Paul Reichenbachs Dienstag, der 5.Dezember 2006. Monden.

Heute kann ich kein Tagebuch schreiben, weil ich schreiben muss, was, das bleibt vorerst mein Geheimnis, so wie der Mond seines hat. Denn es ist schon merkwürdig, dass ich bei Vollmond schlecht schlafe, ich weiß, ich bin nicht der Einzige, Andere schlafen auch unruhig. Ich bin aber der Einzige, glaube ich, den das nicht stört, ja den es freut, wenn er den runden Ball im warmen Gelb leuchten sieht, ja ich weiß, manchmal ist er auch von einem kalten Weiß, wie eine Dame aus dem Stummfilm.
T i n a M o d o t t i sah ich mir heute am Morgen an, praebureau sozusagen. Ihr weißes Gesicht. Eine DVD, die ich, neben Pynchon, der zur Zeit in „meinem Film“ die Hauptrolle spielt, aus der Bibliothek in N. mitbrachte. – „Die Niedertracht der Musik“, stand noch immer nicht im Regal. >>>Sie erinnern sich, liebe Leser. Ich bleibe hartnäckig. Bibliotheken die Joseph Conrad für überflüssig halten und ANH für zu „intellektuell“, die sind real hinterm Mond. Hinternmond. Also ich sah Tina Modotti in dem Film The Tiger’s Coat, als mexikanisches Hausmädchen. Sie nimmt eine falsche Identität an und der wohlhabende, kalifornische, kleinstädtische Kaufmann MacAllister verliebt sich ins Exotische. Und der Mond über – nennen wir es – „Soho/California“, leuchtet kalt. Man kommt ins Reden, wenn man schreiben soll. Die Antwort auf die Frage, warum Vollmond mich freut, bleibe ich hier schuldig. Ich muss schreiben, schrieb ich doch eingangs schon, in der ersten Zeile. Guten Abend.

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4 Kommentare zu Paul Reichenbachs Dienstag, der 5.Dezember 2006. Monden.

  1. Grau sagt:

    Arno Schmidt liebte den vollen Mond und dessen Licht, nannte die Sonne „die blutige Küchenmagd“.

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