B.L.’s 14.12. – Handteln

20.59
Gestern habe ich mir Hanteln gekauft, eine für jede Hand (zwei mithin (so viele Hände?)) à 5 kg. Heute nacht um halb drei ungefähr machte ich meine ersten Übungen. Denn ich war wach geworden, nachdem plötzlich Barbara aus Hamburg am Telefon gewesen war. Das machte mich unruhig. Ich glaubte mich zu erinnern, daß ich auf verschiedene Mails geantwortet hatte, in denen ich mein Einverständnis für irgendwelche Übersetzungsarbeiten gegeben hatte, die in Zusammenarbeit mit anderen Kollegen hätten gemacht werden sollen. Plötzlich war diese Barbara am Telefon, und ich wußte außer ganz allgemeinen Floskeln gar nichts zu sagen. Sie selbst schien zu mir Worte zu sagen, mit denen sie selbst ein Suchen ihrerseits begleitete. Ich wurde immer unruhiger, weil ich mich partout nicht erinnern konnte, was für eine Vereinbarung das nun gewesen sein soll. Und dachte so blödes Zeug wie: „Ach, Hamburg, das ist aber nett!“ – „Da war ich schon lange nicht mehr.“ Also völlig Idiotisches. Dann wachte ich auf, machte Licht an. Es war zwei Uhr nachts. Ich versuchte, die Unruhe zu besänftigen, aber es klappte nicht. Also stand ich auf und fing an, die Hanteln zu stemmen. Dann las ich noch bis etwa drei Uhr. Endlich schlief ich wieder ein. Heute morgen dann noch einmal eine Reihe von Stemmübungen.

Das Leben brachte heute abend wieder die ersten Scharmützel, die sich dann in meinen Ärger über die Nachrichten verliefen: Irgendein Bericht über das, was der Papst gesagt habe im Zusammenhang mit Afrika, wobei das Wort „Keuschheit“ fiel. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit Aids. Ich hatte nur halb hingehört. Woraufhin ich fast wütend wurde: Also den doofen Negern nicht nur den Verzicht auf Essen und Trinken beibringen, sondern auch noch den Verzicht aufs Ficken. Ideales Feld für die Kirchenideologie des Duldens! Denn diese doofen Neger denken eh nur ans Ficken. Und überhaupt. Bei Belli findet man in den römischen Sonetten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oft dieses Thema: Die Kirche und somit die Priester als Spione des Sexuallebens der ihnen „anvertrauten“ „Schäfchen“. Und vor meinem Auge nun die Plakate in Berlin: Afrikanische Musik! Da freut sich das Herz des sich verwildern wollenden Europäers. Welche Rhythmen! Welche Körperlichkeit! Aber in Nigeria wird das Delta des Niger durch die Erdölausbeutung versaut. Und das halte ich dem nigerianischen Nobelpreisträger für Literatur (ich weiß jetzt seinen Namen nicht mehr) zugute, daß er dies zu Wort gebracht hat im Gefolge der Entführung von drei italienischen Erdöltechnikern des italienischen Erdölunternehmens Agip.
[So gar nicht eingestimmt auf die Diskussion in den Dschungeln ( /?p=10163 ), mein Eintrag. Aber ich kann mich nicht gut in die Thematik hineindenken. Auch wenn mir jetzt etwas aufblitzt. Aber Blitze sind kurz und heftig. Auch folgt kein Donner, jedenfalls jetzt nicht…]

Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.