“Selbstbestimmung”. Erkenntnistheoretisches RomanModell.

Statt mit einem Joystick selbst zu steuern oder strikt einem vorgegebenen Pfad folgen zu müssen, werden sie (Besucher virtueller Räume) von interessanten Zielen g l e i c h s a m m a g i s c h angezogen – der Weg dorthin kann variieren, und wenn ein anderes Ob j e k t v o n I n t e r e s s e in Reichweite kommt, ist immer ein kleiner Abstecher drin. Realisiert hat Beckhaus das Ganze auf Basis eines Konzepts aus der theoretischen Physik, den sogenannten Potenzialfeldern. Dabei geht es darum, wie Partikel sich je nach elektrischer Ladung gegenseitig anziehen oder abstoßen. Und indem man Zielen einen hohen, Hindernissen dagegen einen negativen Anziehungswert zuweist, kann ein Datenreisender sie eben wie von Geisterhand gesteuert, aber flexibel durchschreiten (…).

>>>> TECHNOLOGY REVIEW, August 2004, S. 33. (Hervorhebungen durch Die Dschungel).

Das ist eine gute Entsprechung für die Modalitäten-Poetik. Nur daß, etwa in ANDERSWELT, an die ‚freie Bestimmung’ nicht mehr geglaubt, sondern sie ihrerseits für illusionistisch erklärt wird: Denn w e n n ein Datenreisender sich von etwas angezogen fühlt, auf das er dann sein Interesse richtet, dann ist die Lockung immer genau so groß, wie daß er ihr nachgibt. I s t dem aber so, dann erfolgt das Nachgeben aus N o t w e n d i g k e i t; es ist mithin determiniert. Läßt man überhaupt noch den Gedanken einer Selbstbestimmung gelten, so allenfalls bei der Programmiererin, deren Absicht den Datenreisenden solchen lockenden Impulsen aussetzt. Daß, was nun lockt, von Datenreisendem zu Datenreisendem je verschieden ist, hat wiederum nichts mit einer Form von Selbstbestimmung zu tun, sondern mit seinen ihrerseits notwendig-wirkenden Prägungen (das sind diejenigen Programme, die sich in ihm bereits vollziehen, wenn er den Datenraum betritt).

[Poetologie.]
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