Aus dem Rezensionsentwurf. Pulverland. Wilhelm Muster. (6).

….die alten Themen sind es, die „Pulverland“ bestimmen – und die Suche nach einem möglichen Ausweg, da doch der Rationalismus und schon gar nicht Pragmatisches hinreichend sind. Damit öffnet Ulrich, der sich dem Ritual noch halb spöttisch, halb sentimental ergibt, eine Tür. Sehr schnell tritt übriger Aberglaube durch sie hinein und vermischt sich mit den sowohl historisch-mythischen wie mit den magischen Themen, die den Mann ohnedies beschäftigen. Denn er trägt an zwei Romanprojekten, einem über eine neue Odyssee, die andere über „die Araber“. Wie Muster selbst ist auch sein Held, dessen Name nicht ganz von ungefähr an den Helden des Mannes ohne Eigenschaften erinnert, den wiederum Muster in seinem Roman „Die Hochzeit der Einhörner“ partiell weitererzählt hat, von der arabischen Dichtung inspiriert.
So wird denn die Personage von „Pulverland“ zunehmend phantastisch, bis der ganze, anfangs so zurückgezogen-realistische Text in ein Furioses Magisches ausbricht, worin Dämonen Bauern bekämpfen, die ihrerseits Seite an Seite mit Unsterblichen stehen, worin ein Mann zugleich ein Bär und eine unheimliche Frau eine ganz konkrete Spinne sein kann, die ihre Männer nach der Begattung verspeist. Dabei hat sie anfangs, in Form eines geradezu ländlichen Tagebuches, völlig naiv und geradezu rührend erzählt. Und schließlich löst sich eine Geisterschlacht in die sinnlich-irdische, liebestraurige Melancholie des Anfangs auf, und der Leser weiß gar nicht – genau dafür sei der Dichter bedankt -, was er eigentlich glauben soll.

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