch und an das Cockpit der Enterprise meines Schädels – dann das Schiff aus dem Dock in die unendlichen Weiten des Erzählraums gestartet. Berlin ist leicht verschneit.
Das DTs erst noch, danach ARGO; keine Musik heute früh, um wieder in den Ton zu finden.

NACHTRAG am 7.3.:
(Aus dem Notizbücherl. Obwohl sich später alles anders entwickelte, will ich doch das Dokumentarische nicht brechen; den Kommentar dazu finden Sie im Eintrag von morgen, das bereits, während ich abtippe, ein Heute ist.)

Silberstein. 6.3.2006, 22.05 Uhr:
Es schneit, stürmt, regnet, alles in einem. Pötzlich nur noch Schnee, und Berlin ist mattig weiß, wirkt wie allertiefster schönster Winter. Nach dem Billard bin ich für das zweite Blinddate des Tages im Silberstein verabredet – einem der Anderswelt-Orte. Ursprünglich, in THETIS, d e r Anderswelt-Ort. Leicht spöttische Begrüßung durch die Inhaberin, die den ganzen ebay-Rummel mitbekommen haben wird, also auch meine Zahlungsunfähigkeit. Noch beim Billard ein Anruf des Profis über Handy. Wir waren für die Bar verabredet, jetzt geb ich ihm einen Korb. Er reagiert leicht sauer. Ich sag: „Komm doch dazu“ – wohl wissend, daß dies den Erstkontakt zu einer Frau erschweren, wenn nicht ihn unmöglich machen wird. Aber der Freund ist der Freund. Zugleich immer wieder wunderschöne, lockende SMS’s des Blinddates. Und Eisenhauer sagt zu meinem Billardspiel: „Wenn du an Sex denkst, spielst du schlecht. Dabei spielst du sonst sehr gut,.“ Ich: „Ich bin seit drei Monaten abstinent; wenn überhaupt an andres als an die Arbeit, dann hab ich immer nur an Lakshmi gedacht.“ Er, auflachend: „Drei Monate?! Dafür wiederum spielst du prima.“ Ich: „Ich hatte absolut keine Zeit für Frauen – wie denn? Schau dir mein Arbeitspensum an!“
Während ich hier nun sitze und auf das Blinddate warte, pulst in mir der tiefe innige Impuls, Lakshmi eine SMS zu senden, in der nichts anderes steht als ICH LIEBE DICH. Aber ich trau mich nicht. Und mag zugleich nicht weiter abstinent sein. Widersprüche, Ambivalenzen. Das ganze Leben voll davon.
Obendrein ist dieses zweite Blinddate von mir gar nicht intendiert gewesen. Ich hab die Frau vor bald einem Jahr mal im Netz angeflirtet, die Sache verlief sich, ich verschwand aus den Kontaktforen. Nach dem Testosteronschub seit Donnerstag früh tauchte ich wieder drin auf – und s i e, rein ihrerseits, meldete sich. Nun werden das, wahrscheinlich, zwei erotische Eroberungen an einem Tag, doch das Herz sehnt sich ganz nach woanders hin. Damit werde ich leben müssen wie mit der kleinen Dreckschleuderei, die gerade mal wieder in der Presse abgeht, wegen ebay, aber auch wegen des Verbots dieses Kannibalenfilms, mit dem nun Billers Buch und mein Buch in Verbindung gebracht werden. Ärgerlich, nicht nur wegen der unterschiedlichen Sujets, sondern weil auch die beiden Bücher und ihre Hintergründe so grundsätzlich verschieden sind. Aber um Hintergründe und Wahrheiten geht es der Presse ganz offenbar nicht mehr, auch nicht der sogenannten seriösen; sondern um Vorurteile und Machtposition. Unkenntnis und Häme. Na egal. Denn das Wetter da draußen – es ist einfach toll. Schon dafür lohnt es.

Gearbeitet, immerhin, habe ich tags sehr gut.

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