Montag, der 20. März 2006.

4.45 Uhr:
[Stenhammar, Zweites Klavierkonzert.]
Mit völliger Leichtigkeit aus dem Bett gekommen. Der Kaffee steht schon neben mir; Küchtentisch, Kinderwohnung. Bevor ich den Jungen für Frühstück und Schule wecke, werf ich ein paar Blicke auf ARGO, schreibe vielleicht auch paar Zeilen dran. Schließlich in die Arbeitswohnung wechseln und dort – v o r VERBEEN – die Pulverland-Rezension schreiben: immer Schlegel/Benjamins eingedenk, der ‚unendlichen Nähe’, derer sich aussetzen, die erreichen können jeder muß, der mit Aussagekraft über ein Kunstwerk schreiben will.
Sogar ein DTs wag ich mal wieder.

8.10 Uhr:
[Stockhausen, Kreuzspiel.]
Arbeitswohnung.
Erstaunlich, wie leicht ich heute morgen in ARGO hineinkam; allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Erzählwendung, die mir einfiel, poetisch bereits glaubwürdig ist: möglicherweise werde ich doppelt rückbinden müssen. Jetzt warte ich darauf, daß das Teewasser kocht, dann geht’s an die Rezension. Hab noch keine AnsatzIdee, werd also etwas herumspielen. Steht der Rohtext, geht’s gleich an VERBEEN. Bin zaudrig: Soll Hamlet die junge Dame, die gestern abend nicht mehr zurückrief, abermals von sich aus anrufen – oder abwarten? Wer sagt ihm, sie nehme dieses nicht ein zweites Mal als Zurückweisung wahr? Doch kommen so immerhin große Gemälde (und Romane) zustande: durch Projektion.

13.45 Uhr:
[Stockhausen, Spiel. Nach dem Mittagsschlaf. Espressowasser sitzt auf.]
Sowas nennt man Identifikation mit der Arbeit: Habe den Schnitt einer Verbeen-Komposition mitsamt der graphischen Wellenform geträumt; denk ich nun aber zurück, so scheint’s mir eher ein Stockhausen gewesen sein. Wahnsinnig eindrucksvoll, wie tief diese Kompositionen, hört man ihnen nur lange genug zu, in einen hineindringen. – Vorher tatsächlich die Rohfassung der Muster-Pulverland-Rezension geschrieben; jetzt, zum Espresso, werd ich eine Erste Fassung herstellen, sie dann morgen früh überarbeiten und vormittags im Anschluß an die Verbeen-Zitat-Aufnahmen mit Otto Mellies im ARD-Hauptstadtstudio selber aufsprechen. Und was nun Hamlet anbelangt, so hätte ich vielleicht, bevor ich leise nölte, mal meinen Anrufbeantworter hier in der Arbeitswohnung abhören sollen.
(Arschkalt ist’s in dem Arbeitsraum; die klamme Kälte draußen breitet sich schlimmer darin aus, als es der klaren und so sehr tiefen Kälte je gelungen ist. Aber ich hab ja meine Pullover.)

Und dann wieder: VERBEEN (Schnitte, Telefonate; Übersetzungen.)

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