„J e d e r Mensch ist schön!“

Das schnappt so sehr nach Luft. Das ist in seiner ansehbaren Verlorenheit derart mitleiderregend – so fehl geht der Versuch, sinnliche Schönheit vermittels einer moralischen zu überblenden, die den ‚guten Character‘ und die Spuren meint, die er in Gesichtern hinterläßt. Sinnliche (körperliche) Schönheit zeichnet gerade ihre Unbedingtheit aus, daß sie also nicht an Bedingungen geknüpft ist*), und zwar derart absolut nicht, daß die Alten von einem Göttergeschenk sprachen, um irgendwie d o c h eine ‚Erklärung‘ herbeizuzerren und irgendwie d o c h sich mit dem Phänomen moralisch einigen zu können.

(CDXXXVIII).

[*) Wohl aber ist sie‘s an Gründe. Das ist zu unterscheiden. Solche Gründe sind genetischer, bisweilen auch sozialer Natur. Zu letztrem gehört etwa das im übrigen leicht erklärbare Phänomen, daß es mehr schöne vor allem Frauen aus reichen, wenigstens begüterten als aus armen Häusern gibt. Schönheit wird vom Elend sehr schnell zerstört. Soviel zu Rilkes „Glanz von innen“.)

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