Leise Tragik im Dezember.

Ich habe sechzigjährige Eltern, die müssen hin und wieder versorgt werden. Und einmal im Jahr brauchen sie emotionale Zuwendung.
[Auf dem Weg zur Schule im Vorrüberradeln durch den Nieselregen zugeweht: eine junge Mutter zur anderen. Und merkt nicht, daß sie möglicherweise ihre eigene Zukunft erzählt. Wiederholungen & Muster: wie unbemerkt sie bleiben! Und wie alleine die Alten! Zudem: Welch ein Ausdruck von Entfremdung schon in den verwendeten Begriffen!]

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3 Kommentare zu Leise Tragik im Dezember.

  1. ConAlma sagt:

    Ein Satz größerer Entfremdung ist kaum vorstellbar! Gestern traf ich eine nicht mehr junge Mutter, die ihrer 30jährigen! Tochter ein Nikolausgeschenk besorgte und meinte, dass Kinder für derlei nie zu alt seien – mir scheint, dass Versorgtsein und emotionale Zuwendung eher der jungen Frau fehlt!

  2. svarupa sagt:

    Manchmal gibt es Gründe für „solch“ eine Entfremdung. Diese Aussage der jungen Mutter (also der Tochter dieser Eltern) klingt sehr traurig. Es gibt Eltern, die verweigern die Zuneigung der Kinder und die „Versorgung“ durch die Kinder in jeglicher Form, dann braucht man sich um die willentlich gewollte – weil schützende – „Ent“fremdung nicht zu wundern.

    Ich persönlich erinnere drei Weihnachtsfeste, an denen ich versuchte, meiner Mutter einen schönen „Heiligen Abend“ zu bereiten. Die ersten beiden Versuche gingen voll daneben – meine Mutter konnte es nicht annehmen, sie war so verletzend, dass ich mir schwor, so etwas nie wieder zu versuchen. Beim dritten und letzten Mal kochte ich für sie, weil sie beide Handgelenke in Gips hatte. Meine Mutter schaute in die Töpfe (Gans im Ofen, Kartoffeln, Klöße, Rot- und Rosenkohl) und sagte: „was ist denn das für ein Schweinefraß“… und das nur, weil ich die Soße nicht so machte, wie sie es für richtig hielt. Und dann gab es noch Theater, weil ich nicht das geschenkt was sie erwartet hatte und es auch noch wagte, meinem Stiefvater etwas anderes zu schenken als ihr. Jedes Jahr musste es für beide grundsätzlich das gleiche Geschenk sein. Diesen letzten gemeinsamen Weihnachtsabend zog ich durch, schluckender Weise mit einem dicken Kloß im Hals, mit blutendem Herzen und ständig die Tränen in den Augen bekämpfend. Das war das letzte und schlimmste Weihnachtsfest mit meiner Mutter. Dieses Gefühl habe ich bis heute nicht vergessen; danach feierte ich nie wieder Weihnachten mit meiner Mutter – bis heute nicht. Meine Mutter ist heute an Weihnachten mit ihrem Mann (mein Stiefvater) allein – keines ihrer 4 Kinder ist bei ihr und das kommt nicht von ungefähr. Ich weiß, dass klingt sehr traurig, ist es auch.

    Die obige Aussage kann ich aus meiner Sicht nachvollziehen, und weiß um die Traurigkeit, die aus solchen Worten zu hören ist.

    Um das Ganze jetzt noch umzukehren – jedes Jahr Weihnachten verbringe ich auf besondere Art und Weise mit meiner Tochter. Wir helfen hier bei uns am Tage in der Diakonie in der Suppenküche – das, was wir mit den Menschen erleben, die dort hinkommen, ist uns beiden Weihnachten genug – und abends kochen und essen wir gemeinsam. Und meine Tochter kann überall und nirgends so viel goldene Sternchen und Engelsstaub hinstreuen wie sie möchte (das hat sie von mir, bei meiner Mutter durfte ich das nie). Niemals möchte ich, dass es meiner Tochter mit mir so ergeht, wie mir mit meiner Mutter.

    Ich weiß, der Eintrag ist jetzt sehr emotional geworden, aber manchmal kann man hier einfach nicht anders, wenn man hier liest.

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