Donnerstag, der 16. März 2006.

5.55 Uhr:
[Stockhausen, Prozession.]
Tolle Musik, dieses Stück! Ich hör mich gerade mal wieder durch den Stockhausen, weil Markwart gesagt hat, es gebe große Änlichkeiten zu Verbeens Kompositionen; das kann ich anhand der wenigen Verbeen-Musiken, die ich nun hier habe und irgendwie klug für die Sendung schneiden muß, überhaupt nicht finden; eher völlig im Gegenteil. Anders als Stockhausen arbeitet Verbeen kaum elektronisch. Um das zu demonstieren, will ich ein oder zwei geignete Stockhausen-Stücke finden: es können auch immer nur einzwei Minuten sein, die sich in ein poetisches Feature integrieren lassen, ohne daß es auseinanderfällt. Man muß also die verwendeten Musiken sehr genau kennen. (Die Schubert-Montage in SAN MICHELE war ein Sonderfall, und auch sie dauert höchstens dreivier Minuten.)
Unterdessen glaube ich, Markwart hat mit seiner Bemerkungen einen Eindruck wiedergegeben, den er bei nahezu jeder anderen Neuen Musik ebenso haben würde; er sagte selbst, er habe zur Neuen Musik keinen Zugang. Ich werde ihn drauf ansprechen. Wir haben jetzt ausgemacht, daß wir uns in Baden Baden treffen, weil ich die Reise nach Zürich nicht mehr hinbekomme. Die Produktionszeiten in der ersten Aprilwoche liegen wiederum nachts, diesmal allerdings von je 17 Uhr bis 0.30 Uhr: da hab ich am Tag ja genügend Zeit.)
Wie Sie lesen, bin ich wieder nicht um 4.30 Uhr hochgekommen; allerdings war ich, als der Wecker klingelte, bereit. Doch da war ein Traum, den ich jetzt leider vergessen habe, doch er war, d a s weiß ich noch, so schön, daß ich ihn weiterträumen wollte. Was ich tat. Um Viertel vor sechs wachte ich aus ihm auf – und habe nun einen Kater, den ich mir gar nicht erklären kann. Ich hab gestern nacht (bis zum Schlafengehen gegen halb eins saß ich an den Tönen) eine Flasche Wein getrunken und das nicht mal ganz; eigentlich bin ich das gewöhnt. Nun gut, der latte macchiato richtet’s gerade.
DTs. Dann ARGO. Mittags bin ich nach vielen Wochen wieder einmal mit – so empfinde ich das nach wie vor: – ‚meinem’ Lektor Delf Schmidt zum Essen verabredet. Ab 16 Uhr ist dann wieder der Junge da.

23.43 Uhr:
Bis eben an den VERBEEN-Schnitten gesessen; zudem kam ein Auftrag herein, über den ich mich sehr sehr freue: Über Wilhelm Musters „Pulverland“ zu schreiben. Das ist eher ein zufälliges Arbeitsergebnis, aus der Not geboren, weil mir nämlich Suhrkamp Einar Schleefs zweites Tagebuch nicht geschickt hat, das ich doch rezensieren sollte.Nun ja, Muster ist mir sehr lieb.
Und während ich hier mit meinen Tönen herumlaborierte, packte mich die Lust, Musikcollagen zu basteln, was ich dann nebenher tat. Veröffentlichen kann man das natürlich nicht, wegen der Urheberrechtssituation (Händel und Bach hätten nur ironisch gelacht), – aber es ist doch sehr dienlich, um mich in die Technik der Tonstudio-Software einzuarbeiten. Dennoch mach ich jetzt Schluß für heute und wünsche Ihnen allen eine gute Nacht.

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