Arbeitsjournal. Sonnabend, der 2. Dezember 2006.

7.21 Uhr:
[Berln. Küchentisch.]
Einen Porno geträumt; von der härteren Sorte. Er ‚geschah’ auch nicht, sondern wurde seinerseits angeschaut: sinnigerweise in einem Unternehmen, bei dem ich mich wegen einer Bewerbung vorgestellt hatte, einer Werbefirma, so etwas: gestylte, sehr junge Kollegen… dieser Typos, den ich einmal „stoffwechselfrei“ genannt habe, schick, zielorientiert, jugendlich. So sah auch das Büro aus, so sahen auch die Nebenräume aus, etwa der mit dem Kopiergerät, zwei Wände reine Glasfront, sie gingen auf ein Hochhaus-Außenplateau hinaus. Hier jedenfalls warf mein angehender Chef (den man gleich duzte) in Gegenwart der jungen Telefonistin und einer ebenso jungen Bürokraft das Video in den Player; und alle schauten wir zu. Die junge Bürokraft goß sich sehr lüstern – drapierte sich – sehr lüstern auf das weiße Sofa, das ebenfalls in dem Raum stand.
Es geschah nichts sonst, wir blieben auch bekleidet, schauten nur zu. Dann klingelte der Wecker, den ich auf sieben gestellt hatte gestern nacht: war, nachdem die Familie um zehn ins Bett war, noch mit dem Profi im Odessa gewesen, hatte ihm die ersten Fahnen der >>>> Liebesgedichte mitgebracht und gezeigt; um eins war ich heimgeradelt und habe da dann noch den letzten Film der >>> Species-Serie gesehen, um die Erinnerung aufzufrischen. Einges von Niam Goldenhaar (etwa ihre Verpuppung) hab ich ja daher, und zwar >>>> deshalb. Ich will mir alle drei Filme in umgekehrter Reihenfolge anschauen, um zu merken, wo das Mythische, das ich in der Erinnerung habe, wegbröckelt und warum. Es scheint mir die Bewegung einer Verdrängung zu sein, ganz wie in der >>>> Alien-Serie. Das Traumatische, das der erste Film immer mitträgt – ob beabsichtigt, ob unbeabsichtigt -, wird sozusagen unbewußt begriffen und in den folgenden Filmen auf reine Horrorelemente verschoben. Die waren zwar bereits von Anfang an da und auch intendiert, aber sie waren von diesem Traumatischen völlig durchzogen. Weil Wahrheit daranhaftete, deckt die industrielle Produktion sie schnell wieder zu: es soll zugunsten handhabbarer Funktionalität dieses Traumatische nicht sein, das und weil es immer auch ein Verlorenes ist.
Horror-, bzw. Gruselfilme und Pornos begleiten meinen Lebensweg, seit ich vierzehn/fünfzehn gewesen bin; beiden eignet für mich diese Faszination, der ich dann immer wieder in meinen Arbeiten Ausdruck verliehen habe; vielleicht liegt hier die Verbindung zwischen dem im großen und ganzen mißlungenen Species III und dem am Morgen geträumten Porno.
Jedenfalls ging ich erst um drei Uhr schlafen und stand deshalb eben erst, um sieben, auf. Werde jetzt ein tüchtiges Stück BUENOS AIRES lesen und dann mit der Familie frühstücken, sowie den Tag mit ihr verbringen. Sie wächst und wächst.

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