Credo.

Diese Gefühle h a b en. Sich ihnen stellen, sie wollen, sich einlassen und durchwalken, sich aufschäumen lassen, niedergedrückt werden, verletzt werden und selber verletzen, heulen, aufbrausen, brüllen, sich lächerlich machen, beneidet, geküßt und begehrt sein, abgelehnt sein, ja getötet werden vielleicht, aber auch von den fremden Körpern geehrt, die in deiner Leidenschaft baden: viel zu heiß, so daß die Haut im Badewasser schwitzt und rot wird, riesig die Poren, wie stundenlang durchgevögelt siehst du dann aus, da ist dann gar kein Makeup mehr oder ist bizarr zerlaufen, dein Gesicht, das Zivilisierte von Lust und verschmiertem Kajal entstellt; jeden Irrtum begehen, auch Verbrechen begehen (es gibt wahre Verbrechen): sich besaufen und auf verbotene Berge steigen, in unbekannte Höhlen steigen, sich prügeln, sich schlagen, hassen mit Inbrunst (wer das nicht kann, kann nicht lieben), ungerecht sein aus Überzeugung, gerecht sein aus Barmherzigkeit, eingesperrt werden, ausbrechen und pissen auf was man nicht tut, beim Ficken schreien, daß die Nachbarn erschrecken, und dann auf die Jagd gehen, sich dem großen Wild s t e l l e n, Fleisch essen, viel viel Fleisch essen, und möglichst roh, schlemmen und Mißbrauch mit sich treiben: ihn fordern, den Körper, unentwegt, ihn trainieren, härten die Muskulatur, bis die Arschbacken zu Kupfer werden, mit Haien schwimmen und Angst spüren, eine so irre Angst spüren, daß man wegrennen will, aber gerade deshalb mit ihnen schwimmen, wen anspucken und selber angespuckt werden, bisweilen auch suizidal sein, aber hochkommen wieder und keine Hemmungen kennen, sondern gierig sein nach den Säften, was wilde sichere Kinder zeugt, und immer wieder Blicke erjagen, überwältigt werden – erkannt. Erkennen die immer wieder Einzige. Und scheue nichts außer einem: reserviert zu leben, gesichert zu leben, die Heizung auf wohltemperiert gestellt.

Das packen dann, alles, mit Fäusten aus Sprache, und branden durch Geist, bis sie aufschreit und jauchzt und sich ergibt, sich hingibt, in die Knetung ergibt, in die Formung, wie ein Maler sich den Leib seiner Frau, denn nur sie ist es dann, auf einer Ottomane richtet und abermals richtet, hierhin den Arm und dort öffne bitte – nur wenig – die Beine, leg etwas mehr den Kopf nach links, und das Haar gieß nach rechts, nein, nicht schließen die Augen, sondern sieh mich an, sieh mich an, damit ich dich sehe – wie er jeder Falte mit den Blicken nachgeht, den Bleistift in der aderigen sinnlichen Hand führt seine Bildung, führt eine ganze Kultur, sezierend und zärtlich zugleich und immer voller Bewunderung, so demutsvoll wie überheblich. S o nur schreiben. Mein Künstlergebet.

[Poetologie.]

 

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