Arbeitsjournal. Donnerstag, der 26. April 2007.

7.08 Uhr:
[Küchentisch, Am Netz.]
Verschlafen, weil versumpft gestern nacht, da ich den Fehler beging, nach der Arbeit um kurz vor 24 Uhr noch die „>>>>Déja-vu“-DVD einzulegen und mir diesen spannenden, hochintelligent konstruierten und deshalb bisweilen mit einem bösen paradoxalen Witz geladenen Fast-SF-Streifen anzusehen… der mich dann so sehr fesselte, daß ich gar nicht merkte, wie sich nebenher anderthalb Flaschen Weins leerten… Dummdas.
Jetzt guck ich jedoch etwas stumpf vor mich hin. Und versuche, mich auf Stromboli zu re-konzentrieren. Will aber in die Arbeitswohnung dazu.

11.12 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
DSL liegt immer noch nicht an. Aber hatte mich sowieso am Küchentisch >>>> in die Stromboli-Dichtung festgefressen und fresse jetzt immer weiter. Aber ein Frühstücksei kocht. Ich muß dringend was essen.

Und wie immer, wenn ich über etwas möglicherweise g a n z Neuem brüte, hab ich Verlangen nach einem Porno – möglichst harten Characters übrigens — insgesamt, als suchte etwas in mir (um sich abzulenken? um sich unbwußt zu focussieren? ich weiß nicht) nach der direktesten und mächtigsten Produktionskraft, die es gibt. Jedenfalls wurde mir heute früh klar, was eigentlich ich da schreibe: die letzten Stunden eines Mannes, der auf dem Höhepunkt seiner Kraft gehen will und g e h t. Das ist tatsächlich >>>> Empedokles‘ Gedanke, nur daß ich ihn in der Neunten Bamberger längst formuliert habe (als Möglichkeit, in AMNION wird sie aber Geschehen), bevor ich überhaupt auf die Idee kam, Hölderlin beizuziehen und seinen Empedokles auch mal zu lesen… das Thema scheint vielmehr vom Vulkan selbst erzeugt zu sein.

Schmerzlich, was >>>> Reichenbach da über Vater-Sohn-Verhältnisse grad geschrieben hat und mir nicht akzptabel. Schmerzlich zudem, daß ich, was Steve Reich anbelangt, die Meinung dieses Sohnes teile. Der Satz „das verstehst Du nicht, da bist du zu alt“ ist allerdings dumm, da er in letzter Konsequenz bedeutet, daß man keinen Dichter der Vergangenheit mit Erkenntnisgewinn lesen kann, daß also egal-welcher-Grünbein egal-welchem-Hölderlin vorzuziehen sei.

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2 Kommentare zu Arbeitsjournal. Donnerstag, der 26. April 2007.

  1. montgelas sagt:

    Steve Reich, da bin ich einer Meinung mit Reichenbach, halte ich für einen wichtigen Impulsgeber der modernen Musik, ob er allerdings die Säle erobert wage ich bei den tradierten Hörgewohnheiten zu bezweifeln. Aber vielleicht geht es gar nicht darum. Grünbein und Hölderlin, da liegen Welten dazwischen. Hölderlin ist nicht zu vergleichen. Misst man aber Grünbein – ein Könner, dies meine bescheidene Meinung, an der nichtssagenden wortspielerischen, impressionistischen heutigen Lyrik, die selbstreferentiell den Zeitgeschmack bedient (Ausnahmen gibt es auch da !), dann ist er für mich allemal ihr vorzuziehen.

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