Montag, der 13. März 2006.

7.38 Uhr:
Ich schlafe, schlafe, schlafe. Seit gestern morgen also wieder eine Phase der Antriebsschwäche. Denn immer noch hocke ich in der Kinderwohnung, habe immer noch nicht aufgeräumt, meine Sachen gepackt, bin immer noch nicht hinübergeradelt. Also kann ich auch kein ‚vernünftiges’ DTs schreiben, eines, an das es sich halten ließe. Dabei kann ich mir jetzt überhaupt kein depressives michZurückziehen leisten. Muß mich unbedingt um Verbeens Musiken kümmern, und auch ARGO d a r f nicht hängen. Deshalb schreib ich daran jetzt hier weiter, einzwei Stunden, dann räum ich Adians Zimmer auf, dann fahr ich rüber. Ich hatte eben, als ich von der Hochbettleiter stieg, den Gedanken: der in der Arbeitswohnung liegende Zahlungsbefehl vergifte mir meinen Arbeitsraum; bei allem Spott, zu dem meine Formulierungen neigen, bin ich doch letztlich überhaupt nicht ausgebufft; das gilt auch für >>>> Sources Kritik an SAN MICHELE, wovon ich gestern nacht noch schrieb: sie geht mir um und um.

13.20 Uhr:
[Arbeitswohnung. Weber, Euryanthe.]
Ziemlich aufhellend, diese Musik. Und sowieso: Dafür, daß ich heute früh von „Antriebsschwäche“ schrieb, sind 2 ½ ARGO-Seiten eigentlich kein schlechtes VormittagsErgebnis. Aber, Leser, h i e r sieht’s vielleicht aus! Völlig vermüllt und chaotisch, alles liegt durcheinander. Wird Zeit, daß ich morgen für Elisabeth PutzOrdnung schaffe.
Egal.
Direkt vor mir, auf den Handlexika, liegt dieser Zahlungsbefehl, der mich sozusagen subkutan allezeit weiterbeschäftigt. Ich denk mal, es wird wirklich das klügste sein, auf einen Privatkonkurs zuzusteuern, also erst mal den ganzen GerichtsvollzieherKram über mich ergehen zu lassen. Wichtig wird sein, daß ich – abgesehen von den Notwendigkeiten meines Sohnes – meine materialen Arbeitsgrundlagen erhalte. Dazu gehört neben der Miete ganz unbedingt der DSL-Netzanschluß. Und der sollte nicht über mein Konto finanziert werden müssen. Nachdem mir der Berater im T-Punkt erklärt hat, ich könne meinen Berliner DSL-Zugang in Bamberg nicht nutzen, sondern brauchte, wolle ich einen Zugang sowohl hier in Berlin wie dort in Bamberg verwenden, einen z w e i t e n, der auch zusätzlich zu zahlen sei, überlege ich ernsthaft, ob ich nicht der Telekom kündige und nur jeweils einen Analoganschluß unterhalte, was ja sehr viel preiswerter ist. Für DSL flat würde ich dann auf GMX wechseln, wo der Zugang hier wie dort kein Problem darstellt (als ich dem Telekom-Berater das sagte, erwiderte er in ziemlich unverschämtem Ton: „Wir sind nicht gmx“. Schon deshalb sollte man da kündigen.)
Ich werde wohl morgen meine Leser im Newsletter fragen, wer bereit sei, meinen Bamberger DSL-flat-Zugang zu finanzieren, und zwar eben so, daß ihn mir niemand abstellen kann, also weder über mein Konto noch über meinen Namen; ich brauche ja lediglich irgend ein Paßwort und eine Telefonnummer, um einen verwenden zu können. Die Abhängigkeit, die sich aus so etwas ergibt, ist unterm Strich eine sehr viel geringere als diejenige, der man über Marktmechanismen ausgesetzt ist.
Vielleicht sollte man sich insgesamt von diesen Mechanismen unabhängig machen; man wird dann eben – neben der übrigen Öffentlichkeit, die sich bei mir seit zwei Jahren vor allem übers Netz herstellt – zu einem Schreiber für einen speziellen Personenkreis; Haydn Beethoven und andere haben schließlich ebenfalls sehr oft für rein private Auftraggeber geschrieben; weshalb nicht auch ich? Diese sagen wir einmal demokratisierten Mäzene hätten dann freilich private Vorteile, indem sie etwa – rein privat – vorzugsweise an Kopien meiner Hörstücke herankommen oder sich auch schon mal das Typoskript eines vergriffenen Buches schicken lassen können.
Jedenfalls scheint mir das eine auf Dauer gangbarere Lösung meiner ökonomischen Künstlerprobleme zu sein, als die eigene Ästhetik die normalen Umschlaggesetze des Marktes befolgen zu lassen. Hingegen kommt es mir aussichtslos vor, mich an einen der DSL-Provider um das Sponsoring meines DSL-Zugangs zu wenden. Zumal es um Sponsoring ja eben nicht geht; eine firmenrelevante Gegenleistung wird weder angeboten, noch könnte sie angeboten werden, ohne das Erscheinungsbild zum Beispiel Der Dschungel empfindlich zu stören.

Ein schöner Brief Wolfgang Condrus’, der bei SAN MICHELE mitgesprochen und nun seine CD-Kopie angehört hat, ist eingetroffen. Und nun – ein Brot gegessen, dann wird der Mittagsschlaf ‚genommen’.

16.57 Uhr:
[Verbeen, Zelil.]

Gerade erreicht mich ein Brief ‚meines’ Redakteurs Thomas Zenke vom Deutschlandfunk.

…haben gestern gemeinsam im Studio Ihr „Wunder“ gehört und nach längerem Schweigen uns noch eine halbe Stunde über Ihr Stück unterhalten; wann k a n n man das schon über eine Sendung… Überrascht hat mich die Ruhe, ein nach Innen genommener Furor. Toll ist wie immer die Musik, vor allem ihr delikater Einsatz, überhaupt die ausbalancierte Komposition ( die Pausen! ) des ganzen Hörstücks. Die Schauspieler sind auch hervorragend. (….) Vielen Dank jedenfalls für das seltene Kleinod.
Ich bin momentan wahnsinnig glücklich.

23.40 Uhr:
Gerade in die Arbeitswohnung zurückgekommen. Mit dem Profi in der Bar gewesen; ein schönes Gespräch war das wieder mal, Freund zu Freund, über Kunst, über Wirkungen und auch über Vergeblichkeiten, denen es sich nur mit Spott begegnen läßt. Durch die Nacht und einen völlig zu Eis gewordenen Tiergarten heimgeradelt. Nun ein preiswerter, aber erträglicher Absacker-Whisky zur Nacht (Mc Illroy House, bei PENNY).
Den ganzen Nachmittag über – da die zwanzig Minuten Musik gemessen am Hörstück zuviel sind – am Schnitt von Verbeens ZELIL gearbeitet, dessen Aufnahme mir Walter Filz vom SWR besorgt hat; dort fand sich’s, wie Bernd Leukert vorausgesagt hat, im Archiv. Aber es könnte noch ein kleines Rechteproblem mit Nasrin Verbeen geben. Wir werden sehen. Ich meine, daß eine GEMA-Meldung reicht, Filz ist vorsichtiger. Das Ding wird sich im Notfall über Markwart schaukeln lassen.
Bin guter Dinge. Dabei bleibe es. Gute Nacht, Leser.

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