B.L.’s 8.12. – Kein Schnee

19.56
Kein Schnee! Alle Radionachrichten fingen heute hierzulande mit dieser Meldung an. Kein Schnee! Und nun? Millionen Wochenendler wegen des heutigen Feiertags angeschmiert. Kein Schnee! Interviewt wurden allerdings nur diejenigen, denen dadurch „Verdienst“ entgeht. Unglück über Unglück! Kein Schnee! Verwaiste Pisten. Leerlaufende Skilifts. All’s umbsunst. Ich wiederhole es: Das war die wichtigste Meldung heute. Gleich danach die Meldung, der Papst sei auf der Piazza di Spagna gewesen, wie’s die Päpste jedes Jahr an diesem Tage tun, um der Mariensäul’ ihre Ehr’ zu erweisen. Happy New World & Crispmess around the corner. Ich weiß, das kennt man ja, ist ja alle Jahre so. Gewöhnung macht denkfaul. Gut wenigstens, daß übermorgen am Sonntag dann schon mal die Supermärkte offen sind. Stiller Gedanke das, für mich, den so auch wieder Gelinkten und Verführten. Wahrscheinlich werde ich morgen wieder zwei Kästen im Superenalotto spielen: damit ich der Illusion einer Hoffnung freiwillig für kurze Zeit erliegen kann. Also eine hübsche große Wohnung mit hohen Decken in einem der besseren Stadtteile Westberlins (Wilmersdorf, Schöneberg, oder meinethalben unten in Dahlem oder Lichterfelde). Müßiggang sowieso.
Tag war. Auch. Der wie immer mit Aufstehen begann. Heute morgen mit dem versöhnlichen Anblick der Katze gegenüber im Schaukelstuhl beim Lichtanmachen. Gesellschaft. Ansonsten wie gestern mit dem, was die Arbeit betrifft. Etwas Kurzweil zwischendurch auf der persiankitty-Seite (mit www davor und vom dahinter (des Freundes Bär in Berlin (sic!) namens Karl Otto sang auch dieses Jahr wieder seinen „w w w / h t t p / w w w / h t t p-rap)). 20 Minuten mit dem Hund kurz vorm Dunkelwerden draußen auf den Feldwegen. Nun auch schon zu Abend gegessen: Strammer Max mit reichlich Ketchup (mittags eine für die nächsten Tage mich aller Überlegungen in Bezug auf „Was esse ich heute?“ enthebenden Hülsenfrüchtesuppe (zu essen mit viel Parmesan und dem ganz ganz neuen Olivenöl)).
Tja, aber wenn sich dann unsereiner über mangelnde Einkünfte beklagt? Oder die doofen Arbeiter streiken. Oder solche, die entlassen werden sollen. Die Welt ist mir ein Greuel: Gekauft und Verkauft, und das vor allem. Das geht mir alles gegen den Strich. Und ich mag’s nicht schlucken. Drauf reimt sich: Spucken. Gut! (Grund dafür gibt mir auch immer wieder die Lektüre in Wiedemanns Buch über die Goll-Affäre: Armer Celan! Aber vor allem: Armes Deutschland! Das sich seine Sprache verhunzen ließ, die drum hierzulande fast einem japanischen Befehlston gleichkommt: AAAAAA CHTUNK!)).
Ich könnte so weiterspinnen jetzt an meinem Ekelfaden. Ein Ende nähme er kaum.
Unbehagen. Das richtige Wort.

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